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Der Jüdische Arbeiter · 1927-02-22 · Heft 2 (22.2.1927) · page 2

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 2 (22.2.1927)
Date
1927-02-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Der jüdische Arbeiter Nr. 2. lände hervorrufen' wird. Ist doch die „Achduth Haawodah" die Mehrheitspartei der „Allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation" (Histadruth) Palästinas und ist ja die jüdische Arbeiterschaft des Landes der einzige festorganisierte und stets schöpferische Machtfaktor 'des neuen Palästina. Es ist deshalb begreiflich, daß man bei der jetzigen schwierigen Lage insbesondere mit Ungeduld und Spannung auf die- Stellungnahme jenes Teiles des Jischuw, der die Hauptlast der langen Krise zu tragen hat, der ein ganzes Jahr unter den schwierigsten Verhältnissen durchhalten muß, gelauscht hat. ', Und es soll hier festgestellt werden: Die Arbeiterschaft des Landes hat nicht die leisesten Anzeichen von Verzweiflung und Ratlosigkeit geäußert. Mögen die geistig Unreifen durch Entstellungen und Lügen die palästinensische Wirklichkeit mißzudeuten versuchen, möge jener Teil des Kleinbürgertums, der noch vor einem Jahre in einem Taumel der Begeisterung über alles, was in Palästina entsteht, großmäulig schwätzte, heute, angesichts seines ersten Mißerfolges, in Haß oder Verzweiflung verfallen; die jüdische Arbeiterschaft, die unter der gegenwärtigen Krise am meisten zu leiden hat, ist zuversichtlich, getragen von Wille und Mut zu neuer schöpferischer Tat, die mit weiteren Anstrengungen und grenzenlosen Opfern verbunden ist. ,11. Gewiß ist 'die das Land beherrschende Krise im Mittelpunkt der Beratungen gestanden. Es konnte auch nicht anders sein'. Die Krise gefährdet unseren größten Schatz — die Schöpfungskraft der jüdischen Arbeiterschaft und wir müssen die größten Anstrengungen machen, um diese Gefahr zu bannen. Die bürgerlichen Zionisten in Palästina und im Auslande scheinen sich mit diesem Zustande bereits abgefunden zu habem. Die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit sind für sie natürliche Erscheinungen, gegen die jeder Kampf vergebens sei. Erspart man sich das Kopfzerbrechen. Sie scheinen zu übersehen,: daß. sie durch dieses Verhalten1 tausende Menschen dem Hunger preisgeben, daß sie dadurch die Stimmungen von Kopflosigkeit und Pessimismus, die immer weitere Kreise ziehen, fördern Zur rechten Zeit erscholl deshalb der Ruf der Konferenz: Der Arbeitslosigkeit muß. unbedingt ein Ende gesetzt werden! Es gibt keinen größeren Schaden, keine größere Gefahr als die Fortsetzung dieses furchtbaren Hungerns tausender Arbeiter. Die Forderungen der „Histadruth" an die zionistische Exe: kutive, die ein Resultat dieser Konferenz waren, bewiesen, daß es noch rea'le Möglichkeiten zur Lösung dieser Krise gibt. Es sind nur große Anstrengungen und unerschütterliches Vertrauen an die eigene Kraft erforderlich. Diese Anstrengungen müssen aber gemacht werden. Das Schicksal des Zionismus erheischt es. / Iii. Das Merkmal der Konferenz war: der richtige Sinn für das unbedingt Notwendige. Das gilt auch KebensuersiAerungssGesellsrtiaft Wien, I., Ricmucasse 2 Telephon 79:5=65 Serie Telephon 79:5t6 5 Serie Aktien Kapital S 4,000 000. - Versicherurpsstand am I.Jänner 1926 über 600 Millionen