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Der Jüdische Arbeiter · 1927-06-30 · Heft 7 (30.6.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 7 (30.6.1927)
Date
1927-06-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7. Der jüdische Arbeiter Seitd 3 den wir nie zum gesprochenen Hebräisch gelangen. Ihre Sprache und ihr Stil waren wie vor 3000 Jahren. Unbewußt vollbrachte Meudele eine historische Sendung1, indem er die beiden Sprachen einander noch näher brachte-. Er übernahm für das > Jiddische einen Teil jener gewaltigen Kruft der hebräischen Sprache und vermittelte dem Hebräischen' die lebendige Plastik, die dem Jiddischen eigen ist. Die Geburtsstätte der jiddischen Sprache ist das Cheder, das Bethhamidrasch, die Jeschiwa. Es ist ein vom Himmel gesegnetes Sprachenpaar, das voneinander nicht läßt, mit der Gechichte des Volkes Schritt! hält, und eines vom anderen nur gewinnen kann. — Welche Meinung auch immer unsere Gäste über diesen Punkt haben — wir fragen sie nicht. Denn sie besitzen den! heiligen Volksgeist — und diesem glaube ich' mehr als ihrer Publizistik. Beide haben sie unsere Sprache bereichert — Asch wie Hirschbein, beide sind imbewußt .Diener der hebräischen Sprache.- Und ich sage dies nicht einem Paradoxon zuliebe, denn beim Lesen von Asch fühle ich wahrhaftig, wie bei jedem jiddischen Wort ein hebräisches Wort sich vorschiebt, das bereit ist, den Platz einzunehmen. Ilirschbein dagegen hat in seinem lyrischen Stil den Rhythmus der Bibel aufgegriffen. Ich erinnere mich, als noch unsere Freunde hebräisch schrieben. Ich habe keinen Kummer, daß sie es dann jiddisch fortgesetzt haben. Ihr Schaffen geht nicht verloren, wird von unserer Sprache übernommen und bleibt von dauerndem Wert. Auch die^ Zweiseitigkeit bereitet mir keinen Kummer. Der Bann des Rabbi Gerschun bezieht sich nicht auf die Sprachen. Wir wollen, daß es unseren Gästen bewußt wird, daß sie sich unter Brüdern und Freunden befinden, im eigenen Vaterlnad. Sollen sie unseren Brüdern in der .Fremde, die glauben, daß wir gegen sie sind, nur eines sagen: .sie mögen auch herkommen. Hier ist die Würde des Volkes in unseren Händen und nicht iu fremden. Iiier konzentriere sich der Wille, der uns noch geblieben. Mögen sie zu uns als Verstärkung kommen. Ich wünsche unseren Gästen Heimweh und Sehnsucht nach unserem Vaterlande." Schaloni Asch beginnt hebräisch: „Liebe Brüder! Schriftsteller Erez Israels und du unser größter [Bruder, Bialikl Bloß ein Wort schwebt auf meinen Uppen: Friede, Friede, Friede über Israel. Brüder, ich1 bin weder wegen eines Handels, noch1 Reklame, oder wegen einer Manifestation für die jiddische Sprache hergekommen. Ihr könnt leicht reden, was euer Geist euch heißt, ich aber werde hier sprechen, was ich in Warschau rede, in New-York und auch in Moskau reden werde, was ich zu sprechen ha.be sowohl vor Zionisten, wie Bundisten, wie auch vor Bolsohewiken und dem ganzen jüdischen Volk. Würde ich an das' Hebräische gewöhnt sein, spräche ich gern hebräisch (er übergeht zum Jiddischen). Warum sind wir hea^ekoimmen? Weil wir Juden sind. Bei uns gibt es keine Sprachenfrage', keinen Kampf zwischen Hebräisch und Jiddisch, nur einen Kampf gegen den Volkstod. Zwischen uns herrscht die Einigkeit von Brüdern, aber einen Kampf führen wir gegen Assimilation und Volksentfremdung, die das ganze Volk bedrohen. Ihr seid glücklich, denn die Schule ist euer und auch die Gasse. Die Kinder gehen euch nicht verloren. Aber dort bietet nur die arme jüdische'Hütte