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Der Jüdische Arbeiter · 1927-05-24 · Heft 6 (24.5.1927) · page 1

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 6 (24.5.1927)
Date
1927-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b tiaiw»Blt&^8^iW10taö3e I* «aiwrait&t Orgati der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monat ich Redaktion und Administration: Wien, H., , BlantAuergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig ... 2.40 Einzelne Kummer 20 Groschen Nr. 6. Wien, 24. tyai 1927. 4. Jahrgang. Zur Schekelaktion 1927. Vom Verbandsbüro des „Jüdisch-Sozialistischen iWeltverbandes: Paole-Zion" erhalten wir folgenden Aufruf: Genossen! In einigen Monaten soll der XV. Zionistenkofngreß zusammentreten. Die Beschlüsse dieses Kongresses werden im wahrsten Sinne des' Wortes über das 'Schicksal;' den -Charakter und die künftige Ent-. Wicklung; des1 Palästinaaufbaues entscheiden. Alle offenen und verkappten Feinde der Arbeiterschaft im Zionismus! rüsten energisch, um die-jetzige Krise, die ein Resultat ihrer Politik ist, zu einem Hauptangriff auf die Arbeiterschaft, auf ihre Positionen in Stadt und Land, auf ihre Methoden und Wege der Kolonih s^tion und des Aufbaues auszunützen. Auf der ganzen. Linie wird der Angriff bereits; geführt, gegen die Einwanderung von Chaluzim und Arbeitern, gegen die genossenschaftliche Kolonisation, gegen, die Autonomie der. Arbeiterinstitutionen; cregen die Macht der organisierten Arbeiterschaft am Arbeitstnarkt, gegen den ohnehin sehr niedrigen Lebensstandard der Arbeitei' und den politischen Einfl'ifß der organisierten Arbeiterklasse im Lande. Im jetzigen schwierigen Momente der- Ärbeits- IpsigkQi't, der schweren körperlichen und moralischen Leiden, während der die palästinensische Avantgarde der jüdischen Arbeiterklasse abermals mit Heroismus und Opferbereitschaft das Ideal des arbeitenden Palästina verteidigt,, fühlen sich unsere Pioniere umgeben von Verständnislosigkeit, Neid u nd Klassen haß weiter Kreise des „Jischuw" und des bürgerlichen Zionismus, die aus dieser Not Kapital für ihre national übertünchten egoistischen .Klasseninteressen schlagen. Und auf dem bevorstehenden Kongveß plant ma.n der Arbeiterschaft eine entscheidende Schlacht zu liefern. Jene Kreise des zionistischen Bürgertums, hoffen auf die Sympathie und Unterstützung seitens der nichtzionistischen Elemente, die durch die Erweiterung der „Jüdischen Agentur" einen entscheidenden Einfluß auf die Gestaltung der Aufbautätigkeit gewinnen sollen. Genossen, ein schwerer Kampf um das Sc 1hc k s a 1 des ar jb e i t e n d e n Palästina, ja um den Zionismus überhaupt, steht uns' freVor. Wir' ruf ert'euch zur Bereitschaft au f.'Vo n eu e'rem Verständnis, von euerem V e r an t w o r 11i c h ke i t s g e f ü hl h ä n gt unser S ieg a.b. Unsere Sache ist eine gerechte, unser Programm, unsere Forderungen-können die Sympathie und Zustimmung der breiten arbeitenden Massen gewinnen, sorget vor, daß die Stimme der Arbeiter und der breiten Massen'"am Kongresse gehört werden soll. Ojurch eine energische Schekelaktion' sollet ihr allen , organisierten Genossen und Sympathikern, jedem jüdischen Arbeiter und werktätigen Juden das; Wahlrecht zum Kongresse sichern. Im Laufe der Schekelaktion! sollet ihr in den Reihen der jüdischen Arbeiterschaft die Probleme des Kongresses erörtern und auf die Bedeutung der entscheidenden Kämpfe, die sich dort abspielen werden, hinweisen. Rufet wach das' Interesse und das Verantwörtlichkeits&efühl der jüdischen. Ar(>eiterscha|ti"äer sozialistiscnen, Jugena, art. jener, die .mittun wollen bei der Befreiung der Arbeit, und, sammelt eine Armee von Mitkämpfern, die das' arbeitende Palästina schützen und alle Angriffe abwehren soll. Am fünfzehnten Kongreß soll eine starke sozialistische (Fraktion erscheinen! ( Wir machen alle Zentralkomitees und Organisationen für die rasche und richtige Durchführung dieser Aktion verantwortlich. Wir fordern jeden Genossen auf, seine Pflicht zu erfüllen, die Ehrenpflicht für jeden einzelnen Genossen jund für die ganze Bewegung! (Das' Verbandsbüro. Zu neuem Kampfe! Im Laufe der letzten Jahrzehnte hatte das!Aufbauwerk in Palästina Krisen verschiedener Art durchzumachen. Es1 mußte die Dampfwalze des Krieges, die Ueberfälle arabischer Banden und im letzten Jahrzehnt zwei große Wirtschaftskrisen ertragen. In all den Jahren der Gefahr war es allen, die sehen können und wollen, klar, daß nur jene Positionen fest in unserem Besitze sind, die die jüdische Arbeit im Lande erobert hat. Niemand, außer der Arbeiterschaft, hfielt