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Der Jüdische Arbeiter · 1927-10-12 · Heft 11 (12.10.1927) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 11 (12.10.1927)
Date
1927-10-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite '4 Der jadische Arbeiter Nr. 11 SR Aus der jüdischen Gemeinde £ * A__.............- _-........... ■-___*» «, Plenarsitzung. Am 22. September fand die erste Siteimg des Knltusvorstandeö nach den. Ferien statt. Unsere Genossen interpellierten' das Präsidium wegen der Nichteinberufung des Wahlrechtsausschusses, Die Interpellationsbeantwortimg ■ wird' in der nächsten Sitzung! erfolgen. Bas reichte Arbeitsprogramm dieses Abends enthielt unter anderem die Schaffung einer Wiener Wanderfürsorgestelle und eines Obdachlosenheims. Während' noch vor 3 Jahren, als uaiseae Vertreter eine Wanderfürsorge forderten und die Schaffuiag eines Heims für Dnrchwandeier airregten, die Mehrheit dies alles ablehnte', weil kein Geld dafür vorhanden sei,, haben sie ■nunmehr, einem dringenden Verlangen der jüdischen Wanderfürsorge Deutschlands nachgebend, die Schaffung einer Wiener Filialstelle beschlossein. Es wurde das Einvernehmen, mit allen jüdischem' Gemeinden Oesterreichs gepflogen lUntf wird die Wander fürs orge aus den Mitteln aller Gemeinden erhalten! werdein. Um ein Obdachlosenheim eröffnen zu können, wurden zwei Stockwerke«im Hause des Ausspedsungsvereines XV., Herklotzgasse . gemietet, die nach! entsprechender Ausgestaltung dem Wohinbedürfnis der Durch wanderer dienen sollen'. Gein. Dr. Glans; verlangte, daß diese Unterbringung nicht für ständig in Aussicht genommen werde, weil die Lokalitäten in der Herklotzgasse in einem späteren Zeitpunkt den, Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung, von sechs westlichen Bezirken werde dienen müssen. Der Obmann, der Fürsorgekommission. Herr Engel sagte dies auch zui Es bestehe laut dem Inhalt des mit dem Ausspeisung6verein geschlossenen Abkommens die Möglichkeit, in den Räumen dieses Hauses nach Verlegung des Obdachlosen- Iheims auch andere Institutionen für die Bevölkerung des Westens ins Leben: zu rufen. Wird endlich die jüdische Arbeiter- und Wanderfürsorge in Wien organisiert werden? , Im Monate September weilte in .Wien Genosse Rudel, der Leiter der jüdischen Arbeiter- und .Wanderfürsorge in Deutschland. Er kam nach Wien auf Einladung, der Kultusgemeinde und referierte vor den Vorstandsmitgliedern und Vertretern der Provinz über die Organisation der Arbeiter- und .Wanderfürsorge in Deutschland. Die Ausführungen des Genossen Rudel riefen allgemeines Interesse hervor. Es war die einhellige Meinung aller Anwesenden, daß man' in Oesterreich' auf diesem Gebiete lange genug untätig war und daß man nunmehr Anschluß an. die Organisation in Deutschland suchen muß. Wie aus dem Berichte über die letzte Plenarsitzung der Kultusgemeinde, der an änderer. Stelle des Blattes veröffientlidht wird, zu ersehen ist, soll auf diesem Gebiete wirklich etwas' unternommen! werden. ■ Wir gestehen, daß Herr Engel, der vom Vorstande mit dem Referate betraut wurde, einer der .wenigen sachlichen und unvoreingenommenen Vorsteher ist, aber die Erfahrungen, die wir mit der tWiener Kultusgemeinde bis jetzt gemacht haben, berechtigen zur äußersten Zurückhältung. Es wird uns freuen mitteilen zu' können,daß. der Vorstand der Erfüllung der von uns seit Jahren erhobenen Forderungen wirklich' nähergetreten ist. m 2L Aus der Weltbewegung. W. JK Unsere Kongreßfraktion. Die Fraktion unseres Weltverbandes auf dem XV. Zionistenkongresse bestand ans 30 stimmberechtigten Mitgliedern, sie> setzte sich! wie folgt zusammen: Palästina 10, Amerika 3, Danzig 1, Deutschland 3, Tschechien 1, Litauen 1, Polen 2, Kanada 1, Weltliste 3, Mitglieder des Aktionskomitees 4, Vertreter des Keren Hajessod 1. Unserer Fraktion wurden auch1 3 Vertreter aus Rußla-nd mit Beratung«- recht zuerkannt. Auf Grund eines Wahlkampfes eroberten wir in Palästina 10 9143 Polen ,.. % 5880 Dan/jg (Aegypten, Tengen) 1 57 Deutschland , 3 1540 Litauen . 1 . 