Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 10 (14.9.1927)
- Date
- 1927-09-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10. Der jüdische Arbeiter Seite 3 Genossen! Kommet alle zur Kulturkonferenz unserer Jugendlichen am Samstag, 17, IX., halb 8 Uhr abends, Blumauerg. reich ü b e r ha u p t u n d der Judenschaft besonders, hat, Ursachen, die für die jüdische Arbeiterjugend eine eigene klassenbewußte Organisation erfordern. Das Ziel ist die Masse und der Weg führt durch1 die Masse, durch' die jüdische Arbeitermasse. Berücksichtigt man die Schwierigkeiten, die jede Jugendorganisation am Anfang zu überwinden hat und insbesondere die unserige, so nimmt es nicht Wunder, daß wir nach einem Jahr nur 250 Mitglieder zählen. Ich' sage „nur", denn 250 sind natürlich nicht viel, wenn sie auch relativ zur bürgerlichen Jugendbewegung eine Masse darstellen. Der Vergleich gereicht den Bürgerlichen zur Schande. Es wäre aber falsch, es' darstellen zu wollen, als ob die 250 schon wirklich jüdische Klassenkämpfer sind. Viel zu viel der Sünden der bürgerlichen Jugendbewegung stecken in unseren Mitgliedern und gerade eines der elementarsten Voraussetzungen1 sozialistischer Jugendarbeit, die Disziplin, ist es, die so manchem mangelt. Aber, ist es uns gelungen, unsere Jugend von dem Hauptübel der bürgerlichen „Ideologie" der Klassenharmonie zu befreien, so wird es uns wohl auch' mit der Zeit gelingen, durch emsige Arbeit und Geduld Disziplin hineinzubringen. Voraussetzung jeder Arbeit ist jedoch, etwas mehr Interesse für die Jugendorganisation seitens der Mitgliedschaft d e r P o a 1 e Z i o n: Genossen! Durclr schwere Kämpfe ist es uns gelungen, eine jüdische; sozialistische Jugendorganisation zu errichten; eine Organisation, die euch dann, wenn ihr alt geworden seid, ablöst und den jüdisch-sozialistischen Gedanken in Wien, im Westen, wo der Zug und der Hang zur 'Assimilationnicht gering ist, hochhält. Mit großen Anstrengungen ist es uns gelungen, eine Zeitung herauszugeben, welche die Aufgabe hat, unsere Ideen innerhalb unserer eigenen Jugend zu festigen, unter der Jugend, die noch außerhalb unserer Reihen ist, unsere Ziele zu propagieren und nicht zuletzt die Masse der nichtjüdisch'eni Arbeiterjugend mit unseren Ideen vertraut zu machen und sie als Sympathisierende zu gewännen. Ein Jahr lang benötigten wir, um uns organisatorisch zu festigen. Das näcchste Jahr muß unserer Vertiefung und unserer Ausbereitung dienen. Organisatorisch und ideologisch müssen wir vorgehen. Und da wenden wir uns an euch, Genossen der Poale Zion! Ihr müßt euch um uns mehr kümmern. Wohl hat uns eure Leitung in jeder erdenklichen Weise unterstützt, aber das genügt -nicht. Wollen wir Masse werden, soll in die poalezionistische Bewegung ein frischer Zug kommen, so muß die Jugendorganisation, eure Jugendorganisation gefördert werden'. (Aktive Förderung seitens der Mitgliedschaft in jeder nur erdenklichen Hinsicht, das tut zurzeit not. Haben wir eure Förderung, ist es uns gelungen, euch Vtat (an Lehrer, Angestellt© usw.), wurdo in' emem solchen Maße verkleinert wie gerade das Budget für die Kulturarbeit unter den Arbeitern. Faktisch! blieb von ihm nur ein Drittel, während andere Btidgets nur um 10 Prozent herabgesetzt; wurden. Die Lage der Lehrer, die im Kulturamt; arbeiten, ist eine verzweifelte: außer, daß ihr Gehalt (8 Pfund pro Monat durchschnittlich) wesentlich kleiner ist als das Gehalt der Lehrer, die in den allgemeinen Institutionen arbeiten (12 Pfund pro Monat durchschnittlich.),- bekamen sie schön seit vielen Monaten das Gehalt überhaupt nicht ausbezahlt. Die Zentrale des Kulturamtes lehnte infolgedessen ihre weitere Verantwortung ab und legte ihre Arbeit nieder. Daraufhin stellten letzte Woche auch die Lehrer und An- Efejstellten des Kulturamtes (170 Mann, die an 80 Orten