Schilling. Sämtliche Arten uon & öcnsunfl Ret feniwsidK Hingen, Unfall», fluto: und Haft .flitMumirtierungun. Heimprämien- Versicherung ohne ärztliche Untersuchung Tagesprämie: 20 6rosdien tei 20jähriger Uersidierungstauer, 30 Grosdien bei 15iahpiger UeMdicrurgsfiaup. Leistungen der Gesellschaft j Im Ablebensfalle sofort nach 0 m Toie: 1000 S cOer ' 5 Uiertel (125 Prozent) Oer insgesamt entrichteten Prämien, je ratfiflem; welcher Betrag höh er ist. Im Erlebensfälle: 1750 S bei 20jSnrigep Dauer, 1850 S bei 15jahrigtr Dauer. Kostenloser Einschluß der Prömie*.befreiung im Invaliditäfefalle. Kostenlose Unfallversicherung auf die doppelte Tociesfallssumme. Kostenlöse Ausfolgung einer Heim Sparkasse! Prospekte und nähere flusftünlie bei ö r Direktion oder bei jedei» G sdiäftsstelle. vom Plane Remes'. Eigentlich ist es ja der Plan der Palästina-Kommission des Weltverbandes Poale- Zion, welche im Lande vom Jänner bis Mai 1920 weilte. Remes hat diesen Plan den jetzigen Verhältnissen angepaßt. In allgemeinen Strichen besagt sein Plan, daß die größten Anstrengungen gemacht werben müssen, um in den nächsten zehn Jahren eine Einwanderung von 40.000 Menschen jährlich zu ermöglichen. Zu diesem Zwecke sind 300 Millionen Dollars notwendig. Remes behauptet, daß für einen solch grandiosen Plan die notwendige Anleihe aufzutreiben wäre. Die Erfähr ungern der letzten Jahre sowohl über die Tätigkeit der zionistischen Fonds als auch bei den Bemühungen um eine Anleihe, berechtigen zwar diesen Optimismus nicht, aber das ist, unserer Meinung nach, nicht das Wesentliche. Auch die Konferenz ging auf diese Frage nicht ein. Das entscheidende war: der Wille, den Aufbau vorwärts zu bringen. In diesem Sinne wurde auch der Plan in der Konferenz besprochen. Zum Lobe der Konferenz sei hervorgehoben, daß, obwohl sie sich mit diesem grandiosen Plan befaßt hat, vergaß sie auch der realen Tagesarbeit nicht. Gleichzeitig mit dem Drange zum großen Aufschwung forderte die Konferenz alle Genossen und Freunde auf, sich in den Dienst der bestehenden Fonds und der täglichen Arbeit zu stellen. Dasselbe Bild bot uns die Stellungnahme zum nächsten Zionistenkongreß. Der Ohnmacht und Ratlosigkeit des bürgerlichen Zionismus soll der Glaube; und die Hoffnung der jüdischen Arbeiterschaft entgegengestellt werden. Sie soll die Fahne, die die bürgerlichen Führer sinken lassen, in die Höhe bringen. Die Sorge um das Schicksal des Zionismus verleitet aber auch zu Ueberschätzungen, Sehen .wir uns* z. B. die Forderung, daß nicht die politischen Parteien,; sondern die „Histadruth" als solche auf dem Zionistenkongreß vertreten sein soll, an. Wie sich auf Sdiese Weise das Kräfteverhältnis ändern wird, leuchtet uns nicht ein-. Sicher ist bloß, daß dadurch beim jetzigen Wahlmodus zum Kongreß ein selbständiger] Kampf der Partei ausgeschlossen wäre und daß dieser! Versuch die Einheit der „Histadruth" gefährden! würde. Die Konferenz lehnte diese Forderung abj aber sie beschloß, auf der nächsten1 Weltkonferenz die Forderung zu erheben, daß wir uns auch an1 der politischen Leitung beteiligen. Dieser Beschluß; Palästina-Rundschau. Die Zionistische Exekutive und die Arbeitslosigkeit. Kfar Giladi und Tel-Chaj wieder in der Histadruth. — Zur Frage der Zertifikate. — Die Einnahmen der Palästina-Regierung. — Zum Thema „Klassenkampf. — Die