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Der Jüdische Arbeiter · 1927-10-12 · Heft 11 (12.10.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 11 (12.10.1927)
Date
1927-10-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 jüdi^hä AfHdfef Seite 3 lief Arbeiterschaft verteidigen «tt könnet* üttcl! um die ausführende Macht nicht den Geguem der Arbeiterschaft, die kern Verständnis für die Notwendigkeitea der Kolioirusation und des Zionismus haben, auszuliefern. Gmiidsätülich fand diese Kinstellimg die Zustimmung der Mehrheit der Beratung, aber es* wurde die Frage aufgeworfen, ob die Beratung' befugt sei, einen liesohluß von solch! wichtiger prinzipieller Bedeutung zu fassen. Diese Zweifel brachten die Cfenossen aus Polen und aus anderen osteuropäischen Ländern vor. Andere Cfenossen meinten, daß der jetzige 'Moment, da der bürgerliche Zionismus unsere Beteiligung an der Exekutive nicht wünscht, nicht der richtige sei, um mit unserer Tiereitschaft zu einer Koalition herauszurücken. Diesen .Standpunkt vertrat insbesondere Kaplansky, der auch meinte, man soll jenen Kreisen, die für die gegenwärtige L,age verantwortlich sind, die ganze Verantwortimg überlassen, Genosse Har/.feld unterstützte diesen Standpunkt sehr kräftig. Die Mehrheit der Beratung wollte sich aber diesen Standpunkt nicht zu eigen machen. Sie meinte, daß bezüglich der Kompetenzfrage die Beratung — auf Grund der Beschlüsse der zwei größten Laudesparteien und angesichts der starken Beteiligung der Parteien a.n der Beratung — jedenfalls berechtigt sei, einen Beschluß für die nächste Kongreßperiode zu fassen, die grundsätzliche Entscheidung aber der nächsten Weltkonferenz zu überlassen. Die Mehrheit behauptete auch, daß die Losung von einer Exekutive ohne Vertreter der Arbeiterschaft der deutlichste Ausdruck des arbeiterfeindlichen Kurses, der sich im Zionismus breitmacht, sei und gerade deshalb dürfen wir ohne Kampf das Feld nicht räumen. Wir dürfen durch unsere Abstinenz die Politik unserer Gegner auf keinen Fall fördern, wir sollen vielmehr durch einen ausdrücklichen Beschluß, an der Exekutive teilzunehmen, die Situation klären und den Charakter des Kampfes, der sich! auf dem Kongresse abspielen wird, restlos bloßlegen. Gewiß dürfen wir nicht blindlings in die Exekutive eintreten, wir müssen minimale Forderungein für die Tätigkeit der Exekutive aufstellen. Die Formulierung dieser Forderungen wurde der Kongreß Fraktion zugewiesen. Die Beratung befaßte sich auch mit der Frage der selbständigen Palästinatätigkeit, protestierte gegen die Verfolgung unserer Cfenossen und der sozialistischen Bewegung in Sowjetrußland, wie auch giegen dein Justizmord an Sacc'o und Vanzetti; es wurde auch ein Beschluß für den Mateotti- Fonds angenommen. Die nächste Weltkonferenz soll im Einvernehmen mit den Landesparteien in den Sommermonaten des Jahres 1928 einberufen werden. Abschließend darf festgestellt werden, daß die Beratung sehr produktiv war. Ihre Instruktionen haben die Tätigkeit der Kongreßfraktion im besten Sinne befruchtet. Die ge-; faßten oiganisatorisch-politischen Beschlüsse sind von größter Bedeutung für das weitere Schicksal unserer Weltbewegung. Jetzt liegt es an uns, sie in Taten umzusetzen. Aus den Beschlüssen der Verbandsberatung. (Zum Bericht des Verbandsbureaus.) Nach' Kenntnisnahme des vom Gen. Locker erstatteten Berichtes drückt die Beratung des