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Der Jüdische Arbeiter · 1927-03-21 · Heft 3 (21.3.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 3 (21.3.1927)
Date
1927-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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-Mf .3. Der jüdische Afbdtef Seite 's.- Zwei Fragen an Herrn Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes. Sehr geehrter Herr Doktor! In Ihrer Berichtigung, die an einer änderen Steile dieses Blattes veröffentlicht wird, behaupten Sie, daß tischen Ihnen -und dem Erpresser Alexander Weiß „als Rechtsanwalt über Wunsch seiner Eltern' die Vertretung in zwei Angelegenheiten übernommen* haben, die mit der bekannten Strafsache nicht zusammenhängen". Ich erlaube mir deshalb an Sie folgende zwei Fragen zu richten: 1. Ist es richtig, daß Sie sich während des Prozesses Weiß' vor den Geschworenen die meiste Zeit im Verhandlungssaale aufgehalten und als juristischer ©eirat gewisse Dienste geleistet haben? 2. Ist es richtig, daß Sie, gemeinsam mit einem Ihrer politischen Freunde, mit Herrn Alexander Weiß in einem Restaurant zusammengekommen sind? > Ich versichere Ihnen Herr Doktor, daß Sie sich' nicht auf den § 23 des Preßgesetzes berufen müssen, wenn Sie diese zwei Fragen in unserem Blatte zu beantworten gewillt sein sollten. Ich habe die bestimmte Zusage erhalten, daß man Ihnen ohne jeden gesetzlichen Zwang die Möglichkeit bieten wird, die zwei Fragen in unserem, Blatte zu beantworten. Ich habe es aus diesem Grunde getan, weil mir jede Absicht, Sie persönlich zu beleidigen, völlig ferne liegt. Ich bin nur der Meinung, daß die jüdische Oeffentlichkeit das1 Recht hat, Aufklärung über diese zwei Fragen zu verlangen. Das' der Zweck meiner Fragen. Mendel Singer. Für den Keren Hajessod in Oesterreich. Zu unseren Ausführungen über den K. H. in der vorigen Nummer werden wir gebeten festzustellen, daß der K. H. unter tatkräftiger Unterstützung der .Arbeitervertreter auf der Grundlage des Maaser errichtet wurde und daß deshalb ein Pfund jährlicöh keinesfalls zu hoch sei. Im übrigen kann man diesen Betrag in monatlichen oder vierteljährigen Teilzahlimgen leisten, was ja auch unseren Genossen, angesichts dieses wichtigen Fonds, nicht allzu schwer sein dürfte. Wir stellen übrigens1 mit Genugtuung fest, daß sich imf der letzten Zeit wieder ein© Reihe von Genossen für den' Keren Hajessod besteuert haben. jAus unserer Weltbewegung. J: Polen. Am 19. und 20. Februar fand in Lemberg, die erste Kreiskonferenz der Poale Zion Ostgaliziens statt. An der Konferenz beteiligten sich 26 Delegierte von 13 Organisationen, Vertreter des polnischen Zentralkomitees und von „Achduth Haawodah" (Genosse Zeisling). Zwei Fragen standen im Mittelpunkt der Berafouigen: 1. die organisatorische Stärkung der Bewegung in Ostgalizien und 2. die Palästinafrage. Alle Delegierten waren sich darüber klar, daß das Fehlen einer regen Tätigkeit auf dem Palästinagebiet zum großen Teile die organisatorische Schwächung der Bewegung verursacht hat und daß die deutlichen Merkmale der Auflebung, die in den letzten Monaten festzustellen sind, eine Folge des Anschlusses der ostgalizischeh Organisationen an die Landespartei Polens und der idoologischan, Annäherung zur vereinigten Partei. Es waren sich deshalb alle darüber klar, daß die Bewegung in Ostgalizien vorerst eine größere Aktivität für Palästina, entfalten müsse. Die Vertreter des Zentralkomitees und der „Achduth Haawodah",, die zur vollkommenen Solidarisierung