Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 5 (30.4.1927)
- Date
- 1927-04-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. *4 Onlt^K » XlOtb. W^Pii w ' ' JUDISCHE Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien,; Blumauergaase l/il : ' i!' )': '■ ' Postscheckkonto Nr. 38.042 ■ ■ \ i Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . , 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 5. Wien, 30. April 1927. 4. Jahrgang. 1. Mai 1927 Genossen, jüdische Arbeiter und Sozialisten! Gemeinsam mit der internationalen Arbeiterklasse und den Sozialisten der ganzen Welt feiern wir heuer den 1. Mai unter den Losungen der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, in dem Bewußtsein warmer Sympathie und Solidarität mit dem heroischen 'Befreiungskämpfe im weiten Osten, & 1 unter der Parole das Kampfes gegen Kriegsgefahr und Fascismus, des Kampfes für Recht auf Arbeit und menschliche Arbeitsbedingungen, im Zeichen des Kampfes für die endgültige Ueberwindung des 'kapitalistisch-imperialistischen Auis'beutungsSystems. Die Lebensinteressen, das Denken und Fühlen der jüdischen Arbeiterschaft schmieden ihre tiefe Solidarität mit der kämpfenden Arbeiterklasse der ganzen .Welt und mit dem Kampfe der unterdrückten ^Völker für Freiheit und Selbstbestimmungsrecht. Das •- Bewußtsein dieser Zusammengehörigkeit. wirkt heute lebendiger als je zuvor in uns, weil mehr als je zuvor muß die arbeitende jüdische Masse auf ihren eigenen Schultern die Auswirkungen und Krankheitserscheinungen dos Kapitalismus urüd Imperialismus, unter welchen die ganze Menschheit, blutet, tragen. In allen Ländern Osteuropas ringt die jüdische Masse unter schmerzlichen Zuckungen mit den ökonomischen Nachwehen des Weltkrieges. Ueberall wütet Arbeitslosigkeit und Hunger in der jüdischen Arbeitergasise noch' verheerender und rücksichtsloser als unter der allgemeinen Bevölkerung. Ueberall — unter dem Regime der „moralischen Revolution" in Polen, unter dem immer deutlicher auftretenden Fascismus in Litauen, unter der bojarischen Zügellosigkeit in Rumänien haben die jüdischen Massen unter der Faust der Reaktion; durch die bürgerlichen Beschränkungen und die nationale Unterdrückung am meisten zu leiden. Und überall können wir beobachten, daß die Mächte der Vergangienh'eit in unserem Volke sich mit der allgemeinen Reaktion verbinden, um mit ihrer Unterstützung und als ihr höriges Instrument die eigene Herrschaft über die jüdischen Massen aufrecht zu erhalten. So erscheint das Schicksal des arbeitenden jüdischen Volkes mit der Arbeit und der Arbeiterbewegung der Welt eng verbunden. Unser Kampf bildet einen organischen1 Teil des allgemeinen Befreiungskampfes der unterdrückten Klassen und Völker. Der Internationalismus ist uns lebendige Wirklichkeit, die internationale Solidarität ist eine Tragsäule unseres ideologischen und politischen Glaubensbekenntnisses. Aber nicht weniger als in den1 Ländern der bürgerlichen Reaktion und der feudalen' Diktatur führen wir in So wjatru ß land, verbunden' mit den Sozialisten der verschiedenen Völker durch den gemeinsamen Kampf für das freie Wort, für das wahrhafte Selbstbestimmungsrecht der arbeitenden Massien), durch das1 gemeinsame Leiden unter Verfolgungen, Kerker und Deportation, die unsere Genossen, die Zionisten-Sozialisten, dank der besonderen Rolle, die die jüdische Sektion der kommunistischen Partei Rußlands spielt, noch mehr drücken. t Jüdische sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion Genossen und Erennöe! Gemeinsam mit unseren Jugendlichen marschieren wir am 1. Mai mit der