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Der Jüdische Arbeiter · 1927-04-30 · Heft 5 (30.4.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 5 (30.4.1927)
Date
1927-04-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Mr. 5. Der jüdische Arbeiter Seite 3 Aber wir haben uns nicht darauf allein beschränkt Die Aktion mit den „Erklärungen", die wir durchgeführt haben, hat den jüdischen Wählern gegeh alle Entstellungera und Verdächtigungen der bürgerlichen Jüdischnationalerc, klar und deutlich dokumentiert, daß wir beim Eintreten für die Sozialdemokratie unsere jüdischen Forderungen nicht verneinen. Dadurch war sie auch ein sehr wirksames Propagandamittel für die Sozialdemokratie. Aber sie war viel mehr. Zum ersten Mal in Oesterreich haben Juden, die Sozialdemokraten sind, oder für die Sozialdemokratie eintreten, kundgegeben, daß sie an clie Arbeiterpartei, der sie sich als zugehörig betrachten, Forderungen stellen. Diese Aktion verpflichtet uns, energischer und gründlicher als bis jetzt die österreichische Sozialdemokratie für die berechtigten Forderungen der Juden zu gewinnen. Die Situation ist klar: die bürgerlichen Jüdischnationalen haben abgewirtschaftet. Ihre Arbeiterfeindüchkeit hat es bewirkt, daß sie die arbeitende jüdische Bevölkerung völlig verlassen hat. Die arbeitenden Juden haben unseren Parolen Folge geleistet. Nun liegt es an uns, diese neugewonnenen arbeitenden Juden für den Sozialismus dauernd zu sichern und mit ihrer Unterstützung, durch die ideologische Erziehung und die organisatorische Zusammenfassung der werktätigen Juden, die berechtigten jüdischen Forderungen1 d urch'zusetzen. . Die Ausschaltung der bürgerlichen Jüdischnationalen aus dem politischen Leben muß eine endgültige bleiben, die arbeitenden Juden Wiens sollen ihr Schickäal in ihre eigene Hand nehmen. Das ist die Lehre, die die klassenbewußte jüdische Arbeiterschaft aus dem Wahlausgang im jüdischen Wien ziehen muß. Möge diese große Wahlschlacht, möge die Erkenntnis des 1. Mai 1927 zu einem Wendepunkte in unserer Tätigkeit in Wien werden. M. Singer. * Fabriksnied erläge in Herren- und Damen- Modestoffen S. Meister Wien, I., Salzgries Nr. 7. Telephon Nr. 69-402 Den Opfern des 1. Mai in Palästina. 1. Mai 1921 hi der durch judische Arbelt neu entstehenden Stadt Tei-Aviv. Tausende jüdischer Arbeiter marschieren in \geschlossenen Reihen auf, um ihre Macht im Lande zu demonstrieren, um ihre Solidarität mit dem ^Weltproletariate zu bekunden. Zum ersten Male dieser grandiose Aufmarsch von Arbeitern in dem neu entstehenden Lande. Ein neues1 Mitglied der Familie des Weltprolletartates tritt in Aktion. Die Kampfarmee des Sozialismus wächst. In hebräischer Sprache erklingt zum ersten Male auf offener j^traße aus lausenden Kehlen das Lied der Internationale'. Gruß dem . Weltproletariate aus dem neu aufblühenden Judenlande' Dem Bürgertum, dem englischen Imperialismus ist bange geworden. Da griffen die arabischen Feudalen zur Fat. Die Bodenwucherer sind sich darüber klar, daß das Wachsen der klassenbewußten jüdischen Arbeiterschaft ihre parasitäre Existenz; bedroht. Sie bemühen sich deshalb, die arbeitenden Araber gegen ihre jüdischen Klassengenossen aufzuhetzen. Und es gelang ihnen. Gedungene und verhetzte Araber überfielen die für die Solidarität aller1 arbeitenden Menscher» demonstrierenden jüdischen Arbeiter und mordeten die mutigsten und einen!.der größten und edelsten — Josef Chajim Brenner — dahin. Tragisches Schicksal der ersten großen revolutionären Kundgebung in Palästina. Wir können und dürfen an diese feuern , Opfer nicht vergessen. Aber der Kampf geht unaufhaltsam weiter. Die jüdische Arbeiterschaft in Palästina ist seit dem unglückseligen i. Mai 1921 gewachsen. Ihre Positionen stehen trotz Wirtschaftskrise unerschüttert da. Die Zahl der arabischen Mitkämpfer ist in stetem Wachsen begriffen. Die arabischen Arbeiter haben den •Weg zu ihren jüdischen Klassengenossen bereits gefunden. Schmerzhaft ist der Verlust der fimgemordeten am 1. Mai 1921, aber ihr Tod war nicht vergebens'. Er hat uns1 angespornt, mit um so größere«* Energie das Werk unserer Märtyrer Tür nationale und menschlicher Befreiung fortzusetzen. Der Sieg des Sozialismus in Palästina kann und wird nicht ausbleiben. InternationaleArbeiterführerüber