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Der Jüdische Arbeiter · 1927-04-30 · Heft 5 (30.4.1927) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 5 (30.4.1927)
Date
1927-04-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Säte 2 Der jüdische Arbeiter Nr. 5. ffhres Kampfes, ihres Schaffens zu bringen der* Massen der jüdischen Arbeiterschaft und Jugend, die eitlen Ausweg aus wirtschaftlicher Not, geistigen und moralischen Niederganges zu freiem menschlichen und nationalem Leben suchen. Untl geloben wollen wir auch fest und treu in den Reihen des internationalen Sozialismus zu . marschieren, in allen Ländern, im jüdischen Leben und überall den Kampf zu führen: Gegen kapitalistische Ausbeutung! , , Gegen Militarismus und Imperialismus! I ' '; Gegen nation ale U nterdrückung! 1 Für die Freiheit aller Völker! ' F ü r d i e n a t i o n a 1 e A u t o n o m i e! Für ein sozialistisches Palästina! Für die Herrschaft von Arbeit, Gerechtigkeit und Freiheit in der Welt! Für den internationalen Sozialismus! i ' ' Büro des Jüdischen Sozialistischen .Weltverbandes Poale Zion (vereinigt mit dem Z. S-Verband). Was lehrt uns der Wahlausgang? Der große, schwere Wahlkampf ist nun vorbei. 'Der Angriff der vereinigten Reaktion ist glänzend abgewehrt worden. Die arbeitende jüdische Bevölkerung hat einen bedeutenden Anteil am Siege der ' Freiheit, des Fortschrittes, des Sozialismus, j,.,Bin .Wahlkampf kehrt wohl nur einmal in einigen "Jahren wieder, aber er demonstriert ja bloß durch iKjampffüh'rung und Resultat, was die Masse bewegt, JhWier welcher Gruppe Sie steht, welchen Losungen sie folgt. .Wir wollen deshalb die Bilanz dieser Wahlen für die arbeitende jüdische Bevölkerung ziehen, um1 , jene Richtlinien festzuhalten, die wir in unserer politischen Betätigung! einhalten müssen, wenn wir die Macht im Jüdischen Leben an uns reißen sollen. Die bürgerlichen Jüdisch nationalen verschwinden nunmehr endgültig von der politischen Bühne. Der .denkende und arbeitende Teil der jüdischen Bevölkerung hat ihre. Reihen verlassen. Wir sind stolz5 /darauf, zu dieser Niederlage der bürgerlichen Jüdischnationalen erheblich beigetragen zu haben. Im Gegensätze zu den elementarsten Interessen der jüdischen Bevölkerung haben sich jene sonderbaren jüdischen Politiker in extremster Feindseligkeit der Sozialdemokratie entgegengestellt. Seit Jahr und Tag haben Säe in ihrer Tageszeitung in den meisten politischen Fragen für die antisemitisch-reaktionärenChristlichsozialen, gegen drei' Sozialdemokratie Stellung genommen. Zur Illustration wollen wir nur daran erinnern, daß nach der ersten großen Rede Dannebergs über den Zentralbankskandal, die „Wiener Morgen-Zeitung" über Danneberg hergefallen ist und die „Verteidigungsrede" Kollmanns über alle Maßen gelobt hat; als Seipel in einer Unterredung über das chrfet- Iichsoziale Programm seine Anschauung über den „zersetzenden Einfluß der Juden" zum besten gab, verhielt sich dieselbe Zeitung ziemlich reserviert. Ueber den „Hausjuden" Danneberg schrieb man spaltenlange feindselige Artikel, den Herrn Bundeskanzler aber fertigte man kurz und sehr sanft ab. Da ein Anschluß der bürgerlichen Jüdisch nationalen an die Einheitsliste nicht möglich war, haben sie zur Unterstützung der Politik des Pfaffen Seipel eine wichtige Teilarbeit übernommen: das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung zur Sozialdemokratie zu erschüttern. Die Einheitsliste und die b ü r- Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Gemeinde Wien Sitte VersidieranasotistBlt Feuer- und EinbruchversicherungfflrWohnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung - Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie gerliehen J üdisch nationalen haben wohl getrennt marschiert, aber das Ziel war dasselbe: die Niederrin gu ng d er Sozialdemokratie. Alle Bemäntelungen und Beteuerungen der bürgerlichen Jüdisch nationalen können diese unerschütterliche Tatsache nicht widerlegen. Die Agitation der bürgerlichen Jüdisch nationalen war fast zur Gänze gegen die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung gerichtet (siehe: die „Wiener Morgen-Zeitung" während des Wahlkampf es, das famose „Bilderbuch für jüdische Männer und Frauen" und den größten Teil der Flugblätter), dagegen