mit den Arbeits- und Kampfmethoden der Partei Polens und des Weltverbandes aufgefordert haben, fanden lebhafte Zustimmung auf der Konferenz. Ein gewisser Teil der Delegierten konnte sieh aber noch immer nicht dazu entschließen, die bis jetzige Taktik aufzugeben und verlangte für Ostgalizien Autonomie bezüglich der Teilnahme an der. Zionistischen Weltorganisation und ihre Fonds. Im Einvernehmen mit der Vertretung des' Zentralkomitees wurde beschlossen, die Entscheidung über die Frage NAHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1927 Auch gegen Teilzahlung!! Ulli Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteinstr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65, 57-109 Schreibmaschinen, Knopfpressen und Zugehör. Sport- und Touristenartikel aufzuschieben. In allen anderen Prägen aber imterrrafffc sich der ostgalizische Teil der Partei völlig der Leitung den Direktiven der gesamten Partei Polens. Insbesondere» akzeptiert er die Stellung deT Partei bezüglich der aktS»&Ä Mitarbeit in den Komitees für das arbeitende PaBsßna, im Hechaluz ro|nd in den Palästinaämtern. Es sind auch politische, gewerkschaftliche unxJ Jugenäfragen erörtert worden, dann wurde ein Kreiskomitee .gewählt. Diese Konferenz, die eich durch ihre scharfe Selbst* kritik ausgezeichnet hat, brachte die ostgalizischen Organisationen der Landespartei und der Weltbewegung näher uoäi schuf Voraussetzungen für eine Erneuerung und Aufhebung der Bewegung in Ostgalizien. Amerika. Seit der Ankunft der Genossen Rubaschow und Bds aus Palästina nimmt die Aktion für den Palästina-Arbeitet- Fonds einen lebhaften Verlauf. Der moralische und finattzielle Erfolg der Aktion verspricht ein sehr großer .zu werden. Auch in den Parteiorganisationen herrscht jetzt ein reges Leben. Genossen, die seit Jahren der Arbeit fernstanden, kehren zur Partei zurück. Die Zahl der Organisationen und Genossen nimmt stetig zu. Argentinien. In der letzten Zeit ist ein bedeutender Aufschwung "der Poale-Ziön-Partei zu merken. In Buenos Aires litt die Organa- sation längere Zeit dxrrch das Fehlen eines geeigneten Lokales, das nun schließlich gefunden wurde. A.uch die Organisationen in der Provinz und in den Kolonien! nehmen zu. Genosse Juris, der im Lande eine Tournee im Auftrage des Notionalfonds absolviert, hielt in mehreren Städten' Referate in unseren Organisationen. ' Anläßlich der bevorstehenden Aktion für das' arbeitende Palästina wird "geplant, einen führenden Genossen aus. Palästina einzuladen. .... ";./{. Deutschland. ' Am 20. und 21. März tagt in-Berlin die V. Landeskonferenz der' Poale-Zion-Organisationen Deutschlands. Das Hauptproblem der Konferenz bildet die Frage, ob die PoaJe- Zion-Organisationen der allgemeinen Zionistischen Vereinigung beitreten, oder auch weiterhin selbständig bleiben sollen. Das Referat über diese' Erage erstattet Genosse Rudel. * ' , Feststellen wollen wir, daß die allgemeine Zionistische Vereinigung in' Deutschland sich mit Laiideepolitik nicht befaßt und daß ihr schon jetzt viele Genossene der sozialdemokratischen Partei Deutschlands angehören. Aber trotzdem würden wir es bedauern, wenn unsere Genossen,; :in Deutschland ihre Selbständigkeit aufgeben sollten. Arbeitsproblems im Lande, ohne unproduktive Wege einzuschlagen. Für die Sicherung des Geldbedarfes ist, vorgesehen: eine Anleihe des Keren Hajessod in Höhe von 120.000 Pfund, eine Anleihe des Keren Kajemeth in Höhe von 20.000 Pfund, Beträge, die sogar erst im Laufe der 6—8 Monate zur Verfügung stehen