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Der Jüdische Arbeiter · 1927-10-12 · Heft 11 (12.10.1927) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 11 (12.10.1927)
Date
1927-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«wnjfsiMt DER Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, iL, Blnmauergasse l/tl Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . , 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 11. Wien, 12. Oktober 1927. 4. Jahrgang. Der Fluch der bösen Tat. In memoriam „Wiener Morgenzeitung". Wir wollen nicht frohlocken, daß die „Wiener Morgenzeitung" eingegangen ist. Wir empfinden keine Schadenfreude darüber, daß die Herren, die gegen die Interessen und gegen den Willen der jüdischen Bevölkerung seit Jahr und Tag eine arbeiterfeindliche Politik betrieben, nunmehr keine Möglichkeit haben .werden, ihre feindlichen Pfeile täglich1 gegen' den Sozialismus zu schleudern. .Wir frohlocken nicht, wir empfinden keine Schadenfreude, weil wir uns darüber klar sind, daß die Politik der „W. M." wohl viele Möglichkeiten jüdischen Wirkens in Wien zerstört hat, daß aber das Einstellen der „W. M." die Möglichkeiten des Wirkens und Werbens für die jüdische Sache abermals verringern wird. Das Einstellen der „W. M." wird als weiterer Niedergang der jüdischen Bestrebungen in Wien gedeutet werden. Und nicht mit Unrecht. Das ist der Fluch der bösen Tat. Das Verschwinden der Tageszeitung, die die unglückselige Politik des Herrn Dr. Plaschkes gefördert. h'at, darf aber auch zweifellos als Symptom gedeutet werden, daß jene Herren mit ihrem Latein zu Ende sind. Das. Arbeitsfeld für die jüdische .Renaissance stellt nach ihrem Abgange eine Ruine dar. Alles liegt brach. Aber, da^jene Herren in ihre Schranken gewiesen wurden, entsteht für uns die Aufgabe, das jüdische Arbeitsfeld von den Schlacken der davongejagten arbeiterfeindlichen Politiker zu reinigen. In die jüdische Bevölkerung müssen wir den wahrhaft progressiven nationalen Gedanken tragen — Kampf für den sozialen Fortschritt in der Republik an der Seite des sozialistischen. Proletariats, Eroberung der jüdischen blassen für aktive jüdische Betätigung, Herstellung eines geistigen Kontaktes mit dem Judentum in allen Ländern der .Welt und Mobilisierung der Judenschaft Oesterreichs für den Aufbau des arbeitenden Palästina. .Wir müssen unsere Bemühungen, die arbeitende jüdische Bevölkerung darüber aufzuklären, daß die Bejahung des Jüdischen mit Arbeiterfeindlichrkeit nicht identifiziert werden darf, noch energischer fortsetzen. Die „W. M." ist nicht mehr, sie ist an dem Un-. Verständnis, an der Unverantwortlichk'eit einiger Herren, die sich dort eingenistet hatten, zurückgegangen. Sie hat manche Position zerstört, sie hat das Erobern "der arbeitenden jüdischen Bevölkerung für die jüdische Renaissance, für das Palästinawerk gestört. Nun ist es an uns, das Feld zu säubern, die zwischen uns und der Masse der jüdischen Bevölkerung geschaffene Kluft zu überbrücken. Die uns bevorstehende Arbeit ist gewiß nicht leicht. .Wir werden gegen Berge von Mißverständnissen anstürmen müssen. Aber kämpfende Sozialisten dürfen keine Schwierigkeiten scheuen. An die Arbeit, Genossen und Freunde! B. Locker: Warum wir uns der Stimme enthielten? Mit 83 gegen 62 Stimmen ist auf dem XV. Zionistenkortgreß die zionistische Exekutive, welcher, insbesondere ihrem palästinensischen Teile, die ganze Arbeiiergruppe und in erster Reihe unsere Organisation vor und nach der Wahl das schärfste Mißtrauen aussprach, gewählt worden. Die Arbeitergruppe mit ihren 60 Stimmen hatte die MögliChkieit diese Exekutive, die unter dem Zeichen der' Ausschaltung jeder Teilnahme der Arbeiterschaft an der verantwortlichen und ausführenden Tätigkeit zustandekam, unmöglich zu machen. Ja, wenn auch nur unsere Fraktion mit ihren 30 Mitgliedern gegen die Exekutive gestimmt hätte, wäre sie in der Minderheit geblieben. Warum haben wir es dennoch nicht getan? Warum haben wir durch unsere Stirnmenenthaltung der Minorität des Kongresses ermöglicht, eine Exekutive, von der wir überzeugt sind, daß sie sich nicht nur gegen die Arbeiterschaft, sondern auch gegen die eminenten Interessen des Zionismus und der Aufbautätigkeit überhaupt wenden wird, zu wählen? Es wird gut tun, in kurzen Strichen die Vorgeschichte dieser Abstimmung festzuhalten. Ursprünglich' sollte die Wähl der Exekutive am Abend des 4. September vorgenommen werden, sie fand aber tatsächlich erst am 12. September vormittags' statt. Eine Woche hindurch1 wurde in der Permanenzkommission, in Verhandlungen