unter allen Umständen, b?l Aufopferung des eigenen Ichs1 den Anstürmen der Feinde und den schwierigen Verhältnisse stand: Der XIV. Zionistenkongreß stand im Zeichen der sogenannten vierten Alajah..Xtif diesem Kongresse, liefen viele bürgerliche Zionisten in itnverantwortlicher Art gegen die Chaluzim, „die Kostkinder der zionistischen Bewegung" Sturm. Es ist natürlich eine grobe Unwahrheit, wenn man der Arbeiterschaft in die Schuhe schieben will, daß sie deshalb gegen die Einwanderung aus1 den Kreisen des Mittelstandes ist, damit nicht ihr „Monopol" auf Ansiedlunor' in Palästina aufgehoben werde. Die Arbeiterschaft war stets für eine möglichst freie und ständige Einwanderung, jeder Jude, der ins' Land kam, um beijm Aufbaue mitzuwirken, war ihnen willkommen. Die Arbeiterschaft hat nur gewarnt vor einer Einwanderung solcher Elemente des' Mittelstandes, die weder die Möglichkeit, noch den Wüllen haben produktive Arbeit im Lande zu leisten. Die Bevölkerungszahl 'in Palästina äst .noch viel zu. gering, die Wirtschaft zu Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Feuer- und EinbruchversicherungffirWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, i., Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie ■ I embryonal, unreinen zahlreichen Mittelstand ertragen zu können. " Die Mehrheit des zionistischen Bürgertums aber ignorierte die Argumentation der Arbeitervertreter, sie frohlockte, daß man sich nunmehr von den „Kofettkindern" wird emanzipieren, daß man das Ansiedeln von Juden in Palästina „billiger" wird bewerkstelligen können. Was; ist. nun das Resultat dieser „vierten Alijah?" Die (eingewanderten Mittelstandler konnten sich dauernd im Lande nicht einordnen; ihre Einwanderung rief eine außerordentlich günstige wirtschaftliche Konjunktur im Lande hervor, ihr Zusammenbruch* aber .verürs^ einen wirtschaftlichen Rückschlag, den man biis1 heute noch nicht überwindeln, konnte. Aber trotz dieses Rückschlages, trotz der wirtschaftlichen . Not, unter welcher die. Arbeiterschaft am meisten z\* leiden hat; harren unsere tapferejri. Brüder unverdrossen aus. Stiie halten, an cfenT Glauben, "V. d(aß das Aufbauwerk doch erfolgreich sein wird, fest. D i e J ü d i s c h e A r b e i t e r s c h la f t i n Palästina ä st im' j e t z i g e n M ömentedas' R ü c kg. r a t d es Aufbauwerkes. ' Was. aber tut ei'n Ciroßteil des: zionistischen Bürgertums? Mit den verschiedensteh Mitteln, .bemühen sie Sich die Position der jüdischen Arbeiterschaft zu untergeben." Die Arbeitersiedlungen sind ihnen zu teuer, obwohl'sie den Genossenschaften bis heute -noch nicht die Möglichkeit gegeben haben, die Betriebe vollständig einzurichten und rationell zu bewirtschaften. Die selbständigen Kulturinstitutionen der Arbeiterschaft, die die Zellen wahrhaft neuer Kultur bilden, stören ihre „nationale Einheit". Statt die Bedeutung der Arbeiterschaft für die Verwirklichung des Zionismus voll zu würdigen und unseren Phonieren freie Entfaltungsmöglichkeit zu sichern, bemühen sich unsere „nationalen Patrioten", die Arbeiter der Freude, der Begeisterung an diesem opferziehen, schweren Kampfe zu berauben. ' '-; Wir sind uns ja klar, was hinter diesem Kampfe steckt. Dem zionistischen B ü r g e r t u m ist die stets wachsjende, klassenbewußte Arbeiterschaft ein Dorn im Augje, das1 Klasseninteresse, oder, vielleicht auch nur o[er Kiasseninstiinkt sträubt sich gegen das stete * Erstarken cler Arbeiterschaft. Und wenn sie auch mit Zahlen, mit angeblichen ökonomischen Notwendigkeiten operieren, ob sie von einer „Konzentration der Wirtschaft" oder von einer Gleichstellung aller Schichten reden; der Dolch ist gegen die Arbeiterschaft gerichtet. Auf dem XV. Zionistenkongreß werden wir es erleben, daß Radikale, wie Revisionisten, Demokraten und Allgemeine aus aller Herren Länder sich in ihrer Stellungnahme gegen die Arbeiterschaft treffen werden. E s is' t e i n g e f ä h r 1 i c h e s Spiel, d a s h i er getrieben wird, Sie wagen sich an den Lebensnervdes,,Jischuw" he r a n. W i r d ü rfen deshalb nicht untätig diesem Treiben zu sc hauen. Alle Freunde des' arbeitenden Palästina müssen' sich zusammenschließen, um die arbeitende jüdische Bevölkerung zu mobilisieren, um 'das Gewissen der jüdischen Massen aufzurütteln. . \ . Auf den Angriff des zionistischen Bürgertums muß mit eurem Zusammenschluß aller arbeitenden Juden geantwortet werden. Unsere Brüder in Palästina, die Vorkämpfer für unsere soziale und nationale Renaissance, dürfen sich nicht vereinsamt fühlen. Auf

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