müssen. Die Frage nach der Möglichkeit der Aufbringung der Beträge bejaht der Referent,' betont aber, daß vorerst die Erkenntnis durchdringen müsse, daß eine Aenderung der Lage unerläßlich ist. Es ist in diesem Zusammenhang auch zu bedauern, daß - die Zionistische Exekutive dem Gedanken der Anleihe so passiv gegenübersteht. Hätten die Leute, die in der ■zionistischen Welt über Einfluß verfügen, Gefühl für den. Ernste des Augenblicks, und würde die Zionistische Exekutive mit größerer Energie und Schnelligkeit die Aufbringung der Mittel betreiben, dann ständen diese in kurzer Zeit zur Verfügung, und die Durchführung der Arbeiten selbst wäre nur eine technische Frage. * In einer Vollsitzung des Jerusalemer Arbeitenrates wurden laut „Doar Hajom" u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Schlüsse gefaßt: Die Vollversammlung des Jerusalemer Arbeiterrates stellt fest, daß in Jerusalem zahlreiche Arbeitsgelegenheiten (beim Lehrerseminar, Gesundheitsamt der Hadassah, Bauten der Universität und Universitäts-Bibliothek) vorhanden sind, für deren Ausnutzung finanziell keine Schwierigkeiten bestehen. Die Ausnutzung dieser Möglichkeiten erfolgt lediglich aus Mangel an öffentlichem Interesse nicht. Die Versammlung verpflichtet daher die Arbeitsämter raschestens alle Schritte zu ergreifen, um mit allem Nachdruck von den zuständigen Stellen den Beginn dieser Arbeiteta zu fordern. Die Versammlung stellt fest,- daß die Regierung und die Stadtverwaltung von Jerusalem die Lage des jüdischen , Arbeiters nicht im geringsten beachten und. sich in keiner Weise an der Erleichterung seines Loses durch Organisierung öffentlicher Arbeiten und zahlenmäßig entsprechende Beschäftigung jüdischer Arbeiter beteiligen. •Die Versammlung stellt mit großer Erbitterung fest, daß trotz der großen Arbeitslosigkeit unter der jüdischen Arbeiterschaft noch jetzt Dutzende von Häusern durch . billige arabische Arbeitskräfte gebaut werden, während die . organisierten Arbeiter nicht zugelassen werden. Die Versammlung fordert von den jüdischen lokalen Stellen, .daß sis dieser Nichtbeachtung des Hungers und der Leeden der Arbeiterschaft, die ihren Höhepunkt erreicht haben, ein Ende machen müssen. * Da in den letzten Monaten die palästinensische Auswanderung die Einwanderung übersteigt, dürfte es von Interesse sein, die Zahlen für die abgelaufenen fünf . Jahre zu vergleichen. So betrug laut „MiSchar Wataasia" im Jahre 1922 die Einwanderung 7850, die Auswanderung 1500 oder 19 Prozent; im Jahre 1923 die Einwandcirung 7400, die Auswanderung 3450 oder 47 Prozent; im Jahre 1924 die Einwanderung 12.850, die Auswanderung 2050 oder 16 Prozent; im Jahre 1925 die Einwanderung 33.800, die Auswanderung 2150 oder 6 Prozent; im Jahre 1926 (bis: Oktober) 11.700. die Auswanderung 4850 oder 19 Prozent. Insgesamt betrug also die Einwanderung 73.600, die Auswanderung 14.000 oder 19 Prozent. Der Prozentsatz von. 19, der für die letzten fünf Jahre zu verzeichnen ist, ist ein normaler. In Amerika betrug er sogar von 1908 bis 1925 33,5. Von den Auswanderern sind 50 Prozent Männer, 25 -Prozent Frauen und 25 Prozent Kinder, woraus folgt, daß etwa 50 Prozent den' Auswanderer auf Familien entfallen. Von den Einwanderern des Jahres 1926 stammen 64 Prozent aus Polen, 17 Prozent aus Rußland und 6 Prozent aus Rumänien. Bei der Auswanderung entfällt auf Polen 46 Prozent, Rußland 15 Prozent, Vereinigte Staaten 6 Prozent und Rumänien 5 Prozent. Der größte Prozentsatz der Rückauswanderung im Verhältnis zur Einwanderung