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Der Jüdische Arbeiter · 1927-04-30 · Heft 5 (30.4.1927) · page 4

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 5 (30.4.1927)
Date
1927-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Der jüdische Arbeiter gelesen wird. Dieses geglückte Unternehmen, kann Euerer jungen Organisation als Glanzleistung angerechnet werden, auf die Ihr stolz sein dürft. Mit liebevollen Grüßen und guten Wünschen an Sie und Ihre Kameraden für die große Arbeit, die Ihr in Palästina leistet, nicht nur für Euer Volk, sondern für die gesamte Arbeiterklasse und die ganze Menschheit bin ich Ihr Eugen Debs." James Ramsay Macdonald. (Aus einem Briefe vom 25. Januar 1927 an Gen. Dov Hos, Mitglied der Amerika-Delegation der Allgemeinen Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas.) . . . Als ich bei Euch war, machte auf mich einen tiefen Eindruck der in Euch lebende Geist und die feste Entschlossenheit, Palästina zu einer wahren Heimat der Arbeiter, der sozialistischen Idee und Tat zu machen. Ich kenne die großen Schwierigkeifren, denen Dir begegnet und kann Sie versichern, daß ich gerne alles tun würde, um die Herzen und Taschen der Juden Amerikas zu öffnen, damit Sie nicht nur mit ihren guten Wünschen, sondern auch mit ihrer finanziellen Hilfe zurückkehren könnten. Indem sie Euch helfen, helfen sie zweifellos der großen Arbeiterbewegung der Welt. . . . Jean Longuet. (Aus einem Briefe vom 3d. Januar 1927 an die Mitglieder der Amerika-Delegation der A. J. A. O. Palästinas Hos und Hubaschow.) . . . Die Arbeit, die Ihr in Palästina vollbringet, ist voll mächtiger Zukunftsmöglichkeiten. Sie sollte nicht nur die Anhänger unserer großen internationalen sozialistischen Bewegung interessieren, sondern alle Arbeiter, denen die Erschließung der Verwaltungsfälligkeiten und der ökonomische Fortschritt der Arbeiterklasse am Herzen liegt... Die Poale Zion in Deutschland. Am 20. und 21. März tagte in Berlin die V. Konferenz der Poale-Zifon Deutschlands. 20 Delegierte von 15 Organisationen1 und die Vertreter des Zentralkomitees nahmen an den1 Beratungen teil. Die Tagesordnung enthielt u. a. die Punkte: Die Lage in der Weltbewegung, die Lage in Palästina und im Zionismus, unsere Tätigkeit in der Jugendbewegung und dm Hechaluz. Viel Aufmerksamkeit schenkte man 'der inneren organisatorischen Tätigkeit in Deutschhtfd. t [Auf Initiative einiger aus Polen und Galizien eingewanderter Genossen, bei Mitarbeit von Kriegsgefangenen ist vor Jahren' der Grundstein für die Poale-Zion-Bewegung in Deutschland gelegt worden. Zu jener Zeit nahmen nur Ostjuden an der Arbeit teil, mit den; einheimischen Juden hatten wir nur geringe .Berührung. Das .erklärt sich durch die spezielle wirtschaftliche Struktur, wie auch durch die geistige Entwicklung der Juden in! Deutschland. Die Juden' Deutschlands lebten seit Generationen in einer Atmosphäre von Assimilation, die nicht nur das Großbürgertum, son'dern auch das Kleinbürgertum und die Arbeiterschaft ergriff. Im Laufe vieler Generationen haben die Juden hierzulande bloß als Religionsgemeinschaft gelebt. Der Zionismus rief eine Differenzierung im Denken der Juden Deutschlands1 hervor. Nach dem Weltkriege drang immer mehr •un'd mehr nationales Bewußtsein1 in die Reihen des deutschen Judentums ein und ergriff zunächst das mittlere und kleine Bürgertum. Der Zionismus in Deutschland ist keine politische Partei wie etwa inf Osteuropa, im Mittelpunkt der monistischen Organisation steht ihre Tätigkeit für Palästina, politisch' betätigen sich die Zionisten mir im inneren) jüdischen LeJ>en, wo sie in den .Kultusgemeinden einen Kampf für nationale und soziale Tätigkeit führen. Hierzulande ist deshalb mehr als in irgend einem andern Lande der Typus Zionisten schlechthin heimisch, für welchen der Zionismus eine Angelegenheit ist, die über den Klassen steht, und der o'ft, aus! zionistischen, nationalen Motiven der jüdischen Arbeiterschaft in' Palästina sympathisch gegenübersteht. So erklärt es sich, daß der Zionistischen Organisation Deutschlands Juden der verschiedensten Richtungen, vom Anhänger der deutschen Volkspartei bis