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Der Jüdische Arbeiter · 1927-01-12 · Heft 1 (12.1.1927) · page 3

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Journal
Der Jüdische Arbeiter
Volume
4 (1927)
Issue
Heft 1 (12.1.1927)
Date
1927-01-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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frfc i Der jüdfecfre Arbeiter Seit« $ darob bestürzten Unlonisten wx>Üteft öan liebssten die Komöaiasionsst«ll*n für unsere «ui"ü<5kgeiögenen Mitglieder gar nicht besetzen, sondern sie unseria Genossen, zur Verfügung Kalten. Doch ließ unsere Partei keinen Zweifel dar- 'fäber, daß unter den jetzigen Umstanden an ihre Mitwirkung in den Kommissionen gar nicht au denke»» sei. Unterdessen hatten die Unionisten sich ihre Taktik in der Wahlrechtsfrage zurechtgelegt. Sie ergriffen noch vor den. Antrag's1»llern das Wort und beantragten die Vertagung der ganzen Angelegenheit. Gleichzeitig gaben sie eine Öeklaratiöti über ihre Stellung zu den Zionisten in der Wahlrechtsfrage ab. Die Deklaration stellt fest, da3 Üniön und Zionisten auf edne gemeinsame laste und auf ein gemeinsames Arbeitsprogramm in der jüdischen Gemeinde gewählt wurden. Dieses gemeinsame Programm der Union und der Zionisten sieht die Wahlrechtsfrage überhaupt nicht vor und bestreitet die Union., den Zionisten sowohl im Verhältnis von Partei au Partei, wie vor allem vor ihrer gemeinsamen Wählerschaft das Recht, in der Wahlrechtsfrage eine andere Haltung einzunehmen, wie die Union, Man darf auf die Antwort der Zionisten einigermaßen gespannt sein. Der plumpe VertagungsscmwindeL der einen glatten Bruch der Geschäftsordnung in sich enthielt, entfesselte einen Sturm im Saal. Der Zionist Dr. Friedmann forderte den Präsidenten zur Anwendung der Geschäftsordnung auf. Gen. Dr. Glanz widerlegte den ganzen Vertagungsschwindel und fürte aus. daß die Wahlrechtsgegnef nur mehr die Möglichkeit hätten, sich vor der Abstimmung' zu entfernen. Schließlich wurde ein Antrag dahin geschaffen, daß nur die Sitzung wegen spater Stunde unterbrochen wurde, aber in den nächsten Tagen zur Behandlung und Beschlußfassung in der Wahlrechts frage wieder aufgenommen werden muß. Die bisherigen Ereignisse haben der Haltung unserer Genossen recht gegeben. Wir erwarten in naher Zukunft eine Stärkung unserer Forderungen in der jüdischen Gemeinde. * * Notizen •w M Gedeckter Tisch. Das bürgerliche Judentum unseres Landes steuert schon geradewegs auf seine Wahlgtellungf zu. Den Auftakt haben die verkrachten; Jüdisch nationalen gegeben, indem sie das Fangmotto des Erpressers „Juden und Sozialdemokraten" zu einer jüdischen Sensation aufzumachen versuchten. Nun stellt sich prompt auch die Reversseifce des bürgerlichen Judentums, die „Union", ein. Bezeichnend ist, daß auch sie sSch das Erpressermotto dienen läßt. So hat also "auch die „Wahrheit" des Mischeberachjournalisten1 der „Union" ihr geistiges Hühnerauge produziert. Auch hier heißt es „Juden und Sozialdemokraten". Die Angst, daß die j üdisch nationalen Demagogen im jüdischen Bürgertum um eine Nasenlänge voraus sein könnten, zittert dem Mischeberachjournalisten durch alle Glieder. Er windet sich hin und her, um immer wieder nur dem Dr. Plaschkes rechtgeben zu können und doch zu dem Entschluß zu kommen, daß die „Union" nicht mit den Jüdischnationalen gehen kann. ISie müsse vielmehr irgendeinen Anschluß an irgendein fortschrittliches Bürgertum finden, das gegen die Sozialdemokratie marschiert. Gemach, meine Herren Altliberalen! Ist schon der Liberalismus eine schlechte Sache, so noch viel schlimmer, wenn er noch dazu alt geworden ist. Die Herren sind den Umgestaltungen