Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 2 (22.2.1927)
- Date
- 1927-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr. 2. Der jüdische Arbeiter Seite 3 Konferenz volle acht Tage und an ihr nahmen Genossen teil, die verantwortliche Institutionen der „Histadruth" leiten und sie konnten nicht länger ihre tägliche Arbeit vernachlässigen, aber schließlich kann doch keine politische Partei einen schlagfertigen Organisaiionsapparat entbehren. Und .unsere palästinensische Partei bedarf dieses Instrumentes äußerst dringend. Das- Verständnis für diese Notwendigkeit ist bereits vorhanden, nur fehlt es an der Entschlossenheit, sie zu erfüllen. Auf die Dauer wird aber die Partei die festgefügte Organisation nicht entbehren können. In einer großen politischen Partei muß jedes Mitglied einen gewissen Posten, haben und jeder Genosse muß von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß er die Möglichkeit hat, den Inhalt und Charakter der Partei zu bestimmen. Das ist der Sinn der Demokratie innerhalb der Arbeiterbewegung und die Grundlage ihrer Macht und ihrer Erfolge. Palästina bildet in diesem Punkte keine Ausnahme und unsere Partei wird auchdiesen: Weg beschreiten! müssen. Die politischen Probleme sind zwar behandelt worden, aber nicht mit der notwendigen Ausführlichkeit. Gewiß sind die Fragen der gesetzgebenden Körperschaft, der gemeinsamen Organisierung jüdischer und arabischer Arbeiter nicht leicht zu lösen. Sie bedürfen einer gründlichen, vielseitigen Erörterung. Sie sollen unsere nationalen Bestrebungen Sichern und mit unserem sozialistischen. Bewußtsein im Einklänge sein. Nun verstreichen die Jahre und wir kommen in diesen Fragen nicht vorwärts. Das kann und darf nicht länger so bleiben! Es könnte sich an uns bitter rächen. Wenn wir bereits eine Mehrheit im Lande bilden würden, oder wenn wir mindestens diesem Zustande nahe wären, w(ären diese Fragen sicherlich leichter zu lösen. Wenn die Aussicht bestünde, daß wir in den nächsten Jahren die Mehrheit erlangen sollen, wäre das Zuwarten begreiflich. Diese Möglichkeit besteht aber fürfdie nächsten Jahre leider nicht und auf mehrere. Jahre können wir unsere Stellungnahme nicht hinausschieben. Wer weiß, welche politische Situationen .^ann. entstehen werden. Aber auch im Hinblick.auf^iö allgemeine sozialistische Bewegung kann uns $ese. politische Passivität großen Schaden zufügen. ^....... . 1 '■; VIR : In einem Zeitungsartikel kann man alle Probleme, mit denen sich die Konferenz befaßt hat un3 mit denen sie sich befassen sollte, nicht einmal streifen, von einer genauen Besprechung ganz abgesehen. Die obigen Zeilen waren bloß Andeutungen einiger dieser Probleme, die uns als besonders wichtig-erscheinen. Wir wollen nur noch darauf hinweisen, daß sich die Konferenz unserer Partei in Palästina von den Konferenzen unserer Parteien im Auslandehauptsächlich darin unterscheidet, daß sie den unmittelbaren, lebendigen Zusammenhang mit der konkreten Arbeit hat. Teder Beschluß muß .morgen-in die.Tat umgesetzt werden. Wir bilden die Mehrheit in der „Histadruth" und bestimmen den Gang ihrer Tätigkeit. Das drückt hier den Beratungen und. Beschlüssen den Stempel eines großen Verantwortungs^ gefühls auf. Das wirkt erzieherisch auf jeden . Genossen. Das ist das Besondere der „Achduth Häawodah" in unserer Weltfamilie, das ihre Größe- und Ißedeutung. Jehoasch (Scblojme Blum^arten) Das