Der Jüdische Arbeiter
- Journal
- Der Jüdische Arbeiter
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- Heft 2 (22.2.1927)
- Date
- 1927-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 4 Der jüdische Arbeiter Nr. 2. Kreisen der jüngsten Richtungen unserer Poesie gern gesehen war. Mit vorzüglichem Geschmack hat Jehoasch Falbeln aus der Weltliteratur übersetzt, seine originellen Fabeln reihen sich dieser Sammlung würdig an. Meisterhaft hat Jehoasch seine Eindrücke von der Palästinareise in zwei starken Bänden geschildert. . Auch die Prosa Jehoasch' war von zarter Sehnsucht und stiller Wehmut erfüllt. Jehoasch hat sich auch auf satyrischem und philosophischem Gebiet versucht, aber sein Lebenswerk ist die Uebersetzung der Bibel ins Jiddische geworden. Man mag gegen diesen ersten großen Versuch manches einzuwenden haben, es ist und bleibt ein bahnbrechendes Werk, seine Auswirkungen werden zweifellos von großer Bedeutung sein. Jehoasch war es nicht gegönnt, dieses Lebenswerk ganz zu vollenden, im schönsten Lebensalter wurde er dahingerafft. . Die jüdischen Volksmassen New-Yorks haben in unübersehbaren Scharen den großen Dichter zu Grabe geleitet. Sie alle und auch wir wissen, was wir an diesem großen Künstler und edlen Geist verloren haben. Wir werden Jehoasch nie vergessen. Die Entwicklungsaussichten unseres Jugendverbandes. ' Unser Jugendverband hat in der ersten Zeit seiner Gründung einen großen Aufschwung genommen, und jagte ©ine ernste Angst allen unseren Gegnern ein. "Wir haben uns dadurch bei Freunden des Verbandes ein großes Ansehen verschafft und Freund als auch Gegner waren der Meinung, daß die 'Entwicklung unseres Jugendverbi.iijdes auch weiterhin in demselben Tempo vor sich gehen wird. Unsere rPopagandaarbeit mußte aber nach dem ersten Zustrom auf ein anderes Gebiet verlegt werden, um die neuen Mitglieder auch ideologisch für unseren Verband zu gewinnen.• Diese Tatsache hat wieder bei Fround und Feind die Meinung erweckt, daß die Entwicklung, unseres Verbandes ins Stocken geraten, sei. Auch einigo unserer Mitglieder, teilen diese Ansicht. Es gilt deshalb die Aussichten unserer weiteren Entwicklung festzustellen. , 1 Wir 'sind in Wien der bestorganisierte und zahlenmäßig der größte jüdische Jugend verband. Während die anderen jüdischen Jugendverbände im Abflauen bezw.. in AuQösung sich befinden, wächst unser Verband zusehends. Wir haben auch die besten Entwicklungsaussichten. Unsere Ziele( geben uns die Möglichkeit,; unsere Arbeit fortgesetzt auszudehnen und ganze Schichten der jüdischen Arbeiterjugend für uns zu gewinnen. Insbesondere müssen wir. unser Augenmerk den Betrieben zuwenden. Der jüdische Lehrling und Jugendarbeiber wie der Ziko aus Jerusalem \inter dem 20. Januar telegraphiert wird, nach Ueberprüfung ihrer Finanzlage durch eine besondere Kommission eine größere Anleihe erhalten, wodurch alle Schwierigkeiten der Gesellschaft beseitigt worden, sind. Wir berichteten seinerzeit von der Gründung eines Mi&rad Kablani (Unternehmungsbüro des Merkas Chaklai) durch die Allgemeine Jüdische Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth), der für Auftraggeber verschiedene landwirtschaftliche Arbeiten ausführen soll. Aus dem auf der ersten, im Dezember abgehaltenen Sitzung erstatteten ßerioht ist zu ersehen, daß der Misrad. Kablani seit den fast drei Monaten seines Bestehens 5 Aufträge im Betrage v.qn 5000 Pfund Sterling ausgeführt hat. Die Arbeiten werden, unter Leitung eines landwirtschaftlichen Sachverständigen .von Arböiter-Kwuzoth durchgeführt. Es werden /jetzt