Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 14 (Dezember 1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nr. U Der jüdische Arbeiter Seite 9 rieht. III. Louise, Frau des Kaufmannes Karl Juta in Kapstadt. IV. Karl Marx, Doktor der Philosophie in London. Der Anwalt Dr. S. Fuld, der die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller abwickelte, hatte keine Einwendungen gegen den Bescheid der Behörde erhoben, war jedoch bemüht, die Erben zur Erfüllung des Willens der Verstorbenen zu bestimmen, was ihm auch in vollem Maße gelang.1) Vielleicht diesem Umstände i) Icli halte es nicht für überflüssig* liier einen Brief mitzuteilen, den Emilie Oonradi, die Schwester von Karl Marx, an ihr© Tante, Frau Babetta Blum, in dieser Angelegenheit richtete, der uns auch einen Blick in die Beziehungen der Familie gewährt. Barbara den' 9. Nov. Meine liebe, gute Taute! Obgleich die Vollmacht von unserer guten Sophie noch nicht eingetroffen ist (auf die Conradi warten wollte), und Karl sie wohl selbst übersendet, so ha.be ich doch' länger keine Geduld und wird dieselbe folgen1, sobald wir sie erhalten; es beunruhigt mich zu sehr Dich, liebes Täntchen so in Aufregung zu wissen; ich kann mir Deine betrübte Lage nur zu gut denken, ich1 habe ähnliche Fälle nur zu oft durchgemacht; wo wir das Liebste, Theuerste verloren, da treibt's uns fort, alles ruft nur Schmerz, nur Sehnsucht wach, undi so lieb und teuer die Erinnerung auch ist, die Stätte ist öde, trostlos. — So wie ich1 Uich! habe kenniengelenit, liebe Tante, .hast Du einen lebhaften, nistigen Geist, neue Umgebung und Verhältnisse . werden Dir sehr wohltun und (Dich) aufrichten, umgeben von denen, die Dir auch' lieb und wert sind, wirst Du wieder Freude und Interesse dem Leben abgewinnen und die schmerzlichen Erinnerungen, die so ein langes Krankenlager mit sich1 führt, sie werden Dir in gemildertem Lichte erscheinen! Es bleibt auch später dem Herzen ein Trost zu wissen, daß die Geliebten', Teuern nun ausruhen' Aron des Lebens Plagen. Denn welch' Leben ist so schön, daß man, es wieder leben möchte? Wenn ich1 mein lieblich Kindchen auf dem Sc'hoss habe und in Sehnsucht denke, wenn' mein geliebt, herzlich' Mütterchen es sähe und ihr freundlich, gütig Antlitz, auf ihm ruhte, dann ist's mir immer, als wenn eine innei'e Stimme riefe: Gönne dem Engel die Ruhe, sie hat so viel gesorgt, gebangt und gelitten um ihre Kinder und sollte wieder mitsorgen, denn lieb Tantchen so viel Erfreuliches so ein klein Engelchen mit sich führt, nur der Gedanko es1 zu verlieren kann uns alle Freude vergessen machen; Gottvertrauen muß uns überall halten, und die Zuversicht, daß diese Welt sich an eine höhere vollkommenere anschließt; so war mein geliebt Mütterchen eiai Weltweiser in des Lebens Genuß und ein Engel im Entbehren und im Verlieren. Ganz besonders, geliebte Tante, freue ich mich, wenn Du bei unsi bist, daß Du mir alles erzählst von des geliebten Vaters Jugendzeit, wie Dubeide Eltern' im Jugendglanze - gekannt hast und von allem was Deinem Herzen besonders nahe stand! Ein nettes, liebes Kind von unserer"Cousine Sara überbrachte Deinen Brief, teilte uns mit, dass Deine Wohnung' schon ganz eingerichtet sei. In diesen Tagen werd' ich sie besuchen um Näheres über mein Tantchen zu hören und ich bin sehr neugierig die Cousine kennen zu lernen und ob mein Herz sich' zu Ihr hingezogen! fühlt. Hoffentlich sind die Gescliäfte in