Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 8 (28.7.1927)
- Date
- 1927-07-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3, Dtfjgdfechc Arbeiter Seite 3 Arbeiterschaft schuld sei, ihre „Uebermacht" innerhalb des Zionismus, ihre „verschi-enderische Wirtschaft", ihre Kwüzoth, Kooperativen und Histodruth, welche eine Diktatur etablierte und dadurch das private Kapital vertrieb u. s. w. Sowohl die Mutlosigkeit, als auch die ungeheuren Verleumdungen, müssen von uns aufs schärfste bekämpft werden und auf beiden Kampffronten ist unsere beste Waffe — die Wahrheit über Palästina. Jene Wahrheit, welche man langsam auch in jenen Kreisen zu erkennen begannt, deren Urteil auch für die nicht gleichgültig sein kann, die seit Jahren innerhalb des Zionismus, den Kreuzzug gegen die Ärbeitereinwanderung und die Arbeiterwirtschaft führen. Oder wollen ausgerechnet sie die Kompetenz und Autorität der Zionistischen Exekutive, die Ursachen der Krise in Palästina zu begründen, bestreiten? Irr der Deklaration der Zionistischen Exekutive vom 27. April 1927 lesen wir darüber: „Im Jahre 1925 sind nach Palästina 31.650 Juden eingewandert, die Mehrheit kam aus Polen. Mit der Immigration sind die Erwartungen gestiegen. Was bis dahin als Schwierigkeit betrachtet wurde, hat sich' plötzlich als leichterreichbar erwiesen. Ein zu großer Optimismus beherrschte das städtische Leben. Die wachsende Immigration, welche eigenes Kapital ins Land brachte, führte zu einer fieberhaften Steigerung der Bodenpreise und Mietzinse. Die Bauindustrie entfaltete eine lebhafte' Tätigkeit, beschäftigte tausende von Arbeitern. Die neuen Kolonisten glaubten an einer einfachen Uebertragung jener Industrien, in denen sia.sich1 iiin ihrem früheren .Wohnlande betätigt haben, nach1 Palästina. Viele von ihnen: unterzogen sich nicht der Mühe der vorsichtigen Abschätzung der wirtschaftlichen Voraussetzungen — die Marktlage, die Zollbedingungen, die Materialkosten — sie warfen sich mit aller Kraft auf neue Unternehmungen, getragen von der Hoffnung, daß ihr geschäftlicher Sinn, ,i:hre industrielle Erfahrung und ihre Harrdelsfäh'igkeiten sie über alle Schwierigkeiten hinüberretten würden. Private und halbprivate Gesellschaften mit nicht genügendem Kapital, kauften große Landstriche,, um sie dann auf Raten an Juden, die noch*1 in der Diaspora waren, zu verkaufen. Man organisierte Industrien, Unternehmungen, man eröffnete Geschäfte, audh1 Angehörige freier Berufe sind in großer Zahl ins Land gekommen. Das war eine Entwicklung, die man schwer beeinflussen« konnte, sie ging ihre eigenen Wege, folgte ihrer eigenen Initiative, ihrer eigenen Energie und ihren eigenen Beschlüssen. Außerdem ist sie von den Ereignissen in Galuth beeinflußt worden. Und genau wie dieser äußere Druck diese beispiellose Immigration mit sich', brachte, hat ein Nachlassen des Druckes den Zusammenbruch herbeigeführt. Die Kapitalreserven, welche man in Galuth zurückhielt, schmolzen zusammen, ganze Familien blieben in Palästina ohne Mittel und ohne Rat. Um sich über Wasser halten zu können, zogen sie noch ihre Gelder aus den palästinensischen Banken zurück. Das Resultat war eine Verminderung des Kredites im Lande. Die Einwanderung fiel, die Bautätigkeit verminderte sich stark, die Boden- und Mietpreise fielen. Die Kaufkraft vieler Familien ist geschwächt worden, viele kleinere wie auch größere Geschäfte, als auch kleine Industrieunterneh'mungen, mußten zusperren. Die Reaktion drohte das ganze ökonomische