Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Seite 16 Der Jüdische, Arbeiter Nr. 14 eigen' nennen, wird das Herz des biederen, jüdischen, national gesinnten Händlers, Krämers, Wucherers, dann das der in kleinbürgerlicher Ideologie verwobenen Intelligenz hoch schlagen ob' des Glückes der „Nation" in Palästina. Und so wie im Mittelalter 'das gemeine Volk stumm war als Hintersassen der „Nation", so wird auch das jüdische Volk, nur noch von größerer Ferne, zuschauen müssen, wie sehr seine Ideale von der eigenen Scholle eitel Traum waren; es wird einsehen, daß die schönen Pläne von einem nationalen und geistigen Zentrum im eigenen Lande wohl ein Geschenk Gottes für die Reichen bedeuten, nicht aber für die Hungrigen und Darbenden. Und 'dann? Dann wird die jüdische Frage auch' diesmal gelöst werden! Denn bei der immerhin geringen Bq- 'derikapazität Palästinas muß. es das Bestreben' der gesamtenj jüdischen Nation sein, das Land zu einem jüdischen in dem Sinne zu machen, daß die größte erreichbare Zahl des jüdischen Volkes unter sozialwirtschaftlich' gesunden Verhältnissen in Palästina angesiedelt werden* könne. Wir wiederholen, daß dies nur dann zu erreichen sein wird, wenn wir ernst und entschlossen daran gehen, das Land national zu okkupieren und sozial zu 'durchdringen. Das einfachste Äuskunftsmittel ist an 'der Spitze eines jeden Kapitels angeführt und schön ganz konkret in dem Satz von Spinoza. Das werden wir mit Hilfe des jüdischen Nationalfonds als des Organisators der Verhältnisse in Palästina erreichten. Von dem jüdischen Nationalfonds muß jedoch 'die jüdische Oeffentlichkeit energisch verlangen, daß die statutarischen1 und grundlegenden Prinzipien in vollster Reinheit erhalten und durchgeführt werden. Es darf .kein Abschwenken vom Hauptgrundsatz geben, daß das Geld für Boden verwendet werden soll, Öder Gesamteigentum des jüdischen Volkes ist. Die Statuten des Jüdischen Nationalfonds sind nicht dazu 'da, um von Rabulisten anders ausgelegt zu werden, als es der Geist ihrer Satzungen, gestützt auf den Häuptgrundsätzen der Bücher der Bibel, verlangt, anders als es der Willei des V. Kongresses war, der sie formuliert hat. Eine solche Abirrung wie bei der Anleihe an Tel-Aviv soll es nicht mehr geben. Das Einfachste ist, mit dem Prinzip des Gemeineigentums am Boden das organisatorische Grundprinzip zu vereinigen: das Genossenschaftsprinzip. Darauf können wir hier nicht näher eingehen; wir wollen 'nur nochmals betonen, daß der biblische und nachbiblisch'e Schatz in voller Reinheit und bei Berücksichtigung' des Menschen- und Bodenmaterials (dem 'jüdischen Volke wiedergegeben werden muß. Denn '(und hier zitieren wir schon einen Sozialisten 'der neueren Zeit) Saint-Simon hat in jedem Wort recht, wenn er sagt: „Das Gesetz, das die Befugnis!und ''die Regierungsform bestimmt, ist nicht so wichtig, 'hat nicht so viel Einfluß auf das Glück der Völker, Iwie 'dasjenige, das die Eigentumsrechte bestimmt und ihre Ausübung regelt." A. Sabarsky (Tcl-Awiw): Das arbeitende Palästina.*) Wenn es heute, nachdem der Zionismus aus dem Stadium der Theorie herausgetreten ist, einen Maßstab' für die Frage des Gelingens oder Mißlingens der zionistischen Bewegung gibt, so kann es nur der sein: ob es der Bewegung gelungen ist, in Palästina die soziale Struktur der Einwanderer zu ändern, aus Händlern und Studenten Landwirte und Arbeiter zu machen; oder ob die Juden auch in Palästina in denjenigen sozialen Funktionen verbleiben, die sie in Europa einnahmen. Auf diese Frage gilt es eine klare Antwort zu geben', und zu diesem Zweck ist es notwendig, zunächst einige Worte über die tatsächlichen Leistungen 'der zionistischen Bewegung im Lande zu sagen (eine ausführliche. Darstellung z. B, auch der kulturellen und sanitären Leistung des Zionismus im Lande zu geben, verbietet der Raum); denn nicht die Theorie, sondern die Leistung entscheidet über den Wahrheitsgehalt einer Bewegung. Vor allem muß hier gesagt werden, daß es gänzlich irrig ist, von dreißig Jahren tatsächlicher zionisti- *) Diese*- Aufsatz bildet einen Teil einer Auseinandersetzung! mit einem antizionistischen Artikel, der in einer sozialistischen Monatsschrift veröffentlicht war. Daher der fragmentarische, stellenweise polemischei Charakter. Die Itedaktion. scher Arbeit in Palästina zu reden; denn die praktische zionistische Tätigkeit liegt, wenn man nicht einige geringfügige Versuche vor dem Kriege in Rechnung ziehen will, nicht mehr als 7 bis 8 Jahre zurück; erst mit der Schaffung der politischen Voraussetzungen durch die Uebertragung des Palästinamartdates an England durch den Völkerbund nach dem Kriege konnte eine kolonisatorische Tätigkeit in größerem Mäßstabe beginnen. Erst damals konnte der Aufbaufonds („Keren Hajessod") geschaffen werden, dem die praktische kolonisatorische Tätigkeit obliegt. Dieser Fonds brachte in den sechs Jahren seiner Tätigkeit 3 Millionen Pfund auf, während das Budget vor dem Kriege jährlich nur 800 Pfund betrug. Die Gesamteinwanderung betrug zwischen 1920—1926 102.500 Seelen, von denen 20.000 im Lande sich nicht verwurzeln konnten. Die jüdische' Bevölkerung Palästinas stellte sich' 1926 auf 160.000 Seelen. Der größte Teil der Einwanderer gehörte in ihrem Ausgangslande (zumeist Polen, Rußland, Rumänien oder Galizien) den kleinbürgerlichen Schichten (Kleinhändler, Kleinhandwerker, Schüler usw.) an; ein großer Teil war gänzlich berufslos. Der Berufsumschichtungsprozeß dieser Massen läßt sich aus der Statistik der Arbeiterschaft Palästinas, die 43.690 Seelen, d. h.