das arbeitende Palästina, Eugen V. Debs. (Aus einem kurz vor seinem' Tode geschriebenen Briefe an den Herausgeber der palästinensischen täglichen Arbeiterzeitung „Dawar", B. Kaaenelson, vom 23. Februar 1926.) „Werter Genosse Kazenelsonl Ich habe mich sehr gefreut, in der vergangenen Woche mit dem Genossen Izchak Ben-Zwi, dem Sekretär der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas und deren Delegierten nach Amerika, zusammenzukommen. Ich schreibe Ihnen aus dem tiefen Bewußtsein des besonderen mir zuteil gewordenen Vorzuges', mit unseren Kameraden im Osten und insbesondere mit den organisierten1 Arbeitern Palästinas in Berührung zu kommen, deren Leistungen so lobenswert und deren Errungetaschaften so außerordentlich sind, wenn man die Jugend der Bewegung und die großen Hindernisse, denen sie begegnet, in Betracht zieht. Die unlängst auf Initiative der Vereinigten Jüdischletri Gewerkschaften Amerikas in Chicago abgehaltenen Konferenz, z\ir Förderung der jüdischen Arbeiterbewegung in Palästina war, wie mir berichtet wird, zahlreich beschickt und von großer Begeisterung beseelt. Es wurden die notwendigen Schritte unternommen, um die auf die amerikanischen \ Freunde der palästinensischen Arbeiterbewegung entfallende Quote den jüdischen Arbeitern nach Palästina schicken zu können. Das soll ein Beweiis dafür sein, daß die. jüdischen Arbeiter in diesem Lande als organisierte Gemeinschaft mit ganzem Herzen für das in Palästina begonnene Werk eintreten und jede mögliche Hilfe zu leisten bereit sind. Das Bewußtsein, daß die organisierten Arbeiter in vielen Ländern an Eurem großen Werk interessiert sind, daß sie nicht nur dessen Gelingen sehen wollen, sondern auch entschlossen sind, selbst alles, was in ihrer macht liegt, zu tun, um Euch zu helfen — dieses Bewußtsein wird Euch gewiß eine Quelle der Ermutigung und Stärkung sein. Mit besonderer Freude ha.be ich vernommen, daß es Euch bereits gelungen ist, eine tägliche Arbeiterzeitung zu gründen, die von mehr als 20.000 organisierten Arbeitern' NÄHMASCHINEN II I p Ii mit kostenlosem Stickunterricht off jB B Sa. FÄHRRÄDER 1927 Auch gegen Teilzahlung!! ■■■■■■ Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteins^*. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör, Sport- und Touristsnartikei zeichneten Art vollkommen frei und könnten nach Belieben tun und lassen, was ihnen beliebt, das heißt die Lage verschärfen und die öffentliche Atmosphäre vergiften. Die Konferenz muß daher, so schreibt der Verfasser schließlich, die Erkenntnis stärken, daß die Entstehung gesunder Privatwirtschaft im Lande einerseits die Existenz eines Unternehmers voraussetze, der den organisierten Arbeiter anerkennt, und es für richtig findet, die Angelegenheiten auf dem Wege kollektiver Verhandlungen mit der Arbeiterorganisation zu regeln, und andererseits eine starke Arbeiterbewegung, die, in Erkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge danach strebt, die nationale Wirtschaft zu stärken und die Interessen des Arbeiters in den Grenzen der objektiven Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zu sichern. Im Mittelpunkt dieser Probleme müsse dabeidie Frage des kollektiven Arbeitsvertrages stehen, derart, wie sie in anderen Ländern mit entwickelter Gewerkschaftsbewegung üblich sind. Der 'Verfasser macht dann folgenden Vorsehlag, den er gleichzeitig als Antrag an die Konferenz formuliert und dessen Wortlaut hier folgt: „Aus der prinzipiellen Erkenntnis heraus, daß Einwanderung, Kolonisation und jüdische Arbeit gleichermaßen an der Entwicklung aller wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes und an der Schaffung einer sich selbst erhaltenden Wirtschaft interessiert sind, liegt für uns ein vitales Bedürfnis in dem Abschluß einer Vereinbarung zwischen Arbeiterorganisation und Industrieunternehmungen zur Vermeidung wirtschaftlicher Streitigkeiten, die notwendig Vergeudung von Kapital und Arbeit und Verluste für beide Teile im Gefolge haben." Wir schlagen allen industriellen Unternehmungen, die die Bedeutung geordneter Beziehungen zwischen beiden Seiten anerkennen vor, einen Vertrag mit der allgemeinen Arbeiterorganisation in Palästina zu schließen und ihm folgende Hauptpunkte der gegenseitigen Beziehungen festzulegen: a) Die vertragsschließenden