Wäldchen unserer jiddischen Literatur -wird gelichtet. Im letzten Jahrzehnt ist eine stattliche Zahl unser besten Künstler dahingegangen. Nun ist ihnen Jehoasch gefolgt. Der Tod Jeohasch' bedeutet einen schweren Verlust für die jüdische Literatur. Jehoasch ist im Jahre 1870 in Wiezbolowa, Gouvernement Suwalki, zur Welt gekommen. In seiner Jugend hat er viel Hebräisch und Talmud gelernt, er bekundete aber, bereits in jungen Jahren großes Interesse für europäische Sprachen. Seine ersten Gedichte veröffentlichte Jehoasch in Perez' Jüdische Bibliothek". Im Jahre 1890 übersiedelte Jehoasch1 nach Amerika, wo er bis an sein Lebensende blieb. Jehoasch war auf vielen Gebieten in der jiddischen Literatur tätig. Sein eigentliches Gebiet war die Poesie. Anfangs stand seine Lyrik ganz unter dem Einflüsse Heinrich Heines (das gilt übrigens von der* meisten "jüdischen Lyrikern, insbesondere jener Epoche), späterhin entfaltete sie sich und bekam ihren eigenen Inhalt und ihre eigene Form. Jehoasch war der gedankenreichste Dichter in der jüdischen "Literatur.' 'Seihe' Oedich'te,. waren keine gereimte^ philosophischen .Sentenzen, sondern echte,,gottbegnadete gedankenreiche Poesie. Es soll noch besonders; hervorgehoben werden, daß die Form Jehoasch eine freie, moderne war, daß er deshalb auch in den der bezwecken will, unseren Einfluß im legislativen Organ der zionistischen Bewegung zu stärken, ist faktisch überflüssig, weil wir ja in den wirtschaftlichen Organen vertreten sind und dort bemühen wir uns, unausgesetzt unseren Einfluß zu stärken. Wozu sollen wir uns mit der Verantwortung für eine Politik, dia I zumeist unseren Anschauungen widerspricht, be- | lasten? - .IV. Zwei Tage waren den' Fragen der „Histadruth" gewidmet und die reichten nicht aus. Die Arbeiterschaft ist gewachsen und mit ihr sind auch ihre Artforderungen und ihre Institutionen gewachsen: Hamaschbir (Konsumgenossenschaft), Arbeiter-Bank, Solel-Boneh (Baukooperative), Kultur-Amt, Krankenkasse, Landwirtschaftliches Amt, Städtische Arbeiterräte usw. Jede dieser Institutionen bedarf einer gründlichen Behandlung. Es war verfehlt, alle diese Institutionen in einer Debatte zusammenzufassen, weil dadurch eine erschöpfende Erörterung unmöglich wurde. Und das ist zu bedauern.. Es herrscht manigfaehe Unzufriedenheit mit der Tätigkeit der meisten Institutionen und es wäre äußerst notwendig, diese Kritik zur Sprache zu bringen. Manches Mißverständnis wäre dadurch leicht beseitigt, mancher Fehler leicht behoben worden. V. - In gewissen Kreisen herrscht die Tendenz, „Achduth Haawoda" als die Partei der Städte und dem „Hapoel Hazair" als dia Partei des Dorfes zu bezeichnen. Diese Tendenz hat einen politischen Hintergedanken, aber sie ist absurd. Wer beobachtet hat, mit welcher Intensität die Konferenz die Frage der Neuansiedlung behandelt, welche Leidenschaft die Debatte um den „Kiburr Arzi" (siehe „Unsere Tribüne" Nr. 15) entfesselt hat, der mußte die Ueberzeugung gewinnen, daß das Rückgrat der „Achduth Haawoda" als Partei der palästinensischen Arbeiterschaft, die landwirtschaftliche Arbeiterschaft bildet. Die Entwicklung der landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen ist ihre ewige Sorge. Als politische Partei ist sie die einzige Verteidigerin! und Vorkämpferin der köllekti,yistischeni Arbeitersiedlungen, .. ... .. . VI ■ ■ _ ■ ■ \ ■<• . Zwei Fragen' kamen! in dieser Konferenz