hat die gesamte Presse der Einheiteliste, einschließlich der Zeitungen des Erpressers Xfreiß, die bürgerlichen Jüdischnationalen mii äußerstem Wohlwollen behandelt Wir können nichi nachweisen, daß diese gegenseitige Taktik vereinbart wurde, obwohl es sehr naheliegend erscheint (über eine Verbindungslirtie von Mataja via Szandor Weiß zu einem Führer der Jüdischnationalen wird schori lange gtemunkelt), aber gerade, wenn diese gegenseitige Schonung ohne jede Vereinbarung geübt wurde, ist sie sehr bezeichnend für den Charakter, für die Tendenz der bürgerlichen jüdischen Politik. Die Sozialdemokratie ist der Feind! — war die Parole der bürgerlichen Jüdisch nationalen. Es war für uns deshalb selbstverständlich, däÖ wir zunächst diese Schmach, als ob die jüdische Bevölkerung am „Ruck nach rechts" des Prälaterl Seipel Interesse hätte, von uns abwälzen mußtet!. Die völlige Zertrümmerung der bürgerlichen Jüdischnationalen dokumentiert einwandfrei, daß die arbeitende jüdische Bevölkerung nie und nimmer für eine Politik gegen die Arbeiterschaft dieses Landes zu gewinnen sein1 wird. ,Wi e ha be n wir d i esen Ka m pf ge f ü h rt? In unserem Kampfe für die Sozialdemokratie, gegen die Feinde der Arbeiterschaft im eigenen Lager, haben wir niemals an die berechtigten Forderungen der Juden hierzulande, an unsere Pflicht Palästina gegenüber, vergessen. Wir haben es für richtig und notwendig erachtet, den Kreis der für die Sache des1 Sozialismus werbenden Juden zu erweitern. Es ist das „Komitee der werktätigen Juden" entstanden. Wenn auch dieses Komitee im ideologischen Sinne' mit uns nicht ganz identifiziert werden kann und soll, muß aber festgestellt werden, daß wir auch innerhalb des „Komitees der werktätigen Juden'' im- Sinne unseres Programmes gewirkt haben1. Und nicht ohne Erfolg. Palästina-Rundschau. Die Lage in; der Stadtverwaltung van Tel-Aviv. — , Zu den Problemen der jüdischen Arbeiterschaft. — Die Bewegung unter den Kibuznirn. Im ,/Kuntres" erklärt Swerski: die Politik der Arbeiterschaft, die sie schon im Wahlkampf verkündet und jetzt durchzusetzen versuche, nämlich die Schaffung einer Koalition mit den bürgerlichen Gruppen, sei richtig gewesen. Schon das Gleichgewicht der Kräfte zwischen den bürgerlichen Parteien und der Arbeiterschaft habe dazu gezwungen, -ebenso die ernste finanzielle Lage der Stadt, die -zurzeit der Wahlen bereits eingeleiteten Verhandlungen mit der .Regierung wegen einer Anleihe und die durch die Intrigen' des Hausbesitzerverbandes gefährdete Sicherheit des; Kredits der Stadt. Besonders wichtig sei hierbei die Fortsetzung der Verhandlungen mit der Regierung gewesen, die die Arbeiter den bürgerlichen Gruppen allein nicht überlassen durften, da ein großer Teil von diesen der Fortsetzung der Verhandlungen durchaus abgeneigt gewesen sei. Wenn gefragt werde, was - in den drei Monaten der Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Gruppen erreicht worden sei, so müßten vor allem drei positive Momente angeführt werden. Im Gegensatz zu den Tendenzen reaktionärer Kreise, die Tel-Aviv einem „Groß-Jaffa" einfügen wollten, um so den Einfluß der Arbeiterschaft zu brechen, sei es gelungen, was allein aus nationalen Gesichtepunkten zu rechtfertigen sei, die Trennung Tel-Avivs von Jaffa durchzusetzen. Ebenso sei es der Arbeiterschaft gelungen, bei der Beratung des Budgets wenigstens die allernotwendigsten Verbesserungen durchzuführen, und dies trotz der von der Regierung gesetzten kurzen Frist zur Beendigung der Budgetberatungen und trotz der Sabotageversuche von Rechts. Der dritte Erfolg bestehe darin, daß, wenn auch in beschränktestem Maße, öffentliche Arbeiten beschlossen worden seien, von denen freilich bisher so gut wie nichts zur Ausführung gekommen sei. Wäre aber die Arbeiterschaft in der Opposition geblieben, so hätten die bürgerlichen Kreise sich nicht einmal um die Anleihe von 15.000 Pfund Sterling bemüht, die von der Zionistischen Exekutive für Notstandsarbeiten in Tel-Aviv bewilligt worden sei. Diese Darstellung ziele nicht etwa darauf ab, die Notwendigkeit der Koalition unter allen Umständen zu rechtfertigen, sondern sie wollen nur zeigen, mit welchem Erfolg die bisherige Koalitionspolitik geführt worden sei. Was die Zukunft anlange, so müsse bei ihrer