Arbeiterschaft. Eine halbe Stunde vor dem Abmarsch des Zuges des 2. Bezirkes treffen wir uns vor unserem Lokale in der Blumauergasse. Erscheinet votitählig! Sonntag, den 1. Mai um halb 8 Uhr abends findet in der Scholle II. Lilienbrunngasse (im Hause des „Diana-Bad") eine Grobe Maifeier mit reichhaltigem Programm statt. Festredner: Dr. Sokal, Mendel Singer; Sorget für einen zahlreichen Besuch! Unsere Maifeier soll eine Siegesfeier über das jüdische Bürgertum werden! sc-:« A|m Feiertage .der Arbeiterklasse grüßen wir herzlich alle sozialistischen Kämpfer, die durch1 ihre Ueberzeugungen in den Kerkern aller Länder schmachetn und mit besonderem Stolze grüßen wir unsere heldenmütigen Genossen im dem Einzelhaftzellen der Ukraine, in den Steppe« Sibiriens, in den entlegenen Konzentrationslagert* Kaukasiens und des Urals. ~; Und am Feier tage der Arbeit s'ind wjjr. mit Herz und Hirn, mit unseren Gedan- , ken und unseren Gefühlen bei unsere« Vorkämpfern in Palästina, bei den tau- $ enden und a b e r ta u s e n denvon Ar bei t e r- ,phonieren, die die höchste Mis'sion desi jüdischen Sozialismus erfüllen, indem sie das jüdische Leben auf der Grundlagie freier Arbeit umgestalten und dem Grundstein für den Aufbau eines sozialistischen Palästina legen. Bin Jahr schwerer Erlebnisse und Leiden' hat die jüdische Arbeietrschaft hinter sich, ein Jahr wachsender Arbeitslosigkeit und materieller Not,'einerstetel abnehmenden Arbeitereinwanderun'g. Ein Jahr desi sthärfstjen Angriffes aller arbeiterfeindlichen! Kräfte ' in Palästina und im Zionismus auf die1 Positionen'der, Arbeiterschaft — auf die kollektivistischen Siedlungen, auf die industriellen Unternehmungen der Arbeiterschaft, auf ihre menschlichen Lohn Verhältnisse, a\if ihr Recht auf Arbeit, auf ihren"* politischen Einfluß, ja sogar auf die Verkörperung* ihrer Kampfund1 Arbeitsfähigkeit, auf die „Allgemeine Jüdische ArT beiterorganisation (Histadruth)". Und — was besonfders1 schmerzhaft ist — ein Jahr unaufhörlichen* Versuche von Verrätern, die; leidende Arbeiterschaft autj Irrwege zu verführen. : :! Aber dieses schicksalschwere Jahr ist auch ein Zeitabschnitt wunderbaren Heldenmutes' gewesen. Geeint und diszipliniert ist die jüdische Arbeiterschaft in Palästina, festgefügt in ihrer „Histadruth",. unftejr Führung unserer Partei der. sozialistischen wÄchdutft Haawodah". Die schweren Leiden der Krise und Arbeitslosigkeit, die stets frecher werdende* arbeiterfeindliche Konzentration, die Provokationen der Agenten Moskaus — nichts vermag die Arbeiterbätaillone,' die mit ihrer Not ringen, die ihre Eroberungen1 (heroisch verteidigen, zu erschüttern. Auch heute können sie mit Stolz auf neue Erfolge auf dem Gebiete des kollektiven Schaffens, des politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterkampfes, der internationalen Solidarität hinweisen. In unserem brüderlichen Grüße an die ge1 samte Arbeiterschaft in Palästina wollen wir mit besonderer Sympathie jener jüdischer und arabischer Arbeiter gedenken, die seit mehreren Wochen in Akko einen hartnäckigen gemeinsamen Kampf für menschliche Arbeitsbedirigungien' führen und des Kampfes für das Prinzip der organisierten Arbeit, der seit Wochen in Jerusalem, dieser alten Stadt, die seit Jahrhunderten' das Symbol jüdischer Unproduktivität, jüdischen Schnorrertums war, geführt wird. Am Tage des stolzen internationalen Feiertages wollen wir wieder geloben die Pfllicht der Treuiej unseren Pionieren1 in Palästina gegenüber zu erfüllen, in ihrem Kampfe mitzufechten, sie mit unserer Solidarität und Bruderhilfe zu umgeben, die Botschaft