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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 37

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 37 (sequence 37)
Language
German
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DIE SYMBOLIK DES KÖRPERS 37 bekannten Sage von Alexander dem Großen und dem Totenschädel in Verbindung und sagt, daß seiner Ansicht nach daher der Brauch kommt, dem Toten gleich nach dem Verscheiden die Augen zuzudrücken. „Damit es aber nicht aussähe, als wollte man dem Toten symbolisch kundtun, daß nun alle seine Begierden zu Ende seien und er im Leben ein Knecht seiner Begierden gewesen sei, sollen Kinder oder Nahestehende die Liebespflicht, die iVugen zuzudrücken, erfüllen, um kundzutun, daß all sein Streben bis nun ihrem Glücke galt und sie (die Kinder) der Inbegriff seiner Wünsche waren/' Toldolh Menachem102) erklärt den Brauch mit Aboth II ,,das böse Auge bringt den Menschen aus der Welt''. Nach Baba Mezia 107 „sterben von hundert der Menschen neunundneunzig durch den bösen Blick und dieser ist schuld an dem Tode dessen, der den bösen Blick hat, wie derer, denen er gilt. Daher sollte Josef, über den nach Talm. Berachoth 20 der böse Blick keine Macht hatte, Jakob die Augen zudrücken, um kundzutun, daß Jakob nicht durch den bösen Blick sterben werde". — Ich halte eine einfachere Symbolik und Erklärung für richtig. Die Toten werden als die im Staube Schlafenden103) bezeichnet. Die Schlafenden haben die Augen geschlossen, daher schließt man den Toten die Augen, damit sie Schlafenden gleichen. Das Waschen der Augen mit dem Habdalaweine Der Brauch mit dem Reste des Habdalaweines die Augen zu waschen, bedeutet symbolisch chibbub mizwa104), das heißt die innige Liebe zum Gebote. Nach anderer Ansicht handelt es sich nicht um den Wein, sondern um das Wasser, mit dem man den Becher nach dem Segen ausschwenkt (Kolbo), ferner darum, daß der Wein als Heilmittel für die Augen gilt (vgl. „Wein")105). . Der böse Blick Abgesehen von der wirklichen Gefahr, die man dem bösen Blick zuschreibt, ist er Symbol für Haß und Mißgunst. Wegen des bösen Blickes ist Ex. 33 die Abgabe des halben Schekels bei der Zählung angeordnet. Man zählt darum Anwesende mit der negativen Zahl (nicht eins...), läßt Vater und Sohn oder zwei Brüder nicht hintereinander zur Thora aufrufen106) und zwei Brüder oder Schwestern nicht gleichzeitig Hochzeit halten. Dem Kinde hängt man ein Täfelchen mit- ,,Schaddai" oder einem Hebräischen „H" als Schutz gegen den bösen Blick um107). WEINEN Die Träne quillt aus dem Auge des Menschen im Schmerz und in der Freude; sie ist daher das Bild der Trauer oder der Freude, hauptsächlich jedoch der Ausdruck seelischen und körperlichen Schmerzes. „Weine nicht unter Lachenden, lache nicht unter Weinenden," heißt soviel wie Freude nicht durch Trauer, Trauer nicht durch Freude stören. „Wenn sich die Tore des Gebetes verschließen, die Tore der Tränen bleiben unverschlossen"108), symbolisiert die Macht

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