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Der Jüdische Arbeiter · 1927-09-14 · Heft 10 (14.9.1927) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 10 (14.9.1927)
Date
1927-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Der judische Arbeiter Nr. 10. Mittwoch den 21, September um hafb 8 Uhr im Festsaal des „Bayrischen Hof", Wien, IL, Taborstraße 39 MASSENVERSAMMLUNG Tagesordnung; Die Juliereignisse in Wien und die jüdische Arbeiterschaft Referenten: Nationalrat Janicek, Dr. Sokal und Kultusvorsteher Dr. Bader Erscheinet pünktlich! Erscheinet zahlreich! und Auswanderung sind die wichtigsten Mittel, tiie eine Erleichterung dieser schwierigen Lage herbeiführen können. Den Wiener Juden geht es schlecht, viel schlechterals den Nich'tj uden, aber <Jie Repräsen tanz der jüdischen Bevölkerung, die Israeli tische Kultusgemeinde, die berufen ist die Leiden der jüdisdhen Qpfer' der Wirtschaftskrise zu erleichtern, sieh t dem tatenlos zu. Tausende arbeitender Juden befinden sich in größter Not, in ihrer Verzweiflung wandern sie in Oesterreich und in den Nachbarländern' von: Stadt zu Stadt ratlas herum und ihre entsetzliche Hilflosig- Itieit ist unabsehbar. (Was wird in anderen Ländern! geleistet? In Deutschland gibt es eine ausgezeichnete Organisation, die sich mit der Wanderf ürsorgö und Berufsberatung befaßt. Dje jüdischen Gemeinden decken fast zur Gänze das Budget dieser Organisation. In Prag und im Belgien gibt es ähnliche Organisationen. D,ie jüdische Gemeinde in Warschau bestimmt alljährlidh einen bedeutenden Betrag für die Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten für jüdische Arbeitslose. Wir könnten die Aufzählung der jüdischen Gemeinden inööh lange fortsetzen. Aber die wenigen Beispieliel genügen ja auch' als' Illustration. In Wien! aber besteht noch immer die ganze Fürsorge in dem Almosen, die man Reisebeiträge nesnnt, die absolut unzweckmäßig und unproduktiv sind. Unsere Genossen haben zwar seit ihrem Einzüge jn die Kultusstube oft über die Notwendigkeit einer modernen sozialen Fürsorge, über die Regulierung dier jüdischem Wanderbewegung gesprochen, aber den heutigen assimilatoriscfczionistischen Machthabern der [Kultusgemeinde ist jede Anregung, jeder Antrag, der von unserjen Genossen] stammt, ein rotes Tuen. Mag die Not der jüdischen Massen! noch! 90 brennend sein; die „Roten" dürfen bei den nächsten Wahlen auf feine Erfolge hinweisen können. Das ist das höchste Gebot der Machthaber der Kultusgemeinde. r> Was ist nun zu tun? So lange die heutige assimilatorisch-zionistische Koalition die Mehrheit in der Kultusgemeinde bilden wird, ist nur geringe Aussicht vorhanden, daß ein nteuer Geist m das Haus in der Seitenstetten'gasse einziehen soll1. Unter den verschiedensten Vorwänden wollen die Machthaber der Kulttisgemeinde den jüdischen Massen das Wahlrecht vorenthalten. Weil sie von ihrem Rechte, alle Juden, zumindest zur Errichtung der Minimalsteuer verpflichten zu dürfen, keinen Gebrauch machen können, oder wollen, verlangen sie, daß man sich freiwillig zur Steuerleistung anmelde. Eine Forderung, die noch keine öffentliche Körperschaft an ihre Mitglieder gestellt hat Die reaktionäre Waffenbrüderschaft der Assimilanten und Zionisten hates sogar zustande gebracht, das (Wahlrecht an eine dreijährige Steuerleistung zu knüpfen. In der österreichischen Republik wird es kaum einen Schnackerl verein geben, der seinen Beitrag zahlenden Mitgliedern das Wahlrecht vorenthalten soll, die Mehrheitsgruppen der Kultusgemeinde aber, haben sichi, unter dem Drucke unseres Eingreifens in den Wahlkampf, zu diesem Sch'andbeschlusse hergegeben. Unter dem Drucke unserer Genossen in der Kultusgemeinde und unserer Werbetätigkeit unter der arbeitenden jüdischen Bevölkerung sahen sich die Zionisten gezwungen, einen Antrag auf Einbringung einer Wahlreform (den Antrag unserer Genossen auf die Einf ü hrung des allgemeinen Wahlrechtes haben sie natürlich sabotiert) eingebracht. Aber seit Monaten ruht er irgendwo. Wahrscheinlich' hat man die Herren Zionisten für ihr Stillschweigen mit irgend einem