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Der Jüdische Arbeiter · 1927-08-16 · Heft 9 (16.8.1927) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 9 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Der jüdische Arbeiter Nr. 9. je t z t d e r Fall war, werden einschränken müssen, müssen wir unsere größte Aufmerksa rn kei t und Anstrengu ng d iesetiorganisa to rischen Aufgaben zuwenden. Ich zähle gewiß nicht zu jenen Genossen, die die Existenz und die Tätigkeit unseres Verbandsbüros nicht zu würdigen verstehen, ich bin mir darüber vollkommen klar, daß die Einschränkung der Tätigkeit des Büros ein schweres Opfer für die Weltbewegung bedeutet, aber ich bin der Meinung, daß im jetzigen Zeitpunkte die organisatorischen Aufgaben das Primäre bilden. Nach dem Kriegsende und nach der Spaltung, als es galt, unsere Bewegung neu aufzubauen, haben uns programmatische Fragen völlig absorbiert. Wenn wir nun nicht jetzt, in letzter Stunde, diese organi^ satorischen Aufgaben mit der notwendigen Energie und Beschleunigung durchführen werden, könnte es geschehen, daß unsere theoretischen Grundsätze und unsere Losungen überall Anerkennung finden, daß wir aber keinen Träger dieser Grundsätze und Losungen in den für uns wichtigsten Teilen der Welt besitzen. Diesem Zustande vorzubeugen, betrachte ich als die wichtigste Aufgabe der VIII. Weltkonferenz. M. Singer. Der Poale Zionismus in den westlichen Ländern. Von Dr. Rudolf Glanz.. In diesen Tagen, wo unsere Weltkonferenz daran geht, die Grundlagen unserer Landesorganisationen zu erneuern, bilden die westlichen Länder mit ihren großen Möglichkeiten und mannigfachen bisherigen Errungenschaften ein sehr wesentliches organisatorisches Aktivum, das"für die Gesamtbewegung im Weltmaßstab großen Nutzen stiften kann, wenn nur erst seine Grundlage richtig erkannt ist. Dazu sollen diese Ausführungen einiges beitragen. Das Judentum der westlichen Länder ist wohl sprachlich assimiliert, jedoch in ariderer Weise mannigfaltig volklich gebunden. Historische Verkettung mit den Geschicken der Juden früherer Zeiten und anderer Herkunftsländer, die Bindungen der Religion, Eigenartigkeit des gesellschaftlichen Lebens, nicht zuletzt imvermischte Erhaltung des physischen Volkskörpers von fremdem Einschlag erhielten in den Juden der westlichen Länder eine von ihrer Umgebung deutlich abgeschiedene ethnische Einheit, die von allen Nationen des Westens als solche empfunden wird. Aber auch das sprachliche Eigenleben dieser Einheit ist durchaus nicht erloschen, für den Forscher, der die Geschicke und die Entstehung von Sondersprachen im gesellschaftlichen Organismus aufdeckt, wird es ein reizvolles Problem sein, die sprach liehen Schöpfungen der westlichen Juden zu verfolgen und die Schnelligkeit wie den Umfang derselben aufzudecken und daraus Schlüsse zu ziehen. Stammen; doch die wichtigsten geflügelten Kriegs- und Nach- 'kriegswörter aus dem sprachlichen Eigenleben der Juden! Für den Verstehenden ist es sonnenklar, daß lunterirdiseh, unter den Formen der Umgangssprache der umgebenden Nationen sprachlicher Zusammenhang mit der jüdischen Volkssprache besteht. So kann auch die (Sprachliche Assimilation der Westjuden keine vollkommene genannt werden. Und wie geheimes sprachliches Leben oft das viel mächtigere ist, so sind die westlichen Juden an ihr sprachliches Eigenleben im allgemeinen viel stärker gebunden, als sie selbst es glauben.* i *• Diese volkliche Einheit will ein nationales Leben. Irgendwie als Ausdruck ihrer ethnischen Besondersheitai nd noch viel mehr als Ausdruck ihres Zusammenhanges mit dem ganzen jüdischen Volk. Das westliche Judentum, das durch Jahrzehnte hindurch seine Großgemeiuden aus der Wanderung aus dem jOsten aufgefüllt, zum Teil nur durch sie gebildet hat, fühlt seine ethnische UnVollständigkeit, sein Angewiesensein1 auf die breiten jüdischen Massen des Ostens. Sein religiöses Leben wird vom Osten her erneuert, die Träger seines Kultus und Ritus sind immer wieder die einwandernden Juden. Die politische Gestaltung der Judenfrage in den einzelnen westlichen Ländern drängt die Juden innerhalb der einzelnen Staatsgrenzen zu der nationalen Auffassung des jüdischen Problems wie zu allweltlichem Willen in der Behandlung der jüdischen Fragen. Allen westlichen Ländern gemeinsam ist, daß die Judenfrage als im Verhältnis zur