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Der Jüdische Arbeiter · 1927-04-20 · Heft 4 (20.4.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 4 (20.4.1927)
Date
1927-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 4. Der jfldfcfchg Arbeiter Sefta 3 die Rolle des Antisettitfemus in der Theorie und Praxis der Chrsstlichsozialen. Ich erachte es aber als Pflicht der Sozialdemokratie nicht nur die reaktionäre "Waffenbrüderschaft zwischen den Christlichsozialen und dem. jüdischen Bankkapjtal zu enthüllen, sondern auch den Antisemitismus grundsätzlich als fortschritt- und kulturwidrig, ja als menschheitsfeindlich zu bekämpfen, und jjerz und Hirn der breiten Volksmasse durch unermüdliche Aufklärung von dieser Seuche zu befreien. 3. Ein' großer Teil der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs! betrachtet sich als Teil des in' vielen Ländern der Welt zerstreuten jüdischen Volkes. Diese Juden verlangen deshalb, daß ihrer nationalen Eigenart, insbesondere auf kulturellem Gebiete, Rechnung getragen werde. Ich verlange nun vom der Sozialdemokratie, daß sie, getreu den Grundsätzen der wahrhafte« "Demokratie und des' Sozialismus, diese Bestrebungen nicht bekämpfe, vielmehr dieser Minderheit im Sinne des' nationalen Selbstbestimmurtgsrechtes die Möglichkeit un'd Garantie freier Entwicklung gewährleiste. Das wahre Antlitz der bürgerlichen Jüdischnationalen. »Wir haben bereits wiederholt dargetan, wie ernst die Jüdischnationalen es mit den lebensnotwendigen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung, mit den nationalen Forderungen der Juden nehmen. Sie haben seit Jahr und Tag in ihrer „Wiener Mörgenzeiturtg" .gegen den Mieterschutz geschrieben/sie haben sich um den. Preis eines .Gemeinderatsmandates für Herrn Dr. Plaschkes den Assimilanten gegenüber verpflichtet, niemals für die Anerkennung der jüdischen Nation einzutreten. , «Wenn die jüdische Bevölkerung Wiens über das Treiben dieser Herrschaften informiert wäre; wenn man sich für die Politik der bürgerlichen. Jüdiislchnationalen überhaupt interessieren würde, dürften sich doch* diese Herren überhaupt nicht in die jüdische Oeffentiichkeit wägen., Aber die Herren spekulieren ja auf die Gleichgültigkeit gewisser Teile der jüdischen Bevölkerung. Dieser .Wahikampf hat nun dem bisjetzigen Treiben der Jüdischnationalen die Kröne aufgesetzt. Ihre ganze Propaganda, ihre ganze Polemik richtet sich gegen die Gemeinde Wien, gegen die Sozialdemokratie. Zu reinen Dekorationszwecken flechten sie in ihre Reden und Flugschriften einige flüchtige Bemerkungen, über den „roten Antisemitismus" ein, mit der ganzen, Wucht wenden sie sich gegen! die Steuerlind Verwaltungismethoden der Gemeinde Wien'. 4. Das Aufbauwerk des! jüdischen Volkes in Palästina hat das Stadium eines Versuches längst Übersehritten. Die Schaffung einer Heimat für die Lanid und Arbeit suchenden jüdischem Massen ist ein Problem von internationaler Bedeutung. Der Aufbau Palästinas liegt auf der Linie des alijgemeinen; Fortschrittes, er dient auch der Entwicklung des Sozialismus. Darum fördern die meisten sozialistischen Parteien der Welt das jüdische Palästinawerk. Ich verlange deshalb, daß die Sozialdemokratie Deutschösterreichs sowohl im Lager des Proletariats als auch in' der Republik die Bestrebungen des Palästinaaufbaues fördere. * Genossen und Freunde! Sorget dafür, daß recht zahlreiche jüdische Wähler diese Erklärungen zeichne sollen. Formulare sind in unserem Sekretariate zu haben. Das ist die beste Waffe im Kampfe mit dem jüdischen Büregrtum. Diese Aktion ist von großer Bedeutung für die Bestrebungen des jüdischere Sozialismus. In diesem Sinne trifft es sogar zu, wenrü sie von einer „Jüdischen Einheitsliste" reden1, denn es ist derselbe Geist, dieselbe Arbeiterfeindljichkedt, die die Einheitsliste d^es ■; Herrn Prälaten Seipel beherrscht. Die Kampfmethoden der bürgerlichen Jüdischnationalen weisen auf die geistige Bruderschaft mit der Schwärzesten Reaktion, deutlich hin. Die Herren