Leben des Landes zu erfassen." iW> brachten lange Zitate aus diesem Dokumente, weil wir der Meinung sind, daß es eine viel größere Verbreitung, als es bisher erreicht hat, verdient. Das" schreibt nicht etwa ei,n Arbeiterorgan über die Schattenseiten der. 4. Alijah, das ist eine offizielle Deklaration der Zionistischen Exekutive, die von Bodenspekulation und Wohnungswucher, von dem Einfluß der Geschäfte und industriellen Unternehmungen, die ohne genügendem .Kapital und die ökonomischen Bedingungen des Landes ignorierend, geschaffen werden, spricht — lauter Dinge, die von uns schon vor Jahren, als die 1. Alijah anfing, vorausgesagt wurden. Diese Wahrheit in die Hirne derjenigen einzuhämmern, deren Stimmzettel über die Zusammensetzung des Kongresses entscheidet, das ist die erste, wenn auch nicht die einzige Aufgabe. Kommt es zu einer Verständigung in Polen? Anfang April hat in! ^Warschau eine Konferenz der sozialistischen Parteien der nationalen] Minderheiten Polens stattgefunden, die eine dreiglie'drige Kommission beauftragte, Richtlinien für eine gemeinsame politische Plattform dieser Parteien auszuarbeiten und einer späteren Konferenz zur Beratung und Beschlußfassung vorzulegen...-Diese zweite Konferenz trat nun am 12. Juni zusammen. Ueber deren Verlauf ist folgende Mitteilung ausgegeben worden: „Am 12. Juni fand Jm Lokal des deutschen; Sejm-Klubs eine Konferenz der sozialistischen Par* teien 'der nationalen Minoritäten in Polen statt. Die Konferenz war von folgenden Parteien beschickt! Weißrussischer Selanski-Sojuz (Dorfs-Verband), deutsche sozialistische Arbeitspartei, „Bund", ukrainische sozialistisch-radikale Partei, ukrainische Selanski Sojuz, Poale-Zion (vereinigt mit Z. S.) und linke Poale- Zion. Die Konferenz bezweckte die politischen und taktischen Plattformen der genannten Gruppierungen in 'Übereinstimmung zu bringen. Infolge der ultimativen 'Weigerung des „Bund", mit der linken Poale- Zion zusammenzuarbeiten, welche durch den Hinweis auf die Kampfmethoden der letzteren begründet! wurde und nach1 Anhörung einer ähnlichen Erklärung der linken Poale-Zion in bezug auf den „Bund'', beschloß die Konferenz, auseinanderzugehen. Die Vertreter der weißrussischen, ukrainischen und deutschen sozialistischen- Parteien sowie der sozialistischen Poale- Zion (vereinigt mit Z. S.) erklärten, daß, wenn auch'! die Konferenz nicht zustandegekommen ist, sie dennoch1 die Idee, eine einheitliche sozialistische Front der Parteien der nationalen Minderheiten) in Polen1 zu schaffen, nicht aufgeben. Sie werden neuerlich' Schritte unternehmen, um die Idee zu verwirklichen." So weit das offizielle Co'mmunique. Man kann nur wünschen, daß der geäußerten Absicht so bald als 'möglich die Tat folgt. Die politische Lage in Polen Erheischt'gebieterischer denn je die Zusammenfassung «aller sozialistischen Kräfte. Die Politik der Pilsudski-Regiierung treibt große Massen zur. Verzweiflung. Die letzten iWahlerfolge der illegalen Kommunisten einerseits und' der reaktionären ^Arbeiterparteien" andererseits sind warnende Signale. Nur eine klare, mit vereinten Kräften durchgeführte sozialistische Politik kann den Diktaturgelüsten erfolgreich! entgegentreten und den Massen wieder Vertrauen zum Sozialismus einflößen. Wenn die P. P. S. bisher sich' weder zu einer klaren, die berechtigten Forderungen der Minoritäten befriedigenden Politik durchgerungen •hat, noch die Neigung zu einem politischen Zusammenschluß mit den Sozialisten der Minoritätsvölker verspürt, so müßten wenigstens die letzteren' diesen Zusammenschluß endlich vollziehen, um eine dem Ansturm der politischen Reaktion, des eigenen nationalen Chauvinismus und der kommunistischen Demagogie erfolgreich die Stirn bieten zu können. Oder Pf. St.' 20.100. Die monatliche Produktion durchschnittlich. Pf. St. 7000. 