dseä Landes beschäftigt sind) die Arbeit ein. Nach! einer Unterbrechung der Arbeit die einige Tage Säuerte, nahmen die Lehrer und alle Angestellten ihre Arbeit wieder auf, nachdem die Exekutive der allgemeinen Arbeiterorganisation neu aufgenommene Verliandlungen mit ler zionistischen Exekutive in Jerusalem beendigt hatte. Su( einem endgültigen Resultat haben die* Verhandlungen fiber. nicht geführt. Die Frage der 4800 Pfund soll mit Sinwilligiung der zionistischen Leitung der nächsten Sitzung lea Aktionskomitees vorgelegt werden, die vor dem Kongreß stattfinden1 soll. Die zionistische Exekutive sagte nur zu, laßt sie sich im Laufe der Monate bis Oktober bemühen verde, dem Kulturamt die Schuld von 1680 Pfund ausluzahfen/ die dieses für Kittdererziehungsarbeit zu erhalten liat. Auf diese Weise werden die Lehrer und Angestelltem m den Monaten bis Oktober 35 Prozent des. Gehaltes auf feahftaagl früherer Monate bekommen. für alles, was in unserer Jugendorganisation* vorgeht, zu interessieren, dann ist der Tag nicht mehr ferir, wo der jüdische sozialistische Oedanke in Wien, dem Orte, der sich kreuzenden westlichen und östlichen Strömungen, zu einem Bollwerk des Judentums wird; dann ist die Zeit nahe, wo alle Zusammenschlüsse der bürgerlichen jüdischen Jugend uns nicht werden hindern können, unser Ziel zu erreichen. Samu H a 1 per n. Der XV. Zionistenkongreß, .Während diese Zeilen geschrieben werden, ist die Nachricht von der Beendigung des XV. Zionistenkongresses eingelangt. Man kann also noch keine erschöpfende Charakteristik der Betetitung dieser Tagung geben. Wie vorauszusehen war, stand dieser Kongreß unter dem Eindrucke der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Palästina. Es soll hervorgehoben werden, daß, obwohl alle verantwortlichen Führer offen und freimütig über die Läge in Palästina gesprochen, herrschte keine Resignation. Alle waren überzeugt, daß die Krise ihren Höhepunkt längst überschritten, hat «und daß nunmehr der Aufbau wieder fortgesetzt .werden wird. Als positiv muß auch die Tatsache gewertet werden, daß diesmal endlich ziemlich offen und ausführlich der Mandatarmacht gesagt wurde, was man von ihr erwartet, was sie zur Erfüllung ihrer Pflicht unbedingt tun muß. Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Beraeinde Nie« Sliisdie VersfdieruRosonstflll Feuer- und EinbruchversicherungfürWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie CK. N. Bialik wendete sich' in dieser Frage telegraphisch an eine Hei he leitender Persönlichkeiten der zionistischen Weltbewegung. * Dieser Tage beendigte man den Bau: des 2. Stockwerkes des Arbeitersanatoriums „Orseh" in Mozah. Bei dieser Gelegenheit lud die Zentrale der Arbeiterkrankenkasse — „Kupath! Cholim" — die Vertreter der Presse ein und ein Mitglied der zentralen Arbeiterkrahkenkasse. Genosse Kaniewsky, berichtete in kurzen Zügen über "Wesen, Ziele und Tätigkeit der Krankenkasse und1 sprach ausführlich1 über die Aufgaben des Sanatoriums „Orseh" und seine Geschichte. Infolge der eigenartigen Bedingungen, in welchen der Arbeiter in Palästina lebt, spielt das* Bedürfnis nach Erholung eine wichtige Rolle. Das erste Arbeitersanaturium im Land wurde vor acht Jahren von der Partei „Achduth Haawodah" gegründet. Nachdem die* allgemeine Arbeiterorganisation geschaffen werden war, ging dieses Arbeitersanatorium in die Verwaltung der Krankenkasse über. 1923 beschloß die Krankenkasse, ein eigenes Gebäude für ein Sanatorium zu bauen. Man kaufte den Platz in Mozah1, eine Fläche von 55 Dunam Boden, 8 km von Jerusalem entfernt, an einem der schönstein Punkte der palästinensi-» sehen Berglandschaft. Auf diesem Platz pflanzte Dr. Herzl bei seinem Besuch in Palästina eine Ceder fdoch! wurde sie in der Kriegszeit von unbekannter Hand umgehauen) — daher der Name des Sanatoriums;,Orseh" (Eresi — die Ceder). Der erste Stock, welcher 10 Zimmer, 30 Betten und einen Eßsaal enthält, wurde 1925 fertiggestellt un<d' im gleichen Jahr eröffnet. Auf dem ftbfe wurde auch ein zweistöckiges Haua für das Personal,- daß im Sanatorium und1 der Küc&e Brigittenauer Genossen! Besuchet die Werbeversammlung der Jugendlichen Dienstag, 20, IX., halb 8 Uhr abends, Rauscherstr. 