werden am Wahltage ihre Wunder erleben. Die jüdische Bevölkerung wird den Ruck nach rechts nicht mitmachen,- sie wird diese Herren endgültig abschütteln,. Und erst als diese Herren aus dem Bereiche der jüdischen Oeffentiichkeit gewiesen sein, werden, wird die arbeitende jüdische Bevölkerung auf der politischen Tribüne ^als Freund und Mitkämpfer der gesamten Arbeiterschaft für ihre berechtigten Forderungen eintreten ^können. Die Begeisteftin| für Herrn Dr. Plaschkes. Tn der wWi. M." können sie täglich1 lesen, mit welcher Begeisterung die jüdischen Wähler ihren beliebten Kandidaten Herrn1 Dr.' Plaschkes empfangen. Nun ist es ein offenes Geheimnis, daß ein erheblicher Teil der jüdisch nationalen Anhänger gegen die Kandidatur des Herrn Dr. Plaschkes aufgetreten ist. Einigte: führende Mitglieder haben sich von jeder Mitarbeit Zurückgezogen, als Dr. Plaschkes trotz dieses .Widerstandes kandidiert wurde. Es 'Weißt, daß die Kandidatur des Herrn Dr. PläSch'kes nur durch Terror durchgesetzt wurde. Böse Zungen Jfehaupten, daß hittfcr Dr. PlaSdhkesy de?m erbitterten Feind der GeweindeVerwaltun^ dntgje reiche Juden Stehen, und die solle« lötzteh'Endes entschieden haben. Und diese Kandidatur wilt man der jüdischen! Bfevolkterungl aufzwingen. Wer wirbt für die „Jüdische Liste«? Das Organ der Hakenkreüzler ^Deufsctiostearei* chische Tageszeitung" treibt in Leitartikeln Propaganda für diei Jüdische Liste, das MontagSblättcheit des Erpressers Weiß, das offen für die schwärzeste Reaktion eintritt, empfiehlt den jüdischen .Wählern die „Judische Liste". Sag mi;r, wier für dich1 wirbt, und ich sagiö diV, was du. bist. Arbeitende Juden! Merkt es euch! Wem gehört die „Wiener Morgenzeitung"? Uneingeweiht glauben wohl1, daß die „Wiener. Morgjenzeitung" Eigentum der Wiener Zionisten sm Das ist aber nicht richtig. Die „W. M." gehört einigen Herren, die wohl Mitglieder der Zionistischen Partei Sind ,die Zeitung aber für ihre Geschäfts- und Klasseii!- interessen, benützen. Es darf niemand wundernehmen, daß diei „W. M." seit Jahr und Tag gegen denl Mieterschütz aufgetreten ist. Die kapitalskräftigen Zionismen, Hie Finanziers der Zeitung, haben es g;ewünscht : .-. ,; WeSS' Brot ich1 eß, dess' Lied ich sing'. Unter den Inhabern! der „W. M." befindet sich auch1 ein Herr Dr. Kindler. Wir haben in unserem Organe an diesen Herrn eine Frage des Inhalte^ gerichtet, ob es wahr sei, daß er gewisse Angaben für Verleumdungen einiger führender Genossen dem Erpresser Weiß geliefert hat. Herr "Dr. Kindler hüllt sich in Schweigen. Da Herr Dr. Plaschkes die gegen ihn in derselben Nummer erhobenen Beschuldigungen zumindest berichtigt hat (ob seine Berichtigung auf'Wahrheit beruht, wird noch festgestellt werden), dürfen wir wohl annehmen, daß das Schweigen des Mitinhabers: der ,fW. M." einem Geständnis gleichkommt. Die Zeitun'g, die sich als {Organ der Jüdischnationalen gebärdet unid durch ihren Mitinhaber mit dem Erpresser Weiß Verbind ungen( aufrechterhält, daS ist auch nur im Sumpfe der Wiener Jü> dischhationalen möglich. Derselbe Herr (Weiß, der für die „Einheitsliste" Seipel-Waber-Rieh 1 verleumdet und wirbt, steht in freundschaftlichen Beziehungen mit Herren! der „Wiener Morgenzeitung". Empfinden die Juden, welche Schände, welche Erniedrigung das bedeutet? aSehkenasischen (d. h. die aus. Europa stammenden) Arbeiter, in der Hoffnung, daß die orientalischen Juden und Araber die Arbeit zu den alten Bedingungen' fortsetzen werden. Er hätte jedoch deren Solidarität sehr falsjch eingeschätzt. Alle Arbeiter, 50 Juden und 20 Araber, erklärten den Streik. Der gesamte Betrieb ist seit Wqchen stillgelegt. Die Arbeiter fordern u. a. eine Lohnerhöhung von 50 Prozent zu den Tageslöhnen' bis1 lOi Piaster (1 Pfund 100 PiaSter) und 25 Prozent bis'20 Piaster, ferner einee 50prozentige Ueberstundenvergütung, Sicherung des vollen Arbeitstages, Einstellung des Systems willkürlicher ArbeiterentlasSüngen, Beschäftigung der Kinder nur bei ungefährlichen Arbeiten, Gesundheitsschutz-Einrichtungen, ärztliche