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Der Jüdische Arbeiter · 1927-10-12 · Heft 11 (12.10.1927) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 11 (12.10.1927)
Date
1927-10-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Der jüdisch« Aroitef Nf. 11 Die Verbandsberatung wurde nun in Basel am £4. August eröffnet, sie währte volle 3 Tage und einige Näfchte. Die Beratung war außerordentlich' gut beschickt Iis beteiligten sich an ihr: Locker und Adler vom europäischen Büro (letzterer vertrat auch die Partei Lettlands); Idelsohn, Ben-Gurjon, Ben Zwi, Brudni, Beril Katzenelsohh, Mereminsky und Kaplansky vom Sekretariat in Palästina, die palästinensische Landespartei war vertreten durch: Weißbein, HarzfeM, Hos,- Jabaeeli, Rachel Janaifcb/ Rachel Kafczenelsohn, Neustadt, Rubasehow und Remes; aus Amerika und Kanada: Bord», Hestrin, Heringmaivü, Feinmann, Kruso und Reinwein; aus Argentinien und Brasilien: Juris; aus Deutschland: Berger, Wahl und Lubinsky; aus Frankreich: Fischer (Berger aus Nancy mit Beratungsrecht); aus Polen: Bier, Zcisling, Ititow und Spiesmann; aus Rumänien: Weintraub und Tartakow. Insgesamt 38 Genossen, Die Beratung befaßte sich hauptsächlich mit zwei Fragenkomplexen: 1. Die organisatorischen Fragen des Welt- .verbandes und einiger Jiandcsparteien. 2. Die Fragen des XV» Zionistenkongresses. Aus dem Berichte des Verbandsbüro ist au ersehen, daß nur das europäische »Sekretariat die Möglichkeit hatte, eine ziemlich regelmäßige Tätigkeit, die gute Resultate zeitigte, zu entfalten. Die Beratung brachte klar zum Ausdrücke, daß die erste Voraussetzung der Normalisierung der Tätigkeit der verschiedenen Organe der Weltbewegung die finanzielle Gesundung des Verbandsbüros sei. Zu diesem Zwecke müssen zunächst die größten Anstrenguligen gemacht werden, um alle Genossen zur Zahlung! der obligatorischen Verbandssteuer heranzuziehen. Es ist auch beschlossen worden, einen „Politischen Akti ons f loüds", der für die politische Tätigkeit des Verbandsbüros und wichtiger Parteien bestimmt sein soll, zu schaffen. Sehr eingehend wurde die Frage desf Sitzes des Verbandsbüros erörtert. Einige Genossen schlugen vor, den Sitz des Verbandsbüros nach Palästina zu verlegen. Man (Bah! aber bald ein, daß gerade jetzt die Bewegung eines Büros in! Europa, das den Parteien mit Rat und Tat zur Seite stehlen und im Einvernehmen mit dem Büro in Palästina die zentrale politische Tätigkeit des Weltverbandes leiten soll, nicht entbehren kann. Ernster waren die Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Sitzes des Büros in Europa. Ein Teil1 der Delegierten^ insbesondere die Genossen aus Polen, meinte, das Büro müsse seinen Sitz in einem Lande jüdischer Massensiediung, konkret in Polen, haben, um in stetem Kontakt mit den Problemen und Forderungen der jüdischein Arbeitermassen zu sein und um der wichtigsten und größten außerpalästinensischen Partei bei Erfüllung ihrer schweren Aufgaben aktive Hilfe leisten zu können. Es wurde auch1 darauf hingewiesen, daß zurzeit die volle Ausbeutung der großen Möglichkeiten einer Entwicklung unserer Partei in Polen für die Gesamtbewegung von so großer Bedeutung ist, daß man dorthin die wichtigsten Kräfte dirigieren müßte, auch! wenn darunter die zentrale Tätigkeit des Verbandsbüros vorübergehend leiden sollte. Die Mehrheit der Verbandsberatung würdigte die Wichivorstehendeni Arbeitsperiode, die es als unerwünscht erscheinen1 läßt, daß die führende Instanz in die tägliche tigkeit dieser Argumente, sie wies aber auf die Notwendigikeit der Intensivierung der zentralen Tätigkeit in der be¬ Arbeit' einer Landespartei