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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-01 · Heft 14 (Dezember 1927) · page 18

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 14 (Dezember 1927)
Date
1927-12-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Nr. 14 Der jüdische; Arbeiter Seite 17- 27.5 Prozent der jüdischen Bevölkerung umfaßt, zeigen (leider liegt keine entsprechende Statistik der jüdischen Gesamtbevölkerung vor): von der Arbeiterschaft waren in Landwirtschaft, Industrie und Handwerk vor der Einwanderung 28.8 Prozent tätig, in Palästina dagegen 86 Prozent, von ihnen 25 Prozent in der Landwirtschaft. Von der jüdischen Bevölkerung sind 20 Prozent (32.000) in der Landwirtschaft tätig, gewiß noch kein ausreichender Prozentsatz, aber, verglichen mit der Berufsschichtung der Juden in Europa und Amerika doch ein gewaltiger Fortschritt. Trotz der Schwierigkeiten, die die ungünstige Berufsschichtung der Juden in der Diaspora bereitet, gelang es, im Lande über 100 landwirtschaftliche Siedlungen verschiedener Typen zu schaffen (vonder großen Wirtschäftskommune mit 200 bis 300 Mitgliedern bis zur Siedlung, die auf individueller Arbeit, aber unter Ausschaltung von Lohnarbeit und auf der Grundlage kooperativer gegenseitiger Hilfe basiert ist, sowie der Pflanzungskolonie alten Typus). In all diesen landwirtschaftlichen Siedlungen leben 32.000 Menschen. Fast alle Nachkriegssiedlungen sind auf nationalem, durch den „Jüdischen Nationalfonds" als unveräußerliches Volkseigentum erworbenem Boden gegründet worden. Der „Jüdische Nationalfonds" konnte aus kleinen und kleinsten Beiträgen breitester Schichten 2,000.000 Pfund aufbringen und über 200.000 Dunam landwirtschaftlichen sowie 1500 Dunam städtischen Bodens erwerben. Und in letzter Zeit konnte der „Nationalfonds" in Kanada eine erneute Anleihe in Höhe von 1,000.000 Dollar für neuen Bodenkauf zwecks Anlage von Pflanzungen, die sich im Lande besonders erfolgreich gezeigt haben, wie Orangen, Zitronen, Wein usw., erhalten. Der jüdische Gesamtbesitz an Boden beträgt 1,000.000 Dunam, der vollkommen mit Bargeld gekauft wurde, da die englische Regierung bisher ihre ihr im Palästinamandat auferlegte Verpflichtung, für die jüdische Ansiedlung die großen herrenlosen Bodenflächen, die ihr zur Verfügung stehen, zu übertragen, nicht erfüllt hat. Aber nicht nur in der Landwirtschaft, auch in der Stadt sehen wir in der Tatsache des Eindringens jüdischer Arbeiter in Berufe, in denen in den Ländern, der Diaspora kein Jude festen Fuß faßte, eine entsprechende Erscheinung. Das zionistische. Siedllingswerk gab der Entwicklung der Städte einen starken Anstoß, vor allem natürlich der Bautätigkeit, die einen gewaltigen Aufschwung nahm, da die jüdischen Einwanderer in den Steinhöhlen und Zelten, in denen die Araber noch heute hausen, weder wohnen konnten, noch wollten, sondern moderne Wohnungen mit allen Bequemlich-- keiten zu errichten begannen. Während weniger Jahre entstand die erste jüdische Stadt Tel-Aviv, die trotz mancher unvermeidbarer Mängel in ihrer Anlage, doch eine wirklich europäische Stadt im Orient ist, ein Ort, in dem die Anfänge neuer Kultur im weitesteh Sinne des Wortes von allen Städten des Landes am meisten fühlbar sind. Neben Tel-Aviv entstanden modern angelegte Viertel auch in andern Städten, Jerusalem, Haifa, Tiberias. Für diese große Aufbautätigkeit waren tausende von Bauarbeitern aller Berufe notwendig (desgleichen zum Chausseebau, zur Baumaterialienherstellung usw.) und nur dank ihrer hingebenden Begeisterung gelang es den Arbeitereinwanderern (Chaluzzim-Pioniere), die fast alle noch' nie in derartigen Berufen tätig gewesen waren, in so kurzer Zeit in alle diese Berufe einzudringen, angefangen vom Steinbruch, der Steinmetzerei und Marmorbearbeitung, dem Maurerhandwerk, der Bautischlerei und -Schlosserei bis zu den kompliziertesten Eisenbeton- und Installationsarbeiten. Es würde sich' verlohnen, unter den hunderttausenden Juden Wiens zu untersuchen, wie groß der Prozentsatz der Bauarbeiter unter ihnen ist. Neben dem Bauhandwerk entstand eine städtische Industrie, das große Elektrizitätsunternehmen, von Rutenb'erg (Elektrifizierung des Jordan und des Audscha) mit einem Geldkapital von 1 Million Pfund, zahlreiche Fabriken,, unter ihnen eine moderne Zementfabrik, Salzfabriken, Fabriken zur Produktion von Oel, Seifen und Streichhölzern, 15 Textilfabriken usw., Metallwerkstätten, Möbel und Bautischlereien, Schokoladen- und Zigaretten- sowie verschiedene mit der landwirtschaftlichen Produktion direkt verbundene Fabriken (Getreidemühlen, Parfüm und Spiritusfabriken usw.). In all diesen Fabriken sind fast ausschließlich jüdische Arbeiter tätig, vom ersten Facharbeiter an bis zum letzten Lastträger. , Auch' in die Regierungsarbeiteh (Eisenbahn, Post und Telegraph) drangen jüdische Arbeiter ein; desgleichen sind sie als Chaussee- und Drainagearbeiter, als Kamel- und Eseltreiber, im Kleinhändwerk, als Kanalisationsarbeiter usw. tätig. Gegen 30.000 jüdische Arbeiter sind in allen Zweigen der' Arbeit, in Dorf und Stadt beschäftigt, davon 22.000 gewerkwerkschaftlich' in der „Allgemeinen Organisation der jüdischen Arbeiter Palästinas", die dem „Internationalen Gewerkschaftsbund", Amsterdam angeschlossen ist, organisiert. Auch diese Organisation verdiente ein ausführlicheres Eingehen auf ihre Struktur und: ihre Leistung, als wie wir sie hier geben können. Diese Arbeiterschaft nun, deren Zahl innerhalb; weniger Jahre von 5000 auf über 30.000 stieg und die sich nur als Pioniere weit größerer Massen, die ins Land kommen sollen, betrachtet, sah sich vor die schwere und erhabner Aufgabe gestellt, das jüdische Palästina aufzubauen; von höchstem Interesse für die Arbeiterschaft der ganzen Welt sind, bei diesem Unternehmen ihre Versuche, besonders in der Landwirtschaft, aber auch' in der Industrie, Siedlungen" und Werkstätten von vornherein auf kooperativer

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