70 Prozent der Produktion werden; gegen Kredit verkauft und nur 30 Prozent gegen bar, und das gerade in der Zeit, wo der Kredit für die Arbeiter-Produkttions-Coopexativen bedeutend beschrankt worden ist. Das ist eine der Hauptursachen der schweren Situation, in welcher sich die Arbeiter-Produktions-Cooperativen befinden. * . 17 landwirtschaftliche; kollektive Arbeiter-Siedlungen (Kwuzotli),. welche im Jahre 5681 eine Bödenfläche von 16,700 Dunam bearbeitet haben, bearbeiteten im Jahre 5686 schon 41.771 Dunam. 16 Moschawim (Arbeiter-Siedlungen ohne kollektives Zusammenleben) bearbeiteten im Jahre 5686 52,464 Dunam Boden und vier kollektive Arbeiterinnen-Siedlungen haben 111 Dunam bearbeitet. Zusammen haben diese 37 landwirtschaftliche Arbeiter-Punkte, die sich' auf Keren-Kajemefch-Boden befinden, im Jahre 5686 94.944 Dunam Boden bearbeitet. In dieser Berechnung sind die neuen landwirtschaftlichen Punkte nicht enthalten, auch nicht TiTah und Karkur, welche zurzeit vom Keren Kajemeth noch nicht die nötige Bodenflache bekommen haben. Im allgemeinen sind oben nur jene Punkte berechnet worden, welche der Korea Hajessod auf dem Boden des Keren Kajemeth gegründet hat. Die vier landwirtschaftlichen Arbeitei'-Puukte: Machnajim,' Ajeleth Haschachar, Tel-Ohai und Kfar Giladi, welohö sich im obersten Galil auf dem Boden der Pica ptäjp&ää, wurden in der Berechnung nicht berücksichtigt. * MeTir als 4 Monate, seit dem 16. Februar, währte de* Streik in der Akkoer StreicWholzfabrik „Nur". Erst am 28. Juni wurde er schließlich' beendigt mit einem bedeutendem Erfolg der Streikenden. Die Forderungen der Arbeiter waren: 1) Sanitäre Verbesserungen, 2) medizinisch^ Hilfe, 3) Arbeiter nicht ohne gongenden Grund! zu entlassen, 4) Erhöhung des Lohnes um 50 Prozent für Arbeiter, die von 15—20 Piaster verdienten, 5) eine besondere Zulage für Üebersturiden, 6) Kinider nicht an gefährlichen Stellen arbeiten zu lassen, 7) menschliches Verhalten zu den Arbeitern. Der Eigentümer wies aber sämtliche Forderungen ab tt04woEte feeiäerlei Sctiodsgöricht gelten* lassen!. Als er schließlich schon geneigt war zu verhandeln, stellte er als Bedingung, man solle zu einer Einigung nur mit den jüdischen, nicht auch mit den arabischen Arbeitern kommen. Damit waren selbstverständlich die jüdischen Arbeitervertreter nicht einverstanden und der Streik wurde fortgesetzt. Erst die Brutalität der britischen Polizei in den letzten Streiktagen (über die wir besonders berichten) und die damit verbundene allgemeine Aufregung gegen die. Fabriksbesitzer, führte eine Aendeining . herbei. Am 28. Juni kam es durch Vermittlung des Genossen Evter, der im Namen der Exekutive der Histadruth! verhandelte, zu einer Verständigung, die unter anderem folgende Punkte enthält: 1) Erhöhung des Taglohhes um 3 Piaster für die Arbeiter-innengruppe, die beim Packen beschäftigt ist und für die Tagarbeiterinnen, Erhöhung um 2 Piaster pro Tag für die jugendlichen Arbeiter, 2) Arbeiterinnen, die 2—3 Stunden .am Tag beschäftigt sind, müssen einen halben Taglohn bekommen, 3) die Ausgaben für Arzt, Medikamente und Kränkem-erpflegimg sind von "der Fabrik zu tragen. Für die Zeit der Erkrankung wird der halbe Lohn gezahlt. 