zwischen1 Präsident Weitzmann und den verschiedenen) Fraktionen und unter den Fraktionen selbst ein scharfer Kampf um diese Frage geführt. tWie' gestaltete sich1 hiebei die Situation? Einigemal sind in der Permanenzkommissioni Probeabstimmungen durchgeführt worden und jede Aldstimmung ergab eine Mehrheit von 160 gegen 120 gdgen die Palästina-Exekutive, gegen die allein der heftige Kampf gerichtet war. Solange diese Majorität fest blieb, konnte diese Exekutive nicht gewählt werden. Das genügte aber natürlich noch nicht. Die Zentrumsminderhieit, die den Vorschlag des Dr. LWeitzmann (oder richtiger des Herrn Sacker) unterstützte, meinte mit Recht, daß, wenn der Mehrheit diese Exekutive /nicht entspricht, es ihre Pflicht sei, eine ihrem Willen entsprechende Exekutive zu bilden. Es ist sogar in einer Speziellen* Beratung der Mehrheit der Versuch unternommen worden, sich auf einem gemeinsamen Vorschlag zu einigen. Man überzeugte Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Gemeioife Wibh Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, l„ Tuchlauben 8 Telephoa 67-5-40 Serie I sich aber rasch, was wir von vorneherein wußten, daß die Mehrheit es nicht imstande ist. Der Ruf nach einer von den verschiedenen Richtungen befreiten Palästina-Exekutive, brachtevielleicht den Klassen haß und die Kiassenvorurteile gegen die Arbeiterschaft, die sich in weiten:. Kreisen des bürgerlichen Zionismus breitmachen, am deutlichsten zum Ausdruck. Man sprach von „Rieh-, tungslosigkeit, man meinte aber hauptsachlicH „Ar bei ter losigkeit", das heißt, die zionistische Verwaltung vom Mitberatungsrecht der Arbeiter zu befreien, die Leitung der Kolonisation und des Arbeitsdepartements den Arbeitervertretern zu entreißen. Und doch gruppierten sich die Anhänger und. die Gegner dieses* Planes nicht nach der hauptsächlichen Trennungslinie der sozialen Einstellung auf dem1 Kongresse, Sondern auch ein erheblicher Teil der Arbdterge|gjner trat aus verschiedenen! Motiven gegen diese Exökutiwe auf. Die gemeinsame Verneinung der, Pläne .Weitzmann-Saüker ergab aber noch lange nicht, eine Gemeinsamkeit oder zumindest eine Einigung der eigenen Pläne. Aus welchen Elementen; bestand diese, wenn man! so sagen darf, verneinende Majorität? Außer den: 'Arbeitsgruppen enthielt sie auch den Misraehi, die Revisionisten, die Radikalem und die bürgerliohen Zionisten aus Palästina und einige allgemeine zionistische Außenseiter. Unter den letzteren bloß befanden sich wenige, deren Gegnerschaft von ihren Sympathien zur Ar* b'eiterschaft und der Ueberzeugung, daß im jetzigen sChwhiexiigen Momente es' besonders notwendig erscheint, für die verantwortliche Mitarbeit in der Exekutive Vertreter zu gewinnen, die das Vertrauen der Arbeiterschaft genießen,' abgeleitet werden konnte. Unter den Redikälen sympathisiert gewiß ein Teil (vor allem Grün bäum) mit der Arbeiters öhaff, abeir ihre Stellung; in der Frage der Exekutive war in erster Reihe von iihreir Gegnerschaft zur Agencypolitik bestimmt; das soziale Moment spielte eine sekundäre Rolle und auch hier nicht bei allen. Jeden: falls ist mit den erwähnten vereinzelten Zionistenl und mit der zehnköpfigen Gruppe der Radikalen die Liste jener Elemente der gegenwärtigen Opposition, die als Kompagnons in einer Exekutive im Betracht kommen, erschöpft. Die anderen Gruppen der Opposition; das sind Misraehi, Revisionisten*) und die Mehrheit der bürgerlichen Zionisten aus Palästina, sind im sozialen und politischen Sinne unsere schärfsten Gegner. (Schluß folgt.) Die Beratung unseres Weltverbandes. Es war geplant, vor dem XV. Zionisteaikongreß eine Weltkonferanz mit einer umfangreichen Tagesordnung abzuhalten, aber aus mehreren OWihden mußte davon Abstand genommen werden. Dio Wahlen in die Stadtverwaltungen' in Polen, die Konferena der Histadruthl und der Wahlkampf zum Kongreß, der zum ersten! Male geführt wurde, machten die Vorbereitung der Weltkonferenz. unmöglioh1. Auf Vorschlag der „Achduth Haawodah." und des Verbandssekretariats in Palästina wurde; deshalb beschlossen,- von der Abhaltung einer Weltkonferenz heuer abzusehen und! sich auf eine Verbandsberatung zu beschränken. *) Diese beiden Gruppen weisen wohl Anzeichen eine« sozialen Differenzierungsprozesses, die mit der Zeit zu gewissen politischen Umgruppieaaingeh führen könnten, auf. Die Vertreter des Hapoel Hamisrachi haben sogar auf diesem Kongresse in einzelinen Fällen mit dem linken Flügel gestammt. Hauptsächlich ist e» noch edinstweüen blaß© Z»» taH*ft*nw*ik.

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