Ruthenbei-ggesellsohaft darf enteignen. — Der Solel-Boneh erhält eine größere Anleihe. — Die Arbeiten des „Misrad Kablani". — Die "Regierung beschäftigt den „Misrad". Am 31. Januar tagte in Tel-Aviv das Zentralkomitee der Arbeiterorganisation, die sich vornehmlich mit Fragen der Arbeitsbeschaffung beschäftigt. Die Vertreter der stästischen Arbeiterausschüsse brachten in der ersten Sitzung Klagen gegen die zionistischen Instanzen vor, die nach Ansicht der Referentein in ungenügendem Maße für Beschaffung von Arbeitsgelegenheiten! sorgten. Die Not unter den Arbeitslosen sei in der letzten Zeit in unbeschreiblichem Maße gestiegen, die Menschen würden zusehends körperlich und geistig schwächer; man dürfe dem Jischuw in einer Zeit, in der an jedem Freitag in Tel-Aviv allein 3000 nach stundenlangem Wartei* einige Piaster erhalten, um sich nur das nötige Brot kaufen zu können, keine Ruhe lasseh, und müsse dringend in irgend einer Form eine Beteiligung an der Unterstützwigs*- aktion fordern. Die Genossen Sprinzak und Kaplansky erwiderten in ausführlichen Darlegungen. Es sei nicht richtig, daß sich die Tätigkeit der Zionistischen Executive auf die Verteilung von Unterstützungsmitgliederh beschränke. Das normale (produktive) Budget des Arbeitsdepartements von 83.000 Pfund sei jetzt bereits auf 53.000 erhöht worden, und darüber hinaus seien neue Verpflichtungen eingegangen worden, um neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. In Bälde sei durch den Beginn der Rutenberg-Arbeiten in Petach- Tikwah, in Haifa und Jerusalem allein eine Beschäftigung von 1300 Mann zu erwarten. Wenn die geplanten Arbeiten zur Ausführung kommen, dann würden bis April immerhiu 3000 Arbeiter beschäftigt werden; vom April an rechnet man wiederum mit neuen Arbeitsmögliohkeiten. 1 Gen. Kapalansky hob u. a. hervor, daß nichts leichter sei als sich von der Last zu befreien, Vertreter der Arbeiterschaft in der Zionistischen Exekutive zu sein. Er habe schon einigemal in diesem Jahre vor einem solchen Entschluß gestanden, doch frage sich nur, wie weit die Waffe des' „Ultimatums" wirksam sei. Die Zionistische Executive habe durch Kürzungen und Streichungen anderer Budgetposten das Gesamtbudget des Arbeiterdeparteiments (einschließlich der Unterstützungen) von 6J.000 auf ICO.000 Pfund vergrößert. Sie verhandle über eine Anleihe von 35.000 Pfund für Bewässerungszweeke im Emek und werde bestimmt einen größeren Teil von Arbeitslosen mit diesen Arbeiten beschäftigen können. Darüber hinaus schweben noch mit verschiedenen anderen Stellen Verhandlungen, besonders über die Aufnahme von Anleihen aus ausländischen Quellen. Die Perspektive sei die, einen Weg zu finden, um den Keren Hajessod vom) den Ausgaben zu entlasten, die nicht für Kolonisationfi'- zwecke bestimmt sind. Wir müssen uns eines Tages an die Regierung wenden, damit sie die Ausgaben für das Erziehungs- und Gesundheitswesen übernehme, und auch tatsächlich unsere Schulen und- Krankenhäuser schließen. Die Regierung habe an der letzten Alijah eine Million Pfund verdient und wolle trotzdem nichts für die Arbeitslosen tun. Die Zionistische Exekutive habe alles getan, was in ihrer Möglichkeit stand, um die Lage zu erleichtern, habe auch dem „Solel-Boneh" geholfen,* aus der Krise herauszukommen, aber man müsse wissen, daß es eine