Zuckerl abgespeist. * An unseren Genossen, an uns' selbst liegt es, das Bollwerk der Reaktion im jüdischen Wien zu zertrümmern. Wir m üssen die j ü discheii Massen a ufrufen und ihnen klarlegen, daß die Ku 1tusgemeinde berufen ist, die Not der jüdischen Mass'enz u erleich tern, daß es eine unerträgliche'Sch1a>nide ist, daß die Kultusgemeinde die einzige öffentliche Körperschaft ist, in der das allgemeine Wahlrecht nicht gilt, daß dieses reaktionäre »Wahlrecht eineS chand u ng der jüdisc Wen Freiheits bestreb ungen, der schönsten j fleischen Traditionen bildet. Es geht darum, die Not vieler unserer Brüder zu lindern, 'es gilt, die Schande der Reaktion von der jüdischen Gesamtheit abzuwälzen. Wenn wir* temter diesen Losungen die jüdischen Massen aufrufen! werden, werden sie uns folgen. Der K'amipf kür das' allgemeine Wahlrecht in die Kultusgemeinde und 'für die Demokratisierung ihrer gesam ten Tätigkeit beginne! M. S. Ein Jahr jüdisch-sozialistischer Jugendorganisation. Wenn es auch sonst Jubiläen zu feiern1 keinen Sinn hat, überhaupt, wenn die Zeit, auf die man zurückblicken kann, nur ein winziges Jahr ausmacht, so wollen wir doch bei unserer Jugendorganisation! eine Ausnahme machen, um so mehr, als dieses eine Jahr, für die Entwicklung und für den Bestand des Jugend Verbandes überhaupt, von großer Bedeutung war. Um es gleich zu sagen: die Tatsache, daß unser Jugendverband es vermochte in diesem ersten Jah're nicht.nur die ersten Kinderkrankheiten zu überwinden und seine ersten Gehversuche in kräftige Schritte zu verwandeln, sondern auch die bürgerliche Jugend zu neuen Versuchen zu zwingen, ist ein Beweis seiner Wirkung. Das Sichzusammenfinden der seit Jahren getrennten bürgerlichen Jugendorganisationen, ihre Krönung in einem Gesamtverband der bürgerlichen Jugendorganisationen zionistischer Richtung — das alles sind Symptome der Kraft der Idee und nicht zuletzt des Willens, sich von dem bürgerlichen Zionismus zu emanzipieren. Verbietet uns auch die Bescheidenheit unsere Jugendorganisation als die' alleinige Ursache des Zusammenschlusses der bürgerlichen Jugendorganisationen, die in letzterer Zeit ganz ernste Dimensionen annimmt, hinzustellen, so müssen wir doch konstatieren, daß neben dem Zerfall und der Leere des bürgerlichen Zionismus, der sich besonders bei den Wahlen zeigte, auch unsere Organisation' ihren Anteil daran hat. Hätte unsere Jugendorganisation in dem einen Jahre ihres Bestehens niehts anderes bewirkt, als daß sieh die KlassenscHeidung auch' innerhalb der jüdischen Jugend durchsetzt und organisatorische Formen annimmt, so wäre dies allein Grund genug, ihr Beachtung 'seitens jener Faktoren zu schenken, die fth'r ideologisch am nächsten1 stehen. Ueberh'aupt, wenn man die Schwierigkeiten, die der jainge Verband allseits begegnete und die sicherlich nicht dazu beitrugen die Arbeit zu fördern, berücksichtigt, muß man zu dem Schlüsse kommen, daß wir es hier nicht mit einem künstlichen, aus dem Streben einzelner, entstandenem Verein zu tun haben, sondern vielmehr mit einer Organisation, die ihre Ursache in der gesellschaftlichen Entwicklung in Oester- Palästina-Rundschau. 1500 Arbeiter gehen zur Arbeit. — Auch! in Tel-Aviv eine Erleichterung. — Beginn der Ruthehberg - Arbeiten. — Schwierige Lage des Arbeiter-Kulturamtes. — Das Arbeitersanatorium;,Orseh". — Grun'dstemlegung des zen.tra.lefa Spitals im Emek. — Vereinigung der Kibbuzim (Landessiedlungsgruppen). — Arbeitefsolidarität. Am 15. August wurde in Jerusalem zwischen der Exekutive der allgemeinen' Arbeiteiraganisatiön und der zionistischen: Exekutive ein Abkommein über die Verwirklichung des Arbeitsplames getroffen, der seinerzeit durch die Arbeitszenträte der „Allgemeinen Arbeiterorganisation" .vorgelegt wurde. Zu diesem Plan gehören' eine Reihe von Arbeiten in Jerusalem und in dem benachbarten landwirtschaftlichen Siedlungen: Ataroth, Kirjath Anawim, ferner im Emek und im unteren: Galil. Für die Arbeiten in Jerusalem und Umgebung wurden schon die Kontrakte abgeschlossen und damit wurde auch die Unterstützung für 'die dortigen