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Der Jüdische Arbeiter · 1927-12-09 · Heft 13 (9.12.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 13 (9.12.1927)
Date
1927-12-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Mivii 'Der; jfidkdie Jltetter Seite 3 nähme am sozialen! und kulturellen Leben *der Gemeinschaft sichern, wie dies unser Programm verheißt*. Den religiösen! Juden einen lebendigen Kultus, den nichtreligiösen neben voller Freiheit der Weltanschauung ein tätiges Leben in der jüdischen Gemeinschaft sichernd, ist unser Programm, die Synthese, die der denkende Sozialismus überall geschaffen hat. Groß ist-die Verwirrung da- Begriffe, die bisher eingetreten ist. In die Auffassung der Vorgänge um die Austrittsbewegung hat sich eine Laxheit eingeschlichen, die nicht geduldet werden darf. Die Schädiger unserer Gemeinschaft, die Austretenden, muß vereinigte gesellschaftliche Abwehr zum Bewußtsein ihres Verbrechens' an der Gemeinschaft bringen. Die Besinnung muß in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Einzug halten. Der Volksgedanke muß triumphieren, für gedankliche Halbheiten darf kein Platz sein. Die jüdische Bevölkerung muß aufgeklart werden, die Austrittsbewegung muß durch organisches Zusammenwirken aller Teile des jüdischen Volkes überwunden werden. Die jüdischen Sozialisten als 'Träger des jüdischen Volksgedankens müssen voranschreitent Dr. Rudolf Glanz. % Aus der Weltbewegung. % Unsere Genossen von Amerika an die zionistische Oeffentlichkeit. „Der jüdisch© Arbeiter" (New-York) vom 11. November veröffentlicht einen Aufruf der amerikanischen. Poale Zion unter der Ueberschrift: Erklärung', Warnung und Aufruf, dem wir folgendes entnehmen: Die Krise, vor der. die Arbeiteilührer seit langem gewarnt hatten, hat zwei Ursachen: Erstens die Handlungen der Mandatarmacht gegenüber die jüdischen Aufbauarbeit und zweitens* die Schwäche der Leitung der zionistischen Bewegung. (Land-Abtrennung, Steuern, Anschluß des jüdischen Arbeiters bei den Regierungsarbeiten usw.) iTj Anstatt nun diese Tatsachen einzusehen, haben die Führer des amerikanischen Zionismus, um ihre eigene) Schuld an 'der so geschaffenen Lage zu verdecken^ einen Kampf gegen die Arbeiter in Erez Israel begonnen. Auf den Landeskonferenzen hat mala den „einzig Schuldigen" gefunden, den organisierten Arbeiter in Erez Israel. Die) „Herrschaft der Arbeiter" wurde zu der Phrase, hinter der sich alles verbarg, was nicht genug Verstand und Fähigkeit hatte, den Tataachen ins Auge zu schauen. . ' Diese „Herrschaft der Arbeiter" wurde auch als die Ursache des Mangels von efficiency hingestellt, wobei man sich nur mit Phrasen begnügte, ohne auij Tatsachen hinweisen zu können. Eine AusnahJme davon machte man mit dem Solelboneh'. Um die Zion Commonwealth' und das Ansehen des amerikanischen Zionismus und der privaten Initiative zu retten, fand man. Hunderttausende von Dollars aus den Geldern des Keren Hajessod; um Solelboneh' zu retten, konnte man keine 5000 Pfund Sterling aufbringen. In dem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit kam man nach Atlantic City und1 proklamierte die Losungen von Einschränkung der Arbeit, Verringerung des" Budgets, Aufgabe der Flügel-Exekutive und damit der Schwungkraft der gesamten zionistischen Schaffenskraft. Auf dem 15. Kongreß hat man das Märchen erfunden, daß die 100.000 Beisteuernden zum United Palestine Appeal kein Geld mehr geben würden, wenn man den neuen amerikanischen Kurs nicht befolgen würde. Auf Grund dieser Legende hat die amerikanische Delegation das ihrige getan und auch Weiztnann hat sich dieser Richtung gebeugt. Es wurde eine Exekutive gewählt ohne Vertreter des aktivsten Teiles der zionistischen Oi^aarisation. Nach Amerika kehrten die Delegierten mit gestärktem monopolistischem Appetit zurück, der in Cleveland, darin