Grenze auch für die Kraft der Zionistischen Organisation gebe. * Im „Dawar" vom 9. Jänner wurde mitgeteilt, daß der Waad Hapoel der Arbeiterorganisation beschlossen hat, die Mitglieder der Wirtschaften Tel-Chaj und Kfar Giladi auf Grund ihrer Bereitschaft, den Beschluß der Histadruth in der Frage dieser Wirtschaften durchzuführen, wiederum in die Histadruth aufzunehmen. Im „Dawar" vom 10. ds. schreibt D. S., daß die Arbeiterschaft im Lande diese Nachricht mit großer Freude aufgenommen habe, und ihr damit ein schwerer Stein vorn Herzen falle. Die- Rückkehr kam jedoch nicht aus einem Zwang oder einem äußeren Druck heraus. Di© Wirtschaften Kfar Giladi und Tel-Chaj unterstehen nicht dem Kolonisationsdepartement und daher auch nicht dem Merkas Haklai. Die P. I. C. A„ die Eigentümerin der Wirtschaften, habe die Separation seinerzeit wohlwollend angesehen. Die Rückkehr ist jetzt also nur die Wirkung der; natürlichen Anziehungskraft des Zentrums, der Ausdruck der unerläßlichen Verbindung des Teils mit dem Ganzen;; Die Histadruth bedeutet eine innere Pflicht und Notwendig-! keit, und wer sich von ihr trennt, befreit sich nicht selbst,; sondern macht sich vogelfrei. Gemeinsam mit dem Waadi Hapoel der Histadruth reicht die ganze Arbeiterschaft den: Zurückkehrenden ihre Hand und glaubt, daß sie aufrichtig! zurückgekehrt und bereit sind, ebenso an den Lasten. teil-j zunehmen, wie sie von den Rechten Gebrauch machen. >* . ' j! Im „Dawar" vom 6. Jänner greift H. Halperin die Zionistische Exekutive an, weil sie bei der Regelung": der Zertifikatquote für das kommende Halbjahr von der; Regierung die Einwanderungserlaubnis nicht für Arbeiter,! sondern für Personen, die von ihren Angehörigen im Lande" angefordert werden, erbeten habe. Die Regierung hat diese Erklärung nach ihrer Art als eine Art Korrektiv der Gattung* der Einwanderer aufgefaßt, und es begann die wohlbekannte Prozedur der Anforderung von Verwandten, mit all de»; Nachforschungen. und den . vielen lästigen Formalitäten, diej dem unglücklichen „Bürger" all seine „Sünden" wie Aen-j derung seines Namens oder Personenstandes usw. ins Ge-i dächtnis rufenf Aber bei all dem wird diese Vlerwandten->j forderung an Stelle der Chaluzim unsere Lage hier nicht; ändern. Die Einwanderung der „Verwandtenkategorie" hat nach der Ansicht des Verfassers nicht vermocht, ihre; Notwendigkeit für den Aufbau des Landes zu beweisen; im Gegenteil, die Mehrzahl von ihnen hat das Land wieder verlassen, da sie sich den Bedingungen hier nicht anpassen konnten, und sie bevölkern heute wieder die Hauptstädte Europas. Für die Chaluz-Beweguug dagegen und besonders für diese Bewegung im Galuth ist es eine Lebensfrage, ob-j die Möglichkeit einer fortgesetztein Einwanderung in da» Land gegeben ist. Der Mangel dieser Möglichkeit ist mit der Hauptgrund dafür, daß im Galuth während der letzten Krisenmonate so viele die Reihen des Chaluz verlassen haben. Trotzdem hat die Zionistische Exekutivevjetzt de** Fordeining der Histadruth und des „Hecnamz" auf Einräumung von 1G00 Zertifikaten von den 1500, über die sie verfügen konnte, nicht entsprochen, diese vielmehr alte für die Verwandteneinwanderung zur Verfügung gestellt, d. h. die Einwanderung der Chaluzim auf (j&i8| fcalbefc Jahr unterbrochen. ■ " '

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