Behandlung in Krankheitsfällen. Die gesamte Arbeiterschaft verfolgt den Kampf mit stärkstem Interesse. Ihre Solidarität findet \m fortdauernden (Einfließen1 von Geldbeiträgen für den. Streikfonds ihren Ausdruck.; N^cht unerwähnt soll bleiben, daß die Polizei auch in diesem Falle eine ganz eigentümliche Auffassung ihrer Pflicht zur Unparteilichkeit bekundet hat. Sie hat eine< Anzahl Streikposten stehender Arbeiter verhaftet und kurzerhand mit empfindlichen Gefängnisstrafen' bedacht. Die Empörung, die diese offen»arbeiterfeindliche Maßnahme in allen Kreisen ausgelöst hat, war jedoch diesmal nicht ohne Wirkung. Die Gefä!n!gnij&* Strafen wurden aufgehoben und in Geldstrafen von 1 Pfund verwandelt. Damit ist die Objektivität dieser Streikjustiz genügend charakterisiert, liehen nationalen Mitteln finanziert werden, wiederholt sich immer wieder dieser Vorgang. Das hat schon vor einigen Wochen zu' scharfen Konflikten anläßlich des Baues einer Schule in Haifa geführt und letzten^ wurde in Jerusalem — ungeachtet alier rechtzeitigen Warnumgen des dortigen Arbeiterrats — der Bau des Lehrerseminars einem privaten Unternehmer übertragen, ohne daß die Beschäftigung von Arbeitern auf Grund der Zuweisung des Arbeitsbüros im Vertrage sichergestellt wurde. Das hat naturgemäß die Empörung der Arbeiterschaft hervorgerufen, die um So größer war, als im verantwortlichen Bauikomitee füh-, rende Persönlichkeiten ^zionistischer und nationaler Institutionen sitzen1, u. a. auch das Mitglied der Zionistischen Exekutive Herr Kisch, dessen Verhalten besonders auffallend ist. Während das Arbeitsdepartement der Zion. Exekutive in einem Rundschreiben an alle Institutionen auf die unbedingte Notwendigkeit der Wahrung des Prinzips organisierter Arbeit hinweist, weiß: Herr Kfech' auf den1 Brief, in, dem ihn der;Arbeiteh-at auf die Gefahr der Verletzung dieses Prinzips beim Seminarbau aufmerksam macht, nichts anderes zu antworten, als daß er sich' durch derartige Briefe nicht beeinflussen lasse. Erst nachdem der Arbeiterrat zum Zeichen des Protestes die weitere Durchführung der Verteilung! der Arbeitslosenunterstützung aus den Mitteln der Zion. Exekutive in däe Hände dieser zurückgelegt, die Arbeiterschaft in einer mächtigen Kundgebung diesen Schritt gebilligt hatte und unverantwortliche Elemente einen, wenn auch geringen Teil der Arbeiterschaft, zu unorganisierten Demonstrationen Jzu verleiten vermochten, erkannte offenbar auch Herr Kisch, was er angerichtet hatte und die Zionistische Exekutive erklärte sich bereit, auf das Komitee im Sinne der Forderung desorganisierten Arbeiter einzuwirken. Auch der jüdische Nationalrat versuchte vermittelnd einzugreifen. Die weitere Entwicklung der Angelegenheit ist noch' nicht bekannt. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß die Arbeiter das Grundrecht organisierter Arbeit aufs Hartnäckigste zu verteidigen entschlossen sind. Hartnäckiger Streik in Akko. Daß die palästinensische Arbeiterschaft nicht gewillt ist, sich selbst in Schwerster Krisenzeit zum Objekt unbegrenzter Ausbeutung degradieren zu lassen, beweist der seit Wochen sich hinziehende Streik in der Streichhölzerfabrik „Nur" in Akko. Der Konflikt ist deshalb ausgebrochen, weil der Unternehmer trotz der glänzenden Profite, die ihm Sein durch hohen Einfuhrzoll begünstigtes Unternehmen einbringt, sich hartnäckig weigerte, die bescheidenen Lohnbesserungsansprüche der Arbeiter zu befriedigen und die-allernotwendigsten Vorkehrungen für den Schutz ihrer Gesundheit zu treffen. Dabei beschäftigt die Fabrik bei höchst gesundheitsschädlicher Arbeit eine Anzahl Kinder. Der jüdische Besitzer dieses überaus profitablen Unternehmens hoffte die Arbeiter gegeneinander ausspielen zu können. Als die Forderung der Arbeiter nach Erhöhung ihrer Hungerlöhne und den dringendsten Vorkehrungen für den Schutz ihrer Gesundheit immer kategorischer wurden, entließ, er kurzerhand die Um die „Jüdische Liste".

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