Allweltlichen! Jüd. Arbeiberverbandes der erfolgreichen Tätigkeit des europäischen Sekretariats ihre Anerkennung' aus. Die'Beratung erachtet es für notwendig, die Tätigkeit des Verbandsbüros zu. normalisieren und fordert die Genossen anal Eret-Israel auf die erforderlichen Schritte in dieser Pachtung zu unternehmen. * Die Beratung1 nimmt den Bericht über die politische Tätigkeit des Genossen Olsch'an in London mit Befriedigung zur Kenntnis. Die Beratung unterstreicht die Notwendigkeit-die Aufklärungsarbelt in der Internationale n'nd in der jüdischen Arbeiterbewegung zu intensivieren ulnd zu systematisieren. ' < Die Beratung hält es für ilire Pflicht, die schweren Bedingungen, unter denen das Verbandsbüro und insbesondere das Sekretariat in Erez-Israel seine Arbeit leistete, 'hervorzuheben; sie ruft alle Landesparteien auf, diesen unhaltbaren Zuständen ein Emde zu machen und alles zu unternehmen, um beiden Teilen des Verband sbüros und der Länder Vertretung materielle Möglichkeiten einer normalen Arbeit zu sichern. Jubiläumsfeier. _ Die Beratung beschließt, den -zwanzigjährigen Bestand der Poale-Zion durch1 große Jubiläumsfeiern in allen Ländern festlich1 zu begehen. Die Feeirn sollen überall zur Stärkung despolitischen Aktionsfonds ausgenützt werden. Das Verbandsbüro wird beauftragt, im Laufe des Jahres eine Reihe von Schriften über die Entstehung üad Geschichte unserer Bewegung, ihrer Ideologie und ihrer Bedeutung im Befreiungskampf der jüdischen Arbeiterklasse in der Diaspora und beim Aufbau des arbeitenden Erez- Israel herauszugeben. Syrkins Schriften. Die Beratung begrüßt die Herausgabe der Werke N. Syriens durch die amerikanische Partei und unterstreicht die Notwendigkeit ihrer breitesten Verbreitung. Zum Todestag B.önoGWows. Da« Verbandsbüro wird aufgefordert, den zehnten Todestag Borochtows in würdiger Weise zu begehen und für die weitere Herausgabe seiner Schriften zu sorgen. Weltkonferenz. Die Beratung hält es für notwendig, die nächste Weltkonferenz im Sommer des Jahres 192S abzuhalten. Dieser Beschluß soll noch vjn den Landesparteien ratifiziert werden. Zur politischen Lage in Erez-Israel. Die Verbaadsberatung protestiert gegen die britische Administration in Erez-Israel, die selbst zur Zeit der schweren wirtschaftlichen Krise die elementarsten Bedürfnisse und Forderungen der jüdischen Kolonisation ignoriert hat. Die Regierung hat nichts imternommen, um die KoTutoisierung freier Regierungsböden zu ermöglichen, obwohl die bisherige Bodenverbesserung gewisse Landreserven mit sich' gebracht hat. Die landwirtschaftlichen Siedlungen, welche ohne ihre Hilfe entstanden sind, werden von der Regierung durch1 ungerechte Steuerlasten in ihrer Entwicklung gehemmt. Trotz der vielen Versprechen hat auch die Regierung in der gegenwärtig herrschenden wirtschaftlichen Krise nichts unternommen, um die Arbeitslosigkeit zu mildem; auch wurden nichtjüdische Arbeiter in entsprechender Weise bei Regierungsarbeiten beschäftigt. Die Beratung protestiert gegen den Angriff auf die elementarsten politischen Rechte der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet der örtlichen Selbstverwaltung, bei den Wahlen in die Munizipalitäten. Der antidemokratische Charakter dieses Gesetzes, die Privilegien der besitzenden Klassen haben es mit sich gebracht, daß zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung faktisch ihres Wahlrechtes