zum Ausdruck kam, daß dort 40 Mitglieder der Leitung des United Palestine Appeal gewählt wurden, alle aus der gleichen Richtung, als ob im zionistischen Lager keine anderen1 Fraktionen .vorhanden wären. Dies wurde damit begründet, * daß ja die Arbeiter ihren eigenen Gewerkschaftskampaign machten. Wir erklären, daß wir es nicht dulden werden, daß die allgemeinen. Zionisten die einzigen Leiter der zentralen Fonds werden. Es ist unter unserer Würde, der Oeffentlichkeit zu erzählen, auf welche Weise man innerhalb der allgemeinen Zionistenkreise den Versuch aufnahm, die Pflicht unserer Anteilnahme am United Palestine Appeal zum Ausdruck zu bringen. ' i Wir werden keinem erlauben, unser Recht zu usurpieren. In die zionistische Arbeit in Amerika muß ein neuer Schwung hineingetragen werden. Wir behaupten, daß die jetzigen Leiter des amerikanischen Zionismus dazu nicht imstande sind. Die Erneuerung! dieser Arbeit ist eng verbunden mit dem. jüdischen Arbeiter in Erez Israel. Wir fordern daher, den Kampf gegen deu jüdischen Arbeiter in Erez Israel einzustellen, den Versuch, Selbstherrscher über die zentralen zionistischen Fonds zui werden, aufzugeben. Wir fordern zur Durchführung einer besonderen' Aktion zwecks Aufbringung einer Million Dollar außer dem angenommenen Budget auf, um die Liquidierung der Arbeitslosigkeit in Erez Israel durchzuführen. Wir erklären, daß wir keinem Konflikt im def zft*. nistisohen Arbeit wünschen, doch daß wir, wentr die schädlichen Tendenzen innerhalb des amerikoirischöM Zionismus andauern werden, den Kampf aufnehmen werdena. Unsfef Kampf wird sich richten: gegen das. Monopol! der Herrschaft ftber die zentralen zionistischen Fonds, gegen die Verwandlung des Zionismus in eine neue Philanthropie un<J in eine neue Art von Ehrenstetten für einzelne AttScrwählte. Aus den Beschlüssen der Konferenz der amerikanischen Poale Zion* Zur politischen' Tätigkeit. Die sechzehnte Konferenz der Partei Poale Zvoö. in Amerika bringt wiederholt die positive Stellung der Partei zur Gründimg einer Labor Party in Amerika nach! dem Muster der englischen Labour Party zum Ausdrucke, Die Konferenz beauftragt die neu zu wählende Lei taug,- alle Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Bildung dßi* Labour Party zu beschleunigen. Die' Konferenz beschließt gleichzeitig, daß unsere Partei in die zu gründende Labottr Party als selbständige jüdische Föderation beitreten und hiobei die besonderen nationalen Federungen, die unsere Partei auf politischem Gebiete in Amerika anstrebt, klarlegen soll. aBis zur Gründung einer Labour Party sollen sich! die Parteileitung, oder die Lokalorganisationen mit der sozialistischen Partei verständigen, um zu erreichen, daß in? Bezirken, in denen kompakte jüdische Massen' siedeln, entweder Kandidaten der Poale Zion auf die Liste der Soaiar listischen Partei aufgenommen werden sollen, oder diel sozialistische Partei ihre Kandidaten verpflichten: soll, für unsere Forderungen einzutreten. / Ueber die Kult\irtätigkeit. Die XVI. Konferenz der Poale Zion, die vom 14. bis; 18. Oktober in Chikago tagte, ruft alle ihre Anhänger und1 alliierte Organisationen zui einer neuerlichen energischen; Tätigkeit auf dem Gebiete einer neuen national' progressiven! jüdischen Erziehung auf. Die Konferenz erklärt, daß diese Erziehung, die; auf breiter nationaler Grundlage, auf das tiefe 'Bewußtseim den* jüdischen Wirklichkeit undi auf den Grundsätzen der höchsten sozialen Moral aufgebaut ist, von allen nationajgesinnteü, progressiven Teilen des Volkes überWommen! werden soll. Die Konferenz erklärt ferner, daß die Erziehulogl vertieft und ausgestaltet werden muß, um sie für die ihir zu- , gedachte Rolle vorzubereiten. Di© Vertiefung muß ' nach1 der Richtung der Erweiterung der jüdischen Ketantnisset, und zwar des Hebräischen und der hebiäischen