mit.der Zionistischen Exekutive Verhandlungen wegen deren Beteiligung am, Grundkapital geführt. Sie soll 5000 Pfund Stei;l(ng zur Verfügung stellen, 1000 zur Gründung und Sicherung des Bestehens des- Misrad Kablani im ersten Jahre, 5J0 für Arbeitsgeräte und den Best für Anteilschein^ des Misrad. -Das Aktienkapital soll, auf 10.000 Pfund Sterling erhöht werden. Auf der Sitzung wurde beschlossen, daß die Arbeit; des ersten Jahres sich hauptsächlich konzentrieren soll auf L. Aufstellung von Kibbuzim für die Arbeit .und Zuziehung von Fachleuten für alle. Zweige'der landwirtschaftlichen Betätigung, 2. Besorgung der nötigen Arbeitsgeräte, 3, Schaffung einer Zentralstelle für Pl'lanzungsarbeiten, -1. Sicherung des Grundkapitals, 5. Popularisierung des Misrad Kablani in und außerhalb Palästinas. Der Misrad beschäftigt derzeit 250 Arbeiter. * ■ < Wie der Ziko aus Palästina unter dem 10. Januar telegraphiert wird, hat die Palästina-Regierung dem vom Merkas Chaklai der Histadruth' (Allgemeine Organisation der jüdischen Arbeiter Palästinas) unlängst begründeten Misrad Kablani (ein Unternehmerbüro, das für private Auftraggeber landwirtschaftliche Arbeiten ausführt), den Auftragzur :Dufchfülrmng der Aufforstungsurbeit zwecks Anpflanzung von 39.000 Eukulyptusbäumen im Bezirk Tel- 'ke'reia'7'erteilt.; " '.'" "' ''' ' . wird in den Betrieben von seiner nichtjüdischen Umgebung angeregt, sich mit den naiontalen Problemen zu befassen. Die nichtjüdische Arbeiterschaft, mag sie auch international und sozialistisch orientiert sein, behandelt noch leider den jüdischen Arbeiter als einen Eindringling tmd als einen Angehörigen einer minderwertigen Nation. Das sind die Früchte des Antisemitismus, der der Wiener Bevölkerung lange gepredigt wurde und sich auch bei vielen Arbeitern tief eingewurzelt hat. Die besten Genossen in den Betrieben machen für einzelne verurteilungswürdigo Handlungen eines Juden die ganze jüdische Bevölkerung verantwortlich und behandeln den jüdischen Proletarier so, als ob auch er für einzelne Vorkommnisse mitschuldig wäre. Wir müssen deshalb die jüdischen Proletarier dahin aufklären, daß die Bekämpfung des Antisemitismus die Schaffung einer gesunden Basis im jüdischen Leben voraussetzt und daß die Umschichtung des jüdischen Volkes eine unserer Hauptaufgaben ist. Das Verhältnis der Lohnarbeiter zum Unternehmertum war bi3 zum Kriegsende bei den Juden ein ganz andere? als bei den a nderen Völkern. Es wurde durch die Mehrheit der Selbständigen gekennzeichnet und hat den Eindruck erweckt, als ob das ganze jüdische Volk aus Unternehemrn bestehe. Die rPoletarisierung des Mittelstandes wirkte sich auch bei den Juden aus. Ein großer Teil der Bank- und ITandelsangestellten und der Handwerker entstammt jüdischen bürgerlichen Familien. Ein sehr großer Teil kann infolge der wirtschaftlichen Krise und der großen Arbeitslosigkeit keinen Beruf ergreifen. Es ist unsere Aufgabe, diese Jugend zu erfassen, sie im sozialistischen Geiste zu erziehen und in ihr das Verständnis für die Arbeit und Arbeiterschaft zu wecken. Ein weiteres Propagandafeld für unseren Jugendverband sind die jüdischen bürgerlichen Vereine, die jüdische Proletarier durch ihre nationalistischen Schlagworte gewonnen, ha.ben und die unserer Aufklärungsarbeit nicht werden Stand halten können. Der jüdische Proletarier kommt all-1 mählich zur Ueberzeugung, daß die jüdischen Bürgerlichen seine Gegner sind, wenn sie auch 'behaupten' den. Anti: semitismus zu bekämpfen und die Interessen des jüdischen Volkes zu vertreten; - Wo es heißt die kapitalistischen