zum. radikalen Sozialisten, angehören. So ist es auch zu erklären, daß wir wohl in den letzten Jahren imstande waren1, unsere Anschauungen innerhalb der zionistischen Jugend durchzusetzen, aber es wollte uns nicht gelingen; diese Kreise für unsere Organisation zu gewinnen. Die Stärkung der Organisation ist aber natürlich' eine Lebensnotwendigkeit für die Poale Zion in Deutschland. Ein Teil der in Deutschland gebürtigen Genossenschlug deshalb vor, daß; wir als geschlossene Organisation einem allgemeinen territorialen zionistischen Verband beitreten sollen. Die Genossen argumentier- ..t^öl ungefähr so: Um uns werden; wir in der zionistischen Organisation alle linken Elemente sammeln können, wir werden die zionistische Jugend, die uns nahesteht, gewinnen. Wir werden die Tätigkeit der zionistischen Organisation, in welcher sich Symptome einer Reaktion und einer Gegnerschaft zum bisjetzigen demokratischen, arbeiterfreundlichen Kurs immer mehr und mehr bemerkbar machen, in unserem Sinne beeinflussen können. Es lag auch ein Vorschlag vor, einzelnen Geinos$len das Recht einzuräumen, in die zionistische Organisation einzutreten und dort in unserem Sinne zu wirken. Nach' einer heftigen Diskussion sind mit 18 gegen 5 Stimmen beide Vorschläge abgelehnt worden. Unter den Gegnern dieser Vorschläge befanden sich auch Genossen, die in Deutschland gebürtig sind. Die Gegner bestritten natürlich nicht die eigenartige Situation in Deutschland, sie wiesen aber auf eine Reihe wichtiger Momente, die dagegen sind, hin. Einiges1 wollen wir hier wiedergeben: 1. Diese Frage kann nicht vom Gesichtspunkte Deutschlands allein gelöst werden, wir müssen vielmehr unsere Taktik den Auffassungen, der Weltbeweiguug anpassen und die psychologische Wirkung auf die Genossen in anderen Ländern berücksichtigen. 2. Gerade im jetzigen Momente befindet sich der Zionismus in Deutschland — im Zusammenhange mit der Lage in Palästina — in einem Prozesse der ideologischen Kiassendifferenzierung. 3. Es1 ist die Aufgabe unserer Bewegung, auf die faktischen Klassengegensätze und Interessen auch dort, wo sie nicht so deutlich hervortreten, aufmerksam zu machen. Durch unseren Beitritt zu einer gemeinsamen Organisation mit den allgemeinen Zionisten würden wir gerade bei der Jugend, die bereits sozialistisch1 fühlt, den Prozeß der .Klärung aufhalten. 4. Ein solcher Schritt würde unsere ganze Existenz gefährden. Wir sollten aus dem Beispiel der „Hdtachduth" lernen. 5. Das wichtigste aber ist: wir haben bis jetzt hoch nicht alle Mittel erschöpft, um diese Jugend für uns zu gewinnen. Den größten Teil der Energie haben wir jahrelang für die Arbeit unter Ostjuden verwendet. Wir müssen uns auf das einh'eimißche Element einstellen, uns1 bemühen, Presse und Literatur in deutscher Sprache herauszugeben. Auch 'die anderen Punkte der Tagesordnung wurden mit Ernst und Verantwortungsgiefühl beratem Seh. Kaleko. Verein der Freunde des arbeitenden Palästina in Wien. Auszug über die für die Notabgabe eingelangten. Beträge seitens der Gründer-Oi-ganisationen. I. Sammeltag. Poale Zion S 172,20, Hechaluz S 131,25, Jüdisch aoz. Arbeiterjugend S 32,70, Haschomer-Hazair, Ergebnis unbekannt, Hasohomer-Hazair, Chaluzkreis S 20.—. Von am 15. März ds. J. beigetretenen Organisationen: Brith-Hamischmar S 20.—, Hitachdufch, Ergebnis unbekannt. Es wirkt besonders befremdend, daß die „ Hitachduth", die sonst von der Tätigkeit für das arbeitende Palästina so viel spricht, so wenig bis jetzt getan hat. „Die neue Gesellschaft" Es liegen die ersten zwei riefte einer neuen sozialistischen Monatsschrift in jiddischer Sprache vor, die gegenwärtig das einzige wissenschaftliche Organ des jüdischen Sozialismus ist. In diesen Heften sind u. a. Arbeiten von Friedrich Adler (Völkerbund und Sozialistische Arbeiterinternationale), Halpern (Geistige Arbeiter und soziale Frage), Holitsch'er (Shanghai und die Probleme der Revolution), Locker (Jüdische industrielle Arbeit in Polen, Jüdisches Kapital und jüdische Arbeit), Rubin (Volk-Nation, Diaspora-Palästina), ferner politische und literarische Uebersichten, bibliographischen Notizen usw. veröffentlicht. In der Rubrik: „Sozialistisches Archiv" sind die Hauptteile des neuen Programms der österreichischen Sozialdemokratie wiedergegeben. Böhmische DorfJuden.. Das kleine Büchlein ist in mehrfacher Richtung, interessant und wichtig. Es konserviert uns echtes jüdisch«« Volksleben auf einem begrenzten Raum abseits vom Siedlungsgebiet der großen jüdischen Massen, in einem soziale* Milieu, das die größte Aehnlichkeit mit der nicht jüdische« Umgebung im Osten aufweist. Handelt es sich doch 'auch hier um das Landvolk einer slavischen Nation, die in de» letzten Jahrzehnten einen unerhörten Aufschwung g>en.omraen hat. Die Funktion der Juden auf dem tschechische» Dorf, seine soziale Stellung im tschechischen Dorfleben, dw Abspiegelung aller dieser Tatsachen in der jungen tschechischen Dorfliteratur, ebenso wie in der von Juden geschriebenen schönen Literatur, alles dies behandelt Donath, mit der Meisterschaft des wirklichen Kenners, dem jede« Stück des von ihm wiedergegebenen Lebens in allen seineil, geistigen Auswirkungen, namentlich auf die Literatur, eng vertraut war. Dazu ersteht aber vor uns auch das gesellschaftliche Leben des DorfJudentums mit seinem Beziehungen zur Judengemeinde der Kleinstadt und die Fülle des Gleichartigen mit jüdischen Zuständen anderer Länder läßt uns all das volkskundliche Gut. das der Verfasser aufgesammelt hat. noch viel wertvoller erscheinen. Es kann zur Erkenntnis der Einheit innerer Zustände im jüdischen Volksleben immer herangezogen werden. Donath ist aber auch ein ausgezeichneter Führer z* Ausblicken auf die spätere Entwicklung der aus den Dörfern stammenden Judenfamilien. Er läßt uns die Binnenwanderung aus dem Dorf in die Kleinstadt, aus der Kleinstadt in die Landeshauptstadt erstehen und zeigt im« so die restlose Allgemeingültigkeit der jüdischen Wanderungsgesetze auf für diesen territorial abgegrenzten Teil jüdischer Siedlung. Er zeigt uns geistige Schicksale der Nachkommen dieser Dorfjuden, ihre führende Stellung in den Städten und Großstädten. Prof. Ehrmanns Vorwort zum Buche (derselbe hat sich mit dem Dorfjudenproblem stark beschäftigt) ist ein Zeugnis der unmittelbaren geistigen Frische und Fruchtbarkeit, die diese aufsteigende« Schichten des Judenvolkes durchdrang. Eine Reihe von Literaturproben schließt das ungemein reizvolle, in seiner Problematik anziehende Buch ab. Das Werkchen kommt der jüdischen Wissenschaft äußerst gelegen. In den ungeheuren Anstrengungen zur Bergung aller folkloristen Güter und ihrer Auswertung durch die ethnographische jüdische Wissenschaft müssen alle Territorien selbständig behandelt werden, bevor die Wissenschaft, die territorialen Ergebnisse wieder zu Gesamtbildern vereinigt. Nur ein im tschechischen Volksleben wie in der Literatur des tschechischen Volkes so Wohlbewanderterwie Donath konnte dieses wertvolle Büchlein abfassen, welches dem einfachen Leser einen ebenso sicheren Genuß bereitet wie dem Wissenschaftler Verwendung und Anregung. Dr. Rudolf Glanz. *) B. D. Von Oskar Donath. Erschienen in Max Hickls Verlag, Brünn. | &e6ensversifbernngssGes«IIs(haH i löten, I., Riemergasse 2 Telephon 19:5:65 Serie Telephon 19&65 Serie Aktien-Kapital S 4,000.000. — Versicherungsstand am 1. Jänner 1926 fiber 600 Millionen Schilling. Sämtliche Arten von Sehens« nnö Rentennersidierungen, Unfalls, Bntos und HafipniAtoersidiernngen. Heimprämien- Versicherung ohne ärztliche Untersuchung Tagesprämie: 20 6rosthen bei 20jSbriger Uersioernngsdaver, 30 6rosoen hei 15j8hriger Uersidierungsdaucr. Leistungen der Gesellschaft s Im Rbleoensfalle sofort na<h dem Tode: 1000 S oder 5 Uiertel (125 Prozent) der insgesamt entrichteten Prämien, je nachdem, weither Betrag höher ist. Im Erlebensfalle: 1150 S bei 20ja"hriger Dauer, 1850 S bei J5jäurig*r Dauer* Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heimsparkasse! Prospehte und nähere HusMnlle bei der Direblion f oder bei jeder OzsMlsstelle. « <aio»eap*QW&»ero»c^*^^ •iägentaawy, Verleger, Hewistgeber vewwitw. Redakteur: Josef Goldstaub, Ekjiidelsaagestellter, Wim, XIX., Qriazingw Allee 7» B, 33. — Druck: „Adria"* Wiexü,; H.j Haborstav 63b.

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