eine Festung für das Judentum. Wer dort das Jiddisch everläßt, verläßt zugleich1 das, Judentum. Von den 300.000 schulpflichtigen jüdischen Kindern Polens besuchen 60.000 polnische Schulen fund die Mehrheit besucht überhaupt keine Schule. Was bedeutet demgegenüber der Streit zwischen der hebräischeren Ind jiddischen Schule 1 In Amerika . haben gerade die Poaie-Zion, die Hebraisten, „Diener der Bourgeoisie", wie man sie dort nennt, die jiddische Schule ins Leben gerufen, denn in Amerika! gibt es eine halbe Million jüdischer Kinder im Schulalter und die müssen die englische Schule besuchen. Wenn wir zu keiner Verständigung gelangen, werden wir weder die hebräische noch die jiddische Schule haben. Die polnische Regierung fertigt die Leiter der jiddischen Schulen mit dem Argument ab: „in Erez Israel habt' ihr doch hebräische Schulen, wozu braucht Genossen und Freunde! Der Schekielverkauf kann« noch: bis zum 8. Juli fortgesetzt werden. Nützet die wenigen Tage richtig aus! Alfe Freunde des' arbeitenden Palästina sollen Sch'ekel kaufen! Dfen schwer kämpfenden Brüdern in Palästina gegenüber müssen, wir u,nsere Pflicht erfüllen! Sammelt eu,ch um die Gruppe des arbeitenden} Palästina! B.ei den Ko;^r;eß wählen stimmet u,nd werbet für Üi.ess .Gru,p,pe! ■■■■HBHHBBHnBanHHnB ihr jiddische", und gegen die hebräischen Schulen, argumentiert sie: „bei euch' kennt man sich doch nicht aus, welche eurer Sprachen die nationale ist." — Es ist wahr, ihr schafft euch hier ein eigenes Leben. Ich gebe zu, früher nicht geglaubt zu haben, daß Hebräisch eine lebende Sprache werden würde. Bei meinen früheren Besuchen in Erez- Israel waren es nur wenige Freunde, die Hebräisch sprachen, wie mein Freund Grasowski und der verstorbene Ben-Jehuda. Heute klingt die hebräische Sprache ganz natürlich^ das Hebräische lebt, ein Beweis für seine Notwendigkeit. Außer den i,Meschumadim 1'hachis"; die das Judentum nicht kennen und die nur stören wollen, kann kein Mensch gegen euch sein. Aber wozu sich absondern zu einer eigenen Nation? Vielleicht sind solche Jiddischisten vorhanden. Aber das Schicksal! möge uns davor bewahren, daß wir ums i n zwei Nationen trennen sollten, denn nicht das ganze Volk wird sich aufteilen, nur ein Fünftel wird es tun und der Rest ginge uns gänzlich verloren. Es ist tausendmal besser, wenn wir zwei Sprachen besitzen als zwei Nationen. Ich erkenne hier den Kampf für das Jiddische nicht an, aber eure besten Männer, welche ihr Blut und Leben auf diesen Feldern opfern, haben doch in der Diaspora für Jiddisch' zusammen mit dem Sozialismus in der jüdischen Gasse gekämpft. Ich gebe zu, daß das Jiddische noch vieles von der hebräischen Sprache^ richtiger von der althebräischen Kultur zu übernehmen haben wird. Wir sind bestrebt, das Jiddische durch das Hebräische zu beleben und wer anders handelt, stiftet nur* Schaden1. Ich bin sicher, daß unsere Reden nicht nur* hier gehört, sondern auch' in weitester Feme Widerhall finden werden.. Und wenn schon demonstrieren, so rufen wir doch: keine .Spaltung unter uns', die' wir aus einem Brunnen trinken. Jeder von uns steht , auf seinem Posten. Ich bin vom tiefsten Glauben beseelt, daß auch1 meine Füße auf heiliger jüdischer Scholle wandeln, gerade so wie Bialiks. Und wenn sich, Wahrsager finden, die den Untergang der jiddischen Sprache in 20 bis 30 Jahi^en prophezeien, so wollen wir hierauf mit R. Israel Bal-Schem antworten, da es ihm gelungen war, von Gott den Verlust seiner eigenen Seligkeit zu erwirken, jauchzend sprach: ,-Nun