schlecht davon: die Organisationsfrage und die politischen Probleme. Die erstere wurde überhaupt nicht behandelt. Gewiß, es mangelte an Zeit. Dauerte doch die Die Begründung, daß die Mittel zur Unterbringung und Versorgung jener 1000 Arbeiter in den nächstem 6 Monaten fehlen, will der Verfasser nicht als stichhaltig anerkennen. Er sieht die Gründe vielmehr (nur in Ratlosigkeit und Kurzsichtigkeit gegenüber den Forderungen des Tages. Das Resultat könne nur eine Vertiefung der Krise, eine Schwächung des Hauptpfeilers der Bewegung, des Chaluz und seiner Positionen im Lande sein. * Im ersten Semester des Budgetjahres 1926/27 (April bis September 1926) betrugen die Einnahmen der Palästina- Regierung 1,C38.856 Pfund Sterling und die Ausgaben 947.630 Pfund Sterling, davon ordentliche 845.950 Pfund und außerordentliche 101.630 Pfund Sterling. Die hauptsächlichsten Einnahmen sind die der Departements für Zollwesen, 400.298 Pfund Sterling (39 Prozent), Bahn, Post und Telegraph, 253.537 (24.5) und Lizenzen, Taxen usw. 251.647 Pfund Sterling (24.3 Prozent), und die hauptsächlichsten Ausgaben Eisenbahnen, Post und Telegraph 231.100 Pfund (24.3 Prozent), Polizei und Gefängnisse 134.443 Pfund Sterling (14.2 Prozent), öffentliche Arbeiten 132.5C0 Pfund Sterling (14 Prozent) und Grenzschutzkorps 76.955 Pfund Sterling (8.1 Prozent). * Im „Dawar* vom 17. Jänner wendet sich M. B. in einer ausführlichen Entgegnung gegen einen Aufsatz M. Glueoksohns, der im „Haaretz" die Politik der Arbeiterschaft in den letzten Monaten als schädlich und'gefährlich angegriffen liatte. Der „Hauretz" sei in dem Aufsatz von seiner üblichen Taktik abgewichen, sowohl ein Fiasko auf der rechten als auf der linken Seite festzustellen, und hätte von einer „Psychose" gesprochen, die unser öffentliches Leben zu ergreifen drohe, nämlich von dem Wiederaufleben des Klassenkampfes oder richtiger, von seiner Zuspitzung, denn der Klassenkampf als solcher sei . ja eine normal© Erscheinung in der menschlichen Gesellschhaft, die in Klassen zerfalle, Die Frage ist aber, so schreibt der Vei-fasser, wer für diese Verschärfung und ihre praktischen Erscheinungsformen.' verantwortlich sei. Es sei noch sehr fraglich^ ob ein .Streik, den die Arbeiter ausrufen, der Anstoß zueiner Verschärfung oder nicht vielmehr erst ihr Ergebnis, die Antwort, auf einen voraufgegangenen Druck des Arbeitgebers1 sei. Die Oeffentlichkeit wisse bloß nichts davon und fände alles in Ordnung, wenn die Arbeiter im Falle eines solchen Druckes sich passiv. verhielten, und auf diese Antwort verzichteten.. .... Es ist bekannt, daß die Last der Krise, die ja eine Krise des Zionismus sei, vor allem auf die Schultern des Arbeiters fällt. Er hungert, er senkt sein Lebensniveau von Stufe ziy. Stufe und begnügt sich mit dem geringsten, er hat den Kampf um die Arbeitsbedingungen aufgegeben, die ihm früher unerläßlich erschienen. Er bemüht, sich, die Last zu verteilen, er verteilt die geringe vorhandene .Arbeit auf viele Köpf© und bleibt bei alledem dem zionistischen Gedanken treu. Wo aber ist auf der anderen Seite die Beteiligung an der Not? Wo sind dort die Hilfsaktionen für die Arbeitslosen usw.? Nach alledem soll, dann der Arbeiter der treibende Faktor zur Verschärfung des Klassenkampfes sein! Der Verfasser leugnet nicht, daß auch die Lage. der Arbeitgeber nicht besonders leicht - sei Darum sei auch der Arbeiter auf eine