Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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48 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE Pessach kommen; allerdings handelte es sich hiebei um eine spezielle Pessachaussortierung. Reis diente überhaupt sehr viel als Fleischbeigabe statt Kartoffeln, und zwar jederzeit. Ein Feiertagsgericht war ein zusammengekochtes Essen aus Zwiebeln, Äpfeln und Rosinen, als Gemüse. Im Winter aß — und ißt man noch heute, soweit man sie sich verschaffen kann — Freitags und Sonnabends spanische Erbsen, auch beim Sochor. Eine Spezialität für Feiertage waren ferner die sogenannten portugiesischen Kuchen, ganz dünne, kleine, glatte, sehr butterige mürbe Kuchen, mit Nelkenpfeffer gewürzt. Bei den exotischen Juden. In Kairo alle Speisen scharf gewürzt, mit Sesamöl zubereitet. Bei den Jemeniten täglich für jede Mahlzeit frisches Brot aus Weizen, Buchweizen oder Gerste mit Bohnen und Hirse vermengt, alle Speisen sehr stark gewürzt, nicht wie in Bagdad gemischte Kost, sondern immer nur eine Art, entweder Fleisch oder frische Gurken, Melonen. In Derbend nach Tschorni, Reisen im Kaukasus, eine Fleischspeise „O s c h": Reis in Fleischsaft am Feuer getrocknet, darüber in Fett gebratene Eier, darüber wieder Reis, mit Rosinen und Gewürz bestreut, darüber abermals Reis, darüber gekochtes Fleisch, darüber nochmals Reis, darüber Fett. E f r a k i: ganz dünn geklopftes Rind¬ oder Kalbfleisch wird in gekochte Krautblätter gefüllt, das Ganze mit Zwiebeln, Rosinen, Pfeffer und Gewürz in angesäuerter Fleischsauce gekocht. Diese Sauce gießt man über das erwähnte „Osch", das zugleich mit Efraki aufgetragen wird. Am Spieß gebratenes Fleisch heißt Schampur. G h i n k a 1: aus Teig mit Ei werden dünne Kuchen gebacken, diese klein geschnitten, mit gleichfalls klein geschnittenem Fett vom Fettschwanz eines Schafes zusammen gekocht, dann Lauch fein gerieben, mit Essig gemengt und damit die Speise angerichtet. Dischbera: Pasteten, ebenfalls mit Lauch und Essig übergössen, sobald man sie aufträgt. G i n e j a i: Makkaroni mit Fleisch und kleinen Linsen gekocht, die Sauce gewürzt. Ghaschil: Schaf- oder Rindsfett mi Mehl gekocht, dann zerrieben, bis es ein< dicke Masse bildet, etwas Wasser und Gewün dazu und zuletzt mit Honig überzogen. In Z c h i n w a 1: nach Drusenart da: Fleisch halb gekocht. Geflügel: in Arag (Kau kasus) 4 Arten von Gänsen, 2 Arten Hühner 3 Arten Tauben, 2 Arten Schwalben. Tara das Kraut „Tara", mit Essig, Fleisch und Ro sinen gekocht. P i t u r i k: Farwel mit Fleisch Schaschlik: gesalzenes Fleisch, am Spiel gebraten, eventuell geräucherte Fische. In L e t s c h c h u m: alle Speisen mit dre Arten saurer Beeren zubereitet. Hochzeit in Derbend: Fleisch um Reismehl für die Braut. Trauermahl in Kutais: Chaza p u r a, Teig, mit Käse und Butter gefüllt, auc Eierkuchen mit Wein und Branntwein. Bc der Rückkehr von einem Begräbnisse reich man in P e r s i e n den Trauergästen gestoßen Kaffeebohnen, die man löffelweise verzehr Früchte, Rosenwasser, woran man riecht, un Tee, wTorüber immer der entsprechende St gensspruch laut hergesagt wird. Zu demselbe Zwecke stellt man (die Winterszeit ausgenon men) an Sabbat- und Feiertagen in Synagoge und Häusern Blumensträuße auf. Dasselbe g< schient bei Kiddusch und Hawdalah. Krankheit: In Algerien ißt man i Gesellschaft „K uskus" aus Hühnerfleisch. In Gefahr schlachtet man in Hami d a n Lämmer am Eingang des Friedhofes un verteilt das Fleisch unter die Armen. Nachtrag: Roscas de Purim b Grünbaum, Chrestom. 142, in Rumänie Pulido, Los Israelitas espanoles 155, in Bo deaux (rosque): Givot, Recherches 10. — Lissabon: Sijina oder Dafina (dem Schol entsprechend), Massapanes (Marzipar Queisos de amendoa D. Rodrigos, Käse n Mandeln, Morgado, Bessuilios (Baisers). Am Sabbatmittag werden auch hi zwischen Kiddusch und Mahlzeit allerhai