will ich Gott nicht um seines Lohnes, sondern um seines Naimens willen dienen." Asch beendet seine Rede hebräisch mit dem Segensspruch:, So wie es uns vergönnt war, das Aufleben unseres Volkes in Erez-Israel zu sehen, mögen1 wir auch das Aufleben des jüdischen Volkes in der ganzen Welt erleben. Perez Hirschbein (jiddisch): Liebe Freunde! Ich wünsche mir zu euch in einer Sprache zu sprechen, die überhaupt keine wäre, um euch meine Gefühle unmittelbar übergeben au können. Seit anderthalb Jahren bin ich auf Reisen, wo ich weder hebräisch noch jiddisch sprechen hörte, {und wie erfreut war ich' bei meinem Landen in Tel-Aviv, eurer neuen Stadt. 1 Jahrelang lebten in Mendele zwei Sprachen. Hätte er in seiner Seele von diesem Kampfe gewußt, nie wäre es ihm gelungen, sein Werk zu schaffen. Aber in ihm wohnte Friede und Ruhe. Der Fluch, der bei uns zugleich mit dem großen Segen in Erscheinung trat, verfolgt mich' auf allen Wegen. Wir wühlen selbst in unseren Wunden, und übersehen so das Wesentliche in unserem Leben. Ich will nur das sehen, was unsere rechte Hand aufbaut, da-s Ewige in unserem Leben. Wichtig ist es, die Ausstrahlungen unseres nationalen Bewußtseins, möge der Ausgangspunkt wo immer sein, richtig abzuschätzen. Durch den Sprachenstreit stellen wir uns selbst Hindernisse in den Weg und hemmen unsere Entwicklung. Wie hell würde unsere Sonne sein ohne diesen AbgrundI Wie reich würden' wir sein! Ich wünsche euch', daß die Sorgen, die gegenwärtig auf uns lasten, ehestens verschwinden und nicht der geringste Teil eurer Mühe verloren gehe. Der Sa.ud schone eure Pflanzen und alle Saat gehe auf und blühe im Lichte eurer Seele und eurer Sonne. * Der freundschaftliche Empfang, der den Gästen zuteil wurde, und der stattgefundene Meinungsaustausch, riefen im Verein der hebräischen Schriftsteller in Tel-Aviv große Unzufriedenheit hervor. Die vom Verein unter der Redaktion von A. Steinmaun herausgegebene literarische Wochenschrift „Ktuwim" trat in einer Reihe von Artikeln gegen den erwähnten Empfang auf. Die „Legion zur Verteidigung der hebräischen Sprache" berief eine Profcestveraammlung in Tel-Aviv ein. In dieser von 7—800 Menschen' besuchten Versammlung sprachen seitens der Einberufer Gedaljahu Schuchawicki, Dr. Baruch und Dr. Bograschow. 'Während Dr. Baruch gegen das Empfangs-komitee polemisierte, glaubte Dr. Bograschew selbst Terrorakte empfehlen zu müssen, wo es sich' um den Schutz der hebräischen Sprache handelt. Gegen diese Ausführungen machten sich laute Protestrufc kund, .insbesondere seitens des bekannten Dichters U. Z. Grüinberg. Vor der Annahme einer Resolution sprach noch Genosse Kazenelson, der unter anderem folgendes ausführte: „Die Ehre Tel-Avivs und der hier Versammelten duldet kein widerspruchsloses Anhören der Rede des Dr. Bograschow. Wohl leisten die hebräischen Lehrer eine der wichtigsten Arbeiten auf kulturellein Gebiete, aber wir alle leisten sie auch. Den Versuch, unser Lager in zwei Teile . zu spalten, in einem, der treu und fanatisch zur hebräischen Sprache hält, und in einen zweiten, aus lauter Kompromißlern (unter ihnen auch Cli. N. Bialik), kann man nicht anders als Verstümmelung der öffentlichen Meinung, als ärgste Demagogie betrachten. Es gibt zwei Arten von Fanatismus: einen Fanatismus, der von Liebe und schöpferischer Kraft erfüllt ist und sich' in der liebevollen Heranziehung aller Volksgenossen äußert, und einen engherzigem und abstoßendem. Wir leinten von J. Oh'. Brenaer die hebräische Sprache lieben, welcher in