hineingezogen werde, hin. Sie behauptete auch, daß die Uebersiedlunig des Verbandsbüros in ein Land jüdischer Massensiedluugj praktisch' seine Isolierung! von anderen Ländern bedeuten/ würde. Sohließ- Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion. Verband der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend. Bildungsausschuß. Freitag, den 21. Oktober, 8 Uhr abends, in den „Jüdischen Künstlerspielen, IL, Pratersträße 34 Bunter Abend Aus dem Programm: Inszenierte Volkslieder. Soziale Lieder (Gesang). Schulim Alejch'em: .Wenn ich Rothschild wäre. Der Tunkfeier: Der Bräutigam, Komödie. Mitwirkende: Das gesamte Ensemble der „Jüdischen Künstlerspiele4'. Karten zum Preise von S 1 bis S 3 bei den Vertrauensmännern und im Sekretariate, IL, Blumauergasse 1, zu haben. lieh! mußte auch persönlichen Schwierigkeiten, die der Verwirklichung! dieses Planes entgegenstehen, Rechnung getragen werden. Nach einer eingehenden Debatte wurde beschlossen, das Verbandsbürp in der nächsten Arbeitsperiode in Berlin zu belassen und alle notwendigen' »Schritte einzuleiten, um seinen Bestand durch' die Hinzuziehung von mindestens noch1 eines führenden Genossen festigen. Die Beratung befaßte sich1 auch mit dem Plane der Reise des Genossen Locker auf die Dauer von einigen Monaten nach Amerika., um für die Schaffung des1 „Politischen Aktionsfonds" tätig zu sein. Die Einordnung des Verbandsbüros für diese Dauer wurde dem Verbandsbüro überlassen'. Dem Verbandsbüro wurden auch' zur%)urch!führungt einiger Vorschläge bezüglich der Vergrößerung des Personalbestandes der Leitungen einiger Landesparteien zugewiesen. Eine Kommission befaßte sich' mit Fragen der Jugendbewegung. Leider war es nicht möglich', die Vorschläge dieser Kommission dem Plenum vorzulegen. Das Verbandsbüro stimmte dem Vorschlage der Kommission, ein Organisationsbüro der Jugendbewegung zu schaffen, zu. In einer Reihe anderer Fragen (Jubiläumsaktion, Archive; „Neue Gesellschaft"; Borochows Sterbetag, Frauenorganisation, gewerkschaftliche Tätigkeit) sind Beschlüsse geifaßt worden. Bei Erörterung, der Fragen des XV. Zionistenkongresse? kam zunächst die scharfe Verurteilung der Politik der Palästina-Regierung, deren Praxis sowohl in dem rein politischen als in den ökonomisch-kolonisatorischen Fragen sich in einem krassen Widersprucihi mit den Interessen der jüdischen Bevölkerung, insbesondere der Arbeiterschaft, befindet, zum Ausdrucke gebracht. Auch1 die politische Stellung der Zionistischen Exekutive und insbesondere ihre mangelhafte Aktivität der Arbeitslosigkeit gegenüber waren Gegenstand schärfster Kritik. Die Genossen aus Palästina wiesen darauf hin, daß die Vertreter der Arbeiterschaft die ganze Zeit hindurch gefordert hatten, die größten Anstrengungen zu mächen, um statt der Unterstützung Arbeit zu verschaffen. Die Zionistische Exekutive zog aber den' „billigeren" Weg der Unterstützung vor und zehntausende Pfund) sind unproduktiv verschwendet worden, während man für diese Beträge so manche positive Leistung, wie Bauten, Wasserleitungen etc., die einer großen Zahl Arbeitslosen Arbeitsgelegenheiten verschaffen könnten und für die Kolonisation einen bleibenden Wert hätten, vollbringen könnte. Auch die Neukolonisation, auf die die Exekutive mit Stolz hinweist, mußte, trotz des positiven Beschlusses des Aktionskomitees im schweren Kampfe mit und innerhalb der Exekutive durchgesetzt werden. Die Beratung stand unter dem Eindrucke des erbitterten Kampfes gegen die Arbeiterschaft, der in der zionistischen Öffentlichkeit einige Monate vor dem Kongreß eingesetzt hat und dessen Fortsetzung auf dem Kongreß