Frankfurt bald beendet, und nach vielen trüben Tagen möge Dir noch' ein helles1 Abend- Sternchen leuchten. Mögest Du dich auch in unserem kleinen Familienkreis froh und einheimisch fühlen und der liebe Gott mein klein Engelcheu bewahren zu unserer aller Freude! Wenn es Dianicht zu viel Mühe " macht, meine liebe gute Tante, dann schreibe mir recht bald wie es Dir geht und wann Du kommst. Unsere Adresse ist St. Barbara, Trier, Herr Coniiadi, Wasserbaubeamter. Oonradi lässt vielmal grüssen und ioh! küsse Dich in Gedanken und bleibe Deine Emilie. ist es zuzuschreiben, daß von einem anderen Bruder, dessen Namen ich in einer Information fand, weiter keine Rede ist. Es ist allerdings auch' möglich', daß dieser damals bereits, ohne Kinder zu hinterlassen1, verstorben war. In der betreffenden Information führt dieser Bruder den Namen Cerf Marx. Er soll 1787 geboren, in Saarlois, später in Aachen gelebt haben. Bei dem Namen Cerf wird in Klammer der jüdische Namen Hirsch' beigefügt, ebenso wie bei dem Namen Heinrich der jüd. Namen Hirschel. Da zwei lebende Brüder denselben Namen nicht zu führen pflegen, so dürfte der Name von' Heinrich nicht Hirschel, Herschel, sondern Hescliel gelautet haben, worauf noch' zurückzukommen sein wird. Als Eltern' der hier aufgezählten vollbürtigen Geschwister der Erblasserin werden Marx Levi, später Marx und Eva, geb. Moses oder Levouf namhaft gemacht. Der Name Levouf ist in den Akten mit einem Fragezeichen versehen. Mein verehrter Freund Dr. Pappenheim erkannte jedoch mit Recht in diesem Moses Levouf einen Nachkommen des Trierer Rabbiners Ah'ron Lwow, dessen Deszendenz ich im zweiten Bande meines Wiener Inschriftenwerkes behandelt habe. In der Tat wird man nicht fehlgehen, in dem Vater der Rabbinersfrau Eva Marx, geb. Moses oder Levouf den Trierer Rabbiner Moses Lwow zu sehen. Von' seiner Hand sind mir zwei Approbationen bekannt, die eine auf das in Fürth 1776 gedruckte Buch' HTMOH wfcpBDN d. d. Trier, 2. Cheschwan 528 25. Oktober 1767, die zweite auf das in Metz-gedruckte Buch -\ny nnon d. d. Trier 29. Elul 536 13. September 1776. Er wird, wie die anderen Approbanten', 'die zu den ersten Gelehrten der Zeit zählten, mit dem Epitheton „ha-Gaon" bezeichnet. Moses Lwow ist als unmittelbarer Nachfolger des Isak Sinzheim, 'des Vaters David Sinzheims, des Präsidenten des von Napoleon eingesetzten Synhedrions und Schwagers, des hervorragenden Vorkämpfers für die Emanzipation der Juden in Frankreich', Cerf Berr, anzusehen. Wessen Sohn war nun Moses Lwow? Bedauerlicherweise fehlt in der Unterschrift auf beiden Approbationen die sonst übliche Nennung des Vaternamens. Bei einer Sichtung des von mir im genannten.' Werke behandelten^ Materials kommt man zunächst zur Ueberzeugung, daß er dem österreichischen Zweige der Lwow nicht angehören kann. Von den zwei des Namens Moses daselbst starb der eine als mährischer Landrabbiner 1757, der andere als Privatmann 1823 in Preßburg. Hält man dagegen in Trier selbst Umschau, so finden wir als Vorgänger Isak Sinzheims auf dem Rabbinatssitze den spätem Ansbacher Landrabbiner Josua Heschel Lwow. Es liegt nun der Ge^ danke nahe, unsern Moses Lwow als Sohn des frühern Trierer Rabbiners Josua Heschel Lwow um so mehr anzusprechen, als die Erblichkeit solcher Stellen allgemein üblich' war. Die Gemeinden hatten es geradezu als ihre Pflicht angesehen, den Sohn, sofern er die nötigen Kenntnisse besaß, im Amte des Vaters