von1 Hoffnung wenig beseelten' Tagen durch seinen „Ham'orer" Freunde für unsere Sprache warb. Die hebräische Sprache ist zu tief in unserem Lande eingewurzelt, ihre kulturellen Schätze zu reich, als daß wir die uns von Dr. Bograschew empfohlenen' Kampfmittel, die übrigens dieselben wie die der „Jewsektia" in Rußland/ die Dr. Bograschow verdammt und verflucht, sind, anwenden müßten. Ein' Kampf für Kultur kann nur mit anständigen kulturellen Mitteln geführt werden. Terror kann für die hebräische Kultur nicht förderlich sein. Der niedrige Kampf, der jetzt gegen Bialik geführt wird, ist bezeichnend für denf Unfruchtbaren Fanatismus1, derauch vor diesem Großen unserer Zeit nicht halt macht. Wir dürfen auf den schönen Empfang, den unsere Arbeiterschaft am 1. Mai und die Schriftsteller auf ihrem Bankette den Gästen bereitet haben, stolz sein. Ich, der oft im Ausland um diese Frage einen Kampf zu führen hatte, freute mich -feststellen zu können, um' wieviel höher das Niveau der Hebräer hierzulande als die Methoden der Jiddis'chisbsn' dort ist. Ich sali] darin einen Beweis für unsere Kraft, unsere Zuversicht, unseren Glauben an unsere Kultur. Jetzt treten plötzlich die „Sprachfanatiker" auf den Plan und bemühen sich den Beweis zu erbringen, daß wir nicht besser als die „Jewsektia" sind. Die jüdische Oeffentlichkeit muß sich von diesem Scliandfleck reinwaschen. tivem Organisation, wie sie in jedem normalen Büro, in jedem modernen Geschäfte üblich ist. Pünktlichkeit in der Arbeit, Erfüllung von Versprechungen, genau festgelegte iArbeitsstundeu und Stunden für den Empfang von Besuchein, umjgehende Erledigung von| Briefen, gehören hieher, ferner eine vei-antwoi-tliche Leitung für die gesamte Arbeit, geordnete Biichfülmmg, die mit den Verliältnjissen der Wirklichkeit übereinstimmt, Disziplin der Beamtenschaft, Verantwortlichkeit der einzelnen Beamten für die ihnein1 zugewiesene Arbeit, gute Zusammenarbeit, mit dem Publikum usw. 1 1 Eine zweite Kategorie von' Reformen, die gleichfalls alle Stellen angeht, betrifft die Arbeitseinteilung. Alle Angestellten von oben bis unten müssen; genau wissen, was sie tun, nicht nur wegen der Qualität der Arbeit, sondern auch wegen der Frage der Verantwortung. Heute ist es vielfach' so, daß ein Beamter, zumal wenn er an verantwortlicher Stelle steht, sich mit vielerlei Dingen beschäftigt, zu gleicher Zeit aber nichts allein vornimmt, sondern immer in Gemeinschaft mit anderen Kollegen. ■ Einerseits also — Konzentration verschiedener Arbeitsgebiete in einer Hand, auf der anderen1 Seite — übertrieben© Kollegialität in der Ausführung. Das) Ergebnis ist: Unordnung in der Arbeit, umerfa-ägliohe Verzögerung in' der Ausführung. Das praktische Resultat ist: Es gibt keinen verantwortlichen Leiter. Darum muß diese übertriebene Konzentration verschiedenartiger Tätigkeiten; in eine* Hand und der übertriebene Kollektivismus! bei der. Entscheidung aufhören, und eine methodische Arbeitseinteilung* nach Ressorts, Herstellung individueller Verantwortung jedes* Arbeiters nach' seinem SpeaaaJjgebieti an seine Stelle treten. Bin© dritte Kategorie, von Aenderu-ngen liegt in der Einführung äußerster Sparsamkeit in: den Ausgaben auf allen Arbeitsgebieten'. Eine Vorbedingung für alle diese administrativen Reformen ist eine ständige1 Kritik der Institutionen. Man muß endlich einmal mit jener sonderbaren Empfindlichkeit aufräumen, die die Kritik als eine Beleidigung von Genossen verbietet. Auf Kritik zu verzichten, wie eis bisher durch die Histadruth