Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 3 (21.3.1927)
- Date
- 1927-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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mm ^_ W* Pi D* ***** ****** j^e* DER Organ der jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorganisation Poale Zion, Wien Erscheint zweimal monatlich Redaktion und Administration: Wien, II., BlumAuergasse l/II Postscheckkonto Nr. 38.042 Bezugspreis: vierteljährig. S 1.20 halbjährig . . » 2.40 Einzelne Nummer 20 Groschen Nr. 3. Wien, 21. März 1927. 4. Jahrgang. Die Heuchelei der bürgerlichen Jüdischnationalen. Die Unverantwortlichkeit. — Verlogenheit. — Die Schüler des Prälaten. — Die Mißachtung der jüdischen Bevölkerung. Die Verräter am nationalen Gedanken. — Weg mit den Jüdisch nationalen! Die bürgerlichen Jüdisch nationalen haben nun ihren Entschluß kundgegeben, daß sie auch diesmal Kandidaten aufstellen, um die jüdische Bevölkerung. Wiens der „Willkür" der anderen Parteien nicht auszuliefern. Auch die Tatsache, daß die bisherige Mehrheitspartei des Landes sich mit Hakenkreuzlern und Nationalsozialisten zuveiner gemeinsamen „antimarxistischen Einheitsfront" nach dem Muster der bayerischen Reaktion zusammenschloß, konnte sie nicht davon abhalten eigene Kandidaten aufzustellen. Wenn auch durch jede Zersplitterung der freiheitlichen Stimmen die Reaktion gestärkt wird, wenn auch die verhältnismäßig geringe Zahl, die ein jüdischnationaler Kandidat erreichen kann, unter gar keinen' Umständen ausreichen, um auch nur ein einziges Mandat zu erobern, dagegen mit mathematischer Sicherheit der christlichs.ozialen-hakenkreuzlerischen Einheitsliste einen Gewinn an. Mandaten zuschanzt; die Jüdischnationalen können es' aber dennoch nicht unterlassen', die jüdische Bevölkerung .Wiens unter ihre Fittiche zu nehmen. Es ist geradezu beschämend für die jüdische Bevölkerung Wiens — und wenn es auch ein ganz geringer Teil derselben ist — daß man sich traut, diese Vorspiegelung falscher Tatsachen ihr als Begründung der Notwendigkeit einer jüdisch nationalen' Kandidatur vorzubringen. Aber, halt, die Jüdischnationalen haben ja bereits inoffiziell, durch ihr Oberhaupt ein politisches und nationales Programm der Oeffentlichkeit, oder, um genau zu sein, den Lesern der „Wiener Morgenzeitung" unterbreitet, wie ist denn dieses Programm beschaffen? Dieses „Programm" ist ein Dokument der unerhörtesten Verlogenheit und H euchelei. iWir haben im Laufe der letzten zwei Jahre oft genug nachgewiesen, Idaß die „Wiener Morgenzeitung" die Feinde des1 Mieterschutzes unterstützt und die Sozialdemokratie während ihres erbitterten Kampfes gegen die Hausherrenvertreter Seipel—Kienböck et consortes gehöhnt hat. Die „Wiener Morgenzeitung", das Organ der Jüdischnationalen, hat noch den letzten Kampf um die Erhöhung des' Instandhaltungszinses dazu benützt, um gegen den Mieterschutz auszuhauen. Im Wiener Gemeinderat hat ihr Vertreter, Herr Dr. Plaschkes, gegen das Budget, also auch gegen die Wohnbautätigkeit der Gemeindeverwaltung gestimmt. Nun weiß es ja heute bereits jedermann, daß, die Wohnbautätigkeit der Gemeinde Wien die Tragsäule des Mieterschutzes ist. Wer also die Wohnbautätigkeit bekämpft, untergräbt bewußt die Existenz des Mieterschutzes. Aus Angst aber vor der geringen Zahl der jüdischen Wähler, die ihnen noch zuhören, erklären sie sich in ihrem „Wahlprogramm" — getreu der Wahltakük des Herrn Seipel — als Anhänger des' Mieterschutzes. [Halten Jene Herren die jüdischen Wähler für politisch minderwertig, daß sie sich trauen, sie vor aller Oeffentlichkeit so plump zu belügen? Und ihr nationales Programm! Sie reden noch von nationalen Minderheitsrechten, diese Verräter der nationalen Sache. Um das Linsengericht eines Gemeinderatsmandates für Herrn Dr. Plaschkes haben sich die Jüdischnationalen unter Führung der Herren Oberbaurat Robert Stucker, Dr. Leopold Plaschkes und Dr. Desider Friedman zum schändlichsten Verrat an ihrem Programm hergegeben. Sie 'haben sich den assimilatorischen! jUnion-Juden gegenüber verpflichtet, wenn sie gewählt werden sollten, n ienra 1 s für die Anerkennung der Jüdischen Nation einzutreten, noch einen von anderer Seite eingebrachten An trag desselben Inhaltes zu unterstützen. Und.aa&h .heuer wird mit den Assimilan ten über ein Kompromiß verhandelt " Sogar in unserem politisch korrumpierten Oesterreich könnte man keinen ähnlichen Fall nachweisen, daß eine Partei den wichtigsten Punkt 'ihres Programmes so schmählich verraten, um ein Mandatchen verschachern soll. Und diese Herren, die den nationalen Gedanken auf unerhörte Weise kompromitiert haben, trauen sich noch in die jüdische Oeffentlichkeit, trauen sich noch von nationalen Rechten zu reden! Man müßte wirklich an der politischen Vernunft, an jedem nationalen Bewußtsein der jüdischen Bevölkerung verzweifeln, wenn sie diese Herren nicht zu allen Teufeln! jagen soll. Arbeiter und Angestellte versichern ausschließlich bei der Ii Feuer- und EinbruchversicherungfürWühnungen — Unfall- und Haftpflichtversicherung — Glasbruchversicherung — Lebensversicherung ohne ärztl. Untersuchung bis zu 4000 Schilling oder in jeder gewünschten Währung Direktion: Wien, I., Tuchlauben 8 Telephon 67-5-40 Serie Die bürgerlichen Jüdischnationalen dieser Stadt haben jedes Recht auf Vertrauen völlig verwirkt, sie sind eine unverantwortliche Gesellschaft, sie sind ein Verhängnis für die Juden dieser Stadt, sie sind ein IHindernis für die Entwicklung des wahrhaft nationalen Lebens innerhalb der jüdischen Bevölkerung, sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Juden 'gegen die Arbeiterschaft, für die Reaktion zu mobilisieren. Der nationalen Phrasiologie bedienen sie sich nur, um ihre wahren Absichten zu verschleiern. Die Parole muß deshalb lauten: Hinaus mit dieser verlogenen, heuchlerischen Politikaus dem Jüdischen Wien! Im Interesse der Jüdischen Bevölkerung dieses Landes, weg mit den bürgerlichen Jüdischnationalen! Notabgabe. Der jüdische Arbeiter in. Palästina macht eine furchtbar schwere Krise durch. Die Arbeitslosigkeit ist für unser» Genössen in Palästina nicht nur eine Ursache materieller Entbehrungen, die jüdischen Arbeiter leiden unsäglich darunter, daß ihre Arbeitskraft durch den Geldmangel lahmgelegt, daß die Einwanderung der tausenden Chaluzim unterbunden sei. Der Aufbau des Jischuw, das unaufhörliche Wachsen der jüdischen Bevölkerung in Palästina, das ist der Lebensnerv der jüdischen Arbeiterschaft des Landes, Aber trotz dieser unsäglichen Leiden bewahrt die jüdische Arbeiterschaft in Palästina unerschütterliche Treue seinem, unserem Ideale und zeugt von bewundernswerter Disziplin. Das zionistische Bürgertum hält es für richtig, in einem solchen Momente über die Arbeiterkolonisation herzufallen. Wenn von einer Schuld an der jetzigen Krise in Palästina gesprochen werden kann, so lastet sie auf das zionistische Bürgertum, das bedenkenlos eine wahre Hurrastimmung um die „vierte Alijah" geschaffen haben. Der Versuch einer Forderung eines1 städtischen Mittelstandes im heutigen Palästina ist zum großen Teile an der jetzigen Krise schuld. Aber der scharfmacherische Teil des zionistischen Bürgertums ist so gewissenlos1, daß er auch die jetzige Krise dazu benützt, um die heldenhafte jüdisähö Arbeiterschaft zu verdächtigen und zu verleumden. Es ist deshalb die Pflicht der jüdischen Arbeiterschaft in allen Ländern, den Genossen in Palästina Beweise zu liefern, daß sie hinter ihnen steht. In den meisten Ländern wird jetzt eine Aktion eines Arbeitstages aller Genossen und Freunde für das arbeitende Palästina durchgeführt. Auch in Wien hat der „Verein der Freunde des arbeitenden Palästina" eine solche Notabgabj proklamiert. Wir erachten es als unbedingte Pflicht jedes Genossen und Freundes, die Notabgabe in der Höhe eines Tageslohnew zu leisten. Keiner darf sich ausschließen. Es gilt durch ein kleines Geldopfer zu beweisen, daß unsere Kampfgemeinschaft mit den jüdischen Arbeitern in Palästina kein' leeres Wort ist. i . * ' Der „Verein der Freunde des arbeitenden Palästina" hat beschlosesn, diese Aktion ohne jede Regien durchzuführen, damit das einlaufende Geld zur Gänze nach! Palästina überwiesen werden kann. Die Genossen und Freunde werden deshalb gebeten, ihre Abgaben in unserem Se* kretariate (IL, Blumauergasse 1) abzuliefern. Die Not-> abgaben werden im „Jüdischen Arbeiter" ausgewiesen' werden. Fabriksniederlage in Herren- und Damen- Modestoffen S. Meister Wien, I., Salzgries Nr, 7. Telephon Nr. 69-402