selbst erwartet werden mußte. Die Entschlossenheit, diesen Kampf offen und scharf durchzuführen, war vorherrschend. Als allgemeine Richtlinien für diesen Kampf, wie für die Tätigkeit unserer Fraktion auf dem Kongresse überhaupt wurden die Wahlplatt fomi des Verbandsbüros und die Besohlüsse der Konferenz der „Histadruth", die Lage im Zionismus betreffend, wie auch' eine Reihe von Beschlüsisen, die auf der Beratung gefaßt wurden, festgelegt. Meinungsverschiedenheiten rief die Frage der Erweiterung der „ Jewish Agency" hervor. Cr r u n d s ä t z 1 i c h stimmten alle in ihrer negativen Einstellung zur undemokratischen Form der Erweiterung, die in Amerika durch' die Hinzuziehung der philantropisch-plutokratischen Marshal-Warburg-Gruppe gewählt wurde, überein. Einheitlich sprachen sich auch alle Delegierten gegen die kapitalistischeinseitige Zusammensetzung der Kommission, die nJoeh: vor der Konstituierung der erweiterten Agency auf Grund eines Gutachtens von Experten den Arbeitsplan für die nächsten Jalire vorlegen soll. Aus dieser Einstellung hat ein Teil der Genossen (die Delegierten aus Polen und Rumänien und einige Mitglieder des Verband'sbü res) den Schluß gezogen, daß unsere Kongreßfraktion auch' weiterhin den Agelncy- Plan bekämpfen muß. Die Mehrheit aber vertiut den Standpunkt, daß die bloße Verneinung im jetzigen Stadium keine praktische Bedeutung hätte und daß wir vielmehr bereits jetzt den Kampf für den demokratischen Charakter der Agency eröffnen sollen. In diesem Geiste wurde auch1 ein Beschluß gefaßt. v, Auch die Frage unserer Beteiligung an der Zionistischen Exekutive rief eine lebhafte Debatte hervor. Es dürfto bekannt sein, daß unser Weltverband bis jetzt in einer eigenartigen Form in der Exekutive vertreten war: Genosse Kaplansky übernahm die Leitung des Departements für landwirtschaftliche Kolonisation, mit Stimmrecht in ökonomischen, aber nicht in politischen Fragen. Das. bedeutete, daß unsere Bewegung die Verantwortung für die politische Tätigkeit der Exekutive nicht übernehmen will. Zum XV. Zionistehkongreß kamen bedeutende Teile des bürgerlichen Zionismus mit der Losung einer „flügellosen" Exekutive und es war klar, daß diese Losung hauptsächlich gegen eine Beteiligung der Arbeiterschaft im höchsten ausführenden Organ der zionistischen Bewegung gerichtet war. Im letzten Jahre haben sich' aber zwei unserer größten Landesparteien: „Ach'duth Haawodah" und die amerikanische Partei, auf Grund der Erfahrungen in den Jahren der wirtschaftlichen Krise, für eine uneingeschränkte Beteiligung an der Exekutive ausgesprochen, um die Positionen Palästina-Rundschau. Für die Verfolgten in Rußland. — Sacco und Vanzetti. — Unterheh'merterror. — Arbeit für Arbeitslose. — Die el-Aviver Arbedtslosendemionstration. — Eine Ausstellung landwirtschaftlicher Arbeiterwirtschaften. — Sonderbare Gerüchte über Tel-Josef. In Tel'-Aviv und den' Kolonien von Jeh'uda wurde eine Sammlung veranstaltet, um den arnestierten und verbannten Zionismen und zionistischen Zozialisteu in Rußland! zu helfen. Diese Aktion wird! von einem „Vereinigten! Komitee zur Unterstützung der Verbannten" geleitet. Dieses Komitee trifft Vorbeaeitungen, um eine solche Aktion auch1 an anderen Orteoi des: Landes* durchzuführen. . * In allen Städten und Kolonien wurden von der Arbeiterschaft Resolutionen angenommen, die gegen das Todesurteil' gegen Sacco und Van!zetti protestieren. * In der Sockenfabrik von Friedrnann und Edelstein inj Tel-Aviv wurden zwei Arbeiterinnen für das Vergehen,- in! der Allgemeinen Arbeiterorganisation organisiert zu sein,- entlassen. Uobrigens waren es die besten