Literatur,- des Jiddischen und der jiddischen Literatur, der jüdischßta Bei uns handelt es sich um nationales Kapital des gesamten Volkes undi wer in Basel rebellierte, war nicht der Kapitellist, sondern die Maschine, die Administration. Aua diesem Grunde ist das, was in europäischen Ländern im Rahmen des geltenden sozialen, Systems geschieht, mit uns nicht zu vergleichen. Bei uns ist es Nachahmung, Caprice, Fälschung. i Zwei Gründe verursachen die Ueberhebung der Gold- Maschine über die zionistische Bewegung: Erstens die geistige Verarmung der zionistischen Bewegung im Galuth lund das Wissen um diese geistige Verarmung. Amerika wüßt» nur zu gut, daß bei der Armiit der Bewegung kein« ernsten Widerstände zu befürchten waren für eine „Reorganisierung der Leitung", mit welchem Begriff auch das Linke Zentrum unter der Parole einer „Leitung von Sachverständigen" lange gespielt hatte, vielleicht ohne selber zw wissen, daß der „Fachmann" für Kolonisation Herr Sacher sein würde. Die gesamte zionistische Presse, die nur die Opposition der> Radikalen und Revisionistein als Gefahr sah) oder die Arbeiterschaft angriff und ihr ein sogenanntes „Konsolidierangs-Programm" predigte, wagte es seit Jahren nicht, dieser Gefahr ina Auge zu sehen und! darüber offen zu sprechen: Der Gefahr der Ueberhebung der Geldmaschine über die Bewegung, Niemand wagte es, mit Amerika über seine schwachen Seiten offen zu sprechen: Ueber das Fehlen eixcer wirklichen Bewegung, das Fehlen jeder zionistischen Erziehungs-Tätigkeit usw. Die Aufsätze im „Haarez" gegen Herrn Morrison und seine Angriffe auf den Keren Kajemeth waren beinahe eine Heldentat. Ueber die .Gefahren des amerikanischen Zionismus, die sich in der Konferenz! von Atlantic City zeigten, schwieg fast die ganze zionistische Presse. Die Quellen dieser Beziehung zu Amerika sind sehr menschliche: Bewußt oder unbewußt" herrscht innerhalb der zionistischen Organisation die Anschauung, daß diejenigen, die der Bewegung nur sich1 selber darbringen, nicht von so großer Bedeutung sind; „solche" wird der Zionismus noch immer finden. Diese darf man darum ein wenig geringschätzen; ihnen, darf man versprechen und es nicht halten; sie darf man monatelang'ohne Arbeit lassen. Doch! die Kraft des Geldes darf man} nie geringschätzen; Denn das Geld ist alles. Dies ist der herrschende Geist im Zionismus. Vergebens versuchen Menschen wie Ruppin zu predigen: „Glaubet nicht, daß derjenige, der das Geld gibt, auch! die Ideenl gibt und! auch' der Hausherr ist." Der Kongreß m Basel* hatte taube Ohren für solche Wjorte, IV. Das Konsolidieriings-Budget. Die Ziffern des seitens des i5. Kongresses' angenomme- (aen Budgets sind geeignet, die Zweifel und Sorgen zu vermehren, die der Kongreß in Uns geweckt hat. Das Budget ist im ganzen um 150.000 Pfund kleiner als dasjenige des Vorjahres (nach Abzug der 120.000 Pfund für Schulden) und dementsprechend änderte sich die Verteilung dieses Budgets auf die, verschiedenen Posten. Diese Operation berührte jedoch nur diejenigen Posten, von denen der Jischuw einige Erleichterung der Lage und' der-Arbeitslosigkeit erwartet hatte. Die Kürzung berührte nicht etwa die Administration oder die Ausgaben der Verwaltung des Keren Hajessod, nur wenig die Ausgaben der „Hadassa", dagegen sehr einschneidend die Kolonisation (106.000 Pfund statt 140.000 Pfund), das Arbeits-Budget (65.000 Pfund anstatt 135.000 Pfund). Vom Kolonisations-Budget sind 80.000 Pfund bereits ausgegeben, von den übrigbleibenden! 