Anzahl der im Westen wohnenden Juden übergewichtige Frage empfunden wird, daß es außerhalb des politischen Können^ der Juden liegt, das Uebergewicht dieser Frage zu verkleinern und sohin ihre Volkseinheit schon durch die Anstrengungen, die die einzelnen politischen Partefen um die Judenfrage herum machen, nur um so schärfer, zutage tritt. Hiezu kommt, daß alle westlichen Erfahrungen die Assimilationsmöglichkeiten als unzulänglich festgestellt haben, daß das politische Leben der Völker den sprachlich assimilierten, seiner Religion abtrünnigen, der Mischehe verfallenen Juden so aussondert und eigenartig behandelt wie das gesamte jüdische Volk in diesen Ländern. Die Möglichkeiten des Aufstieges einzelner jüdischer Schichter, durch Massen taufe oder Mischehe sind so gut wie völlig geschwunden und vor allem auch dem Blick der jüdischen Bevölkerung entschwunden. Stattdessen erfaßt eine immer weitergehende Proletarisierung die jüdische Bevölkerung. In Oesterreich ist beispielsweise durch den Untergang der zentralen#Geldinstitute die große Vorkriegsmöglichkeit der Beamtfeierung einer jungen jüdischen Generation völlig zunichte geworden. Aber auch alles, was Handel und Gewerbe jetzt an wirtschaftlich Selbständigen hervorbringt, gehört politisch und wirtschaftlich zum Proletariat, kann nur leben, wenn der Arbeiter leben kann und ist daher folgerichtig in Oesterreich sozialdemokratisch organisiert. So, zusammen mit der intellektuellen jüdischen Schicht, bi|lden die sozialistisch organisierten Juden einen stattlichen Teil der jüdischen Bevölkerung der Westländer, ist ihr intellektueller Einfluß auf dL Parteiüberall ein gewichtiger. Die angeführten, die jüdische Volkseinheit bekräftigenden Lebensumstände wirken sich aber in der Gedankenwelt der sozialistischen Juden ebenso stark aus, färben bei der oft lokalen Eigenartigkeit mancher Parteiorganisationen auf dieselben ab und erfüllen so nach, und nach auch die sozialistischen Parteien mit der richtigen Erkenntnis der nationalen Zusammengehörigkeit deV Juden. Hiezu kommt, daß der Aufbau Palästinas in der Oeffen t lieh kei t der sozialisiischeu Juden immer mehr als Selbstverständlichkeit empfunden wird. So kommt es, daß wir fast überall ein Bedürfnis nach jüdisch-sozialistischer Aktivität sich äußern sehen, am stärksten natürlich bei der jüdischen Arbeiterjugend. Die soziale Lage der jüdischen Jugend hat . ja in den letzten Jahren eine starke Verschiebung erfahren Die Schülerjugend muß der arbeitenden Jugend das Feld räumen. Ernste Berufsarbeit, unmittelbarste Vorbereitung zum Beruf kennzeichnen ja jetzt den jüdischen Jugendlichen, wie ih'n früher einmal die lange Dauer der Schülerschaft auszeichnete. Ueberall zu Eigenleben ermutigt, hebt sich die jüdische sozialistische Grundanschäuung .der jüdischen Bevölkerung. In Oesterreich zum Beispiel haben sich die sozialistischen Juden selbständig organisiert, die Leitung der Wahlarbeit unter der jüdischen Bevölkerung übernommen und in der jüdischen Gemeinde eine achtunggebietende Stellung errungen. Unsere jüdisch-sozialistischen Jugendgruppen sind schon heute um nichts schwächer als die bürgerlichzionistischen und haben große Möglichkeiten weiteren Aufstiegs. Alle diese Gebilde sind ideell uns koordiniert, bei genauerer Sondierung mit uns identisch, weil sie alle den Palästinagedanken in sich schließen und einer allweltlichen Behandlung und Lösung jüdischer Arbeiterfragen durchaus zugänglich sind. Es liegt sonach nur an unserer Weitbewegung, die Formen richtigen Zusammenwirkens mit diesen Gruppen zu finden. Denn es ist klar, früher oder später werden diese Gruppen den Zusammenhang mit der jüdischen Arbeiterbewegung anderer Länder von selbst suchen, wenn wir ihnen nicht den Weg hiezu weisen. Mit dieser Frage wird sich unsere Weltkonferenz zu befassen haben. Bei der glücklichen Inspiration, die die Poale-Zion-Orgauisationen der einzelnen Länder bisher auf die Entwicklung jüdisch-sozialistischen Strebens in der Allgemeinheit nehmen konnten, kann es kein Zweifel sein, daß es unserer Weltbewegung gelingen wird, die richtigen Wege zu einer größeren Einheit mit allen sozialistischen Juden des Westens zu finden. Die ersten Ergebnisse der Kongreß wählen» In allen Ländern hat unsere Partei große Erfolge errungen. In Palästina erhielt unsere Liste ein Drittel aller abgegebenen Stimmen. 