Facharbeiterinnen der,. Fabrik und mit ihrer Arbeit selbst waren die Unternehmer äußerst zufrieden. * i Die Regierung übergab die Ausführung der Austrock* nungsarbeiton am Kischion-Ausfluß dem privaten Unternehmer Müller, der für. diese Arbeiten! vier Monate lang ungefähr 200 Arbeiter beschäftigen wird. Die Arbeiter; werden durch Vermittlung des Haifaer Arbeiterrates; aus der Reihe der dortigen Arbeitslosen eingestellt werden. Bekanntlich' bestimmte die Regierung für die Durchführung dieser Arbeit eine Summe von 22.000 Pfund. * ~~ Das Oberste Gericht gab der Forderung der. „Allgei meinen Arbeiterorganisation", die wegen der Tel'-Aviver Arbeitslosendemonstratiion Verurteilten gegen Kaution bis zur Durchführung einer neuen Verhandlung auf freien Fuß zu setzen, statt. * Am 10. August wird bei Tel-Joseph eine Ausstellung von Kälbern der landwü-tsehaftlicben Arbeiterwirtschaften eröffnet, deren Organisation die landwirtschaftliche Versuchsstation übernahm. Es werden sich beteiligen: Beide Deganjoth, Kinererth, Ges'cher, Markenhof, Beth-Alpha, Tel-Josephi, Ejn Charod, Giwah und Kfar Jeeheskel (Ejn Tabun). Die Wirtschaften1, deren Tiere sich auszeichnen, werden Prämien erhalten. * In einem Teile der zionistischen Presse werden nierkwürdige Gerüchte über die kollektivistische Arbeitersiedlung „Tel-Josef" im Emek verbreitet. Die sensationelle Aufmachung lautet: „Uebersiedluug Tel-Josefs nach Rußland." Was an diesen Gerüchten wahr ist, entnehmen wir der folgenden Mitteilung, die die Korrespondenz des P. A. F. (Kapaj-Jedioth) verbreitet: „Bekanntlich organisierte sich vor den Wahlen zur Konferenz der AHg- Arbeiterorganisation eine linke Gruppe,, die nach ihrer politischen Einstellung der kommunistischen Fraktion nahe stand,- unter dem Namen „linke Opposition". Die Führer /lieser Gruppe waren vor allem die Führer des „linken" Flügels des „Gdud Haavodah" (Legion der Arbeit) und der sogenannten „Einheitsbewegung". Entsprechend der Zahl ihrer Delegierten in der Konferenz erhalten sie auch einen Vertreter im „Zentral-Ausschuß" der AHg. Arbeiterorganisation, der 33 Mitglieder zählt. Nun teilten dieser Genosse und sein Stellvertreter der Exekutive der Allg. Arbeiterorganisation mit, daß sie ihre Mandate im Zentral-Ausschuß niederlegen, da, die Gruppe sich' aufgelöst habe und nicht mehr bestehe. Einer der führenden Genössen dieser Gruppe, M. Elkincl, der längere Zeit einer der Führer des linken Flügels in der „'Legion der Arbeit" war, fubir plötzlich nach Rußland und ließ hier alles in Stich. Es steht zu hoffen, daß dieser unvorhergesehene Schritt eines der führenden Genossen der Gruppe bewirken wird, daß ein Teil der Genossen, die auf der Schwelle der liquidatorischen Tendenzen standen, endlich begreifen werden, wohin sie ihre „linke" Einstellungen' in Wahrheit führt. Oeffentlich haben sie freilich nicht erklärt, daß sie ihre bisherige Einstellung aufgegeben haben; die Tatsache aber des Zerfalls der „linken" Opposition wurde in Arbeiterkreisen als ein Zeichen dafür aufgenommen, daß das Hirngespinst der „linken Einstellung", das emen Teil der hitzigen Köpfe in der „Legion der Arbeit" beherrschte, im Schwinden begriffen ist und daß eine Ernüchterung eingetreten ist." Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, daß einige Ge> sinnungsge'nossen ihren plötzlich davongelaufenen Führern nachlaufen werden, aber es ist außer jedem Zweifel, daß „Tel-Josef" dadurch nicht gefährdet sei. Es sei im Gegenteil mit Bestimmtheit zu erwarten, daß dadurch der völlige Zusammenschluß der Arbeitersiedlungen gefördert werden wird.

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