Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2fr.,14 Der iüdlsoh'e Arbeiter Seite lö mehr, die vielleicht mithin ihre jüdische Lage subjektiv lösen werden, die jüdische Frage ist damit nicht gelöst. Denn Palästina wird nicht jüdisch durch Eigentumder Juden, sondern durch jüdische Arbeit und jüdische Gemeinschaft. Nicht jüdisches Eigentum, das römisch-rechtliche, auf Gewalt oder Geld aufgebaut, sondern jüdisches Eigen tun, d. i. jüdische;Arbeit und jüdische Verwurzelung wird die Lösung der jüdischen Gemeinschaftsfrage bringen. ■ : ■ -. . 2.; „Ihr geliort. samt eurem Vermögen nicht euch selbst an, sondern enrer ganzen. Sippe, ' der vergangenen und zukünftigen, noch mehr -aber gehört die ganz© Sippe samt dem. Vermögen dem Gemeinwesen.!' Piatos' Gesetze XL Den vorstehenden Satz will die jüdische kleinbürgerliche Ideologie nicht verstehen, seinen Sinn kann sie sich nicht aneignen. Die jüdischen Kleinbürger, ihre Ideologen und Führer rennen mit blitzschneller Geschwindigkeit dem europäischen Beispiel nach und stellten auch bei der jüdischen Frage den schädlichsten Grundsatz auf: nur viel Boden in Palästina ankaufen auf jüdischen Namen; muß es auch dort jüdisches Großgrundeigentum geben, so schadet es nichts! Und doch müßten sie schon das Ergebnis des europäischen, amerikanischen Beispiels sehen; die sozialen Ursachen des Weltkrieges müßten sie eines Besseren belehrt ha* ben. Sollte der Zionismus, dessen Anhänger diese Ideologen' sind, nicht zunächst die fieberartige sozialwirtschaftliche Frage der Juden lösen können, in dem Sinne, daß er für die dort angesiedelten und weiter anzusiedelnden Menschen die Lösung und Erlösung bringt, dann ist ein solcher Zionismus gewiß nicht; einmal den Knochen eines heldenhaften Schömer wert! Palästina muß ein soziales Asyl werden; nirgends in Europa werden wir eher gerechte Zustände finden, als auf dem Urboden der sozialen Ideen. Diejenigen, die an die Verwirklichung des Reiches Gottes denken, und diejenigen, die Brot und Ehre im eigenen Lände suchen wollen, sollen sich zum Bewußtsein bringen^ daß beides nur dann möglich sein wird, wenn Palästina sozial durchdrungen wird, wenn alle Juden, die nach Palästina gehen werden, sich die Grundsätze des jüdischen Nätionalfonds zu eigen machen werden. Sie dürfen nicht daran denken, daß sie sich ■ eine; Bodenstelle wählen, kaufen und dann durch Araber bewirtschaften lassen, oder daß sie jüdische .Arbeiter auf-ihrem; „eigenen" Boden fronen lassen, auf 'daß das faule Klassenverhältnis wieder eindringe. An alle, die sich dem Zionismus angeschlossen haben und noch weiter anschließen wollen und werden/ ergeht der dringende Mahnruf: Achtet auf die Grundsätze .des jüdischen Nationalfonds, den ihr unterstützen wollt; kein Eigentum des einzelnen, aller Bo- •den gehört dem jüdischen Volke, das das Obereigentum hat! Bleibt treu den; alten Satzungen der Bibel und. den altneuen Satzungen derjenigen Institutionen des jüdischen Volkes, die das Wohl der Gesamtheit sich zum Ziele gemacht hat! : 3. ... ... . . ,, , '-/ , . „Die Felder und aller Grund und Boden, wenn möglich' auch die Häuser, sollen dem öffentlichen Kecht unterstellt sein, nämlich . 'dem, der das Staatsrecht innehat. Von ihm sind sie gegen eine jährliche Abgabe an die Bürger oder die Pächter und Landbewohner zu verpachten." Spinoza, Politischer Traktat- (6. Kap. § 12).= Man sieht, wie der biblische Kerngedanke sich weiter spinnt und wie er die größten Geister erfaßt: Spinoza, der tief aus den eigenen Schätzen des Judentums schöpfte; stellt den vorstehenden Satz als die Grundlage der Gesellschaft hin, bevor noch irgendwo der Kommunismus bekannt war. Die Scheu vor dem Kommunismus soll und darf nicht, die Einführung gesunder Agrarverhältnisse hemmen, denn die bisherige Praxis, im „heiligen Lande" beweist leider, daß privatkapitalistische Gewinnsucht, mit nationalem Schwung verbrämt, wohl nur dem privatkapitalistischen Zweck gedient hat, das nationale Interesse aber verflogen ist. Die größten palästinensischen Kolonien haben schon ihre „Fragen": die Araber-, die Arbeiter-, die Bodensteigerungsfrage! Das allerschlimmste, gefährlichste Problem bildet jedoch schon die Hintanhaltung der rapiden, ungesunden Bodenwertsteigerung. Hier ein paar Beispiele, die wir nach' Curt Nawratzki anführen: Vor etwas mehr als 20 Jahren kostete ein Terrain in Rechoboth 4000 Frcs., das. bis jetzt unbearbeitet blieb; zwei Drittel dieses Terrains wurden1 vom Eigentümer um 12.000 Frcs. verkauft, für das letzte Drittel bietet man ihm 8000 Frcs. Der Boden ist also in 20 Jahren um 500 Prozent gestiegen. In Rischon-le-Ziön kostete früher ein Dunam (ein Elfte! Hektar) sieben Frcs.; jetzt für Bauzwecke 1500 Frcs.! Nun die schlichte Frage: ob die deklassierten Existenzen Europas unter solchen Verhältnissen unterkommen können? Ob es sich mit unserem Gewissen verträgt, jüdische Arbeiter zur Auswanderung in das „jüdische" Land zu bewegen, wenn dies Land den vom Boden abgerissenen Proletarier nicht aufnehmen kann? Ob es unter den gegebenen Verhältnissen nicht gewissenlos ist, die Agitation derjenigen Ideologen des verbohrten Kleinbürgertums, die die Erwerbung von Boden in Palästina in Privateigentum unermüdlich propagieren, zu dulden? Wohl könnte der gesamte Boden in Palästina durch Private angekauft werden, auch könnten wir das Glück erreichen, im heiligen Lande eine, soundso große Anzahl von Groß- und Mittelgrundbesitzern zu haben; das Land wäre.ebenso de nomine, jüdisch, wie im Mittelalter das Germanenland deutsch war, wo die Magnaten, Barone und andere : Raubritter durch Anwendung des politischen Mittels den Boden unter sich aufgeteilt hatten, sich salben ließen von den Frommen der Kirche und sich Nationnannten. Dieses Beispiel könnte sich in Palästina wiederholen, Wenn wir dort eine größere, Anzahl jüdischer Grundbesitzer haben werden, die schöne Wein-, Orangen- und sonstige Fruc.htgärten ihr