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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 26

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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26 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE 1. wa'escheb, 2. amad'thi, 3. wa'ethnapal31); damit ist gesagt, daß für das Gebet Sitzen, Stehen und Niederfallen in Betracht kommt, und zwar Sitzen für die Psalmlobpreisungen des Morgengebetes, Stehen für das Achtzehngebet und Niederfallen für die Bußebitte (Tach'nun). Sitzend das Gebet verrichten gilt für alle Stücke, für welche Stehen nicht ausdrücklich vorgeschrieben ist. Besondere Bedeutung kommt dem Sitzen des „Sandek" zu, der während der Beschneidung das Kind auf seinen Knien hält. Die Schenkel des Sandek werden in diesem Falle dem Altare verglichen, auf dem das heilige Räucherwerk dargebracht wurde32). Neben den Sitz des Sandek pflegt man den Kise schel Elijahu, den Sitz für Elia, den Zeugen des Bundes zwischen Gott und Israel, zu stellen. Sitzen ist aber auch das Zeichen der Trauer, insbesondere das auf der Erde Sitzen ohne die übliche Sitzgelegenheit, nach der Stelle Threni 3,28 „er sitze einsam und stumm". Nach Ansicht einzelner begann man mit dem Niedersetzen bereits nach Schließung des Grabes auf dem Rückwege, indem sich die Trauernden siebenmal, nach anderem Brauche dreimal niedersetzen, was ein Mittel sein sollte, um die Geister, die vom Friedhof den Menschen begleiten, zu vertreiben33). Das Sitzen der Trauer dauert für den Trauernden sieben Tage. Die gleiche Gepflogenheit beobachtet man im Gotteshause am Tischabeab34), für den alle Zeichen der Trauer gelten. Manche sitzen bereits bei der Mahlzeit, die dem Fasttag vorangeht, zur Erde, damit sie möglichst armselig und dürftig sei, weshalb sogar nicht drei Leute zusammen speisen sollen, sondern jeder einzelne für sich allein esse und bete. Eine andere Symbolik liegt in dem angelehnten Sitzen am Sederabend35). Wie aus der Hagada erhellt, bedeutet es in diesem Falle das Zeichen des freien Mannes im Gegensatze zum Sklaven, da in alter Zeit die Mahlzeit liegend eingenommen wurde. Da für unsere Zeit ein ,,Liegen bei der Mahlzeit" nicht in Betracht kommt, so ist das angelehnte Sitzen an dessen Stelle getreten. Die stehende Haltung ist nach dem Bilde „des Dieners vor sein ein Herrn" der Ausdruck für die Achtung, die man Gott schuldig ist. Stehen wird daher für alle wichtigen Gebete, besonders solche die dem Bibeltexte entnommen sind, vorgeschrieben, vor allem für die Tefila und Kaddisch. Die Erfüllung einer Anzahl von Geboten muß stehend geschehen. Abudraham (S. 30) gibt das Merkwort 'a-l-c scih-l-m, das in seinen Buchstaben auf Omerzählen, Lebana-gebet, Zizith, Schofar, Lulab und Mila hinweist; kasuistisch wird es aus dem Deut. 16,9 bei dem Omergebote gebrauchten Worte „baqqama", das in „bequma" „stehend" umgedeutet wird, gefolgert und weiter auf die Tatsache, daß allen diesein sechs Geboten das Wörtchen „lachem" gemeinsam ist, bezug genommen, um die Pflicht des Stehens für alle sechs abzuleiten. Indes gibt es noch eine große Anzahl Gebote, die stehend erfüllt werden müssen, wie Halle!, Megilla, Tefilin, Priestersegen, Keriv und andere. Die Pflicht des Stehens wird aus der eingangs erwähnten Gleichstellung des Gebetes mit dem einstigen Opferdienst gefolgert30): wie es von den Priestern, heißt (Deut. 18,5) ,,zu stehen, um zu dienen im Namen Gottes", so muß auch der Beter stehend Gott dienen. Darum

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