Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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34 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE des Bart-Ausreißens, -Versengens oder am Barte raufen. Die italienischen Juden haben sich schon früh das Rasieren erlaubt70 a). Haarschneiden Bart und Haupthaar nicht schneiden, sondern wachsen lassen, ist, wie schon erwähnt, ein Symbol der Trauer. Im Gegensatz dazu soll man ,,zur Ehre des Sabbats oder Festtages71) das Haar rechtzeitig schneiden lassen72). Das Schneiden geschehe aber nicht am Donnerstag, damit das Haar nicht am Sabbat zu wachsen beginne73). Besonders betont Manhig (S. 51 b), daß das Haarschneiden am Vortage des Neujahrsfestes der Würde des Tages entspricht und man gerade am ,Tage des Gerichtes' nicht mit wildem Haare erscheine, sondern mit geordnetem und in weißen Kleidern...", weil wir festes Vertrauen haben, daß Gott uns mit freisprechendem Urteil entläßt und wir dies in unserem Äußern schon bekunden74). Die Haare mit zunehmendem Monde schneiden zu lassen, ist ein Volksglaube, der im Ritus keinerlei Begründung bat, sondern annimmt, daß der wachsende Mond das Wachstum befördere, weshalb ein Gleiches für die Fingernägel behauptet wird. Das Gebot Lev. 19,27 „Ihr sollt nicht rund abscheren die Ecke eures Hauptes" wird bereits seit alters dahin verstanden, daß sie gleich sein sollen mit dem Haare unter dem Ohre und mit der Stirne, damit der Kopf um und um gleichgeschoren sei, weil das Haar unter dem Ohre höher isteht als das Haar an der Schläfe75). Daraus ergab sich die Pflicht, das Haar an den Schläfen wachsen zu lassen und entstanden die Schläfenlocken, die verstümmelt aus dem hebräischen Worte „Peoth"-Ecken „Pajes" genannt werden76). In dieser Sitte ist keine Symbolik gelegen, sondern sie dürfte besonders durch dias Privileg Kasimirs bei den polnischen Juden ihre Verbreitung gefunden haben77). Für die Art des Haareschneidens ist bemerkenswert, was Leket Josoher (II, S. 50) berichtet: „Ich erinnere mich, daß er (Isserlein) sein Haupthaar und die „Peoth" nicht kürzen ließ, aber den Nacken mit dem Messer bis oberhalb der Ohren ausrasieren ließ und so ließ sich auch der Gaon J. Weil den Nacken rasieren." Als eine religiöse Pflicht gilt, die Haare schneiden zu lassen, wenn man aus dem Gefängnis kommt78). AUGE Aba Isa b; Jochanan sagt im Talmud79): Die irdische Welt gleicht dem Augapfel des Menschen; das Weiße darin ist der Ozean, der die Welt umgibt, das Schwarze darin gleicht dem Festlande; die Wölbung darüber ist Jerusalem und das Bildchen (Pupille) ist das' Heiligtum. Jerusalem ist das Auge der Welt. Vgl. dazu „Richtung nach Osten". Das Auge ist der Spiegel der Seele, daher ist die Gesinnung — im guten wie schlechten Sinne — darin erkennbar. Es gibt einen Blick des Hochmutes und einen der Demut. Wohlwollen ist gleichbedeutend mit „ajin hatow", dem guten Auge; Neid, Mißgunst, Verderben wird durch ,,ajin hara", ,,ena bischa", das mißgünstige Auge, schlechte Auge" bezeichnet. Die Augen werden „Unterhändler der Sünde" genanntso), weil der