Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 6 (24.5.1927)
- Date
- 1927-05-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2641551-2641552-2641558--029-2641933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
"SAö 2 Der judtehe Arbeiter fff. 6. d£tn XV. ZiomstenkongreB muß ehre machtige Ar- . bleitenvertretung erscheinen. Ka.uffltd,eirSchekel! 1 Sammelt die arbeitenden Juden zum Kampfe für 'd|e Arbeitervertretun'gi auf dem Kongresse! Dem XV. Zionisteiikongreß entgegen* O'emeinsame Aktion der Gruppen des (> arbeitenden Palästina in Wien. Um mitzuwirken bei der Abwehr des Angriffes der bürgerlichen Elemente im Zionismus auf die jü- 'diiöcihje Arb'efterschaft in Palästina, haben sich alle Gruppen, die sjcft um das5 arbeitende Palästina scharen (Poale-Zion, Cföal-uz, Hasichomer Hazair, Brith 1 famaslchmar, Jüd^ch-soziah'stische Arbeiterjugend u. a.) zusammerigetan, um gjemeansam die Schekelaktion und die .Wahl zum Kongreß zu organisieren. " E3 wurde ein Aktionskomitee aus Vertretern aller Gruppen gebildet. D^e Vorbereitungen sind im vollen Ganjge. Der Sitz des; Aktionskomitees ist im Arbeiterhejm, IL; Blumäuergasöe 1. Der Zweck heiligt die Mittel. LWiie man die jüdiSahe Arbeiterschaft Pal'äs(t^nas! in New-York und in Wien ver-; leumdet Im Kampfe gegen die Arbeiterschaft ist kein Mittel zu schlecht. Im Kamen der Reinheit'des zionistischen Ideals, das von den organisierten Arbeitern in Palästina und ihren Freunden in den anderen Ländern idürch sozialistische Tätigkeit ^entweiht" wird„ wird jetzt auf der ganzen palästinensischen und aonjstisch'en Front ein heiliger Krieg geführt. „Proletariat über'dich, Israeli" wird in einem großen Teile des1 bürgerlLch-zionistischen Blätterwaldes Alarm geblasen. Und einen solch heiligen Krieg führen die hundertprozentigen Alljuden nach dem jes'uitis'chen Prinzip: Der Zweck heiligt das Mittel. Und dieses Mittel. ist alt,, gleichen Alters mit der Lüge. Und trotz des alten jüdischen: „Die Lüge hat keine Beine" halten sich unsere Kämpfer gegen die Diktatur der "Allgem. jüd. Ar^eiterorSa^J^tto („Histadruth") an dem nichtjüdischen aber nützlichen Grundsatz: „Semper oliquid heanet" (iregnd etwas; bleibt doch haften). Und so wird das Trommelfeuer gejen die Arbeiterschaft hie und da von einer Stinkbombe der Lüge begleitet. All diese Lügen festzuhalten wäre keine produktive Tätigkeit. Aber eife oder zwei charakteristische Lügen herauszugreifen, ihre Verfasser und Verbreiter beim richtigen Namen iu' nennen, ist eine unvermeidliche journalistische Pftcht. Der „Dawar" naget eine böswillige Behauptung des Redakteurs des 'Netf-Yorker „Das jüdische Volk", Dr. Sch. Bernstein fest die da lautet: ,,daß die allgemeine Organisation („Histadruth") wohl die Arbeitslosenunterstützung verteilt, aber sie zwingt zunächst die Arbeitslosen/ der „Histadruth" beizutreten. Wenn sie eS nicht tun — erhalten sie keine Untere Stützung." Diese Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen, mit der Absicht, die „Histadruth" zu verleumden, den Eindruct zu erwecken, als ob sie ihre flacht imd ihren Muß, nicht dem freien .Willen der Arbeiterschaft, sondern dem angeblichen Terror und Gewissenszwang za verdanken hat. Der „Dawar" nennt das Kind beim richtigen Namen: Lüge! und frägt die Zionisten Amerikas, ob an der Spitze ihres offiziellen Organes eil solcher Mann stehen 'darf. Hier wollen wir einen ähnlichen Versuch