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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 47

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 47 (sequence 47)
Language
German
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AUS DEM JÜDISCHEN KOCHBUCH 47 Am Seder ißt man: das Ei, Fische, Suppe mit aus Bojus gemachten Klößen, Braten (meist Geflügel). Backwerk an Pessach: Krapfen aus Mazzothmehl, Ei, Zucker, Zitrone und Salz und Brumoelus aus geweichten Mazzoth, Ei, Zitrone und ein wenig Zucker, beim Auftragen mit Honig Übergossen. S e v 6 t (Schabuoth): E 1 m o n t i, das ist eine Torte, die den Berg Sinai darstellen soll, die zwei Gesetztafeln, eine Leiter, auf der Moses den Berg bestiegen, und die sieben Himmel, in denen Gott wohnt, aus mürbem Teig, Mehl, Eiern, Nüssen, Zucker, Öl und Zitrone (siehe oben). Rosch haschana: vor dem Abendessen werden Jehirazon's gesagt über Apfelstrudel, Spinatstrudel, Kürbiskuchen, Halwa (aus öl, Mehl, Zuckerwasser und Honig, manchmal auch mit Nüssen und Mandeln), einen Fischkopf, las d u 1 s u r a s, d. s. Marmeladen (der Zucker so gekocht, daß er flüssig bleibt, aus frischen Nüssen, Orangen, Erdbeeren u. a.), die einem Gast mit einem Glase Wasser zur Begrüßung vorgesetzt werden. Der Gast dankt mit: Sanus e saludosus (heil und gesund!), der Gastgeber antwortet: Otro untanto (das Doppelte!). Chanukka: bes. Halwa. Chamischa assar, genannt F r ut a s (Obstfest): man hängt an diesem Abend den Kindern mit ihrem Namen bestickte Säckchen aus Samt oder Seide um den Hals, die mit allerhand edlen Früchten, besonders gezuckerten und gerösteten Mandeln und Haselnüssen gefüllt sind (daher Frutas bolsas). Die Kinder haben lange Zeit ihre Freude daran. Der Sabbat vor P u r i m heißt S a bbato delosFulares (Fuhr aus einem Teig, der reichlich mit Ei gebacken ist). Purim bringt der Arme auf einer Platte (platico) ein mit einem Tuche bedecktes Scholet-Ei und erhält seine Gabe. Das Ei behält er. Man ißt Roskas i Pen du las d'a 1 c h a s u v, das sind Kränzchen und Stiele (pendula Federstiel, chaschuv hebr.), sexuelle Symbolik (nur an Purim!), aus feinem Mehl, Ei, Honig und öl, gefüllt mit Chaschuv, also „kostbarem" Inhalt, wie Nüssen, Öl, Zucker oder Honig. Andere Bäckereien sind: (B a c 1 a b ä (türkisch): Nußbeigei oder in Tortenform, B i s c o'c h u s (Biskotschus), spanischer Biskuit, zweimal gebacken (Zwieback). Zu Berit m i 1 a, Bärin i c v a und L i m m u d (Jahrzeit) beliebte Speisen: Papras entschidas, das ist gefüllte Paprika, F r e n k i s entschidas (gefüllte Tomaten), Japrakis entschidas (gefülltes junges Sauerkraut), N u g a d a, das sind Rebenblälter, mit faschiertem Fleisch gefüllt. Bei den Hamburger Portugiesen ißt man an Purim und Simchath Thora „Butterkuehen", der früher in Massen auch über See versandt wurde: 1 Pf. Mehl, 1 Pf. Zucker, 1 Flasche Rosenwasser, 1 Pf. Butter, 1 Pf. Rosinen, 1 Pf. Korinthen, K Pf. Sukkade, 50 g Gest (Hefe). /{» Pf. Mehl wird mit etwas Wasser und Gest angerührt, das läßt man rasten, bis es ordentlich aufgegangen ist; dann auf ein Rollbrett dick Mehl streuen, das gegangene Mehlstück darauf tun und immer etwas Butter und Mehl einrollen, bis beides aufgebraucht ist. Hierauf von dem Teig Streifen schneiden, nebeneinander legen, alle dick mit Rosinen, Korinthen und Sukkade bestreuen. Nun aufrollen und in eine mit Butter ausgestrichene Form nebeneinander aufstellen. Bei mäßiger Hitze hellbraun backen; inzwischen wird das Rosenwasser (eine Weinflasche voll) mit 1 Pf. Zucker dicklich eingekocht, und wenn der Kuchen hellbraun ist, nach und nach darübergegossen und weitergebacken, bis er richtig braun ist. Bevor Rosenwasser darübergegossen wird, muß der Teig mit einer Stricknadel probiert werden, ob er richtig gar ist. B o 1 e s de S a n t j e (Sanchez?) dasselbe, nur ohne Füllung. Zur Mazzah aß man ganz steinharten Käse, der gerieben auf die trockene Mazzah gestreut wurde. In Amsterdam wird an Pessach Reis gegessen und, da das Hamburger Oberrabbinat den Hamb. Reis nicht zuließ, ließen sich die dortigen Portugiesen Reis aus Amsterdam für

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