Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 10 (14.9.1927)
- Date
- 1927-09-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter Nr. 10. Fern von uns feiert Deutsch sein Jubiläum, aber •unsere Grüße und Wünsche sollen ihm auch in Argentinien erreichen. Wir wissen ihm Dank, daß er dem jüdischen Wien5 den Weg zur wahren Theaterkunst gebahnt foat. Wir wünschen ihm und uns, daß es ihm gegönnt sein möge, diese fruchtbare Arbeit bei uns fortzusetzen. Wir wissen, daß das seine noch immer ungestillte Sehnsucht bildet. öruß unserem Jischok Deutsch! r Notizen und Glossen. W. M Die Siege der „Wiener Morgenzeitung". Daß die Herren der „Wiener Morgenzeitung" mit Blindheit geschlagen sind, haben wir des öfteren dargetan, aber wir hofften, daß die letzten Nationalratswahlen genügt haben, um den Herren den Star auszustechen. Ihre Blindheit scheint aber unheilbar zu sein. So haben die Herren neuerlich ihren Sieg über unsere Liste zum Zio nisten kongreß ausposaunt und wollen nun ihren Lesern einreden, daß sie an Einfluß unter der jüdischen1 Bevölkerung gewonnen haben. .Wie schaut dieser Sieg eigentlich' aus? Der Schekelverkauf war für uns besonders schwierig, weil dank der ^glorreichen Führung der Wiener Zio nisten der Söhekel in Oesterreich teuerer als in Polen und in Deutschland war. Es war außerordentlich schwierig, die Sch'ökel zum Preise von S 2 abzusetzen. Die tüchtige Führung des Wahlkomitees hat es auch bewirkt, daß der allergrößte Teil unserer Wähler, trotz der getroffenen1 Vereinbarungen, in die Liste! •nicht aufgenommen .wurde. Aber warum machen sich1 die Herren der „W. M." keine Gedanken über , den allgemeinien Rückgang der Sc'hekelzahter und Wähler? Wie schämen sie sich nicht, zu jubeln zurzeit, als sie von ihren Anhängern fluchtartig verlassen werden? Begreifen die Herren noch immer nicht, daß ihre unverantwortlieh'e Politik es allen Gruppen' unmöglich macht, für Palästina und Zionismus zu werben? Und wie haben* die Herren der;,W. M." gesiegt? Die „W. M." warb für die radikalen Zionisten, aber trotz der unsauberen Mittel, der sie sich hietfei: 'bediente, hat die Liste der Radikalen viel weniger S.timmen als die anderen Gruppen erhalten. Die meisten Stimmen! Vereinigte auf sich die Liste der „Allgemeinen Zionisten", die sich zur Landespolitik 'der Herren Plaschkes und Stricker ablehnend verhalten!und eben1 deshalb größeren Einfluß als die Herren „Radikalen", .die im. ihrer Mitte die Landespoiitiker 'haben, 'haben. So Sjieh,t der Sieg der „W. M." .aus. Einmal rechts, einmal links. Die Herren, der „Wiener Modenzeitung" haben Charakter. Sonst waren ihnen die Sozialdemokraten ' ^niemals radikal genug. Ueberall witterten sie nur [Kompromisse und .Konzessionen. Selbsj: die neiden-» hafte Obstruktion gegen den Abbau des Mieterschutzes hielten sie nicht für ernst. Jetzt aber gefallen sich die Herren als Prediger für eine christlichsoziale-sozialdemokratische Koalition. Der 15. Juli existiert für diese Herren scheinbar nicht. Das unschuldig vergossene Arbeiterblut, die gesetzwidrigen Verfolgungen halten sie anscheinend als ,gute Basis für eine Koalition. Auch der jüdischnationale Schmock hat Charakter und das richtige Verständnis für Selbstwürde. Freidenkertum oder Büberei? Wir sind schon daran gewöhnt, daß jeder an sich vernünftige Gedanke bei uns verzerrt und karrikirt wird. So ergeht es auch dem Freidenkertum in Wien, wenn es bei der jüdischen Agitationsgruppe landet. Die Gruppe ruft zu Versammlungen gegen Jehowah und die Kultusgemeinde auf. Und in diesem Aufrufe heißt es: „Heute werden in Polen die jüdischen Freidenker von der religiös-nationalistischen (gedacht wird hier an die jüdische. D. Red.) Reaktion ebenso verfolgt, wie im