5. Zu begrüßen sei es auch, daß man die Frage eines langfristigen Darlehens ernst behandelt hat. Wir wollen hoffen, daß es gelingen wird, in absehbarer Zeit eine positive Lösung dieser Frage zu finden. Der Kongreß beschloß auch, daß in jedem Lande ein aus den Vertretern aller Fraktionen und Gruppferungen bestehendes Komitee, daß die gemeinsame Tätigkeit für Palästina leiten, gebildet werden soll. ,Wir glauben, daß ein solches Komitee insbesondere im Oesterreich sehr notwendig ist. Sonst wäre noch hervorzuheben, daß auf diesem Kongresse das Hauptgewicht auf die Kommissionsberatungem gelegt wurde. Es' hat weniger schöne uttd lange Reden, aber mehr sachliche Arbeit gegeben. Es sei zu hoffen, daß die günstige .Wirkung dieser Neuerung auf die Tätigkeit der zionistischen Organisation in den nächsten zwei Jahren nicht ausbleiben wird. Die Gruppe unseres Verbandes war auf diesem' Kongresse besonders stark, sie zählte 30 Mitglieder. Ihr Einfluß war auch dementsprechend. Sie hatte manchen Kampf mit den bürgerlichen Gruppen auszufeChten. Wenn auch die Tatsache der bürgerlichem Mehrheit nicht aus der Welt zu schaffen war und1 wichtige Anträge der Arbeiterschaft niedergestimmt! wurden, gelang es doch unseren Genossen, das Schlimmste abzuwehren. Wir werden über den. Kongreß noch ausführlich1 schreiben. Jizchok Deutsch. Fern von der Stätte, wo er sich' künstletiisIc'K' entfaltete, wo er künstlerische Taten vollbrächte, diö niemand vor noch nach! ihm vollbringen' konnte (von; Gastspielen abgesehen), feiert Jiscftök Deutsch sein' zwanzigjähriges Bühnenjubiläum'. Er soll in Argentinien viel Erfolg haben, er soll zu den bestb'ezahltörf. jüdischen Schauspielern zählen. Aber was bedeutet Geld für diesen Kunstfanatiker, für diesen Bohemien?. [Wer ihn nicht kennt, wird es wahrscheinlich kaimi glauben wollen, aber trotzdem' ist es wahr: die einzige, dauernde Befriedigung waren für Deutsch seine künstlerischen Erfolge. Und er hatte bedeutende künstlerische Erfolge.' Als Schauspieler und als1 Regisseur. •Wir haben ihn noch' als Zuhälter im „Gott der, Rache", als Arbeiter in „Eisig S'cheftel" und als Ch'asen. in ^Sommerfrische" in Erinner.uinig. Wir sehen noierf vor uns die wunderbar geleiteten Aufführungen' von! „Eisig (Scheftel", „Sdi'mates", ,,Gott der Rache" u. v. a. [Wir können nicht am die schöpferische Kraft D'euts'CbJ' ' bei Inszenierung der „Meilensteine" (ein Vorläufer der »Revue) vergessen,. arbeitet, gebaut. Dieses Jahr wurde der 2. Stock aufgesetzt. Jetzt wird das Sanatorium 60 Betiten' enthalten. Die Anstalt nennt sich nach1 dem Namen der Krankenschwester Sarah Schmucklecr, eine der ersten' Krankenschwestern der hiesigen Arbeiterschaft; die im oberen! Galil am gelben Fieber starb. , Die Summe, die der Bau kostete, wurde aufgebracht: Pfund Von der Arbeiterschaft Palästinas 1.227 Von dem „Jüdisch'nationalen Arbeiterverband" in Amerika 2.308 Aus Geldern der Campain der Organisation in Amerika 2.225 Von der Arbeiter-Krankenkasse selbst 3.202 Von allgemeinen nationalen Instituti'jnen: in Palästina > 625 im Ausland 864 Aus! Erbschaften 2.063 Verschiedene Spenden 4.560 Ore'samtsumme 17.064 Diese Gelder wurden folgendermaßen ausgebeben: Pfundi Für den Bodenkauf 1.007 Das erste Stockwerk 8.372 Das! z>veite Stockwerk 2,831 Eine 'Zisterne (1500 obm Wassep) 1.660 Die Chaussee 522 Verschiedene Pflanzungen und Vorbereitungdes Platzes 1.915 Baracken 257 Gesamtsumme nm « .i / ■ , » . ~ > *; •<••' ■* < * ■ -*r». ■ 4