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Der Jüdische Arbeiter · 1927-05-24 · Heft 6 (24.5.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 6 (24.5.1927)
Date
1927-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ffc 6» Diar jpfehfr -Äftidfef: Söffe $ Aus unserer Weltbewegung« Oskar Kohn im Kultusrat in Berlin. . Vor ungefähr einem Jahre fanden die Wahlen zur Jüdischen Gemeinde in Berlin statt. Die Poale Zion haben eine* eigene Kandidatenliste mit Genossen Dr. Oskar Kohtn an der Spitze, aufgestellt. Die Liste vereinigte damals auf sioh 2142 Stimmen. Als Schlüsselzahl für ein Mandat wurden 2143 Stimmen errechnet, so daß durch das Fehlen von einer Stimme Gen.. Kohn bloß zum Stellvertreter gewählt wurde. ' . Die assimilatorisch-liberale Partei, die bei dieser Wahl ihre Majorität eingebüßt hat, legte Protest gegen die Wahl fin. Jetzt wurde ©ine neue Zählung angeordnet und das Resultat war: die Assimilanten konnten ihre Niederlage nicht gutmachen, aber Genosse Kohn erscheint als gewählt. Ob dieser Ausgang die „Protestanten" befriedigen wird,., ist zweifelhaft, aber unsere Genossen sind natürlich sehr zufrieden, daß sie eine neue Position im jüdischen Leben Deutschlands erobert haben. Genosse Dr. Oskar Kohn ist in der sozialistischen Welt durch seine revolutionäre Stellungnahme als einer der Führer der „Unabhängigen Sozialdemokratie" während des Krieges und der Revolution bekannt. Er genießt auoh' einen guten Ruf in jüdischen Kreisen durch sein mutiges Eintreten im deutsohen ReMistag und im preußischen Landtag zum Schutze der Ehre und des Rechtes1 der Ostjuden. In' denletzten Jahren nimmt, .Genosse Kohn aktiven Anteil an den großen internationalen jüdischen Fürsorge-Orgainisationen. Gemeinsam mit Genossen Alfred Berger vertritt auoh' Genosse Oskar Kohn unsere Organisation im Landesverband der jüdischen Gemeinden in Preußen. . Weitere Fortschritte in Polen. Unsere Bruderpartei in Polen hat wieder einige Erfolge bei Wahlen in Ortsgemeinden zu verzeichnen. In Pinsk erhielten unsere Genossen 557 Stimmen und 2 Mandate. Die linken Poale Zion erhielten ebenfalls! 2 Mandate, der „Bund" 3, die polnischen Sozialisten (P. P. S.) 1 Mandat. In Ostrolenko wurde .eine sozialistische Mehrheit von 14 Vertretern gegen 10 bürgerliche Vertreter gewählt. Von den sozialistischen Parteien erhielt die P. P. S. 2300 Stimmen (11 Mandate), „Bund" 376 Stimmen (2), unsere Bruderpartei 210 (1 Mandat). Die linken Poale-Zion haben nioht kandidiert. Im.Städtchen Konietsdhpol erhielt unsere Partei 196 Stimmen und 2 Mandate, die P. P.s S. erhielt ebenfalls» 2 Mandate, andere jüdische Arbeiterparteien stellten keine Kandidaten auf. Brasilien. Die junge Partei Poale-Ziön in Brasilien entfaltet eine energische, umfangreiche Tätigkeit. Das Hauptbüro in! Porto Alegre steht in Verbindung mit mehreren Organisationen im Lande und trifft jetzt die letzten Vorbereitungen zur Herausgabe der Monatsschrift „Das neue Wort" in einer eigenen' Druckerei. Es wurde ein Verband jüdisch-sozialistischer Arbeiterjugend „Moses Heß" gegründet, der bereits Abendkurse eröffnet hat. Die Organisation in Porto Alegre mußte einen hartnäckigen Kampf um die dortige Schule führen. Das Resultat war: eine Vergrößerung unseres Einflusses auf diese wichtige Institution, die im jüdisch-weltlichen Geist geführt wird. i ' Die Partei beteiligt sich an der Schekel-Aktion", am „Keren Hajessod" und hat eine selbständige Aktion für den Nationalfonds durchgeführt. Vor Ostern ist eine Sammelaktion für den Palästina-Arbeiterfonds vorbereitet worden. Die Genossen planen, eine Liga für das arbeitende Palästina1 zu gründen. , 1 Eine allgemeine sozialistische Bewegung gibt es hier fast nicht. Unsere Genossen haben gute Beziehungen zu den italienischen Sozialisten, die