ehemaligen zaristischen Rußland von den pogromistischen „Schwarzen Hundert". Nur in den Phantasien der jüdischen Demagogen, die das Freidenkertum diskreditieren, existieren die Pogrome der jüdischen Reaktion über jüdische Freidenker. Alle Religionen sind diesen „jinglach" Reaktion, zwischen Dr. Seipel und Dr. Chäjes besteht für sie. kein Unterschied. Also, heraus aus der Kultusgemeinde! Was wissen diese Buben von den wichtigen sozialen Funktionen, die die Kultusgemeinde noch heute zu erfüllen hat? Was bedeuten für sie die tausende; jücijsdher Arbeiter, die durch' die Tätigkeit der Kultusgemenide oft vorn Schlimmsten bewahrt werden? Was wissen diese Pseudo-Freiden'ker vom Kampfe, den die jüdischen Arbeiter in allen Ländern, und auch' wir in Wien für die Verweltlichung der Kultusgemeinden führen? Was .interessiert sie die Besonderheit der Juden als exterritoriale nationale Minderheit? Den nichtjüdisch'en Freidenkern nachäffen, auch' wenn sie das Freidenkertum hiebei verzerren und karrikieren, das scheint Programm und Aufgabe der jüdischen Agitationsgruppe zu sein. r!_ Aus unserer Organisation * j* Die nächste Tätigkeit unserer Organisation. Die Leitung unserer Organisation hat den Arbeitsplan für den * Herbst und Winter bereits1 festgesetzt. Im Monate Oktober sollen die Kurse wieder aufgenommen werden. Heuer werden die Kurse gemeinsam mit der Jugendorganisation veranstaltet werden. Im Monate November soll das zwanzigjährige Jubiläum unserer Weltbewegung gefeiert werden. Außer einer großen Jubiläiirnfeier soll aus diesem Anlasse eine Kundgebung für das arbeitende Palästina veranstaltet werden. Eine Festnummer „Der jüdische Arbeiter" wird dem Jubiläum gewidmet werden. Das Vorbereitungskomitee wurde bereits gebildet. Es ist auch beschlossen worden, in den nächste» Wochen mit einer regen Werbetätigkeit einzusetzen. Wir appellieren an alle Genossen, daß sie sich uns für diese Tätigkeit zur Verfügung stellen. Verein der Freunde des arbeitenden Palästina. Im Laufe des Monats September findet eine Beratung aller Gruppierungen, die sich um das arbeitende Palästina sammeln, statt. Der Beratung wird ein führender Genosse aus Palästina beiwohnen. Zur selben Zeit wird auch eine öffentliche Versammlung, in welcher Genossen aus Palästina als Referenten auftreten werden, stattfinden. PICK NAHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunferricht FAHRRÄDER 1927 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteins^. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikel Fabriksniederlage in Herren- und Damen- Modestoffen S. Meister Wien, I., Salzgries Nr. 7. 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Das neue Gebäude* wird auf einem Hügel, 200 m von Kfar Jeladiin (Kinderwaisendorf) entfernt, auf dem Wege nach1 Afuleh, gebaut. Der Boden gehört dem NationaMonds. Die erste medizinische Hilfe, die überhaupt im Emek gegeben wurde, kam von Seiten der Arbeiter-Krankenkasse. Man begann mit einigen Betten in1 einem Saal, und jetzt ist das Spital der Arbeiterkrankenkasse im Emek — es befindet sich augenblicklich' in Ein Charod — das drittgrößte Spital im Land (nach1 Jerusalem und Tel-Aviv). Nach dem Plan soll das neue« Gebäude Platz für 70 Betten für innere Krankheiten, 16 für Wöchnerinnen, 34 für Kindel-, 10 für verschiedene Kranke bieten. Bei der Feier der Gr^.uidstein'legung zum neuen Gebäude waren Vertreter aller landwirtsclmftlichen Siedlungen des Emek, ein Genosse der Exekutive der „Allgemeinen; Arbeiterorganisation", die Genossen der Arbeite r- Ki-aiikenkassenzentmle, die Aerzte und das Personal des zentralen' Spitals in Ein Charod und) auch ein Vertreter der Regierung anwesend. Verschiedene Institutionen hatten Begräßungstelegramnae