Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Seite. 11 tter jüdische^Arbeiter Nr.~l4 Dr. Max Rosenfeld: Aus den „Sozis i. Mosis III. Kap. 25. V. 23 f., ferner IV- Buch Kap. 26. V. 53 f. Das Gemeingut der weißen Rasse auf dem ganzen Erdboden ist der jüdische Dekalog, die zehn Gebote, 'dem wandernden Volke auf Steintafeln verkündet. Alle Welt gründet auf ihnen seine Moral und erzieht an ihnen seine Generationen. Israels Bedeutung in der Welt ist diesen Steintafeln der Sittlichkeit zu danken. Gemeinhin nennt sie die Weit jüdische Religion, und soweit Juden und Judentum irgendwo noch Achtung genießen, so doch nur als „Schöpfer" der gereinigten Religion. Indes: sind die Steintafeln Mosis, •wenn tauch an sich ein granitnes Werk, das immerhin das -verstreute Volk wie mit einem eisernen Reifen •zusammenhielt (.und noch hält, nicht das größte Werk jüdischer (Gesetzgebung. Man hat bezeichnenderweise 'den' gehaltreichsten Teil der Bücher Mosis und der Propheten vergessen und sich ihn nicht angeeignet. So :k'am es, daß die heutige Welt in ihrem Ideengehalt zwei weltverschiedene Systeme vereinigt hat: Israels Moralgesetze mit Roms Rechtsgrundsätzen, woraus, •wie jdie Geschichte blutig lehrt, kein soziales Amalgam entstehen gönnte. Wenn also die jüdische Moral nachher reformiert durch das Christentum übernommen wurde, so ist sie tatsächlich durch das römische System des Gewaltrechtes illusorisch gemacht worden, aus welchem Grunde die heutige sogenannte zivilisierte iWelt eigentlich' in der Moral weder jüdisch' noch christlich, .sondern römisch ist. Der heutige Sozialismüs sucht erst durch die Eliminierung der römischen Prinzipien des Gewaltrechtes aus dem Schacht der menschlichen .Ideen diejenigen hervorzuholen, die wir schon alle im Pentateuch und bei den Propheten finden. Setzen wir nun die grundlegenden sozialen Gebote, die berufen sind, dem jüdischen Volke und auch der Welt die Erlösung von der äußeren Sklaverei und inneren Knechtschaft zu bringen, wieder ein und zeigen ,wir der Welt, daß den wahrsten und leider verkannten Kern der Bibel die sozialen Gesetze bilden. Erheben wir die sozialen Steintafeln über den .Weg des Volkes, und wir werden noch einmal die .Welt moralisch erobern, und zwar diesmal (um eiii schönes Wort meines Freundes Kaplansky zu gebrauchen), durch die Religion des Sozialismus. Wir aber glauben, daß beide Begriffe im Grunde nicht im Widerspruch sind, denn wir können auch zur Befriedigung breiter gläubiger Schichten unseres Volkes sagen: durch den Sozialismus unserer Religion. Es kommt eben darauf an, daß der wahre Gehalt der jüdischen „Religion" zutage gefördert wird. Wohlan denn: Zunächst sollen Israels Agrargesetze wieder zur Geltung kommen beim Einzug in das jüdische Land. Tschlenows schlichtes und tiefes Wort soll sich jeder tief im Gedächtnis einprägen: mit der Bibel haben wir das Land verlassen und mit len Stefatafeln". ihr wollen wir in das Land wieder einziehen. Nur nicht den Sinn dieses Wortes durch allzu buchstäbliche Auffassung verzerren: mit den Rollen als unseren Gesetzbüchern, die unser wirtschaftliches und soziales Leben regeln, sollen wir einziehen und zunächst unsere Siedelung im eigenen Lande so einrichten, wie es in den an der Spitze dieses Kapitels angeführten Geboten Mosis heißt. Also vor allem: „Das Land soll nach Anzahl der Namen zum Erbgute ausgeteilt werden. Die zahlreichere Familie bekommt ein größeres Erbgut und die schwächere Familie ein kleineres Erbgut; jedem wird nach' Anzahl der Gemusterten ein Erbgut gegeben." (IV. B. Mosis, Kap. 26, V. 53 f.) Und dann der zweite Hauptgrundsatz: „Grundstücke sollen nicht auf ewig verkauft werden, denn das Land ist mein, ihr aber seid nur Fremdlinge auf meinem Boden. In dem ganzen Lande, das euer Eigentum ist, soll bei Grundstücken das Wiedereinlösen stattfinden." (III. B., Kap. 25, V. 23 f.) Zu diesen Hauptgrundsätzen sollen sich' zunächst die sich „erkorenes Volk" nennenden Juden wieder bekennen, sie sollen einfach1 den religiösen Satzungen der „heiligen Schrift" treu bleiben. Diejenigen aber, die nur das Volk, das einfache Volk, nicht das von Gott erkorene, erziehen, erlösen, retten wollen, sollen die Erziehung, die Erlösung, die Errettung des landlosen Volkes auf die soziale Weise tun, daß nämlich' das ganze einziehende Volk eine Scholle des eigenen Bodens erhalte. Und schon dadurch, daß es nicht Religion will, sondern soziale Gerechtigkeit, wird sich wiederum Religion und Sozialismus verwirklichen. Der Zionismus wird aus dem Grunde seiner Verwirklichung entgegengehen und die Lösung bringen, weil die- Schöpfer des modernen Zionismus in divinatorischer Intuition an die uralten Traditionen und Gebote des alten Israel ungeknüpft und seiner glücklichsten, unvergänglichsten Institution, dem Jüdischen Nationalfonds, an die Spitze seiner Grundsätze die Fundamentalsätze der sozialen Steintafeln gesetzt haben: Der palästinensische Boden — Eigentum des gesamten Volkes. Damit ist der Durchbruch gemacht worden von der kapitalistischen, imperialistischen, auf Ausbeutung, Unrecht, Versklavung und Entsittlichung ausgehenden Länder des Golus in die Welt der politischen Freiheit und sozialen Gerechtigkeit, Denn es gibt keine Freiheit im politischen Sinn, wenn man sozial gebunden ist — diese Weisheit haben sich schon die-Massen'errungen. So kann der Fundamentalsatz der jüdischen sozialen Steintafeln: Gemeineigentum am Boden, der Hauptsatz der Satzungen des jüdischen Nationalfonds, als das erste soziale Gebot bezeichnet werden. Denn wenn auch hunderttausend Juden in Palästina Boden kaufen werden und in ihr Eigentum nehmen, so hat das jüdische Land zwar hunderttausend Menschen