des kapitalistischen Bürgertums noch lange nicht gerecht geworden. Eine „antimarxistische Einheitsfront" wird nicht so hirnrissig sein, auf das jüdische Bürgertum zu vergessen. Sie wird vielmehr so taktvoll verfahren: und dem jüdischen Bürgertum auf ihrer genug langen Frontlinie ein Plätzchen sichern, wo es vor jeder unliebsamen Gefühlseinwirkung antisemitischer Einheitsfrontgenossen wenigstens für die Wahlkampfperiode so weit verschont bleibt, daß der nationalistische Instinkt des jüdischen Bürgerlichen sich nicht aufbäumt. Derlei Mittel zu solchen: von keiner antisemitischen Welle bespülten Ehrenplätzen für jüdische Bürgertumsparteien gibt es in der Wahlordnung gar manche. Unid die Ironie des1 Schicksals mag es fügen, daß die Altliberalen! von der „antimarxistischen Einheitsfront" in denselben Listenwahlwinkel hineingestellt werden wie ihre jüdischnationalen Antipoden. Denn der Kapitalismus von heute ist weder alt, noch liberal. Er wahrt seine Interessen, so gut er .kann. Er deckt den Tisch für seine Diener gleich, aber die Plätze weist er an. Und so werden sich „Union" und .Jüdischnationale beim gedeckten Tisch der „antimarxistischen Einheitsfront" als unerwartete Nachbarn im jüdischen Winkel wiederfinden. Sozialisten im deutschen Pro-Palästina- Komitee. In Deutschland hat sich ein Prjo-Palästiiia-Koniitee, dem bedeutende Politiker und Gelehrte verschiedener Dichtungen angehören-, gebildet. Das Komitee hat sich zur Aufgabe gemacht, „die deutsche Oeffentlichkoit über das jüdische Kolonisationswerk in Palastina. "aufzuklären, die Beziehungen zwischen Deutschland und Palästina zu pflegen und allgemein die Erkenntnis zu verbreiten, daß das ■■jüdische Aufbauwerk in Palastina ein hervorragendes Mittel für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Orients, für die Ausbreitung deutscher Wirtschaftsbeziehungen und für die "Versöhnung der Völker ist." Dem Komitee gehören auch folgende führende' Genossen der .Sozialdemokratie 'Deutschlands an: Eduard Bernstein. Di\ Breitscheidt. Paul Löhe.. Hermann Müller.. Päpste, Könige und Juden oder der Vet* fall der Wiener Zionisten. Die Wiener Zionisten hatten nichts notwendigeres als d*Ä verkrachten Graf Adalbert Starnberg einzuladen, um seio&fs Vortrag über „Päpste, Könige und Juden" anzuhören. DBP edle Graf bemühte sich den Juden nachzuweisen, daß mü den netfeh Strömungen der Zeit nicht folgen, sondert* den alten guten Zeiten der Habsburger treu bleiben sollen. Das ist wohl im Geiste des Herrn Plaschkes. Das iaft die geistige Vorbereitung für die „antimarxistische Front" des SeipeL; Ein Zionist des 8. Bezirkes sagte einem unserer Geuoff* sen aufrichtig: Wenn der Striekel-, der Plaschkes, oder Dr. Fried mann reden, kommt ja kein Hund, bei Stern berg war der Saal voll besetzt. Vor dem Vortrage des edlen Grafen hielt der Vorsitzende einen Nachruf — Achad Haam. Kann es noch etwas blöderes, geschmackloseres $H diese Wiener Zionisten geben? Und diese Gesellschaft will sich als Vertreter dau Wiener Juden aufdrängen. Plaschkes contra Stricker. Die Tätigkeit unserer Genossen in der Kultuageaueindp hat die bürgerlichen Zionisten gezwungen," ihr Bündni» mit den altliberalen Juden der ,, Union" zu lockern. Jetztf spielen sie sogar Opposition. Bei Behandlung des Budgets*, in der Kultusgemeinde hat der Obmann des Klubs der bürgerlichen Zionisten, Herr Oberbaurat Robert Stricket* in einer Rede alle jene Punkte, die sie von der „Union*' trennen, aufgezählt. Diese wären: das Wahlrecht, der Gemeindebund, die Stellung zum Schulwesen und zu, Pa> lästina. Außerdem sind auch noch die Zionisten gegem; die Verwaltungsmethode der „Union" überhaupt. Wenn