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Der Jüdische Arbeiter · 1927-03-21 · Heft 3 (21.3.1927) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 3 (21.3.1927)
Date
1927-03-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Mit 2 ümmuimmmm Der jüdische Arbeiter Nr. 3. Ein Jahrzehnt russischer Revolution* Am 1%. März jährte sich zum zelmtett Male der Tag* tun welchem das russische Volk unter Führung der revolutionären Arbeiter und Soldaten das Joch der Romanows abschüttelte. Di« Tatsache, daß auf die Märzrevolution die Oktoberrevolution folgte, zwingt uns bei jeder Würdigung der revolutionären Ereignisse die Politik der Bolschewiken in Rußland und in den anderen Ländern der Welt zu untersuchen. Et steht außer jedem Zweifel, daß dio Machtergreifung der Bolschewiken zum großen Teile durch das» Verhalten der sich um die Regierung Kerensky gruppierenden' Politik bezüglich der Beendigung des Krieges. Sie verstand revolutionären Demokratie ermöglicht wurde. Ihr Hauptfehler war die Unentschlossenheit und Unklarheit ihrer es nicht, die tiefe Friedens Sehnsucht der großen Massen de* »Bauern im Soldatenrock, die vom Kriege nichts: mehr wissen wollten, zu befriedigen. Die Bolschewiken hatten deshalb leichtes Spiel, diese Bauernmassen durch dio Losung : Friede um jeden Preis! für sich zu gewinnen. Diese Bauernmasse brachte die Bolschewiken zur Macht. Mit ihrer Unterstützung versuchten die Bolschewiken durch' Dekretierungen und mittels eiserner Diktatur in Rußland und in der Welt überhaupt eine Epoche der Verwirklichung des Sozialismus zu eröffnen. Das Jahrzehnt, das mm seit damals verstrich, beweist, daß die Oktoberrevolution eigentlich nicht viel mehr zu erfüllen vermochte als die Februarrevolution auf ihre Fahne geschrieben hatte. Nur, daß es hier viel blutiger vor sich ging und in mancher Hinsicht verkrüppelt wurde. Der militaristische Kommunismus mußte nach einigen Jahren blutiger Herrschaft der „neuen Wirtschaftspolitik" („Nep"), die eigentlich die Legalisierung der Privatwirtschaft, insbesondere an Boden und in der mittleren Industrie bedeutet; Platz machen. Dann kamen fortwährend Zugeständnisse an den Kapitalismus, dessen Entwicklung in Jlußland durch hemmende Maßnahmen anormale Formen annimmt, aber historisch nicht aufgehalten wird. :Im negativen Sinne' tat die Revolution zweifellos gründliche1 Arbeit. Die Monarchie und die Macht ihres polizeilich-bürokratischen1 Apparates wurde gründlich zertrümmert. Der Großgrundbesitz und die letzten Rest© des Feudalismus wurden aus des Welt geschafft. Das ist gewiß eine große historische Leistung, aber keine sozialistische Revolution. Es stellte sich heraus, daß unter dem Deckmantel einer „Proletarischen Diktatur", die in Wirklichkeit die Diktatur einer Partei über ein ganzes* Volk ist, in Rußland der Prozeß der Geburt der bürgerlichkapitalistischen Gesellschaft vor sich geht. Nur sind hier die Geburtswehen schmerzvoller, das Leiden des arbeitenden Volkes vervielfacht, die Massen tatsächlich stumm gemacht, ihre politische Initiative lahmgelegt, die. sozialistische Intelligenz — im Kerker, die Freiheit der Völker (Georgien!) vernichtet, die Arbeiterschaft in den meisten Ländern gespalten und geschwächt. Die Bolschewiken schickten sich an, die Revolution über die Perspektiven des März hinauszuführen, aber sie sind tatsächlich die Vollstrecker der Mission der Märzrevolution geworden. Der Gegensatz, der zwischen der Herr- »<are»onft«<*jys> »pjwutciBffo »t»jg»»*»»r*«p<»wro - iebensversIdierungssGesellsdiaft Phönix Wien, L Riemergasse 2 Telephon 79:5:65 Serie Telephon 79:5:65 Serie Aktien-Kapital S 4,000 000. — Versicherungsstand am ). Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. Sämtliche Arten uon Gabens: und Renfenuersiriierungen, Unfalls, flutos und Haffpflidituersiriierungen. ohne ärztliche Untersuchung Tagesprämie: 20 Grosdien bei 20jähriger Uersitiierungstauer, 30 Grosdien bei 15jähriger Uersidierungsdauer. Leistungen der Gesellschaft: Im Rblebensfalle sofort nach dem Tode: 1000 S cöer 5 Viertel (125 Prozent) der insgesamt entrichteten Prämien, je nachdem, weither Betrag hoher ist. Im Erlebensfalle: 1750 S bei 20)ähriger Dauer, 1850 S bei 15jährig*r Dauer. Kostenloser Einschluß der Prämienbefreiung im Invaliditätsfalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Todesfallssumme. Kostenlose Ausfolgung einer Heim Sparkasse! Prospekte und nähere Auskünfte bei der Direktion oöep beijeöep 6:sdiäüsstelle. CJ^«<5fli©»Ci^«*^d^ Palästina-Rundschau. Die Liquidierung der Arbeitslosigkeit. — Protest des Jerusalemer Arbeiterrates. — Ein- und Auswanderung. — Kaplansky über die Arbeitersiedlungen. — Die Angleic'hung aller Mitglieder der „Histadruth". — Die Reden Ben-Gurjons' und "Harzfelds auf der „Moezah". — Das ScMcksal der Beschlüsse der Histadruth. — Der Kampf um das Prinzip der organisierten Arbeit. — Das Eigentumsrecht für die Arbeitersiedlungen. — Di© Vorbereitungsarbeiten für die Agency-Kommission. Bei einer vom Eeren Hajessod in seinen Räumen veranstalteten Pressekonferenz führte Gen. Kaplansky nach dorn „Haaretz" folgendes aus: Dio augenblicklich dem Departement zur Vorfügung stehenden Summen reichen bei weitem nicht aus, um auch nur annähernd das' von ihm aufgestellte Siedlungsp.-ogramm, die Neuansiedlung von 1000 Familien pro Jahr, durchzuführen. Statt der vom Referenten vorgeschlagenen a:K).000 Pfund Sterling seien vom A. C. nur 170.000 Pfund bewilligt worden. Die Juden können sich bei der Anas edlung nicht mit den niedrigen Summen begnügen, die u an bei der Neuansiedlung in Armenien xmd in Griechen- Irnd ansetzte und als Beispiele gerne anführt. Statt der hier ausreichenden 100—200 Pfund Sterling pro Familie waren zur Ansiedlung einer jüdischen Familie 700 Pfund n'itig; die Zionistische (Organisation) Exekutive bemühe sich jedoch, diesen Betrag auf 500 Pfund herabzusetzen, . / ber auch dann wäre es 'mit den vorhandenen Mitteln nur n.öglich, 350 Familien anzusiedeln, also ein Drittel der erwähnten Zahl. Die Zahl der Familien, die sich auf Grund eigener Mittel mit Hilfe der PICA ansiedeln sollen, gibt der Referent auf 1000 pro Jahr an. Im laufenden Jahre werde der Keren Hajessod die l uterstützungen an folgende acht Siedlungspunkte einstellen: Nahalal, Kfar Jecheskiol, Ben-Schemen, Gan Samuel, jVierehawjah, Giwa, Daganiah Au nd B. An ihre Stelle werden 8 neue Siedlungen treten und dieses Verfahren,'; müsse man jedes Jahr wiederholen. Es bestünde nur eine »Schwierigkeit darin, daß nooh aus der Vorkriegszeit Schulden vorhanden wären, die getilgt werden müssen; außerdem so Leu für die Bewässerung im Nurisblock, am Jordan und am Kischon noch Mittel erforderlich, die man durch eine Anleihe; zu erlangen hoffe. Der Vortragende erwähnte noch, daß Prof. Ödeveau, der französische Sachverständige für Bewässerungsfragen aus Aegypten sich über die Eignung der Djidroböden für Baumpflanzungen sehr günstig ausgesprochen und die Befürchtungen wegen des Salzgehaltes der Böden zerstreut habe. Im Verlaufe der Diskussion1 machte Gen. Kaplansky noch folgende Mitteilung über die vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Zionistischen Organisation und den Siedlern: zwischen dem Siedlungs-Departement der Exekutive und dem Keren Hajessod auf der einen Seite, sowie der Mehrzahl der Ansiedler auf der andern Seite besteht jetzt ein Einverständnis. Di© völlig mittellosen Siedler erhalten eine Anleihe von 500—600 Pfund Sterling auf dio Dauer von 50 Jahren. Mit der Rückzahlung wird 5 Jahre nach vollendeter Ansiedlung begonnen werden. Die Verzinsung beträgt 2.5 Prozent. Ansiedler, die über kleine eigene Mittel verfügen, erhalten eine Teilanleihe, eine Anleihe von etwa 200 Pfund auf £3 Jahre gegen! 4.5 Prozent Zinsen, wobei mit der Rückzahlung nach Ablauf von drei Jahren nach vollendeter Ansiedlung begonnen wird. * Im „Dawar" vom 14. Jänner befaßt sich M. B. mit den neuen Vorschlägen, die Bader hinsichtlich einer Angleichung der Bezüge sämtlicher Mitglieder der Histadruth und Remes für Errichtung einer gemeinsamen Küche und einer gemeinsamen Kasse für sämtliche Arbeiter des Landes gemacht haben. Er lehnt sie in ihrer konkreten Form ab, da der Vorschlag von Remes wiederum die Existenz eines großen organisatorischen Apparates nötig mache und der Gedanke eines großen Kibbuz überdies nur aus freien Stücken heraus möglich wäre, während eine Realisierung unter dem Zwang der Verhältnisse dem Gedanken nur schädigen könne. Auf den Vorschlag von Bader bezüglich einer Gleichsetzung der Gehälter sei zu erwidern, daß diese nur dann1 Sinn hätte, wenn man damit rechnen könnte, als durchschnittlichen Betrag das Existenzminimum zu erhalten, von dem! Bader spreche; dafür beständen aber bei einer Arbeitslosenzahl von 7000 keine Aussichten. Außerdem würde bei einer Herabsetzung der Bezüge der Beamten und Lehrer deren Lebenshaltung gefährdet sein, und die Histadruth hätte kein Interesse an einer dadurch bedingten Vermioläerun'g der Leistungsfähigkeit ihrer ausführenden Organe. Trotzdem sei in den Vorschlägen ein richtiger Kern enthalten. Es herrsche in der Histadruth zurzeit nicht nur keine Gleichheit, sondern es bestünden Gegensätze, die schaftsform und dem tatsächlichen: Inhalt der Resolution besteht, ist die Ursache der permanenten Krise, in welcher sich der Bolschewismus in Rußland und der Kommunismus in allen Ländern seit längerer Zeit befindet. Den Abschluß kann man noch nicht machen. Die russische Revolution ist noch immer im Werden begriffen. Ihre Resultate in Rußland selbst, ihre Rückwirkung auf die europäisch-amerikanische Welt, auf das Erwachen der Kolonialvölker, die zweifellqs von großer historischer Bedeutung ist, können noch nicht endgiltig gewürdigt werden. Aber eines ist gewiß: durch Mittel der Gewalt kann man •wohl politische Gegner niederringen, aber die geschichtliche1 Entwicklung kann man nicht vergewaltigen. ' » Und je früher die Machthaber in Rußland den Weg zur politischen Freiheit der Massen, zur Freiheit der sozialistischen Kritik und zur Einigkeit des Weltproletariats finden werden, um so rascher wird die russische Revolution den Weg zur Sicherung ihrer Eroberungen und zur Erfüllung ihrer neuen, großen Aufgaben finden. Um so rascher wird das Weltproletariat mit neuer' vereinigter Macht in den Kampf für den endgiltigen Sieg des Sozialismus eintreten können. V. B, Eine jüdische Delegation nach Rußland? Seit einiger Zeit wirkt in Wien ein Komitee, das sich zur Aufgabe gemacht hat, für die Entsendung einer Delegation der jüdischen Arbeiter Europas nach Sowjetrußlands, um die Auswirkungen der Revolution und des kommunistischen Regimes auf das