falscher Information mit einer daren Absicht festnageln. In Wien erscheint seit einiger Zeit wieder in deutscher Sprache die Monatsschrift „Palästina" unter der Redaktion des Herrn Adolf Böhm, dem wir gewiß guten zionistischen «Willen und Sachlichkeit nicht absprechen wollen. Abier wir müssen ihn fragen: Wie gedenken Sie zu verfahren mi|t Ihrem Palästinareferenten in wirtschaftlichen Fragen, den sie in der Nr. "3 auf frischer Tat ertappt haben, als er den Lesern weiß,- machen wollte, daß: der Konflikt um den Bau des! .Lehrerseminars' in Jerusalem deswegen ausgebrochen ist, weil der Arbeiterrat erzwingen wollte, daß man den Bau der Baukooperative „Solel-Boneh" übergeben soli, obwohl -ihr Offert ungünstiger war? Sie haben wohl in einer Anmerkung der Redaktion'darauf hingewiesen, daß: dieser Konflikt wegen der Frage der organisierten Arbeit entstanden ist. Sie hätten aber .auch1 feststellen Sölten, daß, im Arbeitsamt der Histadruth alle Arbeiter," auch' jene, die ihr organisatorisch' nacht angehören, vorgemerkt werden; daß das Offert des (privaten Unternehmers nur deshalb billiger war, weil er mit den niedrigen Löhnen der niehtorganisierten Arbeiter kalkuliert hat; daß: eine neutrale Kommission des „Waäd L'umi" nach' einer genauen Untersuchung Fe*sffcgrtest-eIIt hat, daß die Arbeitslöhne des Arbeitsamtes angemessen sind. Aber darauf wollten wir Sie nur nebenbei aufmerksam machen. Das wichtigste: glauben Sie, daß: mit Ihrer Richtigstellung die Angelegenheit erledigt ist? Sie sollten ja wissen, daß diese Behauptung ihres „Fachmannes" gleich nach Ausbruch des Konfliktes in der Arbeiterpresse Palästinas kategorisch dementiert wurde. Ihr Referent kann sich also nicht rj^htfertigen mit der Ausrede, er habe geirrt. Die: böse Absicht, den Kampf der Arbeiterschaft für ein;e gerechte Aufteilung der spärlichen Arbeitemöglichkeiten durch falsche Information zu entstellen, steht fest. Halten Sie einen solchen Mitarbeiter für geeignet, der ständige Informator einer ernsten Monatschrift über die schwiierig- Sten Probleme des Palästinaufbaues zu sein? Hoffen Sie auf diese Art Ihre Absicht, eine sachliche Grundlage für die Diskussion der schweren Probleme und der Meinungsverschiedenheiten innerhalb 'des Zionismus bezüglich der Kolonisation in Palästina, zu verwirklichen?; Wir wollen beileibe nicht die Bedeutung eine$ Doktor Kurt Grünwald übertreiben, aber die Atmosphäre zu vergiften trifft .Sogar er. B. L. Gruß unserem Kampfkameraden! Der erste Mai brachte uns* Sine angenehmetiUebierraschung. Der rührige Verband unserer Jugend hat in aller Stille die Vorbereitungen zur Herausjgabia eines eigenen Organes getroffen und überraschte uns am heutigen Festtage mit der ersten Nummer. Das Erscheinen dieser Monatsschrift ist an sich eine bewundernswerte Leistung, auf die wir wirklich stolz sein können. Die erste Nummer macht einen äußerst ernsten Eindruck und können wir diese Zeitschrift auch" unseren erwachsenen Genossen empfehlen. Wir erachten' es. als selbstverständliche Pflicht alier Genossen und Freunde, unsere jungen Genossen bei der Herausgabe dieser Monatsschrift nach Kräften zu unetrstützen. Diese Blätter haben eine wichtige Aufgabe für den jüdischen Sozklisimus zu erfüllen. Fördern wir diesen viel versprechet defl Versiuich! Jugendliche Kampfgenossen! Habt Dank' für "die angenehme 'l.