Interessen zu verteidigen,... scheuen sie. sich' nicht, sich mit den Antisemiten; zu verbinden, um in einer Front miti hnen-die Interessen der. Arbeiter zu bekämpfen. (Mio-; . terschutz, Genieindepolitik, sozialpolitische Emingenschaf-- ten.) Diese Tatsachen, auf die der. denkende jüdische Proletarier früher öder später kommen muß, . zwingen ihn den bürgerlichen Vereinen den Rücken zu . kehren und insoferne er national gesinnt ist, unserem Verbände seine Aufmerksamkeit zu schenken. ■ Die Pflege der jüdischen Kultur und die Gründung einer nationalen Heimstätte in Palästina, Probleme, auf die wir noch eingehen werden,' geben uns auch die Möglichkeit einer großen Propagandatätigkeit für unseren Verband. J. G. Der jüdischnationale Schmock. Herr Dr. Präger hat seit immerliterarische Ambitionen. Er will sich nicht damit. begnügen, ein geschäftstüchtiger Verleger zu sein, er will \m sterblich werden. Er hat also gemeinsam mit einem befreundeten Schriftsteller eine Sammlung jüdischer Witze herausgegeben. Das kaiin ihm gewiß niemand übel nehmen. Da Herr Dr. Präger (zum wievielten Mal?) faktischer Herr der „Wiener Morgenzeitung" ist, macht er auch für sich \md sein .Produkt Reklame nach Herzenslust. Auch in Ordnung. Und wenn Herr Dr. Präger seine Witze vorlesen will, muß man1 ja nicht hingehen. AVer aber diesen Tausendkünstler bewtmdcrn will, angenehme Unterhaltung! Aber es widert direkt an, wenn man liest, wie. Herr 0. A. in der „W. M." vom 8. Februar diesen neuentdeckten Vorleser verherrlicht. Eine Entdeckung! Eine meisterhafte Leistung! Und dann: „Seijie behäbige Fülle wird behäbiger, das runde Gesicht wird runder, er . Gewalt,-den Punktroller her! Für das arbeitende Palästina in Amerika. Die Aktion der. jüdischen Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten für eine Viertelmillion Dollars für die Institutionen der „Histadruth" wurde durch "ein .großes Meeting am 20. Jänner eröffnet. . Es sprachen mehrere Redner, es herrschte große Begeisterung für die Aktion, an diesem Abend wurden nahezu (50.000 Dollars gezeichnet. In der eisten Februarwoche langte die Delegation der Histadruth, bestehend aus den Genossen Ruhasch ow und Duw Hos an. In einer grandiosen Versammlung übermittelten sie die Grüße der jüdischen Arbeiterschaft ■Palästinas. Sie Fabriksniederlage in Herren* und Damen- Modestoffen S. Meister Wien, I„ Salzgries Nr, 7. Telephon Nr. 69-402 proklamierten die Aktion eines Tageslohnes für die arbeitslose jüdische Arbeiterschaft in Palästina. Es herrscht überall zuversichtliche Stimmung über den Erfolg der Aktion. % Aus der jüdischen Gemeinde % Vereinigung für soziale jüdische Tätigkeit. Die Exekutive hat in ihren jüngsten Beratungen beschlossen, den Wahl rech tskampf in der jüdischen Gemeinde durch eine Reihe von Versammlungen in den Bezirke« wirksam zu unterstützen. Am 2. Februar findet in der Leopoldstadt eine große Versammlung statt. Das Gründungsfest der Ortsgruppen XII-XV ist imposant verlaufen. Gen. Dr. Bader sprach vor einer Fest* Versammlung, wie sie diese Bezirke nicht oft zu sehen bekommen. Eine Reihe von Körperschafton war vertreten. Unsere rührigen Genossen der äußeren Bezirke haben wieder einmal Schönes geleistet. Das Wahlrecht in Schwebe. Seit der unterbrochenen Sitzung ist nichts geschehen, was die Situation klären würde. Sicher ist, daß die Fortsetzung der Sitzung der Besprechung der Wahlrechtsfrage gewidmet sein muß, doch wann die Herrschaften sich zur Fortsetzung bequemen werden, ist noch nicht so ganz sicher. Die Mhrheit verfolgt jedenfalls die Taktik, die Wahlrechtsanträge