809 zahl 23599 29691 157 6696 3792 satz 38.7 19.8 36.3 23.0 31.3 17 17429 63935 27.2 Wir vereinigten auf unsere Listen noch' außei-dem ja Argehtinietn, Belgien, England, Frankreich!, Ostgalizien'; iWestgali2fiem; Lettland, Oesterreich', Schweiz, Wilna und ■ Straßburg insgesamt 2698 Stimmein. Insgesamt vereinigten taüspre Listen, auf sioh! 20.127 Stimmen. Im Verhältnis zu Öejoi 118.470 Stimmen, die in jene» Ländern und Ländergruppen, wo Wahlen durchgeführt, abgegeben wurdek; vereinigten wir auf uns 17 Prozent der Stimmen. Unter den 279 stimmberechtigten Mitgliedern des Kongresses stellte unsere Fraktion bloß gegen 11 Prozent dar. Der gesamte Arbeiterflügel (Poale-Zion 30, Hitachduth! 32 und ein unabhängiger des „Haschomer Hazair") erreichte 22.6 Prozent. Die „Hitachdnth" trat mit eigenen Listen in 14 Ländern auf Und vereinigte auf sich 15.222 Stimmen, d. s. 13 Prozent aller in den erwähnten 24 Wahlgebieten abgegebenen Stimmen. Beide Arbeiterfraktionen erhielten also 35.349 Stimmen, also gegen 30 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Von den bürgerlichen Gruppen erhielten: Misrachi in 17 Landern 26.539 (22 Prozent), Jladikale in 7 Ländern 7678 (7.5 Piment), Revisionisten in 19 Ländern 8426 (7.1 Prozent), Zentrum 42.478 Stimmen (35.3 Prozent). In einigen wie Ii tagen Fragen gelang es unserer Fraktion ein Einvernehmen mit der Fraktion der „Hitachduth" zu erzielen. Die Konferenz unserer Bruderpartei in Amerika. Gegen Mitte Oktober wird die Jahreskomferem der Poale Zion Amerikas lagen. Die Tages)ordn\tog enthält u. a. folgende Punkte: Unsere gewerkschaftliche xukI politische Tätigkeit in Amerika. Unsere Beteiligung an den allgemeinen: zionistischen Fonds. Die allweltliche Organa"sierung der Juden. Genosse Locker nach Amerika abgereist. Gen. Berl Locker wird im Auftrage des1 Verbandsbüros den Beratungen der Konferenz unserer Bruderpartei in Amerika beiwohnen. Er wird auch einige Monate in den Vereinigten Staaten bleiben, um sich! für die Aufbringung des politischen Aktionsfonds zu betätigen. Ä Aus unserer Organisation % Unsere Massenversammlung im „Bayrischen Hof". Mittwoch, den 21. September fand im Festsaale des „Bayrischen Hof" eine von unserer Organisation xrnd vom Verbände der jüdisch-sozialistischen Arbeiterjugend gemeinsam einberufene Massenversammlung mit der Tagesordnung: „Die arbeitende jüdische Bevölkerung und die Ereignisse des 15. Juli" statt. In seinen Eröffmungsworten wies Genosse Singer darauf hin, daß es notwendig sei, die arbeitelnde jüdische Bevölkerung" darauf aufmerksam au machen, was für sie die Ereignisse des 15. Juli und die darauffolgende Bewegung der heimischen Reaktion bedeutet. Der erste Referent, Kultusvorsteher Dr. Bader zog: eine Parallele zwischen dem Eeohtsgefühl der Juden als unterdrücktes Volk und dem der Arbeiterschaft als unterdrückte Klasse. Er forderte die Anwesenden zum Kampfe gegen das eigene reaktionäre, arbeiterfeiindliche Bürgertum auf. i Gen. Di-. Sokal schilderte hierauf in einer groß angelegten Rede die bisherigen Leistungen, der Sozialdemokratie Deutschösterreichs und beleuchtete eingehend die Motive der Juliereignisse. Der 15. Juli bewies — meinte der Referent —, daß uns noch ein Stück Verfassung fehlt — die 9000 Polizeisäbel, und die müssen, wir erobern, wenn das rote Wien nie mehr'den erschütternden Vorstößen, der Reaktion1 ausgesetzt sein soll. Das. Bürgertum soll sich1 noch überzeugen, daß man nicht alles mit Gewehrkugeln erobern, kann. Die Rothschilds und Sieghards, die sich mit dem Henker Horthy abgefunden, bekunden auch1 Schober ihre Sympathie. Sie 'haben von einer, erstarkenden Polizeiwillkür, von einer frech werdenden Reaktion nichts zu befürchten. Die gesamte arbeitende jüdische Bevölkerung aber weiß, daß die Re¬ Leben s v e r s i c h e r u n g s *» G e s e 11 s c h a ft PHÖNIX Zentrale: Wien, I„ Riemergasse Nr. 2 Voll eingezahltes Aktienkapital: 8 4.O0O.OOO - Ver8icherungsbestand?30. Juni 1927: 8 1,300,000.000* - Prämiea-Elnnahme i. Jahre 1926: S 54,000.000'- TÄTIGKEITSOEBIET: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, Belgien, Holland, Italien, Spanien, cechoslov. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslavlen, Bulgarien,GriechenlandsTurkei,Aegypten, Palästina. Pensions- Versicherung HCl!' mit Rentenansammlung (Rentenbezug beim 55., 60. oder 65. Lebensjahr oder bei früherer BERUFS-UNFÄHIGKEIT. Monatliche Prämie. Sofortige Unveifallbarkelt.) gemeinschaftlich mit der Versicherungs* Aktien*» Gesellschaft früher PENSIONS-VEREIN für Handel, Industrie und Gewerbe Wien, I, Schellinggasse Nr. 1 An unsere Leser! Alle Leser werden aufmerksam gemacht, daß nur zahlende Mitglieder der Organisation die Zeitung unentgeltlich erhalten. Alle Le-ser werden ersucht, dem bei ihnen vorsprechenden Inkaesantedi den fälligen Abonnementsbetrag ausfolgen zu wollen. Die Administration, aktion auch für sie verhängnisvoll werden würde und! deshalb wird sie auch weiterhin dem österreichischen Proletariat© unerschütterliche Treue im Kampfe gegen die Reaktion bewahren. Nationalrat Genosse Janecek wies insbesondere darauf hin, daß das Bürgertum an dem vergossenen. Brüte Profite für ihre Tasche, durch die Zollerhebungen, ziehen will 'und schilderte den. Kampf im Parlamente seit dem 15. Juli. Die Seipel-Pegierung glaubt das Blut der unschuldig Ermordeten als Kitt für ihre durch innere Gegensätze erschütterte Koalition benutzen zu können. Die Antwort auf die Bluttage des 15. Und IG. Juli und! das darauffolgende Wüten der Polizei muß lauten: Auf zur Stärkung der Positionen der einzigen verläßlichen Streiter für die- Freiheit in Oesterreich — die Sozialdemokratie. - Der gute Besuch der Versammlung und der Beifall, der die Ausführungen der Referenten begleitete, beweist, daß die arbeitende jüdische Bevölkerung* Wiens auch weiterhin treu zur Sozialdemokratie hält. Ein Grabstein für Chaim Nagler! Als im Jahre 1918 in Wien die Grippeepidemie tobte, .wurden1 auch' einige unserer besten Genossen dahingerafft. Unter ihnen befand sich' Chaim Nagler. Das .Wirken Naglers für unsere Bewegung verdient eingehend gewürdigt zu werden. Hier wollen wir nur den Genossen und Freunden Naglers mitteilen, daß auf seinem Grabe auch nicht eine bescheidene Tafel von dem dort beerdigten Freund und Mitkämpfer meldet. ■Wir erachten es als selbstverständliche Pflicht der. Genossen und Freunde Naglers, dafür Sorge zu tragen, daß ihm in der allernächsten Zeit ein Grabstein gesetzt werde. Wir fordern alle auf, für den Grabstein zu spenden! Die Spenden werden wir im „Jüdischen Arbeiter" ausweisen. Bericht über den XV. Zionistenkongreß. 'Am 30. September sprach! Genosse Weintraub aus Czernowitz über den Verlauf und das-Ergebnis des XV. Zionistenkongresses. Er schilderte den. erbitterten Kampf, den die Vertreter der Arbeiterschaft dort auslachten, mußten, und meinte', daß. wir jetzt noch1 energischer als früher an. der Stärkung unserer Position innerhalb der zionistischen Weltbewegung arbeiten müssen. Ctefl. Singer beleuchtete das Ergebnis, des Zionistenkongresses von einem anderen Gesichtspunkte. Die Aussprache wird noch fortgesetzt werden; Ein neues jüdisches Theater in Wien. Unter der Leitung des Herrn Brünn ist im Saale des früheren Etablissement „Rekläm" ein; neues jüdisches Theater {unter dem Namen: „Jüdische' Künstlerspiele" eröffnet worden. Die Leitung! Kat siöh1 zur Aufgabe gesetzt, das bessere Singspiel und das Sprechdrama zu pflegen. Als Eröffnungisstück wurde „Unser Glauben" von Schulim Asch gewählt. Das neue Theater verdient die Unterstützung! der breitesten jüdischen Kreise. Wir werden über die Aufführungen noch ausführlicher berichten. Abendkurse. In der ersten. Hälfte des1 Monats' November werden die Abendkurse für jüdische Arbeiter und Angestellte wieder eröffnet. Es sind bereits folgende Kurse sichergestellt: Hebräisch1 für Anfänger und Fortgeschrittene. ijüd Geschichte für Anfänger und Fortsetzung des 1. Jahrganges. Weitere Kurse sind in Aussicht gestellt worden. Anmeldungen werden im Sekretariate, II., Blumauergasse 1, jeden Abend entgegengenommen. Fabriksniederlage in Herren- und Damen- Modestoffen S. Meister Wien, I., Salzgries Nr. 7. Telephon Nr, 69*402 Ejgtotüiaer, Varfegw, Hm^u n^w. Beä^ Jsöaf GtoMetaub, IfcwrcUdfW^^ QjS^mm^m» 1X B. 98. - Brook: ,5Adiia*, Wien, II.; TfcbOTrtr. 62b.

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