Lohnherabsetzung unter das Existenzminimum eingegangen. Aber diese schwierige4- Lage> des Arbeitgebers sei doch nicht überall gegeben. Es existiert vielmehr eine Reihe von Unternehmungen, dia auch jetzt noch gut florieren und es wäre interessant zu beobachten, wie sich die Arbeitgeber in solchen Betrieben verhielten. Der Verfasser erwähnt als Beispiel die Verhältnisse in der Zündholzfabrik „Nir" in Akko, die trotz ihres augenscheinlichen Gedeihens Kinder für einen Lohn von 6 Pt. pro Tag und erwachsene Arbeiter um 5 Pfund pro Monat beschäftige. Dazu seien die sanitären Bedingungen in der Fabrik ungenügend, ja geradezu lebensgefährlich. Gewerkschaftliche Organisation sei den Arbeitern, die zur Hälfte aus Nichtjuden bestünden, verboten. All das ist kein Klassenkampf.... Das wird „Entwicklung der jüdischen Industrie" genanut! Oder ein anderes Beispiel: Die materielle Lage der Pflanzungswirtschaften war noch niemals; so günstig wie heute, in einer Zeit allgemeiner Krise im Laude. . . . Die Pflanzer werden über alle Maßen reich; aber gleichzeitig verschlechtert sich die Lage des Arbeiters in der Kolonie. Selbst jetzt, in der .Arbeitssaison, nach den vielen Monaten tatsächlichen Hungerns, erhält der jüdische Arbeiter in Petach Tikwah durchschnittlich 13^14 Pt. täglich. Auch jetzt kann sioh der Arbeiter selbst während der Zeit, wo er Arbeit findet, nicht sattesson. All das ist gewiß kein Klassenkampf, sondern trägt den Titel „die Kolonie erobert den Arbeiter". Was die Frage der Arbeitsbüros der Histadruth angehe, so werde die Arbeiterschaft nicht davon ablassen, für (diese ihre Institutionen zu kämpfen, die, wie die Ereignisse zeigen, heute mit ihren letzten Kräften für die> Aufrechterhaltung eines Miniinalarbeitslohnes kämpfen müssen. Die Durchführung der großen Aufgaben, wie Verteilung der wenigen Arbeitstage auf viele Köpfe, dio Bewahrung der öffentlichen Disziplin und Zurückhaltung der verzweifelten Massen vor einem Ausbruch, all das sei eine bedeutende Leistung der Arbeitsbüros, und es wäre nichts verkehrter, als jetzt diese Organisation fallen z\i lassen. Würden die Männer außerhalb des Lagers der Arbeiterschaft, die sich bemühen, objektiv zu seiu, nur das Geringste von dem wissen, was sich innerhalb der Arbeiterschaft heute abspielt, dann müßten sie jetzt ein absolutes Bekenntnis zur Organisation der Arbeiter ablegen. * Die Regierung hat nach dem „Dawar" vom 19. Jänner eine Verordnung erlassen, die der Ruthenberg-iGesollscliaffe auf Grund des Enteignungsgesetzes das Recht gibt, Enteignungen von Grundstücken durchzuführen. Es handelt sich dabei zunächst um die Errichtung eines großen Stauwerkes am Jarmuk und einer Kraftstation bei Gescher- Nachalom, für die die entsprechenden Grundstücke enteignet werden. * Nach dem „Dawar" vom 9. ds. wurde in der Nähe von Haifa bei Km. 4 der Straße nach Nazarethl vom MerKas Chaklai eine Wirtschaft für Arbeiterinnen gegründet, die 60 Personen aufnehmen soll. Die Hälfte der Arbeiterinnen soll in der Stadt, die Hälfte in der Wirtschaft selbst arbeiten. Zur Bearbeitung ist eine Fläche von 100 Dunam gepachtet worden, und man plant vor allem Setzlinge, Gemüse und Blumen zu kultivieren. * Die Bau-Kooperative der Allgemeinen Arbeiterorganisation in Palästina (Histadruth) Solei Boneh, die infolge-des Rückganges der Bautätigkeit im Lande in .'letzter' in gewisse finanziell© Schwierigkeiten gemfott^-WP-iuik