schrittweise abzubauen. Die unionistischo „Wahrheit" bringt nunmehr den Wortlaut der Erklärung der Union, die den Jüdischnationalen das Recht zur Stellung eines Wahlrechtsantrages abspricht, weil dies voreinbarungswidrig sei. Dort heißt es: „Unser Klub steht auf. dem Standpunkte, daß die Frage der Aenderung der bestehenden Wahlordnung, das ist der verfassungsmäßigen Grundlage des Kultusvorstandes, von der derzeitigen Majorität nicht zu entscheiden ist, da diese auf Grund eines gemeinsamen Wahlaufrufes durch Anhänger beider Parteien gewählt wurde, in welchem gemeinsamen Wahlaufrufe von einer Wahlreform nicht die Rede war, sowie überhaupt eine Aenderung der Wahlordnung in der Wahlbewegung von keiner der voreinigten Parteien) zur DiskTission gestellt wurde." / Man darf nun neugierig sein, wie die Jüdischnationalen ihrerseits das Kompromiß bei der letzten Wahl auslegen werden. Die Rückkehr von den demokratischen Linien der Vergangenheit, die der letzte zionistische Parteitag'vorgeschrieben hat, wird einstweilen auch' schon in der „Wiener Morgenzeitung" durchgeführt. Auf einmal. entdeckt auch die „Morgenzeitung" wieder die Schatten des jetzigen Wahlregimes und der übrigen Ordnung der Dinge, wie sie seit Jahr und Tag von unseren Genossen bekämpft wird.. Jahre-, lang lia-t die „Morgenzeitung" geschwiegen, ■ diu war ihn alles recht. Jetzt, wo die. demokratischen Gruppen gesiegt haben, hat auch die „Morgenzeitung" wiederum' In-! teresse für eine Demokratisierung, der jüdischen Gemeinde: Sie wiederholt alle Vorschläge, die von unseren Genossen seit zwei Jahren gemacht wurden und gibt sich den Anschein, alles selbst herausgefunden zu haben. -; Die Reminiszenzen an die letzte Wahl werden nicht zuletzt auch bei der „Wiener Morgenzeitung" beträchtliche ■Uniüstgefühle auslösen. . ' ' . : . '; J Aus unserer Organisation. J Kurs e. Die Kurse werden systematisch fortgesetzt. Die Zahl der Hörer ist konstant. Es wird geplant, den Kurs über jüdische Geschichte zu erweitern. Wah 1 en. In den letzten Sitzungen hat sich die Org^inisatianis!- leitung mit den bevorstehenden Wahlen in den Nationalrat befaßt. Es wurden wichtige Beschlüsse gefaßt. Jubiläum u n s e r e r W e 11 b e w e g u n g. Für die letzte Märzwoche wurde beschlossen, eine große Feier anläßlich des 20jährigen Jubiläums unserer Weltbewegung zu veranstalten. Genosse. Berl Look er hat seine Teilnahme' an der Jubiläumsfeier bereits .zu-; gesagt. Es ergeht an alle Genossen die Aufforderung, sichvzur M i t a r b e i t zur Verfügung zustellen. - ' •Dor „Verein der Freunde dos arbeitenden' Palästina" reaktiviert. ' Der „Verein der Freunde des arbeitenden Palästina" in .Wien hat seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Die Leitung hat unser Gen. Ing. Baumann ■ übernommen. Alle Genossen imd Freunde werden gebeten, die Arbeit' des Vereines zu unterstützen. Der Sitz des Vereines ist: IL, Taborstraße 1, Mezzanin- Wir sprechen der Genossin Chaje Sality anläßlich des Ablebens ihrer . Mutter unser, tiefes . Beir, leid. aus.. .. Die Organisationsleitung Der Jüdische Arbeiter Redaktion und Administration PICK NAHMASCHINEN mit kostenlosem Stickunterricht FAHRRÄDER 1927 Auch gegen Teilzahlung!! Reparaturannahme aller Systeme! IX., Liechtensteinstr. 27, IV., Wiedner Hauptstr. 8 Telephon 16-5-64, 16-5-65. 57 109 Schreibmaschinen,. Knopfpressen und Zugehör. Spprt und Touristena'tlkel H^jjtümer, Verleger, Herausgeber vad verantwortlicher Redakteur: Dr. Rud. Glanz, R.-A.-Aawäxfcer, Wien, XVIII., Weünarerstr. 19/10. — Druck: „Adria", Wien, II., Taborstr. 62 b,