in praxi geschehen ist, heißt die Arbeiter in eine. Versuchung führen, der sie erliegen müssen. Die grundlegende Reform hängt aber mehr noch, als von den Betrieben selbst, von der gesamten Histadruth ab. Man muß bekennen, daß die Ai'beitea-oi'giaitiisiationen' ihren Institutionen Aufgaben gestellt hat, die wirtschaftliche Stellen nicht erfüllen können, wenn keine Regierimg hinter ihnen steht. Das Ziel dieser Betriebe war nicht ein wiirt-, schäftlicher Erfolg, sondern: jederzeit für die Bedürfnisse des Aufbaues zur Verfügung zu stehen. Hamaschbir und Solei Boneh fanden' nicht Genüge daran!, den Arbeitern gute und billige 'Ware zu liefern, oder gute. Bauten auszuführen und den Arbeitern dabei anständige) Lebensbedingungen zu sichern, sondern! sie glaubten auch, staatliche Aufgaben — Aufnahme der Immigration und ihre Einordnung in die Wirtschaft — erfüllen zu müssen, Das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg stand nicht im Zentrum ihrer Tätigkeit. Diese Betriebe müssen jetzt lernen, was die landwirtschaftlichen Betriebe der Arbeiter bereits in hohem Maße gelernt haben: der wirtsclutftliche Erfolg bedeutet letzten Endes das1 Gelingen des Aufbauwerkes. Wenn eine Institution sich andersgeartete Aufgaben' stellt, kann sie vorübergehend den Eindruck machen', als ob sie großzügig und ohne* Engherzigkeit arbeiten würde. Aber das Endresultat wird eine Verstrickung in erdrückenden: „Kombinationen" sein', die den' am Aufbau Beteiligten weder entsprechende Arbeitsbedingungen noch' anständiges Lebensniveau sichert und die, Erfüllung ihmeigentlichen Aufgaben überhaupt in Frage, stellt, Das Problem der Stunde, ist nicht die Aufnahme einer Immigration, . sondern die Befestigung dessen, was heute im Lande besteht. Es ist deprimierend1, daß unsere! wirtschaftlichen Institutionen nicht vermögen, in diesem für die Zukunft de* Bewegung so entscheidenden Prozesse helfend einzugreifen. Die Lage erfordert die Preisgabe aller Aufgaben, die die Kräfte der Institutionen übersteigen. Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß eine neue Ein\vahderungi heute von der Regierung oder der Zionistischen Exekutive zurückgehalten wird. Man hat zwar inl der Zionistischen Exekutive über die Verteilung von 150 Zertifikaten verhandelt und schließlich in negativem Sinne entschieden. So sehr man diese Politik auch beklagten mag, liegt die Ursache für das Ausbleiben der Immigration doch noch auf anderem! Gebiete. Die Einwanderung hat deshalb aufgehört, weil die Juden nicht mehr an Palästina und an die Möglichkeit einer Existenz dort glauben. Um dieses Mißtrauen] zu beseitigen, bedarf es einer radikalen Aenderung in der zionistischen' Propaganda, einer Klarstellung aller Schwierigkeiten, einer zionistisch-clialuzischen Erziehung. Propaganda hinsichtlich der wirklichen Grundlagen einer Existenz in Palästina muß einsetzen. Die Wirtschaft muß im Mittelpunkt unserer Sorge stehen. Die Epoche hartnäckiger alltäglicher Kleinarbeit ist; gekommen. Die vvortsohaftlichen Institutionen der Histadruth müssen die Lehren der Vergangenheit beherzigen und ihre Kraft allein auf die Erfüllung ilirer speziellen Aufgaben beschränken. > Die Einführung von Reformen' in der Leitung der Arbeiterwirtschaften ist auch nach außen hin unvermeidlich. Ohne sich mit dem Angriff auf die Arbeiterbewegung zu identifizieren, darf mau dies aussprechen. Denn die Aufgabe, die dem Arbeiter beim Aufbau Palästinas zufiel, war zu groß für ihn.

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