in der „Antifaschisten,1gruppe Giacomo Matteotti" vereinigt sind. Der erste Mai in Palästina, Wie jedes Jahr, so beging auch heuer di« Arbeitersohaf t in Palästina den internationalen Arbeiter-Feiertag mit besonderer Feierlichkeit. Die wirtsohaftliche Krise, welche schon über ein Jahr gerade die arbeitende Bevölkerung so schwer drückt, hat in den Reden und Aufrufen der Arbeiterschaft, im Zusammenhang mit dem Feiertag, wohl den ersten Platz eingenommen, aber sie verminderte nioht die Feststimmung der arbeitenden Bevölkerung. Die Veranstaltungen, sowohl in der Stadt wie auch auf -dem Lande, sind überall in bester Ordnung verlaufen. Die Regierung hat in diesem Jahre sehr große Vorbereitungen zur Wahrung der Ordnung getroffen und keine Demonstrationen zugelassen. Wenn aber irgendwo Ideine Reibungen vorgekommen sind, geschah das einzig und allein durch den Uebereifer der Polizei. . i , ,; ■• In Tel-Aviv hat man schon am Abend vorher den nahenden Feiertag gespürt. Alle Institutionen der Histadruth waren illuminiert und dekoriert. Die Arbeiter versammelten sich in den Arbeiterklübs, wo es Festlichkeiten gab und wo man bis spät in die Nacht hinein sang und tanzte., Am. Vormittag machte sich dann sofort die allgemeine Arbeitsruhe fühlbar. Die Ordner des Arbeiterrates verteilten unter der Arbeiterschaft die Aufrufe und-Abzeichen des Tages. Auf 3 Uhr nachmittags war die Festversammlung in das renovierte Volkshaus einberufen. Aber, schon vor 1 Uhr stellten sich die ersten Genossen am Eingang an. Bis 3j Uhr waren; es dann schon gegen 8000 Genossen, die das große Bet-Am füllten, und hunderte^ die deinen Plat« mehr' finden konnten, mußten draußen bleiben. Die Arbeiter-Jugend und Arbeiter-Scouts, welche vorher schon ihre eigenen Feierlich* keiten gehabt hatten, kamen in geschlossenen Zügen mit ihren eigenen Fahnen zu der Festversammlung. Bio groß« Bühne war mit Blumen, Grün und mit den roten) Fahmeatf aller professionellen- Vereine geschmückt. Am Präsidium- Tisch sahen wir außer den Mitgliedern des örtlichen Arbeiterrates und des Exekutiv-Komitees der Histadruth! die Dichter Ch. N. Bialik, Schalom Asch und Perez- Hirschbein rmt seiner Frau, der Schriftstellerin Esther Schumjatscher. Die letzteren wurden durch die groß© versammelte Arbeitermenge mit stürmischem Beifall begrüßt. Als Redner traten die Genossen Z. Feinstein, Dr. Chaim Arlosoroffy Schalom Asch, M. Erem, Galili (von der Arbeiterjugend) und Berl Katzenelson aufDänach1 kam der Konzertteil unter Beteiligung von Prof. Schor, dem Chor und Orchester der Oper, Deklamationen der Ohel-Schauspieler (dramatische Arbeiter-Studie). Mit dem Gesang der Internationale schloß die imposante Feier. Auch in Haifa fanden schon am Vorabend Veranstaltungen in den Arbeiterklubs statt» und es wurden Aufrufe und Abzeiohen in hebräischer und arabischer Sprache verteilt. In den ersten Morgenstunden des 1. Mai haben sich die Arbeitermassen in dem neuen Amphitheater neben dem Arbeiterheim, welches in letzter Zeit -auf den Namen von Dr. Nachman Syrkin gebaut worden ist, zu versammeln begonnen. 4—5000 Arbeiter füllten den großen Versammlungsort. Es sprachen die Vertreter des Arbaiterrates, der arabischen Arbeiter (dann ins hebräische übersetzt), von den politischen Gruppen, den Eisenbahnarbeitern, der Arbeiterjugend und Genosse Ben-Zwi im Namen des Exekutiv- Komitees. Am Nachmittag organisierte die Arbeiter-Sport- Abteilung „Hapoel" auf ihrem eigenen Felde ein Sportfest, unter anderem ein Fußball-Match mit der englischen Mi- Htär-Fußball-Mannschaft von Port-Said, welches unentsohie; den geendigt hat. In Jerusalem versammelten' sich im „Zion"-Saal 2000 Arbeiter. Es referierten die Genoasen Levenstein, Koltun, Alexander, Moscheh Shertok und A. Kahan von der Arbeiterjugend. Am