Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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62 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE können Flecken auf dem Körper des Kindes erscheinen, es kann eine Hasenlippe bekommen usw. Für die künftige Mutter und das Kind ist auch die Nahrung wichtig. So darf die Schwangere nicht im Dunkeln essen, ebenso auch kein Fleisch. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ißt sie nur saure Nahrung. Wenn die Schwangere Zunge ißt, wird das Kind eine lange Zunge haben, 2. Hals, langen Hals, 3. Herz, so wird es ein Grobian. Wenn die Schwangere „Zamali" (derartige Fleischspeisen) oder einen Granatapfel ißt und wenn dabei nach dem Essen an ihren Händen Spuren von dem Genossenen bleiben, so wird an derselben Stelle -des Leibes, die sie berührt, das Kind Geburtsflecke haben. III. Geburt. Die Gebärende. Die Niederkunft vollzieht sich gewöhnlich im allgemeinen Wohnzimmer, jedoch auf schmutziger Wäsche und Lumpen, in Kardien, Suram und Zchinwali auf Stroh. Wenn einer Frau bei der Geburt die Kinder sterben, soll sie bei den folgenden Geburten den Ort der Niederkunft wechseln. Der Ehemann wird nur im alleräußersten Fall zur Gebärenden zugelassen, etwa wenn die Niederkommende dem Tode nahe ist. Wichtig ist nicht nur der Ort, sondern auch die Zeit der Niederkunft. Wer am Sonnlag geboren wird, wird stark und gesund sein, am Montag — ein Lügner, aufbrausend, am Dienstag — reich, am Mittwoch — ein Räuber, am Donnerstag — ein Bettler, am Freitag bleiben Charakter und Schicksal des Kindes unbestimmt und am Sonnabend wird das Kind gelehrt, religiös und heilig sein. Einfluß auf das Schicksal des Kindes hat nicht nur der Tag der Geburt, sondern auch der Monat und d!er Umstand, ob es ein Feiertag oder Werktag ist. Der im Monat Kislew oder Ijar Geborene wird ein Glückspilz, im Elui — gütig, im Siwan — gelehrt, im Cheschwan, Tebeth und Schwat — grob und im Adar — mutig. Am Feiertag — wird er gütig, am Neumond — glücklich. Im Gegensatz zu den weiß- und kleinrussischen Juden ist es bei den georgischen nicht üblich, den Monajt der Geburt jzu veriheimlicheii. Türe und! Fenster im Hause der Wöchnerin werden für die Nacht geschlossen. Manche verhängen sie mit schwarzem Stoff. Bei der Geburt in der Nacht muß Feuer brennen (der böse Geist fürchtet es); das Feuer macht man etwas größer*. Im Laufe der ganzen ersten Woche bleibt die Hebamime bei der Wöchnerin, in der ersten Nacht wacht sie an ihrem Bett. In Kardien, Duram und Zchinwali hängt man zur Abwehr des bösen Geistes auch um das Bett der Wöchnerin 2 bis 3 Wochen Fischernetze. Ebendort werden in das Bett, am Fußende eine Badequaste, ein Pferdestrick und Psalmen gelegt. In Ony wird am Kopfende des Bettes der Wöchnerin ein Schlüssel oder ein Messer, ein Beil oder auch eine Badequaste befestigt. Wenn während der Geburt Einlaß ins Haus begehrt wird, so wird dieser verwehrt. Man schließt nachts Fenster und Türen, damit niemand ins Haus eindringe. (Alles dies auch bei Nichtjuden.) Die Wöchnerin wird nicht nur während der Geburt beschützt, sondern auch während einer gewissen Zeit nachher. So wird der Wöchnerin und dem Kinde Knoblauch in pinem schwarzen Säckcihen um den Hals gehängt. Nach der Geburt bleibt die Wöchnerin 5 bis 7 Tage im Bett. Aus dem Hause geht sie nicht im Laufe von 40 Tagen (nach einigen Angaben drei Wochen lang). Während 40 Tagen nach der Geburt eines Knaben und 60 bei der Geburt eines Mädchens wird die Wöchnerin als „tmeo" (unrein) angesehen (biblisch). Während dieser Zeitperiode geht die Frau nicht auf die Straße, sie ißt aus einem besonderen Gefäß, kocht dem Manne keine Speisen und schläft von ihm getrennt. Nach dem Ablauf dieser Frist begibt sich die Wöchnerin in die Mikwa, wo sie sich der rituellen Waschung unterzieht, alsdann ist sie wieder „rein" und sind alle jene Verbote aufgehoben. Nach dem Besuch der Mikwa geht sie in die Synagoge. Wenn sie aus der Synagoge heimkehrt, besucht die Wöchnerin, bevor sie das eigene Haus betritt, einen Nachbarn oder Verwandten (gewöhnlich einen reichen und und kinderreichen), wo sie mit drei Nüssen, drei Stücken Brot und drei Gläsern Wein empfangen wird. Das Dargebotene muß am Orte aufgezehrt und ausgetrunken werden. Mit dem Rest des Weines benetzt die Wöchnerin sich Gesicht und Hände, damit sie — nach lokaler Erklärung — Milch in Überfülle bekomme. Die Geburt. Zur Erleichterung der Geburt öffnet man alle Schränke, den Ofen und alle übrigen geschlossenen Sachen. An der Gebärenden werden, alle Knoten gelöst, ihr Ringe und Ohrgehänge abgenommen. Bei allen im Hause Anwesenden werden die Kleider gelöst. So haben wir ein typisches Beispiel der sympathischen Magie vor uns. Es wird angenommen: so wie alles offen ist, so „soll sich auch der Schoß der Mutter öffnen". Die schweren Geburten hängen von folgendem ab. Es gibt zwei Bücher: der Rachiii