Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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AUS DEM JÜDISCHEN KOCHBUCH 45 Inden 9 Tagen: Fisch und Milchspeisen. Ereb Tischa beab: breite Nudeln ohne Füllung, Linsen mit Asche bestreut. Tischa beab, nach dem Fasten: weißer Kaffee oder Grüne Erbsensuppe. Roschhaschana: Gemieden wird in Essig Gekochtes, ebenso Nüsse, letztere angeblich, weil hebr. egoz (Nuß) dem Zahlenwerte nach gleich „chet" (Sünde) sei, und im Burgenland Geflügel, weil im Mageninhalt etwas Gestohlenes sein kann und man sich von dergleichen in den zehn Bußetagen besonders ängstlich fernhält. Gleichfalls für das Burgenland gilt: In den Selichot-Tagen „beißt man an" vor Tags. Denn in dieser Zeit fastet groß und klein, zumindest bis Mittag. Am ersten Morgen ißt man Kuchen, den die sorgsame Hausfrau am Freitag zuvor mehr gebacken hat, zu Sechor B'rith Backwerk frisch vom Ofen. Roschhaschana werden, wie am Neujahr bei den alten Römern und in Persien, Speisen verzehrt, die an sich oder, wie ähnlich schon im alten Babylonien zu beobachten ist, durch ihren Namen als gute Vorbedeutung für das neue Jahr gelten sollen, so Äpfel mit Honig, auch andere Süßigkeiten, Kopf eines Tieres oder Fisches (5. Mos. 18, 13), „Gott wird dich zum Haupte machen", das heißt fördern. Möhren (es „mehre sich dein Besitz"), Rüben (hebr. „raba", viel), fettes Fleisch. Sukkoth: Rußland: Barches in Honig getaucht. Abends mit Pfefferfisch begonnen, mit Gemüse beschlossen. Die ersten zwei Feiertage ißt man in Südrußland G o 1 u b z i (das ist ein gehacktes Fleisch, in Krautblätter gehüllt); die Speise an sich ist auch in Ungarn als „gefülltes Kraut" beliebt. In Rumänien, zum Teil auch in Galizien: Holubzes mit Fleisch und Reis gefüllt. Ähnlich in Rumänien Prokes (Fleisch in Weinblatt). Dort auch beliebt Karmatzen (Darm, mit Fleisch, Paprika und Knoblauch gefüllt). Fleckes (geklopftes Fleisch, auf Holzkohlengeröstet, und ein Salat, wie der italienische bereitet). Am Hoschana rabba werden die Barches in Litauen in Form eines Vogels gebacken. Der Himmel, so glaubt das Volk,, steht am H.r. offen und dieser Vogel bringt aus ihm die endgültige Bestimmung des Schicksals für das neue Jahr herab. Am Schemini Azereth, an dem man um Regen betet, aß man zu Mittag als Suppenmehlspeise sogenannte „Regenwürmer"; es waren langgezogene Schupfnudeln mit zugespitzten Enden (Burgenland). Simchath Thora: Fladen (mürber Teig mit Mohn, Äpfeln, Nüssen und Marmelade) (Böhmen). Issruchag: Reste, kalter PfefTerfisch, kalter Putenbraten, nur der Borscht war frisch (Rußland). Ghanukka: Rußland: Latkes (Flinsen, „zu Latkes laden"), aus Buchweizenmehl mit Gänsefett und Honig, auch aus Weizenmehl mit Hefe, eingemachten Früchten und Zucker. Kalte Schale: Bier, Öl und etwas Zucker. Schwarzbrot, klein geschnitten, mit Zucker und Ingwer bestreuter Zwieback. Gänsebraten mit saueren Beilagen, Sauerkohl und Gurken, Konfitüren, Früchte, Rosinen und Mandeln. Von der Gans: Gänsehals (siehe oben), gefüllt mit Weißbrot, in Fett gebratenen Zwiebeln, Ingwer, Salz, Ei und' Thymian. Sprichwörtlich: („ä Bäleg und zwei Diachten")- Gänseklein, „Pipek" (Geflügelmagen). In Kissingen: geriebene Kartoffeln mit ausgelassenem Fett. Allgemein Käse und Milchspeisen. Purim: Hamantaschen (dreieckige Mohnkuchen). Rußland. Hamansohren: Nudelteig, vierekkige Stücke herausgeschnitten, die Ecken umklappen, in Öl gelb backen, mit Zucker und