Nachmittag hat man auch ein Sportfest veranstaltet. Mit den Aufrufen in hebräischer Sprache wurden auch zwei arabische verteilt, einer von der Histadruth' und einer von den Bahnarbeitern, ün Petach-Tikwah sind die dortigen Arbeiter, nahezu 2000, zusammengekommen und haben eine imposante Demonstration gebildet. Auoh in den übrigen privaten Kolonien hat die Arbeiterschaft durch Arbeitsruhe den proletarischen Festtag gefeiert, und es wurden feierliche Massenversammlungen abgehalten. In Schchunath Borochov (Tel-Aviver Arbeiter-Vorstadt), wurde das dortige neue Amphitheater am Tage vor dem 1. Mai düroh' ein feierliches Fest eingeweiht. Die landwirtschaftlichen Arbeiter-Siedlungen im' Nüris- Komplex haben sich in Kumi versammelt. Die Genossen Befürchtungen begründet seien, wenn es die Arbeiterschaft verstehen würde, die Autonomie des Siedlers sicherzustellen. Wolle man die Rolle der Kwuzah in der gesamten Kolonisationsbewegung feststellen, so müsse man auch die städtische Kwuzah und die Kwuzah in den Pflanzungskolonien: mit in Betracht ziehen. In der Stadt sei die Bewegung der Kwuzah zweifellos im Niedergang begriffen, nachdem sie eine Zeitlang einen großen Aufschwung zu nehmen schien. Heute seien die Mitglieder jener städtischen Kwuzoth entweder zur Landwirtschaft übergegangen oder die Kwuzoth seien jedenfalls zerfallen. Zur Durchführung des Gedanken^ der Schchunoth Owdim fehle es an Kwuzoth städtischer Arbeiter, die in dieser Form angesiedelt werden wollen. Und darum sei dieser Gedanke bisher nicht verwirklicht worden. Es fehle ausschließlich an der Organisierung derjenigen Arbeiter, die den Kwuzahgedankon in der Stadt verwirklichen wollten und man müsse-an die Organisation dieser Kräfte jetzt gehen. Ebenso wichtig sei die Förderung des Gedankens der Kwuzah' bei den Arbeitelgruppen in den alten Kolonien, denn diese Gruppen bildeten die eigentliche Reserve für die Ansiedlung und das Reservoir für die Aufnahme neuer Einwanderer. Auch hier fehle es an Organisation. Und ebenso läge es nicht am Mangel an Kräften;, sondern am Fehlen geeigneter Organisation, wenn die Erziehung eines Nachwuchses für die Kwuzoth in der Diaspora nicht überall nach Wunsch vor sich geht. Man könne nicht sagen, daß die. Stellung der Kwuzoth schwächer geworden sei, im "Gegenteil, könne man selbst im : Gdud Fortschritte wahrnehmen,'ebenso in-En Char'od und besonders deutlich etwa in der Chaburah „Maawar" in Petach Tikwah. Aber die einzelne Kwuzah sei . nioht imstande, allen ihr obliegenden Aufgaben zu genügen und deshalb sei ein Zusammenschluß der Kwuzoth das dringende Gebot der Stunde. Es gelte, einen großen einheitlichen donisl^h-soziaHsti- Bchen Kibbua zu schaffen, der den Neueinwanderer ■• aufnehme, erziehe und ihm helfe, sei es in1 der Wirtschaft der Kwuzah,' in der. alten Kolonie oder bei städtischer Arbeit. ' -; Ein zweites Problem sei das der inneren Kämpfe und Auseinandersetzungien, die sibh um den Begriff der Kwuzah und ihre ^verschiedenen- Formen jetzt abspielten, In dieser Frage gelte es, nicht durch Beschlüsse sich für die eine ©der andere Form zu entscheiden, sondern jeder dieser Formen nach dem Willen der Siedler freie Entwioklungsmöglicbkeiteh" zu gewähren. Von den drei Arten der Kwuzah sei die des überlokalen Kibbua arzi die jüngste und deshalb habe sie mit den meisten Widerständen zu rechnen, ja auch in ihr selbst fänden sich Stimmungen des Zweifels an der Riohtigkeit dieses Weges, wie das bei derartigen noch unerprobten Formen stets der Fall sei. Auch hier gelte es, nicht sich einzumischen und damit etwa die neue Form zu zerstören, sondern den Siedlern, die sich für diese neue Form entschieden hätten, freie Hand zu lassen. Der ' Redner erwarte nicht, daß alle Mitglieder der Achduth Haawodah die Richtigkeit des