jüdische Leben an Ort und Stelle zu studieren. Dieses Komitee trat auch an uns heran und lud uns zur Mitarbeit ein. Durch die Demagogie, die die Kommunisten in mehreren Ländern mit der Entsendung solcher Delegationen trieben und durch die Erfahrungen, die man. mit solchen Delegationen in Rußland selbst gemacht hat, gewitzigt, hat unsere Leitung dem Komitee folgende Antwort gegeben: 1. Es muß die Zusicherung gegeben werden, daß in dieser Delegation alle Hauptrichtungen der klassenbewußten jüdischen Arbeiterschaft vertreten sein worden. 2. Es muß von Rußland eine offizielle Zusicherung verlangt werden, daß die Delegation in Rußland vollkommene Bewegungsfreiheit haben wird, um ihre Studien unabhängig und unbeeinflußt machen zu können. Es sind noch einige Bedingungen organisatorischtechnischer Natur gestellt worden. Die Erfüllung dieser Bedingungen wurde uns zwar bestimmt zugesagt, aber seit Monaten haben wir nichts darüber gehört. ' Das .diene unseren Genossen und Freunden zur Kennt- ■ nis. jedes Gemeinschaftsgefühl zerstören, ja verschiedene soziale Schichten entstehen lassen. Der Verfasser erwähnt die Verschiedenheit in , der Stellung des ländlichen und städtischen Arbeiters, zwischen dem arbeitslosen einerseits' und dem beschäftigten Arbeiter, dem Beamten, Lehrer und Festangestellten andererseits. Die bisher unternommenen! Versuche, z., B. durch Verteilung der Arbeitsgelegenheiten, die Not der einzelnen zu lindern, hätten, so wichtig sie an sich seien,- an den bestehenden Unterschieden nichts ändern können. Noch beständen gewisse Möglichkeiten nach anderer Richtung hin: so müßte innerhalb der Histadruth mit dem System der Zulagen gebrochen werden, die' einzelne über die ihnen tarifmäßig zustehenden Gehälter bekämen, ferner müßten von allen Angehörigen der Histadruth, die in Organisationen außerhalb der Histadruth arbeiten, gefordert werden, daß sie die ihnen über die entsprechenden Histadruth-Sätze hinaus zufließenden Beträge zugunsten einer Hilfskasse abführen und schließlich müßte eben diese Gehaltskala der Histadruth selbst daraufhin geprüft werden, ob sie den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen', die heute herrschen, noch entsprechen. Die Rechtfertigung für ein solches Vorgehen sei allein die Veränderung der wirtschaftlichen Lage, heute stelle die Skala der Histadruth mit ihren auf dem freien Arbeitsmarkt weit unterbotenen Sätzen ein Mittel mit reaktionärer Wirkung dar, da sie innerhalb der Histadruth die Entstehung eines Kreises von ' der Not ringsumher nicht berührter Menschen ermögliche. Die Prüfung der Verhältnisse im einzelnen und die Festsetzung der endgültigen Formen, in denen die gemachten Vorschläge verwirklicht werden sollen, sei einer besonderen Kommission zu übertragen. * ■! H. Frumkin referierte nach dem „Dawar" vom 3. 12. über das Projekt der Arbeiterorganisation vor einem Ausschuß der Histadruth und führte dabei u. a. folgendes aus: Es steht in der Macht der Zionistischen Organisation, dem gegenwärtigen Zustand ein Ende zu bereiten. Im Einzelnen fordert der Plan die Unterbringung von 2400 Arbeitern in der Landwirtschaft durch Erweiterung des landwirtschaftlichen Kolonisationswerkes usw., und die Beschäftigung von weiteren 1500 Arbeitern im Bauwesen durch Verstärkung der Tätigkeit der -drei Hypothekenbanken in den Grenzen des volkswirtschaftlichen Bedarfes. Die Ausführung der in dem Projekt vorgesehenen Arbeiten sichert für die nächsten 8—10 Monate eine absolute Lösung de» V

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