gesandt. Der Vorstand der Arbeiter- Krankenkasse betonte, daß das Spital allen Einwohnern dea Emek, auch den Nicht-Mitgliedern der Krankenkasse, offen stehen wird. In den Reden, die die Genossen hielten, wurde auf die Entwicklung der Krankenkasse im Laufe der letzten Jahre hingewiesen und dabei gedachte man auch der Zeit, ela das erste Krankenzimmer im Emek noch mit Verschanzungen errichtet werden mußte; die Wände bestanden damals aus Sandsäcken, um vor einer zufälligen Kugel Schutz zu bieten. * Samstag, den 4. August fand die GinmdungsVersammlung der Vereinigung der großen Kibbuzim im Lande statt. An ihr beteiligten sich 4 große Gruppen, die zu einer Vereinigung bereit waren: Ein Charod, der russische Hasoh'omer. Hazair, „Hakowesch" und die Gruppe Wohlin. In anderen Gruppen, die den Grundprinzipien der Vereinigung nahestehen, landen in dieser Frage noch Diskussionen statt. Es wurde beschlassen, die A'ez'einigung zu vollziehen und nicht länger auf die anderen Gruppen' zu warten, die ja gewiß mit der Zeit ebenfalls der Vereinigung beitreten werden. Genosse 'J'abenkin referierte über die Ziele der Vereinigung» der Bewegung der großen Gruppen. Nach kurzer Debatte nahm man die Beschlüsse über die Statuten des vereinigten; Gruppenverbandes an. Als eine seiner Grundlagen wurde ein Punkt angenommen, der sagt, daß der Verband seinen Genossen einezionistisch-sozialistische Erziehung gibt. Gleichzeitig bleibt jedem Genossen das Recht, in jede politische Partei einzutreten oder parteilos zu sein, d/ochi ist er verpflichtet, die Grundprinzipien des Verbandes anzuerkennen. Der Verband stellt in den Mittelpunkt seiner- Aufgaben die kolonisatorische Tätigkeit und das Eindringen1 in verschiedene Arbeitszweige im Land mit der Absicht, die Arbeitsgebiete im Lande zu erweitern. Selbstverständlich unterstellt sich der Verband der allgemeinen Arbeiterorganisation und allen ihren Institutionen. Der Verband nimmt Gruppen, die sich vorbereiten, ins Land zu kommen und Gruppen der Arbeiterjugend des' Ini und Auslandes auf. Die Körperschaften, die in den Verband eintreten, bleiben autonom und haben das Recht, organisatorische Beziehungen zu den Gruppen, mit dem ein sie im Ausland verbunden waren,, oder mit der Arbeiterjugendorganisation' im Land, weiter zu pflegen. Auch ökonomisch und wirtschaftlich bleibt jede Gruppe au ihrem Arbeitsorte oder in den verschiedenen Abteilungen autonom. Der offizielle aNmen des Verbandes ist „Der vereinigte Kibbuz (Verband)". Aus besonderen orgauisatirischen Gründen und wegen der nahen Konferenz des „Brith Hanour" (Jüdischer Jugendbund), die in Danzig stattfinden soll, wird der „Haschomer Hazair" erst in drei Monaten organisatorisch in den Verband eintreten, indessen beteiligt er sich in den In- | stitutionen des Verbandes mit Beratungsrecht. Diese Vereinigung, die gerade in dieser für die ganze Bewegung in Palästina und. im Ausland so schweren Zeit stattfand, ist. gewiß ein Fortschritt auf dem Wege, die verschiedenen Jugendgruppen im In- und Ausland einander zu nähern. * Auf einer Versammlung1 der Sockenarbeiter, die am 13. August in Tel-Aviv stattfand, wurde eine Resolution angenommen, die die Solitarität mit den Sockenarbeitern in Warschau ausdrückt, die seit drei Monaten im Kampf gegen den Lock out stehen. Die Versammlung beschloß, unter den Arbeitern im Lande eine Hilfsaktion zu veranstalten. Jeder Genosse ist verpflichtet, sich mit einem viertel oder halben Tageslohn zugunsten der Genossen, die unter dem Lock out im Warschau leiden', zu besteuern. Eigmtämer, Verleger, Herausgeber u. verantw. Redakteur: Josef Goldstaub, Handelsangestellter, Wien, XIX., Grinzinger Allee 7, B. 33. — Druok: „Adria", Wien, II., Taborstr. 62b.