Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SYMBOLIK DES KÖRPERS 31 war, die Benediktion mit entblößtem Haupte zu sprechen, und am Simchath Thora die Kinder barhäuptig aufgerufen wurden, wrie auch Haskara barhäuptig gehalten wurde. Manhig (S. 39b) führt dagegen ausdrücklich an, daß es zu seiner Zeit in Zorfat (Frankreich) Minhag sei, daß derjenige, der eine Benediktion spricht, sein Haupt verhülle oder einen Hut aufsetzt. Manhig tritt auch sonst für die Kopfbedeckungspflicht ein. Er sagt (S. 15b): Es ist ein Minhag, nicht entblößten Hauptes zu beten aus Gründen der Ehrfurcht vor Golt, weil es heißt: „schivithi H' rnegdi", und da die Herrlichkeit Gottes oberhalb des Hauptes des Menschen ist, soll der Mensch bedeckten Hauptes gehen, um seine Bescheidenheit und Ehrfurcht vor dem Weltenherrscher kundzutun. Schließlich bestimmt er, daß die Pflicht nicht nur für die Zeit des Gebetes, sondern den ganzen Tag über gelte50). Verfolgt man die verschiedenen Ansichten in dieser Frage, so ergibt sich, daß man e>s mit einer Sitte zu tun hat, die zum Symbol der Ehrfurcht vor Gott geworden ist-. Es läßt sich auch behaupten, daß sie es in ältester Zeit war, worauf Ex. 3,6 u. a. deutlich genug hinweist, ferner daß sie auch in der Zeit des Exils bestanden hat, aber man kann wohl ebenso behaupten, daß sie zum Symbol für das Judentum erst im Abendlande durch den Gegensatz zum christlichen Brauche wurde. Nicht ohne Bedeutung ist darum, was Abudraham (S. 28) sagt: „Der Grund für den Segensspruch ,oter jisrael' ist, weil sich die Israeliten einen Kopfbund umwinden, damit sie nicht ,begilui harosch' einhergehen, und so sagt Israel hier, weil die Herrlichkeit Gottes auf ihnen und nicht auf den Umwohnern ruht, und in allen Ländern des Islam haben sie den Brauch, es zu sagen, weil sie den Kopfbund auf ihr Haupt legen, aber in Jenen' Ländern57) sagen sie es nicht, weil sie keinen Kopfbund tragen." Hier ist deutlich die Beeinflussung durch die Umgebung zu erkennen. Ebenso ist von entscheidender Wichtigkeit für die Beurteilung der Sitte, was Mag. David z. Or. ch. 8,2 sagt: ,,Es erscheint mir als ein ausgesprochenes Verbot aus einem anderen Grunde, und der ist, weil es jetzt unter den Nichtjuden ein Gesetz ist, ständig so zu tun, sogleich nach dem Niedersetzen den Hut abzunehmen, somit ist das Verbot inbegriffen in ,nach ihren Gesetzen sollt ihr nicht gehen4, um so weniger nach diesem, weil das Bedecken des Kopfes auf Gottesfurcht abzielt." Ohne Zweifel hat die Sitte des Abendlandes, den Hut abzunehmen, wiederum die "gegenteilige bei den Juden besonders befestigt und man kann die Bemühungen sehen, die gemacht wurden, um dem Symbol zu einer entsprechenden Würde zu verhelfen. So schreibt K. Sch'lo (S. 68): „Man muß jene Leute verwarnen, die, sobald sie ins Gotteshaus kommen, sofort den Hut vom Kopfe nehmen und nur mit einer Mütze, ,Käple' genannt, dastehen. Sie tun nicht recht, denn nicht nur, daß sie keine Bedeckung, die man die »breite Haube' nennt, haben, wie es in unseren Gemeinden üblich ist, nehmen sie sogar den Hut vom Kopfe. In Wahrheit aber ist es gut, daß sie den Hut aufbehalten, denn die Bedeckung des Hauptes ist Ehrfurcht vor Gott. . . und es ist recht, daß jeglicher Rabbiner in seinem Bezirke darauf achte, und bei einer Strafe von 100 Gulden jeden, der es vermag, verpflichte, sich Sarbel