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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 46

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 46 (sequence 46)
Language
German
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46 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE gestoßener Vanille. In Kissingen werden einem Haman aus Teig die Hände abgeschlagen. In Unterfranken, Hessen, Baden ist „Haman" ein Stück Rauchfleisch, das nach dem Vorlesen der Megilla gegessen wird. Monelach (in Honig gekochter Mohn), Rußland. Purimk i n d e 1: Zucker, Vanille, Orangeschalen, Weißwein, 2 Eidotter, Mehl, Honig, Zitrone. In Ungarn: Kindl, PfefFerkränzel, Honigkuchen, Linzer T. — Fische, Suppe mit Krepplach (Pastetchen), Truthahn, Gemüse. Sprichwörtlich: „Krepplach essen sich auch zu", „er macht aus ihm Kreppelfleisch". Geriet das Gebäck gut, so galt dies als gute Vorbedeutung für das Jahr. — In Derbend: die Purimchalloth aus Teig, Wasser, Fett, Safran und Mohn (wie die Hamantasehen). — Teig aus türk. Weizen mit Fett, Honig und Gewürz, in Scheiben geschnitten. — Geschenke: Eier, Äpfel und Nüsse. An B r i t m i 1 a in Ungarn: zum Frühstück Butterkrapfen oder bei Ärmeren Kipfel, mittags: Fischpaprikas, das magyarische Lieblingsgericht. An Hochzeiten das „Chossenhündel" und die „goldene Jauch" (Hühnersuppe). An Weihnachten essen die ungarischen Juden P e n i z e 1, das bekannte gebähte, mit Knoblauch geriebene Brot. Über die Speisen der portugiesischen Juden in Hamburg erhielt ich Auskunft von Frl. A. Benezra, Hamburg, über die der Spaniolen, insbesondere in Belgrad, von Frau Dr. Thaler und Herrn D. Albachary, Wien, dessen Gattin einiges zu unserem Gegenstande in der Wiener „Wahrheit", 1917, Nr. 1, ff. veröffentlicht hat. Freitagabend: Unsere Barches kennt man im Orient nicht. Nach dem Kiddusch ißt man P e t i c a s, das sind kleine Brötchen aus weißem Mehl, die am Freitag, besonders auch für die Armen, gebacken werden. Die Mahlzeit besteht aus Scholet-Ei, Fisch und Pastel (Pastete), Marktorte, mit Fleisch gefüllt; feiner Teigstrudel, mit Fleisch gefüllt, heißt Mijina (sprich: Midschina), dann Fischon (Fisolen mit Zwiebeln geröstet), hierauf folgt meist der aus Polen eingeführte Lekach (aus Mehl, Ei und Zucker) Die Mahlzeit wird, schon wegen des Fisch essens, schweigsam eingenommen. Die Unter haltung beginnt erst beim Mese (türkisch) dem Nachtisch, der aus gerösteten Nüssen Äpfeln und dergleichen besteht und mit Weh genommen wird. Zum Desajuno (dem Dejeunei Breakfast, auch dem Wortsinne nach ent sprechend) wird man nach dem Morgengebe am Sabbat in der Vorhalle der Synagoge voi einer Hevra, so daß jeden Sabbat eine in angehörende Familie die Aufwartung besorgt bewirtet mit Frijaldicas (Butterteig, mi Käse oder mit Käse und Spinat gefüllt). B ä n i z a de Spinaca: auf eine Unter läge von Teig kommt die Füllung (Spinat) darüber wieder Teig, salzig (zum Unterschie( von Bäniza de leche, die mit Milch un< Eidotter bereitet wird). Tisch pischtji (durch und durcl voll Süßigkeit und Öl), Honigkuchen, nich spez. jüdisch, sondern türkisch (wie schon da Wort besagt), hierauf folgt das Sabbat-Ei mi einem Gläschen Schnaps. S a b b a t m i 11 a g: Chamin di tri go (Getreide), das ist Scholet, gebackene Fi sehe mit Agristada, das ist einer (durch dei Zitronenbeisatz säuerlichen) Fischmayonnaise dann Huhn, mit Gemüse gemengt, sodann Kje bäb (türkisch Braten) de marinsche n a s (kleine blaue Kürbisse, italien. Melau zani), zum Schluß Roskitas diguev< (Eierkränzchen aus Mehl, Eier, Zucke und Öl). Auch die Ss'uda sch'lischith, die de Vortrag zwischen Mincha und Maariv beglei tet und in Fisch, Backwerk und Schnaps be steht, wird in der Synagoge von der Hevr beigestellt. Pessach: Das Gha rosset au Wein, Äpfeln, Datteln, Zimt und Nüsser StaHt unseres Salzwassers gebraucht ma Essigwasser, statt, wie bei uns Mazzoth, i£ man B o j u s, das sind aus Reibmazzoth ge preßte Brötchen, die an Erev Pessach hergt stellt wenden und acht Tage lang genießba bleiben.

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