Arbeitslosen eingestellt. Wenn! die Kontrakte über die Arbeiten, in Haifa und Afulehl abgeschlossen sein werden, wird auch dort die .Unterstützung; für Arbeitslose eingestellt werden. Seitens der ^Allgemeinen Arbeiterorganisation" und1 der zian. Exekutive werden alle Vorbereitungen getroffen, um auch dort dimerhajb kurzer Zeit mit den Arbeitein beginnen' zip können. Mit dem Beginn dieser Arbeiten! wurde) ein wichtiger Schritt gemacht, die Ausgaben für Arbeitsibsenunterstützung 'durch produktive Arbeit, die unseren landwirtschaftlichen Siedlungen; zugute kommt, zu ersetzen. Mit besonderer Freude wurde es aufgenommen, daß mittels dieser Gelder vor allem die Wasserleitung! für eine Reihe landwirtschaftlicher Siedlungen, die schon seit Jahren darauf! warten, gelegt werden! soll. Auch werden dort statt der Baracken Häuser gebaut werden. Allesr in allem werden diese Arbeiten' 69.580 Pfund erfordern und eine gewisse Zeit lamg .ungefähr 1500 Arbeiter täglich beschäftigen. Um die Verwirklichung dieses Planes herbeizuführen, war aber seitens der Arbeiterschaft ein neues Opfer notwendig: die landwirtschaftlichen Arbeiter beschlossen, sich mit 1000 Pfund zugunsten der Arbeitslosen in Tel-Aviv zu besteuern, um damit die zionistische Exekutive von einer Reihe von Verpflichtungen zw befreien und es ihr zu ennöglichen, bald mit den Arbeiten zu beginnein. * .Endlich1 bestätigte die Regiei*uhg den schon lange versprochenen Kredit für verschiedene seitens des Tel-Avi vor Stadtrates vorgeschlagene öffentliche Arbeiten (Chausseen) ini einer Höhe von 11.000 Pfund1. Die Unterhandlungen mit der Regierung wegen dieser Arbeiten dauerten fast ein halbes Jahr. Die Arbeiten bringen! auch für Tel-Aviv eine kleine Erleichterung, wo die Zahl der Arbeitslosen, die Unterstützung bekommen1, allmählich1 verkleinert werden wird. * Diese Woche fuhr endlich die erste Gruppe Arbeiter ini das Jordantal', um die Ruthenbergj-Arbeiten zu beginnen. Vorerst fuhren die ersten 80 Mann dorthin. En den nächsten Wochen wird aber die Zahl vergrößert werden. * Die „Waadath! Hatarbuth", das Kulturamt der allgemeinen Arbeiterorganisation,", befindet sich momentan in besonders schwieriger Lage. Bekommt sie nicht bald irgendwelche Hilfe, so droht die Gefahr, daß sie ihre ganze Tätigkeit einstellen muß. Das1 Budget, daß dem Kultuiumt vom allgemeinen zionistischen Budget, laut dem Beschluß der Budgetkommission auf dem 14. Kongreß, zukommt, beläuft sich auf 12.000 Pfund. Diese Summe hat dasi Amt vom Arbeitsdepartement der zionistischen Leitung in Jerusalem zu bekommen. Die genannte Budgetkommission beschloß ferner,' daß die Summe, die für das Kulturanit bestimmt wurde, bei jeder Einschränkung, die im allgemeinem zionistischen Budget vorkommen kann; ausgenommen werden muß. Als aber die zionistische Exekutive sich 1926 gezwungen sah; eine Reihe Budgets zu verringern, setzte sie auch das Budget des Kxdturamtes auf die Summe von 9600 Pfund pro Jahr herab, 1927 stellte das Kulturamt seine Tätigkeit auf ein Budget von! 12.000 Pfund ein, die auch) das Defizit von 1926 decken sollten und schloß Anfang des Jahres die Verträge mit den Lehrern und Leitern der Schulen und Abendkurse ab. Das „Zionistische Aktionskomitee" bestimmte aber keinerlei Einzelheiten für die Verteilung des; Arbeitsbugets für das Jahr 1927 und die Verhandlungen zwischen dem Kultirramt und dem Arbeitsdepartement über das Budget dauerten bis Ende Februar. Nach der letzten- Aktionskomiteesitzung lehnte der Leiter des Arbeitsdepartements, Genosse Sprinzak, die Forderung des Kulturamtoes ab und bestätigte statt eines Budgets von 12.000 auch für dieses Jahr nur 9600 Pfund. Mitten im Jahr teilte aber das Arteitsde^ortamenit mit, daß es infolge der schweren! Lage, die in> Lande herrscht, gezwungen sei, dem Kulturamt — bis sich die Lage bessern wird — nur die Hälfte des Budgets, d. h. 4800 Pfund, anzuweisen. Diese Mitteüubg brachte das Amt ini eine äußerst schwierige Lage. Kein einziges Budget einer Institution, die in Palästina feste Gehälter zu zahlen

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