26.000 Pfund sind 14.000 Pfundi für Administration, Ausbildung usw., so daß für die „Konsolidierung", über die so viel Tinte vergossen1 wurde und die das Losungswort der nouen Leitung bildet, ganze 12.000 Pfund! übrigbleiben. Herr Zuchowizki, der Vorsitzende des Kolonisations-Ausschuases, machte diese Rechnung vor dem Kongreß, ohne daß seine Worte irgendwelche Wirkung ausgeübt hätten. Von den 65.000 Pfund des Arbeits-Budgets sind 20.000 Pfund bereits ausgegeben; die weiter darin enthaltenen 20.000 Pfund SolelbondhJ bedeuten ebenfalls nur eine Bestätigung bereits gewährter und ausgegebener Beträge und von' ihnen ist keine Erleichterung der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten; das Budget für Handel und Industrie, von dem ebenfalls produktive erleichternde Tätigkeit zu erwarten war, wurde von 18.000 Pfund auf 4000 Pfund gekürzt. Außer der Kolonisation und der Arbeit fand der Kongreß' noch ein Opfer — die Erziehung, deren Budget von 74.000 Pfund auf 53.000 Pfund gekürzt wurde. Was also tat dieser Kongreß? Wie dachte er aus der Krisis herauszukommen? Alle Vorschläge, die produktiven Ausgaben für Arbeit und Kolonisation zu erhöhen, wurden abgelehnt. Für Ausgaben für Hygiene sind in diesem Jahre 118.000 Pfund vorgesehen, für Kolonisation 106.000 Pfund, (in Wirklichkeit, wie oben ausgeführt, viel weniger). Wie gelangte der Kongreß zu dieser Disproportion? In den Einnahmen finden wir bei der Rubrik „Hadassa" den Betrag von 112.000 Pfund; dies ist der Schlüssel zu dem Budget- Posten in den Ausgaben. Die zionistischen. Fraiien] Amerikas, die mit so viel Hingabe und Eifer für die;,Hadassa" arbeiteten, hätten wohl verstanden, daß heute der schwache Punkt unserer Arbeit nicht die Gesxuidiheitspflege ist, sondern die Arbeitsbeschaffung. Dieselben Trauen, die nicht aus einer besonderen Neigung gerade für die Gesundheitspflege, »andern aus ihrer jüdischen und zionistischen Einstellung heraus gerade für diesen Fonds arbeiteten, hätten ihre Kräfte mit demselben Eifer dafür zur Verfügung gestellt, für den jetzt so schwachen Punkt titnserer Situation' zu arbeiten, für die Arbeitsbeschaffung. Doch nicht einmal der Versuch einer solchen Aufklärung und einer produktiveren Verteilung de» Budgets wurde - seitens des Kongresses gemacht undi so kam der Kongreß zu dieser sonderbaren Verteilung des armem Budgets1. Das Organ der deutschen Zionisten, äaa Organ1 dt» „Linken Zentrums" feiert! seine Siege — „Die neue Leitung" — Sieg des Gedankens der Konsolidierung — Uebei*- gangsperiode zu neuer Aufbauarbeit. Am Schlüsse seiner Artikelserie gelangt Dr. M. Beilins on im Dawar scMießlicli zu den Aufgaben, die heute vor der Arbeiterschaft und1 der Zionistischen! Organisation stehen. Er führt dazu aus: Wichtiger jedoch als die Symptome, ist die Krankheit selbst, die geistig undi organisatorisch gesunkene Lage der zionistiscliieii Bewegung im Galuth. Wo wareta in; Basel die der Bewegung ergebenen Menschen? Wo blieben die Bemühungen, das Schicksal der Aufbauenden im Lande, die ihre letzten Kräfte auf der grausamen Wacht des erzwungenen Müßiggangesverlieren, in das Zentrum de» Kongresses zu rücken? Wie in einem leeren Raum fielen .sie und unsere Politiker und Führer hatten ihnen' nichts zu sagen. Wer wird die Gesundung der Bewegung auf sich! taeWimen? Die Arbeitsbewegung in Palästina, deren Aufgabe es heute ist, nicht zu erobern \mdi zu erzwingen, sonder«) die Zionistische Bewegung zu tragen; denn oh gibt anscheinend keine andere Kraft, die dam imstande wäre. Alle Kräfte gilt es in dieser Aufgabe* zu koäizenti'iereta,' die unendlich schwierig sein wird. Die tiefste Uoberzougung wird uns dabei leiten, daß in allen Winkeln jäiti* sehen Lebens ein lebendiger jüdischer Puls schlägt, daß der Stolz auf die ■ Vergangeinheit und die-Liebe zum Volke nicht aufgehört haben. , Vor allem ist dazu eines nötig, das von uns abhängt: Die Vereinigung der Kxäfte die völlige Verschmelzung allderjenigen Elemente, deinen die Aufhaunrbeib in Palästina; einziger Lebensinhalt bedeutet. Voln ihr wird! im jetzigen1 Moment das Schicksal der zionistischem Bewegung, abhängen. .'; j .; / ,

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