4) Sanitäre Verbesserurigen in der Fabrik gemäß der Anweisungen der Gesundheitsanstalten. 5) Zwei wöchentliche Kündigung oder Lohnzahlung für die zwei Wochen. Jeder Facharbeiter erhält außerdem im Falle der Kündigung als Entschädigung Lohn für zwei Wochen für. jedes halbe Jahr,.7das er in' der Fabrik arbeitete und ein qualifizierter Arbeiter eihm 'Wbchenlbhn pro Halbjahr. Den Streikenden darf nicht gekündigt werden. Ueberstunden sind nur im Ausnahmefalle zulässig und müssen höher bezahlt werden. 7) Eine neutrale Kommission wird die Schuld zweier Arbeiter, die als' Streikbrecher' tätig waren, im Zusammenhang mit den letzten Unruhen untersuchen. Sollten sie als schuldeg befunden werden, so müssen sie die Arbeit verlassen. 8) Die Fabriksleitung muß alle Schritte unternehmen, damit die arrestierteri Arbeiter befreit werden und das Verfahren gegen' sie eingestellt werde. Diese Bedingungen erfüllen die Hauptforderungen der Arbeiterschaft und sie beziehen sich auf alle Arbeiter, 60 jüdische und 40 arabisch«. Man muß betonen, daß trotz der schweren, Lage der Streikenden und, obwohl es zumeist junjge. Arbeiterinnein waren, die sich! an dein1" Streik befceiljjg^eny siobi im Laufe des mehr als vier Monate währenden Streiks unter den Arbeitern der Fabrik kein einziger Streikbrecher gefunden hat. Dasselbe trifft auch auf die arabischen Arbeiter zu. Auch muß man feststellen, daß der Streik selbst, ebenso wie seine lange Dauer, nur durch die Verstockte Hartnäckigkeit der Fabriksbesitzer veranlaßt wurdet die keinerlei Verhandlungen mit dein Arbeitsorganisationen führen' und! überhaupt nicht begreifen wollten, daß 100 Arbeiter nicht einzig und allein von dem guten Willen und den Kaprizen' der Fabrikleitung abhängig sein könneh. *■ ■ fN Eine Delegation der ägyptischen Arbeiteroi^anisatioii besuchte Mitte Juni Palästina. Die Delegation bestand , aus 8 Führern der ägyptischen Arbeiterschaft und kam mit dem Auftrag, Palästina und Syrien zu besuchen. Am 12. Juni besuchte der Führer der Delegation', Genosse* Minzbr Bakar, in Jerusalem den, Führer der Jüdischen Arbeiterorganisation in Palästina, Genosse J. Beil Zwi und hielt mit ihm eine längere Unterredung. Unter anderem gab Minzor Bakar einen Ueberblick über die Lage der ägyptischen Arbeiterbewegung und übergab dem Genossen Ben Zwi eine arabische Broschüre, die die politische Einstellung der ägyptischen Arbeiterorganisation und ihre Forderungen an die Regierung enthält. Im ägyptischen Parlament sitzen drei Deputierte als Vertreter der ägyptischen Arbeiterschaft. Am 13. und 14. Juni verweilte die Delegation in Haifa. Dort besuchten sie den Haifaer Arbeiterrat und hielten eine Sitzung mit dem Landesvorstand des Eisenbahnarbeiter ab. Die palä'stinensischieri Genossen informierten die ägyptischen Gäste über die Lage des Verbandes und ihre Beziehungen zur Transportarbeiterinternationale. Die Gäste hatten auoh eine Zusammenkunft mit den Genossen des arabischen Arbeiterklubs und waren bei einem Konzert von Prof. D. Schorr im neuen Amphitheater der Haifaer Ar> beiterschaft anwesend, zu dem 2000 Arbeiter gekommen waren. Im Mai weilte die Genossin Rachel Janaith in Kairo. Sie benutzte die Gelegenheit, mit der dortigem organisierten Arbeiterschaft Verbindungen anzuknüpfen. Sie besuchte den' Arbeiterklub, hatte Unterredungen mit den Genossen und eine längere Besprechung mit eiiaera der Vertreter de*1 Ar» beiteraohiaift im ägyptischen Parlament, Chjassaa Napiue,