man; nooh so sehr suchen würde, könnte man kaum etwa« nennenswertes finden, das die bürgerlichen Zionisten mit der ..Union" gemeinsam hätten. Was wäre natüi-licher, al« daß die Zionisten gegen das Budget stimmen sollen? Aber mit nichten. Sie haben trotzdem für das Budget gestimmt^ weil, wie Herr Stricker meinte, die Bewilligung des* Bud«*v gets keine Anerkennung der Gründsätze der Mehrheit, soiÄ dem bloß die Aufrechterhaltung des Haushaltes bedeut»,' Ob Heri' Stricker Recht hat. oder nicht, soll dahin-' gestellt bleiben, uns interessiert bloß, warum sich sedn Freund Herr Di*. Palschkes im Gemeindesrat nicht an diesen Grundsatz hält. Angenommen, die Wähler des Horm Drv. Plaschkes hätten kein .Interesse an der Wohnhautätigkeife und an den sozialen Eim-ichtungen der Gemeinde Wietat; angenommen zwischen Herrn - Dr. Plaschkes und der so* zialistischen Gemeindeverwaltung besteht gar nichts g©>«< meinsames, aber dasselbe gilt ja angeblich, von der „Ünion^. in der .Kultusgemeinde. Warum also stimmen die Zio* nisten für das Budget der ,,Union" in der Kultusgemeinde,. während Herr Dr. Plaschkes gegen das Budget der Gemeinde Wien stimmt? Die Lösung dieses Rätsels ist eine sehr einfache: die „Union" ist zwar der innere Feind im jüdischen Volke, aber trotzdem hat Herr Oberbaurat Stricker mit Herrn:, .Baurat Kempler von der „Union" etwas sehr wichtiges) in der Stärkung des Zionismus, aber auch er erkennt nicht die großen und besonderen Aufgaben, die der Arbeiterklasse obliegen und zwar wegen seiner Neigung, vor den Klassengegensätzen und dem Klassenkampf innerhalb des Zionismus die Augen zu verschließen. Der Verfasser begründet diese Auffassung an den Beispielen der Kwuzah und des Hechaluz. Um beide hätte der Hapoel Haztiir Verdienste. Aber die Kwuzah sei für ihn nie die Form der Massenkolonisatiou, siondem eine Form zur Befriedigung des Einzelnen gewesen, wie der Hechaluz nach Ansicht des Hapoel Hazair die Bewegung •einzelner Auserwählter sei. Aus dieser Auffassung ergäbe sich die Stellung von Aohduth Haawodah zur Histadruth, in der sie das Mittel der Arbeiterklasse für ihre zionistische und kolonisatorische Tätigkeit erblicke. Deshalb müsse die Histadruth in tfich ebenso die konstruktiven wie die gewerkschaftlichen, die kulturellen wie die politischen Aufgaben vereinigen, während die Linke die Histadruth in verschiedene Organisationen auflösen wolle, davon die eine nur für* Zwecke des gewerkschaftlichen Kampfes. Auch der Hapoel Hazair ^wolle, wenn auch aus anderen Gründen, die Histadruth auf rein gewerkschaftliche Aufgaben beschränken, weil er der Partei zu viel, der Klasse zu wenig vertraue. * Die Zionistische Palästina-Exekutive hat dem vor einiger Zeit ihr miterbreiteten Vorschlag der Arbeiter-Organisation (Histadruth) zugestimmt, in Zukunft die Arbeitslosen» Unterstützung nicht in Bargeld, sondern in der Form von effektiven Arbeiten, deren Entlohnung der Unter* ftützungsquote entspricht, zu geben, da die Arbeiter es ablehnen, Geldalmosen anzunehmen, und für die empfangane Unterstützung produktive Aufbauarbeit leisten wollen. Es »ollen jetzt eine Reihe von Arbeiten, die nicht direkt produktiv sind, weil die Kosten unter Ausschluß aller [Materialien; nur in Löhnen bestehen sollen, die aber als i Yorbereitung für spätere produktive Aufbauarbeit zu bej %&ohtea sind, vorgenommen werden, um »o einer Reih» von Arbeitslosen einen Tag in der Woche Arbeit verschaffen zu können. * Im „Dawar" vom 21. 