Weges des Kibbuz arzt zugäben, von allen aber setze er voraus, daß sie die Zulässigkeit dieses Weges innerhalb der Histadruth anerkennen und deshalb auch dieser Form freien Spielraum gewährten. Es müsse der Weg gefunden werden, um En Charod und Tel Joseph eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen und. die mit ihnen verbundenen Kwuzoth Gescher, Jadjur und Aje« loth Hachaschar zu retten. Ein anderes wichtiges Problem sei das der Politisierung der Kwuzothbewegung. Man müsse davon ausgehen, daß die Mitglieder der Kwuzoth, die Arbeiter seien, Sozialisten seien und nur aus der Herkunft aus den verschiedenen1 Schichten und Lagern sei es zu erklären, wenn dies nicht durchgehend der Fall sei. Aber die Erkenntnis, daß die Bewegung der Kwuzoth eine sozialistische« Bewegung sei, bedeute keineswegs, daß sie parteimäßig festgelegt sei. Es herrsche in ihr der Gedanke des sozialistischen Zionismus. Soweit die Verwirklichung dieses Gedankens politisch sei, sei auch die Kwuzah politisch und auf der Basis dieses sozialistisch-zionistischen Gedankens müsse die Vereinigung ailer Kwuzoth erfolgen. Das Ergebnis der von der Histadruth .veranstalteten Zählung hat, wie W. Preuss im „Dawar" berichtet, interessante Aufsoblüsse' auch über die Vorbildung der Mitglieder der Histadruth gebracht'. 40,4 Prozent der Arbeiterschaft weisen eine mittlere Bildung auf (Gymnasialabsolventen oder fünf Klassen einer Mittelschule), 30 Prozent eine Volksschulbildung (Absolventen einer Volksschule oder Besuch mehrerer Klassen einer so]<5hen), 21,85 Pro-, aent häusliche Bildung (Erziehung im Hause, in der Jeschiwa oder beim Hauslehrer), 4,4 Prozent Universitätsbildung .und 1,1 Prozent fachliche Ausbildung. Die Ergebnisse, die ein Material von 24056 Antworten umfassen, sind nach dem Verfasser für die Arbeiterschaft in Palästina - charakteristisch, denn es gäbe wohl in keinem anderen Lande in der Welt eine Arbeiterschaft, die 40 Prozent mittlere Bildung aufweise. ... ■ ' Interessant ist auch ein1 Vergleich der Ziffern nach den einzelnen Volksgruppen (Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten usw.). Aschkenasim sind 88,8 Prozent der Arbeiter, Sefardim 5,2 Prozent, Jemeniten 1,9 Prozent, sonstige orientalische Juden 1,8 Prozent. Ein Vergleich, dor Vorbildung ergibt folgende Unterschiede:' Aschkenasim fjo^axdira Jemeniten' Universitätsbüdung 6,8' 1,3 0,8 Mittlere Bildung 42,9 10,5 4,8 Volksschulbildung 28,9 50,9 - 22,7 häusliche Bildung' 21,2 24,6 45,4 ohne Vorbildung 1,2 12,1 26,7 spezielle Fachbildung 1,1 0,6 0,6 Was die Verbreitung der hebräischen' Sprache anlangt, so ist der Prozentsatz jener, die Lesen, Schreiben und Sprechen können, gegenüber der letzten Zählung you vor vier Jahren etwas gesunken. Dieser Rückgang folgt aus der Vergrößerung der' Immigration im Jahre 1925, die auch viele nichtchaluzischen' Elemente ins Land brachte. Jedoch ist der Prozentsatz der Einwanderer, die inzwischen hebräisch gelernt haben (24 Prozent) gleich geblieben, so daß das Gesamtergebnis nicht ungünstiger ist. Von den von der Zählung erfaßten können 68,4 Prozent hebräisch lesen, 67,5 Prozent schreiben und und 70,1 Prozent sprechen. Die korrespondierenden Zahlen für die letzte Zählung sind 73,6, 70,0 und 7.6,9. Merkliche. Unterschiede bestehen in' der Kenntnis dea Hebräischen bei den beiden Geschlechtern. Von den Art beitem können 82,4 Prozent hebräisch', während der Prozentsatz bei den Arbeiterinnen nur 47,9 Prozent erreicht. Ebenso ist das Verhältnis günstiger für die landwirtschaftliche Bevölkerung, die mit 81,4 Prozent, in den Kolonien und 89,1 in den zionistischen Wirtschaften den Prozentjsatz von 65,1 Proent der des Hebraisohea Kundigen in ler Stadt erheblichübersteigt,

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