9—10 Mandate, wozu noch ein Mandat der mit unserer Liste vereinigten Jemeniten-Arbeiterliste kommt. In Polen entfielen von 28.000 Stimmen auf unsere Liste 5400. somit 4 Mandate und ein Stimmenrest auf unsere Weltliste, während die anderen Gruppen Hitachduth und AI Hamischmar (Radikale) es nur auf 3 Mandate brachten. Die Gruppe Eth-Luwnoth erhielt 4 Mandate, Misrachi 10.000 Stimmen (0 Mandate). Die Revisionisten konnten nicht einmal ein Mandat erlangen. Sohin sind wir in Polen die zweitstärkste Gruppe. Bukowina. Die Liste des arbeitenden Palästina (Chawer Ben Gurion) ist die zweitstärkste des Landes. Deutschland. Von den 12 Mandaten dürften uns zwei zugefallen sein. Amerika. Unsere Chawerim haben neuntausend ScHekalim verkauft und 3 Mandate erhalten. Außerdem wurde in Kanada ein Mandat erobert. In Öe s t e r r e i c h ereignete sich das beispiellose Vorkommnis, daß die meisten unserer Chawerim in die Wählerliste nicht eingetragen wurden und so zur Wahl nicht zugelassen wurden, trotzdem natürlich' unsere Schekel rechtzeitig abgeliefert worden waren. Ueber diesen unerhörten Vorgang «wird ein Wahlprotest abgefaßt und dein Kongreß vorgelegt werden. Die Schekelpropaganda war überdies durch den hohen Preis des Schekels (2 S) bei vielen unserer arbeitslosen und kurzarbeitenden Chawerim stark behindert. PICK NÄHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1927 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteinstr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikel Lebens versicherungs-Gesellschaft Phönix. Am 4. d. ist die 4:1. ordentl. Gerterai-Versammlung der Gesellschaft unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten Direktor' Paul Lechner der OesbenreicliiscIien Kreditanstalt für Handel und Gewerbe abgehalten worden. Im Jahre 1920 .sind Lebensversicherungen von mehr als 436,851.050 8 Versicherungskapital abgeschlossen worden. Der Versicherungs bestand hat Ende 192-6 eine Milliarde Schilling überschritten und in diesem Zeitpunkt 1.079,703.09-1 S betragen. Erhat sich bis 30. Juni 1927 auf ungefähr 1.300,000.000 S. erhöht. Die Gesellschaft hat die Vcvsicheruugsbestilnde einer KeiUe österreichischer Lebeusvwsichevmigsanstalt-en in Neri-Italien und in der tschechoslowakischen ^Republik übernommen und deren Abwicklung" im Sinne der einschlägigen zwischenstaatlichen Vereinbarungen sichergestellt. In den letzten Monaten des Jahres 192G und im ersten Halbjahre 1927 hat, die Gesellschaft die Zulassung' zum Geschäftsbetriebe im Gesamtgebietü des Deutschen Reiches, in Italien und in Spanien erlangt und die Geschäftsstellen in Alexandrien, Athen und Konstantinopel erweitert. Der kontinentale Versie herüiigsbe.sta.nd der Conso'Hdatcd Assuranep Company in London wurde mit Genehmigung des Londoner L-iquidaüotisgcHchtshofes an die Gesellschaft übertragen. Die Prämienet'n nähme hat sich im Jahre 192h auf 19, IS 1.726 S belaue u, die Erträgnisse der Kapi talsan lagern haben ■1,330.8I I S ergeben. Au die Versicherungsnehmer wurden 7,-168.000 S ausbezahlt. Der Dividendenfonds für 'Versicherungen mit garantiertem Gewinnanteil beträgt■■'5,303.426 S. JVu>. technischen Reserven (Prämienreserveu und .Prämienüberträge) haben sich im Laufe des Jahres 1920 auf 120,007.0008, das ist auf nahezu das Doppelte des vorjährigen Standes erhöht. Die gesamten Garant temittel der Gesellschaft belaufen sich auf 1-19,308.-110 S. Ans dem UeberschuÜ der Jahresrechnuug per 192(5 im Betrage von S 100.315,9 L werden für das voll eingezahlte Aktienkapital von -1,000.000 S 0,50 Prozent Dividende ausgeschüttet; 100.000 S werden der Kapitalsrücklage zugeführt. Der Dividendencoupon mit S 2,00 für jede Aktie von -10 8 Nennwort gelaugt ab 10. August zur Auszahlung. Der Beschluß der vorjährigen Generalvecsammlung, den Zeitpunkt u'nd die Modalitäten einer Erhöhung des Aktienkapitals dem Y'erwaltuugsrate auhheiuMUstellen, wurde im Sinne der gesetzlichen Vnrschrii'ten durch die ordentliche Generalver-- 'Sammlung erneuert, tu den Verwaltuugsrat wurden die uusscheideudeif Mitglieder wiedergewählt; überdies erfolgte im Sinne der bestehenden Interessengemeinschaft [Uit der „Wechselseitigen Brandschaden imd Janus", allgemeine Versicherungsanstalt' A. Cr. in Wien, die Znwahl des General- direktordie^r Gesellschaft Herrn Alois Traut. (Entgeltlich.)

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