Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 Per' jüdisobJe, Arbeiter Nr. 14 zu belassen. Ich will noch erwähnen1,-daß in der (unvollständigen und der kritischen Sichtung bedürftigen) Liste der Trierer Rabbiner und Gelehrten in der Jewish Encyclopedia s. v. Treves. zwei Personen unter den letzten Rabbinern mit den Namen Moses, Lwow und Moses b. Josua Hesehel. aufgezählt werden. Es ist kein Zweifel, daß die beiden Namen sich auf eine und dieselbe Person beziehen. Der Verfasser hat die beiden-Namen zwei verschiedenen1 Quellen entlehnt, von denen, die eine den Familiennamen, die. zweite — sicherlich eine lokale -— den Vaternamen enthielt. Der Hinweis daselbst auf Friedberg, Luchot Sikaron, S. 78, zeigt, wie sorglos die Angaben übernommen wurden. Moses Lwow bei Friedberg ist wirklich' unser Moses Lwow, aber der Hinweis .Friedbergs auf Dembitzer ist unrichtig, denn D. handelt in der betreffenden Stelle von Moses b. Ahron Lwow, der, wie bereits erwähnt, als mährischer Landrabbiner verstorben ist. Wie dem auch' sei, die Angabe, daß es in Trier einen Rabbiner namens Moses b. Josua Hesehel gegeben hat, ist richtig. Er ist jedoch mit Moses Lwow .identisch'. Angesichts dieser Sachlage scheint es mir überflüssig zu sein, noch auf den fraglichen Namen „Hesehel", der nach meiner Vermutung statt „Herschel" (vgl. S. III) zu lesen wäre, zurückzukommen. Der Name des Urenkels würde allerdings für die UrgroßiVaterschaft Josua Heschels Zeugnis ablegen. Es ist auch nicht notwendig, daran zu erinnern, daß der Herausgeber des oben erwähnten in Fürth gedruckten Buches, Mordechai Model, der um die Approbation' nachgesucht hatte, in Schwabach, dem Rabbinatssitze Josua Hesehel Lwows, seinen Wohnsitz hatte. Es gehört jedenfalls zu den Seltenheiten, daß in Fürth gedruckte Bücher Approbationen vom Trierer Rabbinate tragen. Ebensowenig wie Moses Lwow, erwähnt Josua Hesehel Lwow seinen Vater in den zahlreichen Approbationen aus seiner Hand. Nicht einmal den Herkunftsnamen Lwow, der bereits zueinem festen Fa-, miliennamen sich' entwickelt hatte, fügte er gewöhnlich' seinem Vornamen bei. Aber diesmal sind wir des schwierigem Geschäftes enthoben, den Vaternamen erschließen zu müssen. In der bei Löwenstein, Nathanael Weil, S. 66 n. 3, aus dem Schwabacher Memorbuche geschöpften Notiz über seinen Sonntag, den 13. Januar 1771 erfolgten Tod wird Josua Hesehel Lwow als Sohn des Gelehrten Ahron Moses Jecheskel aus Lemberg bezeichnet. Ahron Moses Jecheskel ist aber der am 26. November 1712 in Trier verstorbene Rabbiner Ahron Lwow (mit seinem vollen Namen Ahron Moses Jecheskel), der Sohn des Moses aus Lemberg (Lwow). Ebenso ist dies aus einem Elsaßer Totenbuch zu ersehen; vgl. Revue des etudes juives 40, S. 242. Josua Hesehel Lwow war ein bedeutender Gelehrter. Sein Responsenwerk „Pene Lebana") das er in seinem in der RGA-Sammlung „Or ha-Jaschar" Bl. 71 gedruckten Gutachten erwähnt und das. auch' Josef. Steinhardt. ..pb"WO Bl.. 51) kannte,, ist ungedruckt geblieben. Ob es noch"handschriftlich vorhanden ist, weiß ich' nicht. In den Handschriften- Katalogen der bedeutendsten europäischen Sammlungen habe ich1 es vergeblich gesucht2). Aus dem erwähnten in "WT! Ii« erhalten gebliebenen, von Mittwoch abends, 29. Tischri 528 — 21. Oktober 1-767 datierten Gutachten erfahren wir, daß er damals imungefähren. Alter von 75 Jahren stand. Seine Geburt fällt demnach' in das Jahr 1692. Daraus geht hervor, daß er ein' Sohn Ahron Lwows aus erster Ehe (vgl. dazu Wachstein, Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, II, S. 346—347) ist. Beim Tode des Vaters zählte er im ganzen zwanzig" Jahre und konnte naturgemäß dem Vater nicht sofort im Trierer Rabbinate folgen. Um diese Zeit war er Rabbinatsassessor in Metz (vgl. Or ha-Jaschar 1. c), wo der Vater seiner Frau Merle, Isak Ahron Worms, Rabbiner war (Löwenstein, Gesch. d. Juden in der Kurpfalz S. 99). Das Rabbinat in Trier dürfte er 1722 angetreten haben. Daß er 1737 dort war, ersehen wir aus seiner Bemerkung (Or ha-Jaschar 1. c.) über eine von ihm während seiner Trierer Wirksamkeit vor mehr als 30 Jahren geführte Korrespondenz. Von 1749 bis zu seinem Tode war Josua Hesehel Lwow Landrabbiner des Ansbachschen Kreises in Schwabach1. Vgl. Haenle, Gesch. d. Juden in Ansbach, S. 124. Ahron Lwow, der Vater Josua Heschels, war seit etwa 1692 Rabbiner im Elsassischen. Ueber seine Persönlichkeit, sonstige Deszendenz sowie über seine 1700 erfolgte zweite Verehelichung, die ihn mit einem der hervorragendsten Gelehrten der Zeit, mit Gabriel Eskeles, in verwandtschaftliche Berührung brachte, •vgl. das Nötige Wachstein 1. c. und Grabschr. d. alt. Judenfriedhofes in. Eisenstadt, S. 122, n. 4. Der ihm im Memorbuche gewidmete Nekrolog sagt ihm nach, daß „er von Jugend auf sich der Lehre Gottes gewidmet, viele Schüler ausgebildet, ein offenes Haus geführt, die Interessen armer Gelehrter geschützt, den Frieden geliebt, den Mächtigen und Einflußreichen nicht geschmeichelt und die ihm in den letzten neun. Monaten seines Lebens auferlegten Leiden mit frommem Sinn (in Liebe) getragen hat". Von Moses aus Lemberg, dem Vater Ahrons, wissen wir nichts. Aus dem Titel, der ihm beigelegt wird, können wir nur ergehen, daß er dem Gelehrtenstande angehörte. Mit dem Herkunftsnamen Lwow, den die Deszendenz führt, können wir naturgemäß in Lemberg selbst nichts ausrichten. Wir haben die Abstammung von Karl Marx bis zum Stammvater der Lwow ins 17. Jahrhundert hinein mit methematischer Gewißheit verfolgen können. Nun wollen wir sehen, ob wir nicht Spuren finden, die es uns ermöglichen, einen Weg noch weiter hinauf zu bahnen. In dem in dieser Studie oft erwähnten Gutachten zitiert Josua Hesehel Lwow Bl. 72b, 73b und 75b den Krakauer Gelehrten Josef b. Gerson 3) (Vglc°d. Merzbaoh'er 113, ein anderes Uxemplai: in Frankfurter .Privatbesitz.) Fr.