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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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DIE SYMBOLIK DES KÖRPERS 27 soll auch nichts trennend zwischen den Füßen des Beters und dem Erdhoden sein, obwohl Beth Josef dafür keine Begründung weiß und At. sek. solches nur als „besondere4' Frömmigkeit ansieht, während Hman den Brauch hat, am Jomkippur Heu, am Tischabeab Matten auf den Erdboden zu breiten, da man ja bekanntlich an diesen beiden Tagen ohne Lederschuhe die Andacht verrichtet37). Maharil hatte ein Brett über den Steinfließen des Bodens, auf dem er stand; wenn er aber das Achtzehngebet verrichtete, schob er es beiseite, um auf bloßem Boden zu stehen38). So wird auch von manchen als besondere Frömmigkeit angesehen, den ganzen Jomkippur sich nicht zu setzen, sondern von morgens bis abends zu stehen39). Darin liegt jedenfalls mehr eine Erhöhung der Selbstkasteiung, die jedoch nicht soweit gehe, daß man auch die Nacht über stehe, da man sonst nicht Andacht für das Gebet des Tages aufbringen könnte. Der Grund für den Brauch ist die Symbolik, daß Israel an diesem Tage den Engeln gleiche; wie die Engel vor Gott stehen, so stehe auch Israel. Dem Worte Moses „und ich warf mich vor Gott nieder4' entspricht das Sichniederwerfen. Es ist das Zeichen der Unterwerfung, der Anerkennung der Macht, der Ehrfurcht vor dem Hohen und dient der Unterstützung von Bitten und Anliegen. Diese Art der Selbstdemütigung, im Altertum und in früherer Zeit sehr verbreitet, hat sich im Kultus des Judentums noch in der Aboda des Versöhnungstages, bezw. bei Alenu am Neujahrs- und Versöhnungstage erhalten. Auch dieser Brauch scheint aber erst um eine bestimmte Zeit in den Gemeinden aufgekommen zu sein, da ihn ältere liturgische Werke nicht erwähnen. Or. ch. 721,4 x\nm. erwähnt der R'mo: „Es besteht der Brauch, auf das Antlitz zu fallen, wenn man ,,.. . w'ha-kohanim w'ha'am" sagt und auch bei ,,'alenu.. Es kann kein Zweifel bestehen, daß der Brauch in direkter Anlehnung an den Gebettext, der den Vorgang von ehedem im Allerheiligsten schildert, Eingang gefunden hat. Bei diesem Niederfallen wird nun beobachtet, eine Unterlage hinzulegen. Die Minhagim (S. 26 a) verzeichnen daher, daß in Brünn der Brauch, Heu ins Gotteshaus aufzustreuen, darauf zurückgehe, ebenso die Sitte, den Talith auf dem Boden auszubreiten. Ein anderer Brauch bestimmt, daß zwei Männer den Vorbeter nach der Aboda aufheben, damit der Vorbeter, der während des Gebetes seinen Platz nicht ändern darf, durch die Unterstützung beim Auf stehen wieder an dieselbe Stelle wie vorher gelange. Darum soll man, meint K. Sehloh (S. 96 b), die Vorbeter aufmerksam machen, daß sie sich vor Wiederholung der Tefila schon von dem Tische etwas entfernt stellen, damit sie niederfallen können, ohne ihre Stelle zu verlassen. Eine mindere Art stellt „nefilath apaim", das Senken des Angesichtes dar, wie es bei der Bußbitte (tachniun) beobachtet wird. Der Beter setzt sich und läßt das Angesicht auf den Arm herabsinken, und zwar beim Morgengottesdienst, da man die Tefilin am linken Arm hat, auf den rechten, sonst wie beim Mincha au f den linken40). Die Symbolik dieses Vorganges hat Bachja b. Ascher in seinem Kommentar zur Thora (Midrasch) Abschnitt Korach (IV, 16,22) ausführlich behandelt. Die genannte Stelle „sie fielen auf ihr Ange-

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