Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2638044-2638113-2638114--3290-2641502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

28 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE sieht" ergänzt er mit dem Worte „um zu beten" und sagt, daß daher die Sitte des Angesichtsenkens beim Gebete kommt. Es bezwecke: Ehrfurcht vor Gott, den Ausdruck von Seelenschmerz und Demut und endlich zu zeigen, daß die Sinne schweigen und die Begierden untätig sind. Es entspricht auch dem Verhalten der Engel, die aus Scheu vor Gott ihr Antlitz sinken lassen. Im ganzen liegt in dieser Symbolik der Ausdruck des Sünden- und Schuldbewußtseins und der Bußfertigkeit. Die Ebrfurcht vor Gott sowie die Anerkennung Gottes drückt schließlich das Beugen des Körpers, die Verbeugung gegen Osten bei bestimmten Gebetstellen aus. Manhig (S. 52 a) sagt, daß derjenige, der in seinem Urteile abhängig ist, seine Bitte unter Verbeugungen vortrage; da wir tagtäglich von dem Urteilsspruch Gottes abhängen, so ziemen unserem Gebete Verbeugungen; er verweist auf das Beispiel Salomos und Daniels. Wie weit, bezw. wie tief die Beugung sein soll, besagt im allgemeinen der Ausspruch R. Tanchums41): „Der Beter beuge sich, bis ■herausragen und gesehen werden die Knochen der Wirbelsäule" jedoch soll sich das Haupt senken42). Für die Beniediktionen gilt, man beuge sich bei ,,Gelobt" und richte sich auf bei dem Namen Gottes, was einerseits mit der Psalmstelle (146,14) „Gott richtet auf die Gebeugten", anderseits mit Mal. 2.5 „und vor (temporal zu verstehen) meinem Namen beuge er sich" begründet ist43). Das Beugen geschehe würdevoll, indem die Neigung schnell, das Aufrichten langsam, zuerst durch Heben des Hauptes, dann durch das des Körpers vor sich gehe. Von Wert ist die Bemerkung des R'mo, daß Beugungen nur an den Stellen vorgenommen werden sollen, die in der Liturgie dafür bestimmt sind, denn wer sich allzuviel beugt, könnte den Anschein erwecken, als wollte er frömmer als die ganze Gemeinde sein44). Von besonderer Art ist das Verneigen beim „Ausgehen" sowohl beim Achtzehngebet wie bei Kaddisch. Bei den Worten „er schafft Frieden", wendet man das Angesicht nach links, bei den folgenden nach rechts und dann erst neige man sich nach vorwärts45). Diese dreifache Abstufung entspricht symbolisch dem Vor gange, den die Priester im Heiligtume nach dem Darbringen des täglichen Opfers zu beobachten hatten, indem sie vom Altare bis zur Stufe drei Absätze hatten und außerdem das Hingehen von rechts, das Weggehen von links geschah. Ebenso sollen die Vorbeter ein dreifaches Beugen beim Sprechen des Priestersegens beobachten, „um symbolisch die Gnade Gottes wachzurufen", und zwar geschehe es zuerst nach rechts, dann nach links und wieder nach rechts, was der Ausdruck dafür sei, daß Gottes Barmherzigkeit über das strenge Recht siege (K. Sch'lo, S. 61 a). Der Weg Das Gehen im Dienste Gottes, wie etwa „Wallfahrten", gibt es, wenn man von der Pflicht des dreimaligen „Hinaufgehens" nach Jerusalem in der alten Zeit absieht, im jüdischen Kultus nicht. Das Begleiten der Toten auf den Friedhof, die Teilnahme an dem feierlichen Zuge der Braut gehört zu den verdienstlichen Werken (Vgl. Midrasch der Königin Isebel, Jalk. Mel. 232, Pirke de'R. Elies. P. 17),

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.