beraubt wurden. Die Beratung protestiert ferner gegen den. an der jüdischen Bevölkerung begangenen Rechtsraub, indem die Juden von dem ins Leben gerufenen „Grenzschutz" faktisch fast ganz ausgeschlossen' sind. Weder die der Zionistischen Exekutive, noch die dem Waad-Leumi gegebenen Versprechen wurden eingehalten, noch wurde darauf Rücksicht genommein, daß an den Steuern, die zur Erhaltung dieser Truppe dienen, die Juden in verhältnismäßig sehr hohem Maße beteiligt sind. Der Kampf für eine radikale Aenderu'ng der ökonomischen und politischen Praxis der Regierung muß mit der ganzen Energie weitergeführt werden. r Arbeiter schütz in - Erez-Israel. Die Verbandsberatung begrüßt den ersten Schritt eines gesetzlichen Arbeiterschutzes in Erez-Israel. Dank dem fortwährenden Kampf der organisierten Arbeiter und der Hilfe der englischen Bruderpartei in der internationalen Arbeiterbewegung ist es gelungen, das Gesetz des Arbeitersehutzes bei Unglücksfällen durchzuführen. Die Beratung unterstreicht die Notwendigkeit in Erez Israel selbst, aber auch in internationalem Maßstab den Kampf für die Verbesserung dieses Gesetzes und für die Einführung weiterer Arbeiterschutzgesetze, wie für den Achtstundentag, Frauen- und Kinderschutz, Minimallöhne usw. zu führen. Jewish1 Agency. Der Weltverband Poale-Zion (vereinigt mit Z. S.) bleibt seiner prinzipiellen Stellung, die er auf dem 13. und 14. Zionistischen Kongreß in bezug auf die Erweiterung der Jewish Agency einnahm, treu. Die Erweiterung der Jewish Agency darf nur durch' Zuzii&Jimvg von demokratisch gewählten Körperschaften in verschiedenein Ländern erfolgen. Die Beratung bedauert es, daß die Zionistische Exekutive es in den letzten zwei Jahren unterlassen hat, wenigstens die Beschlüsse des 14. Kongresses, die in einem gewissen Maße die Abschwächung des imdemokratischen Charakters der geplanten Jewish Ageacy forderten, durchzuführen. Insbesondere erinnert die Beratung daran, daß die nötigen Schritte nicht unternommen worden sind, daß gleichzeitig mit der Marsihal-Gruppe in Amerika die auf demokratischer Grundlage gewählte Vertretung der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa in die Agency aufgenommen werden soll und Garantien, einer entsprechenden Vertretung des Jischuw in Erez Israel durch die; Asifath-Haniwcharim in der Agency nicht geschaffen wurden. Ausgehend vom gegenwärtigen Stand im Zionismus und in der Aufbauarbeit, die C9 erforderlich macht, daß die Agency-Verhandlungen! zu einem positiven Ende geführt werden, beauftragt die Beratung die Kongreß fraktion für die Bedingungen, die auf dem 14. Kongreß gestellt wurden, au kämpfen und zu fordern, daß sowohl jetzt wie auch in jedem späteren Termin die Möglichkeit einer entsprechenden Vertretung der jüdischen Arbeiterschaft in verschiedenen Ländern reserviert bleibe. Die Beratung erklärt, daß der Weltverband und die Landesparteien auch weiter den Kampf um die vollständige Demokratisierung der Jewish' Agency führen werden. Beteiligung an' der Zionistischen Exekutive. Die Verbandsberatuug bevollmächtigt das Vex-bandsbüro und die Fraktion am 15. Kongreß/ in eine Beteiligung an der Zionistischen' Exekutive auf Grund! des Aktionsprogramms, in welchem die Grundforderungen der Arbeiterschaft garantiert werden, in der nächsten Arbeitsperiode, einzuwilligen. , i ...! 