12. schreibt PL Frumkin in einem größeren Aufsatz über das gleichgültige und lockere Verhältnis der Arbeiterschaft ■ zu den von ihr geschaffenen Institutionen wie „Solei Boneh", „Hamasohbir" usw. Für die Schwächung der Beziehungen zwischen der Leitung dieser Betriebe auf der einen Seite, und den städtischen Arbeitern auf der anderen Seite darf man'nach seiner Meinung nicht die Struktur dieser Organisationen verantwortlich machen und in einer organischen Aenderung ihres Aufbaues nicht das Mittel zur Abhilfe sehen. Nach der Meinung' des Verfassers liegt der Hauptgrund vielmehr in den gegenwärtigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Städten. Seit vier Jahren schon betonen viele von uns immer wieder, daß eine Vorbedingung für den wirtschaftlichen Erfolg unsei-er Betriebe und für die Errichtung unserer sozialen Ziele . . . das 'Vorhandensein von grundlegenden Wirtsohaftszellen ist, die die festen und verantwortlichen Träger des Tatgedankens sind. Die Existenz dieser Zellen ist aber nur durch die Schaffung von Arbeitersiedlungen in den Städten möglich. Die schweren Lebens- und Arbeitsbedingungen, die heute in den Städten herrschen, der Kampf gegen alle Formen des Huugers und des Elends, haben jedoch' den Willen zur gruppenmäßigen Organisation abgestumpft. Die Lohnarbeit und selbst die kooperativen Arbeiten der Arboiterbetriebe haben nioht vermocht, Kräfte zu entwickeln, die gegenüber den isolierenden und separierenden Einwirkungen des Stadtlebens standhalten können. . . Es muß deshalb klar sein, daß man nicht durch Beschlüsse über die Formen der Ox-ganisation die Lage.unserer Arbeit in den Städten ändern kann. . . Der Schwerpunkt muß vielmehr eine Aenderung der Wirklichkeit unseres Lebens in der Stadt sein, die Schaffung der eleinentaxtm und unerläßlichen Bedingungen für die Entstehung soloher Zellen als Träger unserer ökonomischen Idea in den Städten. . » Zu den Mitteln, die für eine Gesundung in den Be» trieebn selbst notwendig sind, rechnet der Verfasser auch: noch die jeweilige Aufnahme neuer Menschen in die Leitung der Betriebe, die die Beziehungen zur Oeffentlichkeit beleben und den Apparat vor Versteinerung bewahren sollen. * - - Die Auseinandersetzungen innerhalb des Gdud. llaawodah. die seit langer Zeit im Gange waren; haben jetzt zw einer vorläufigen Klärung geführt. In Tel Joseph wurde am 17. Dezember iu Fortsetzung der früheren Beratungen von' Anfang November der Anschluß der extrem links ge-' richteten Mitglieder, d. h. der eingeschriebenen und tat-- sächlichen Mitglieder der „Frakzia", als unerläßlich für. die künftige Entwicklung des Gdud gutgeheißen und fü» die neugeschaffene Lage im Gdud nach einem im „Dawa**'; veröffentlichten Gomrnunique folgende Würdigung ge-v geben: Der Ausschluß der Genossen aus dem Gdud, war am' sich ein schwerer Schritt für den Kibuz, aber die Befreiung des Gdud von den auflösenden Elementen wafi der einzige Ausweg, um ihn vor der Gefahr des völlige^, Unterganges zu retten. Nach zwei Jahren der Vergrau» dung von Energien in unaufhörlichem inneren Kampf«, steht der Gdud, nachdem er sich von diesen Elementea»- die seit langem seine Gedanken und Ziele verlassen haben, befreit hat, vor einer neuen Epoche des Fortschritts uni». der inneren Erneuerung, Es ist absolut klar, daß die Mehrzahl der Angehörigen des Gdud unsere Beschlüsse unterstützt und sich uns anschließen wird. . . In einer anderen Entschließung wird zum Ausdruck: gebracht, daß die neue politische Leitung iu nächster Zeit anstreben müsse, zu normalen Beziehungen mit den Institutionen der Histadruth y.u kommen. *• . Am 17. Dezember wurde in Tel-Aviv die Tagung1 der „Iohud"-Clubs eröffnet, an der sich 15 Delegierte — Juden und Aaraber — beteiligten. Man beschäftigt sich mit der Frage der Vereinigung der beiden InternatioaafoE. mii

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