-Ma>UeberraSchung! »Wir wünschen euch' vollen Erfolg. Euer Erfolg! ist ja auch der un- Serige. Palästina-Rundschau. Kogierung und Arbeitslosigkeit. — Arbeit statt Unterstützung. — Zar Frage der kollektiven. Siedlungen (Kwuzoth). — Die Vorbildung unserer Arbeiter. ' Die letzten Wochen haben keine wesentlicho Aenderting auf dem Arbeitsmarkte gebracht. Die Zahl der Arbeitslosen im gauzen Lande beträgt noch immer über 7000. Doch sind manche Aussichten auf eine wesentliche .Besserung vorhanden. , Vor allem scheint die. palästinensische Ttegtiomng endlich ihre Haltung einigermaßen ändern zu wollen. Diese Haltung war bisher alles andere als der Lage und den 1'fliehten der Regierung angemessen. Trotzdem die Regierung im Jahre 1925 über eine Million und noch im Krisenjalir 1920 mehrere hunderttausend Pfund Uebereehuß aus Abgaben, Zöllon, Eisenbahn usw. erzielte und obwohl es vollkommen klar ist, daß diese Uebersehüsse zum aUergrößteu .Teil der jüdischen Einwanderung und Aufbauarbeit zu vordanken sind, hat die Regierung es bisher nicht für angebracht gehalten, wenigstens einen Teil ihros Reingewinnes zur Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten und zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit zu. verwenden. Ja selbst bei den vorhandenen Itegieruugsarbeiten wurde gegenüber den jüdischen Arbeitern eine mein- oder minder ausgesprochene Boyokttpolitik getrieben, so u. a.. von der Eisenbahn Verwaltung, beim Bau von Itegierungsgebäuden u. a. in. Es hat nun 'den Anschein, daß die palästinensische Regierung unter dem Drucke der Protestbewegung der Arbeiterschaft, der Bemühungen der zioxiistisohen Exekutive und der wiederholten Anfragen von Arbeiter-Deputierten (insbesondere Wedgewoods) im Londoner Unterhaus sich entschlossen hat, diese ihre Praxis und ihre Tatenlosigkeit gegenüber der Not der Arbeiterschaft aufzugeben. Jedenfalls "wurde der Arbeiterorganisation von Regierungsseito . mitgeteilt, daß für die allernächste Zeit die Durchführung , einer Reihe von öffentlichen Arbeiten geplant sei, die etwa 2000 Arbeiter für längere Zeit beschäftigen sollen. Es handelt sich u. a. um den Bau von für die Entwicklung des Landes wichtigen Chausseen, um Ent-sumpfungsarbeiten, ErricbJtung; von Amtsgebäuden usw. Ea bleibt abzuwarterj, in welchem Umfange und Tempo diese Pläne auch' verwirklicht werden. Damit wäre aber die ^Pflicht der Regierung nur zum Teil erfüllt. Zur dauernden Besserung der Lage und zwecks Verbreiterung der zionistischen Aufbauarbeit ist unbedingt die wenigstens teilweise Entlastung des zionistischen Budgets von nicht unmittelbar derjüdischen Einwanderung und der Schaffung neuer wirtstehaftlicher Werte und Positionen dienenden Ausgaben erforderlich1. Die Tragweite dieser Frage erhellt aus, der Tatsache, daß von den1 über 2,438.000 Pfund, die der Keren-Hajessod (Palästina-Aufbau- Fonds) von April 1921 bis September 192£ im Lande investiert hat, nicht weniger als 18.6 Prozent auf das Schulwesen und 8.25 Prozent auf die Gesundheitspflege entfallen. Die Regierung hat bis zum letzten Jahre zum Schiübudget bloß 2500 Pfund jährlich beigetragen, in diesem Jahre hat sio ihren Beitrag auf 9740 Pfund erhöht —- bei einem Gesamtschulbudget von 158.000 Pfund, von dem der Keren Hajessod allein 78.000 Pfund decken muß. Den Rest bezahlt die jüdische Bevölkerung selbst. Noch schlimmer ist es um das Gesundheitswesen bestollt. Es ist daher eine von allen Schichten der jüdischen Bevölkerung erhobene