Bexvrteilung vor allem von der Tatsache ausgegangen werden, daß in der letzten Zeit der Hausbesitzers'erband eine völlig neue Taktik eingeschlagen habe, indem diese Kreise offensichtlich bedauerten, sich selbst in dieser für einen Kampf gegen die Arbeiterschaft so günstigen Zeit selbst ausgeschaltet zu haben, und deshalb Neuwahlen propagierten, wobei sie innerhalb der Irijah auf manche verständnisvolle Freunde zählen könnten. Jedenfalls mache sich der Einfluß dieser Kreise in der Irijah in der Richtung geltend, daß die bürgerlichen Elemente offensichtlich auf eine Beendigung des Burgfriedens und Wiederaufnahme des Kampfes gegen die Arbeiterschaft hinsteuerten, wodurch man wohl der Oeffentlichkeit beweisen wolle, daß diese Irijah ihre Aufgabe -nicht erfüllen könne und Neuwahlen xmvermeidlich seien. In diesem Sinne müßte jedenfalls die Tatsache verstanden werden, daß man in letzter Zeit in vier Kommissionen Revisionisten zu Vorsitzenden gewählt habe und die Vertreter der Arbeiterschaft herausgedrängt habe. Die Taktik der Arbeiterschaft müsse gegenüber diesen Tendenzen darin bestehen, endlich die bürgerlichen Gruppen zu zwingen, in den wirklich wesentlichen Fragen Farbe zu bekennen. Derartige Fragen seien: progressive Besteuerung, Finanzpolitik, die Siedlung im Norden von Tel-Aviv, die Verteilung der öffentlichen Arbeiten. Die Frage, ob die Koalition fortzusetzen sei, werde sich bei der Behandlung dieser Angelegenheiten von selbst entscheiden. Im „Dawar" vom 25. März äußert sich Berl Katznelson in einem größeren Aufsatz über die Aufgaben der dritten Histadruth-Konferenz. Er schreibt, daß die früheren Konferenzen sich vorzugsweise mit Fragen der inneren Organisation der Histadruth, mit den Problemen der Erschließung neuer Berufszweige und kolonisatorischen Fragen beschäftigt hätten. Die Probleme des Industriearbeiters standen demgegenüber mehr im Hintergrunde, aus dem einfachen Grunde, weil die Industrie damals im Lande noch sehr schwach vertreten und die Angst vor dem organisierten Arbeiter sehr groß gewesen sei. Auch die kommende Konferenz werde sich der Verpflichtung nicht entziehen können, sich eingehend mit allen organisatorischen und innerwirtschaftlichen. Fragen zu beschäftigen; zweifellos müßten die Probleme der Sanierung der Arbeiterwirtschaften, ihrer Revision und Reform auch jetzt noch großen Raum einnehmen. Darüber hinaus werde die Konferenz dieses Mal dem gesamten mit der Entwicklung der Privatwirtschaft verknüpften Komplex besonderes Augenmerk zuwenden müssen. Der Verfasser sieht vor allem eine wichtige Aufgabe der Konferenz darin, daß sie vor sich selbst, vor den Delegierten und Führern der Histadruth tmd Gewerkschaften und den städtischen Arbeiter-Ausschüssen sowie vor der Oeffentlichkeit ihrer Stellung gegenüber' dexa produktiven privaten Betrieb, dem Schöpf er wirtschaftlicher Positionen im Lande, klarstelle, und bestimme, welche Wege der organisierte Arbeiter zur Sicherung seiner Rechte und zur Herstellung geordneter Beziehungen zwischen Unternehmer und Arbeiter gehen müsse. Obwohl die gegenwärtige Stimmung und die herrschende Neigung, den Arbeiter als den Feind der Industrie hinzustellen, nicht geeignet erscheine, eine ernsthafte Klärung herbeizuführen, sei es angebracht, sie nicht weiter zu verschieben. Verschiedene pathologische Erscheinungen begleiten die Entwicklung der privaten industriellen Unternehmungen, und die Arbeiterbewegung müsse sich vor ihnen schützen. Man habe es eben hier vielfach mit dem gleichen Unternehmer zu tun, der nicht so sehr kapitalistisches Können aufweise, wie er kapitalistischen „Appetit" besitze und sich den Aufbau einer Wirtschaft nur in den gleichem. Formen der Ausbeutung und Unterdrückung vorstelle» könne, .die in dem Orte. seiner Herkunft herrschen; er vergifte durch seinen Haß und Angst vor dem Arbeiter die, Luft innerhalb und außerhalb des Landes. Auch unter den Arbeitern gäbe es solche, die die ökonomische Tradition ihrer Heimat aufrech't erhielten und1 die Bedeutung einer wohlorganisierten Arbeiterschaft nicht einsehen. Während aber diese Arbeiterelemente eine starke organisierte Macht mit klarer wirtschaftlicher und politisch n-; .mtnis vorfanden, seien die Arbeitgeber der be-

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