Arbeitgeber-beteiligen sich am Arbeitsbüro (Arbeitsvermittlung). Die Arbeiter werden durch das Büro zuge- , wiesen. Das Büro registriert sämtliche Arbeiter ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zur Histadruth, und ohne Bevorzugungen irgendwelcher Art bei der Ai'beitsverteiiung. b) Für jeden Arbeitszweig wird ein Minimallohn festgesetzt, der. sich auf das Lebensniveau, eines europäischen Arbeiters und auf die wartschaftliche Leistungsfähigkeit des betreffenden Industriezweiges im Lande gründet. c) Der Arbeitstag beträgt acht Stunden. d) Der Arbeiter und der Unternehmer ist verpflichtet, regelmäßig Beiträge an die Kupat Cholim abzuführen. e) An jedem Arbeitsplatz wird ein Arbeitei-ausschuß gewählt, der als Vertretung der Arbeiter gegenüber der Leitung fungiert. f) Der durch das Arbeitsbüro zugewiesene Arbeiter arbeitet zuerst kurze Zeit versuchsweise und wird, wenn er über die Probezeit hinaus in dem Betrieb verbleibt, als ständiger Arbeiter betrachtet. g) Ein ständiger Arbeiter darf aus einem zureichenden Grunde entlassen werden. h) Es wird eine Skala für Entschädigungen an entlassene stäxidige Arbeiter festgesetzt, die sich nach der geleisteten Arbeitszeit richtet. i) Jeder Konflikt zwischen Unternehmern und Arbeitern, die dem Vertrage unterliegen, wird einer Schlichtungskommission überantwortet. Der Verfasser hofft, daß diese Vorschläge eine geeignete Basis bilden werden, um den vielen Streitigkeiten auf diesem Gebiete endgültig ein Ende zu bereiten, wenn sie auch nicht auf allen Seiten Beifall finden werden. Im „Dawar-" vom 29. März wird der Inhalt eines Referates wiedergegeben, das die Frage der Vereinigung aller Kibuzim (Wirtschafts- und Arbeitskommunen) im Lande behandelt und positiv zu ihr Stellung nimmt. Die Zusammenfassung der verschiedenen Kibuzim im Lande erweise sich nicht nur prinzipiell, sondern auch praktisch als notwendig, aus folgenden Gründen: 1. In der zionistischen Bewegung habe ein allgemeiner Angriff gegen die Arbeiterschaft und ihre wirtschaftlichen Schöpfungen begonnen, der sich besonders auf die Kibuzim und Kwuzoth konzentriere. 2. Innerhalb der Arbeiterschaft habe sich die Achtung vor der kwuzistischen, Bewegung verringert; der Kibuz nimmt nicht den Platz ein, der seiner objektiven und historischen Bedeutung entspreche. Der tatsächliche Einfluß der Kibuzim sei kleiner als die Bedürfnisse der Histadruth! und auch der kwuzistischen Bewegung es verlangten. 3. Die chaluzische Bewegung habe den Kibuzim nicht die Kräfte und die neuen Menschen gegeben, deren sie bedurften. Die Delegationen der großen Kibuzim im Auslande konnten zwar dort "von neuem chaluzische Tendenzen und Stimmung erregen, aber der in den großen Kibuzim im Lande herrschende Dualismus habe den neuen Ohaluzim bei ihrem Herkommen unmöglich gemacht, ein geeignetes Aufnahmezentrum zu finden. . i 4. Die Tatsache, daß die chaluzische Einwanderung im Lande keinen realen Weg zur Verwirklichung und Fortsetzung des im Galuth. begonnenen Lebens gefunden habe, habe die Bewegung im Galuth sehr geschwächt. Die starken Angriffe von außen und die Zerwürfnisse int Innern, und der Mangel an Führern habe dazu geführt, daß auch' die Besten der Bewegung vor der Gefahr der Ermüdung und Verzweiflung stehen und dringend neue Kräfte ersehnten;^ 5. Die Arbeiterbewegung im allgemeinen und die kwuzistische Bewegung im besonderen seien arm an Kräften gegenüber den Aufgaben, die vor ihnen stehen. Alle diese Faktoren drängen also zu einer Vereinigung der bestehenden Kommunen. Die vier Gruppen, um die es sich in der Hauptsache hier handle, und die auch! die Träger der Einigungstendenzen sind, seien: a) Die Kibuzim des Haschomer Hazair, die untereinander zusammengeschlossen sind, b) die Kibuzim der Einwanderer, c) der Kibuz Ain Charod, d) Gdud Haawoda. Was die Form de3 Zusammenschlusses betreffe, so könne die Vereinigung nur durch die Errichtung eines gemeinsamen. Kibuz-Zentrums verwirklicht werden, dem sich sämtliche Kibuzim anschließen werden. Diese Form des Zusammenschlusses werde zwar am Anfang noch nicht alle Glieder der Bewegung umfassen, aber sie werde das geistige und materielle Zentrum erstehen lassen, das in Zukunft auch die jetzt noch abseits stehenden Glieder erfassen werde.

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