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Der Jüdische Arbeiter · 1927-08-16 · Heft 9 (16.8.1927) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 9 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V* b. b. ** WnlTtroitäteMbliothelc i. Universität DER JÜDISCHE ARBEITER Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale 2ion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wieft, II., Bluraauergasse l/il Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: viertelfahrig. S 1.20 halbjährig . . , 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 9. Wien, 16. August 1927. 4. Jahrgang. Grüß äh die achte Weltkonferenz! Am 18. August versammeln sich abermals die Vertreter unserer Weltbewegung, um nach stürmischen Jahren heißer Kämpfe um die Ideentreue der jüdischen sozialistischen Bewegung eine Tagung reicher -praktischer Arbeit zu beginnen. Die Geister und Richtungen sind nunmehr geschieden; unser Verband umfaßt die gesamte palästinagerichtete jüdische sozialistische Arbeiterschaft aller Länder jüdischer Siedlungen, alle Versuche, die jüdische Arbeiterschaft von Palästina loszulösen, von wem immer sie unternommen wurden, sind gescheitert. Geschlossen steht in sämtlichen Ländern, wo jüdische Arbeiter wohnen, unser Weltverband da, in einer Einheit mit unserer palästinensischen Landespartei wie nie zuvor. Und in Palästina selbst ist nach wie vor unsere Partei die größte Arbeiterpartei des Landes, in ihren Leistungen stets die Verantwortung für die gesamte Arbeiterschaft des Landes tragend. jetzt, nach der Sicherung, des Palästinagedankens in der jüdischen Arbeiterschaft, sind alle wesentlichen programmatischen Punkte der Weltbewegung auch in den Landesparteien, klargestellt, die Folgen der Spaltung sind überwunden und überall, in allen Landesparteien, beginnt eine fruchtbare Arbeit auf allen Gebieten jüdisch-sozialistischen Strebens. Es ist wunderbar, zu sehen, wie Ideentrene die jüdische Arbeiterschaft anzieht, überall, in allen Ländern, strömen die jüdischen Arbeiter in die Partei,; dieren Ideenfestigkeit in den Jahren ' der Spaltung kleinen Schwankungen erlag. Und es ist kein Zufall, daßgerade in den westlichen Ländern, in denen Juden in großer Zahl sozialistischen Parteien angehören, die Gedanken der Poale-Zion-Bewegung immer mehr eindringen, die Jugend an sich ziehen und so immer mehr zum Gemeingut aller sozialistischen Juden werden. Solche Anziehungskraft haben nur Parteien, die im Wandel der Zeiten, .sich selbst treu bleiben. Am 20. August wird in Berlin der zwanzigjährige Bestand unsterer Weltorganisation festlich begangen. Vieles ist in dieser Zeit dahingegangen, eine Anzahl jüdischer Arbeiterparteien gehört bereits der Geschichte an. Zahlreiche Ideen hat die Gedankenwelt des jüdischen Arbeiters überwunden, aber die Idee unserer Weltbewegung entdeckt sich immer aufs neue ganz neuen Kreisen der jüdischen Arbeiterschaft. Immer realer wird die Existenz Palästinas und seiner Arbeiterschaft im jüdischen Leben empfunden, immer mehr entdeckt die jüdische Arbeiterschaft aller Länder ihre nationalen Aufgaben, ein mächtiger nationaler Wille geht durch die sozialistischen Juden der ganzen Welt, nicht zuletzt auch in den westlichen1 Ländern, das jüdische Volk wendet sich von den Liquidatoren seiner nationalen Existenz ab und antwortet aller offenen und verstecken Assimilation mit dem Ne'uaufleben der jüdischen sozialistischen Bewegung. Noch ist für große Möglichkeiten nicht der richtige organisatorische Ausdruck gefunden, aber die Weltbewegung schreitet rüstig vorwärts in den Gedanken und Bestrebungen der jüdischen Arbeiter. Ein Ausdruck dieses Vorwärtsschreitens, zugleich das Suchen nach den zeitgemäßen organisatorischen Anstrengungen und Erreichungen bildet die VHL Weltkonferenz. Möge sie ihren Aufgaben gerecht werden und unsere Bewegung in allen Ländern zu neuen Erfolgen führen! IM Täggäöi-dtiüng der VIII. Weltkonferenz. Die Tagesordnung der VlfL Weltkonfereuz enthält keinen prinzipiellen, programmatischen Punkt. Und es ist recht so. Die Weltkonferenzen der Nachkriegszeit hatten sich mir wichtigen - grundlegenden Fragen zu befassen und die praktischen, organisatorischen Fragen sind lange genug im Hintergrunde geblieben. In dieser Beziehung soll die VIII. Weltkonferenz einen Wendepunkt in unserer Weltbewegung bedeuten. Unsere Stellungnahme zu den Fragen des XVIII. Zionistenkongresses wird uns — so paradox es auch klingen mag — durch das Verhalten der bürgerlichen Zionisten bedeutend erleichtert. Es ist klar, daß wir die größten