1 Die Beratung nimmt den .Vorschlag der Koriferen« der Achduth-Awodah, die Frage unserer Beteiligung äin der Exekutive auf die Tagesordnung der nächsten Welt* konferenz zu setzen, an. (Anmerkung: Außer diesen Resolutionen wurden auch! die vom Verbandsbüro im Kongreßprogramm publizierten. Forderungen, als allgemeine Instruktionen für die Kongreß* fraktion betrachtet.) . Das Jubiläum unserer Weltbewegung. Die Jubiläumsfeier in Wien. Heuer werden es 20 Jahre, 'daß der. .Weltverband Poale-Zion gegründet wurde. Die in Basel stattgefundene Beratung unseres Verbandes machte es allen Parteien zur Pflicht, dieses wichtige Jubiläum zu feiern. Dieser Pflicht wollen wir in Wien um so eher genügen, als gerade diese Stadt bei der Entstehung und Entwicklung unseres Weltverbandes eine außerordentliche Rolle spielte. Von Wien ging die Gründung det Partei Poale Zion des alten Oesterreich aus, hier lebten und wirkten viele Jahre hindurch die bedeutendsten Führer der Weltbewegung. Unsere Organisation beschloß die Tage vom 10. bis 18. Dezember als Jubiläumswoche zu erklären. Die Jubiläumswoche soll mit einer Gedenkfeier, anläßlich des 10. Todestages unseres Führers Borochow am 10. Dezember eröffnet und mit einer großen Jubiläumsfeier am 18. Dezember geschlossen werden. Im Laufe der Jubiläumswoche soll auch eine große Kundgebung, für das arbeitende Palästina stattfinden. Festnummer „Der j üdische Arbeiter". Anläßlich des Jubiläums unserer Weltbewegung wird eine Festnummer unseres Organes erscheinen. Diese Nummer wird Aufsätze, die einen Ueb'erblick! über den Stand' und die Entwicklung unserer Weltbewegung gewähren, wie auch solche, die die Rolle Wiens in der Weltbewegung schildern, enthalten. Das von der Organisationsleitung für die Festnummer eingesetzte Redaktionskomitee hat seine Tätigkeit bereits aufgenommen und gelang es ihm, eine Reihe wertvoller Mitarbeiter für diese Nummer zu sichern. .Werbetätigkeit in der Jubiläumswoche. Im Laufe der Jubiläumswoche soll eine gesteigerte Werbetätigkeit für unsere Organisation durchgeführt werden. Die Verbreitung der Festnummer, die als Einführung in die Ziele und Aufgaben unserer Bewegung, gedacht ist, wird die Werbetätigkeit besonders fördern;können. Es werden auch Werbeblätter ausgegeben werden. .Wir fordern alle Genossen auf, sieff für die Jubiläumswoche dem Sekretariate zur Verfügung zu stellen.. Wer mitarbeiten will, möge es dem Sekretariate umgehend bekanntgeben. HeiT Stricker setzt die Tätigkeit der „Wiener Morgenzeitung" fort. Damit das jüdisöhei iWien nicht allzulange verwaist bleibe, hat Herr Robert Stricker mit der Herausr gabe eines Wochenblattes' „Die neue Welt" (es ist bezeichnend, daß diese naTiona'len Schreihälse für ihre; - Zeitungen *Namen wählen, an 5enen man, Gott 'behüte, nicht das Jüdische erkennen so?!1) begonnem« In der fetzten Nummer haut nun 'der Herr Siricker auf die Sozialdemokratie aus. Daß die Be!- schulciigungen unbegründet sind, ist bei der feindlichen Einstellung des Herrn Stricto zur Sozialdemokratie nicht verwunderlich. Nicht uninteressant ist es auch, daß Herr Stricker, zwar vorsichtig, aber ziemlich deutlich deutlich Herrn Schober in'^hcufea nimmt. Alte Freundschaft, Herr Stricker! Wir werden auf die Ausführungen dieser Wochenschrift noch zurückkommen. NÄHMASCHINEN 111 f Ii mit kostenlosem Stickunterricht mJ I FAHRRÄDER 1927 * ■ * Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! 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