weist Amerika mit 76 Prozent auf, dann kommen Rußland mit 38 Prozent, Rumänien mit 36 Prozent und Polen mit 32 Prozent. Die meisten Auswanderer haben nicht länger als 1 bis 1,5 Jahr im Lande geweilt. Es sind größtenteils Handwerker, Kleinindustrielle und Leute ohne bestimmten Beruf. * Aus der Rede Ben Gorions auf dem Moasah der Histadruth: Das Hauptproblem für den" Moment ist, wie Arbeit geschafft werden kann. Die Arbeiterschaft in Palästina hat eine Geduld und ein Verantwortungsgefühl au den Tag gelegt, welches keine andere Gruppe aufweisen kann. Auf dieses Verantwortungsgefühl hat die Zionistische Organisation, wahrscheinlich unbewußt, spekuliert. Die vierte Alijah endete in einer Katastrophe, sie flieht nun von Palästina und verbreitet Haß gegen das Land. Die einzige Gruppe, die trotz aller Leiden auf dem Posfeen blieb und bleibt, ist die organisierte Arbeiterschaft. Unsere Einstellung zu. dem Lande ist unabhängig von irgendwelchen Bedingungen. Unser Zusammenbruch würde mit dem Bankrott des Zionismus gleichbedeutend sein. Aber wir. müssen /betonen, daß die Zionistische - Exekutive in Jerusalem und besonders die Zionistische Exekutive im Galuth, di© Lage verkennen und man glaubt, es kann alles beim Alten bleiben, weil es eine treue Gruppe gibt, erkennen/sie nicht die '.Tatsache der Katastrophe und ergreifen keine entsprechenden Maßregeln. Unsere Zuversicht wirkt einschläfernd tauf die Exekutive, und wir selbst sind verantwortlich, wenn wir zur. Inaktivität der Exekutive beitragen. Wir sind-.Teil- haber an dem gemeinsamen Werk und tragen die gemeinsame Verantwortlichkeit, aber wir sehen nun, daß 3er andere Partner seine Pflicht nicht erfüllt. Nichts ist .geschehen, nm die Lage innerhalb der letzten achtzehn Monate zu bessern, und wir können nicht ewig unsere Zeit mit nutzlosen Sitzungen in Jerusalem verbringen. Ich1bin überzeugt, daß bald ein Ausweg gefunden sein würde, wenn die Exekutive unsere großen Sorgen teilte. Diese Konferenz muß der Zionistischen Exekutive in Jerusalem und Amerika die volle Wahrheit sagen. Sie muß Weizmann ein direktes Telegramm übersenden und die größten Anstrengungen for-. dem. Er muß wissen, daß, solange unsere Forderung nicht erfüllt ist, kein Platz für irgend ein anderes zionistisebjes' Werk gegeben sein kann. •.: ■ Hartzfeld, der nach Ben Gorion sprach, verlangte, daß die Unterstützungen eingestellt werden. An '-Stelle dessen müsse durch eine außerordentliche Anstrengung »in Betrag von zunächst 50.000 Pfund für die Beschäftigung von 2000 bis 3000 Leuten,gefunden werden. — Fru"mkin ist der Meinung, daß die Lage sehr ähnlich derjenigen ist, die vor einem halben Jahr bestand. Um das Problem, zu lösen, sind mindestens 120.000 Pfund für produktive Arbeiten notwendig. Kann dieser Betrag nicht aufgebracht werden, so werden wir vor einer schrecklichen Situation stehen. Er schlägt die Entsendung einer Delegation nach Amerika vor. Er fordert die Durchführung der Aktion des „Monats der Gehälter", in welchem jeder zionistische Beamte einen Monatsgehalt zur Linderung der Arbeitslosigkeit «ur Verfügung stellen soll. — Kitzis sagt, Unterstützungen seien gewiß von Uebel, aber sie seien immer noch besser als Hunger. Die Unterstützungen müssen sogar erhöht werden. Die Histadruth muß aber die weitere Verantwortung ablehnen. Die Regierung und der Jisohuw müssen helfen, 50,000 Pfund können im Lande selbst aufgebracht werden; Hierauf folgt die bereits bekannte Rede Sprinzaktf,

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