Anstrengungen machen müssen, um den geschlossenen Angriff des zionistischen Bürgertums abzuwehren und die weitere Entwicklung des Arbeiterjiischuw zu siqhern. Unsere Wahjplattform zum XV. Zionistenkongreß und die Beschlüsse der III. Konferenz der Histadruth enthalten zweifellos das Wesentliche unserer Forderungen an den XV. Zionistenkongreß. Wir erachten es als unbedingt notwendig, daß auf der VIII. Weltkonferenz rückhaltslose Selbstkritik an unseren Institutionen in Palästina geübt wird. Der „Solel-Boneh" und der*\,Hamasehbir", die beiden Institutionen, die zurzeit eine schwere Krise durchmachen und gegen die sich der Sturm der Arbeiterfeinde hauptsächlich richtet, bilden Tragsäulen des neuen JisChuw und freundliche Kritik, auc'fr wenn siie strenge wäre, kann nur von Vorteil für unseren Vertekligungskampf gegendie bürgerlichen Arbeiterfeinde, wie auch für die Weiterentwicklung der Arbeiterinstituiionen sein. Es wäre eine arge Geringschätzung unserer Genossen aus Palästina, wenn wir daran zweitfein würden, daß sie den Mut haben werd]en3 diese Selbstkritik vor der Oeffentlichkeit unserer Weltbewegung zu üben. Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Gmiieiinlc Wien isdie IM Feuer- und Einbruch« versicherungfürWohnungen - Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie In den Mittelpunkt der Beratungen der Weltkonferenz sollen nun' zur Abwechslung rein organisatorische Fragen gerückt werden. Es dürfte kein Geheimnis sein, daß unser Verbandsbü'ro stets mit großen Geldschwierigkeiten zu kämpfen hat. Ich zähle auch zu jenen Ungläubigem, die eine finanzielle Sanierung unseres Weltverband es in absehbarer Zeit für höchst unwahrscheinlich' halten. Warum? Weil die Sanierungsversuche methodologisch: falsch unternommen werden. Der Weltverband und sein Büro können nur über jene moralischen und materiellen Mittel, die der Summe der Machtkomponenten der einzelnen. Landesparteien annähernd gleich sind, verfügen. Als Voraussetzung jeder weiteren Entwicklung unserer Weltbewegung betrachte idh im jetzigen Zeitpunkte die Stärkung der Partei i n Pol e nunc! der O r g a n i s a ti o n enj in Wes te uro pa. Die Partei in Polen. Polen ist das größte, aktivste jüdische Zentrum. Polen hat die größten jüdischen sozialistischen Parteien. Unsere Weltbewegung ohne eine mächtige schlagkräftige Partei in Polen betrachte ich auf die Dauer als Unmöglichkeit. Die allererste unserer organisatorischen Aufgaben muß deshalb die Stärkung der Partei in Polen sein. An zweiter Stelle würde ich die Zusammenfassung und Kräftigung der Organisationen in Westeuropa setzen. Die Möglichkeit und Bedeutung unserer Tätigkeit in vielen Städten und Ländern Westeuropa} wird in unserer Weltbewegung nicht nach Gebühr eingeschätzt. ■ In .der Judenschaft Westeuropas vollzieht sich' eine äußerst interessante wirtschaftliche und geistige Umstellung. Die Proletarisierung der jüdischen Bevölkerung erfaßt immer weitere Kreise. Große- Teiie der jüdischen Bevölkerung, insbesondere die Jugend, die bis vor kurzem der bürgerlich-nationalen1 Ideologie huldigten, wenden sich dem Sozialismus zu. Andererseits drangen und dringen immer mehr die Losungen des jüdischen Sozialismus, des proletarischen Zionismus in Kreise jüdischer Proletarier und Intellektueller, die seit Jahr und Tag der allgemeinen sozialistischen Bewegung angehören, .ein. Wir haben bis jetzt nur in ganz geringem Maße versucht und erreicht, diese Kreise für unsere Bewegung zu gewinnen. Hier müßte systematische Arbeit einsetzen. Wir brauchen nicht erst auseinanderzusetzen, daß uns jüdische Arbeiter des Westens nicht weniger erwünscht, nicht minder nahe, als die des Ostens sind. Ater eine jüdische sozialistische Bewegung in Westeuropa wäre von außerordentlicher Wichtigkeit für unsere Weltbewegung als Ganzes. Im Westen befinden sich die bedeutendsten sozialistischen Parteien' und nur durch den Bestand unserer Organisationen kann lebendiger, kontinuierlicher Z us a m m e n h a n g zwischen unserer Bewegung und den wichtigsten Parteien der Sozialistischen A r b ei ter -Internationale hergestellt werden. Nun wird man meinen: ich renne offene Türen ein, denn wer bezweifelt denn, daß die Stärkung unserer Landesparteien von großer Wichtigkeit ist? Iqh muß deshalb an meine eingangs vorgebrachten Bemerkungen anknüpfen und die für große Teile unserei' Bewegung gewiß ketzerische Behauptung aufstellen: Auch auf die Gefahr hin, daß wir in den kommenden zwei Jahren die Tätigkeit des Büros noch mehr, als es bis

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