gerechte Forderung, daß die Regierung auch' auf diesem Gebiete endlich ihre die jüdische Bevölkerung benachteiligende Politik gründlich ändert. * Nach langen Unterhandlungen gelang es' der Arbeiter- Organisation endlich —' zunächst wenigstens teilweise — ihre Forderungdurchzusetzen, die Arbeitslosen-Unterstützung durch Arbeit zu ersetzen'. Die zionistische Exekutive hat eingewilligt, in Jerusalem eine Reihe von Arbeiten zu ermöglichen, welche die Notwendigkeit der Arbeitslosen- Unterstützung überflüssig machen sollen. Es werden Arbeiten begonnen, bei denen 1200 Arbeiter beschäftigt werden und zwar an 2—1 Tagen in der Woche. Das istj die Zahl1 derjenigen Arbeiter, die letztens im Arbeatsbüro der Arbeiter- Organisation als Arbeitssuchende registriert waren. Im ganzen werden täglich 510 Arbeiter bei folgenden Arbeiten beschäftigt , sein: bei der Chaussee im Handels-Zentrum täglich 80 Arbeiter, beim Gymnasium 30 Arbeiter, bei der Universität 50 Arbeiter, in den landwirtschaftlichem IHmktea Ataroth und Kirjath Anawim bei: JorusaJera. 150 Arbeiter (Bewässerung und Bau), NiveUierung dos Bodens "4ß Arbeiter, Chausseen in Talpdotb (Vorstadt von1. Jerusalem) 20 Arbeiter, Handelszentrum in Talpioth 60 Arbeiter und in der Vorstadt Bait w'Gan 75 Arbeiter1. Zur Durchführung obiger Arbeiten, welche die genannte Zahl von Arbeitern' im Laufe von 6—7 Monaten beschäftigen werden, gibt die Zionistische Organisation eine Anleihe von 13.100 Pfund, außer den 5500 Pfund für Häuserbau in, Kirjath Anawim und Ataroth, welche sowieso im nächste* i Jahr dui-ehgeführt werden sollten. 4000 Pfund für Bewässerung in den genannten beiden Plätzen (enthalten in den 13.100 Pfund) sind eine Anleihe vom Keren Hakajemeth. Man muß dabei: bedenken, daß die Zionistische Exekutive für diesen Zeitabschnitt an Arbeitslosen-Unterstützung ungefähr 10.000 Pfund auszuzahlen gehabt hatte. Das ganze Ausmaß der oben genannten Arbeiten beträgt ungefähr 62.000 Pfund. Von Tel-Aviv und Haifa k^arn man leider noch keiao wesentliche Aenderung melden. Auch dort ist die Arbeiter- Organisation zu erreichen bestrebt, daß die Arbeitslosen- Unterstützung nJoht in Geld, sondern in Arbeit gegeben wird. Leider gelang es nooh' nicht, dieses bei den zionistischen Instanzen durchzusetzen. Es soll verzeichnet werden, daß mit 5000—8000 Pfund mehr, als die Arbeitslosen-Unterstützung beträgt, es zum Beispiel in Haifa durchzuführen möglich wäre, daß alle Arbeitslosen für die Zeit von1 6 bis 7 Monaten Arbeit bekämen, so wie es in Jerusalem der. Fall dst. Und wegen einer solchen Summe muß . eine so große Menge von Arbeitern ohne Beschäftigung sein, und es soll noch einmal betont werden, daß es sich keineswegs um irgendwelche Reserve-Arbeiten handelt, sondern um notwendige Aufbau-Arbeiten, welche später sowieso gemacht werden müßten; und je früher sie durchgeführt werden, desto segensreicher ist es für unsere Wirtschaft. * Im „Kuntres" vom 30. Adar ist das Referat wieder» gegeben, daß Tabenkin auf der Kwuzahtagung der Aohduth Haawodah' gehalten hat. Die Kernfragen, von denen das Sohicksal der Kwuzothbewegung abhänge, seien die nach Eignung und Organisierung des die Kwuzabi wollenden Menschenmaterials und - die Frage, ob diese Menschen eine Wirtschaft au führen verstehen wurden. Tabenkin glaubt nicht, daß die im Zusammenhang mit der Erweiterung der Jewisfc! Agency für die Zukunft der Kwuaoth, $eäußer&ö: