Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SYMBOLIK DES KÖRPERS 25 bemerkt, daß „der Großvater R. Isak bis zur 4. Woche nicht auf seinem Platze gesessen war, aber er seinen Grund dafür nicht verstand41. „Das Schaukeln" Die wiegende Hin- und Herbewegung des Körpers beim Gebete wird in manchen Kreisen als religiöse Pflicht betrachtet. Or. ch. 48,T Anm. schreibt: Die Rigorosen haben den Brauch, sich während der Thoralektion in Nachahmung dessen, daß die Thora unter Beben gegeben wurde, hin- und herzubewegen und ebenso wenn sie beten in Entsprechung des Verses „Alle meine Gebeine sollen sprechen: O Gott, wer ist dir gleich!" Abudraham25) bezieht sich noch auf Ez. 20,18 „Das Volk sah es und erbebte" und bemerkt, daß die Bewegung des Körpers geschieht, damit alle Knochen mittätig seien, die Einheit, das Lob und den Preis Gottes zu verkünden. Manhig (15 b) weiß, daß es auch Sitte bei den Rabbinen und Frommen in Frankreich ist und Machsor Vitry (S. 268) empfiehlt bereits, daß man schon die Kinder gewöhne, den Körper hin- und herzubewegen, wenn sie lernen. Nach dem Angeführten kann kein Zweifel bestehen, daß diese Art der Körperbewegung zunächst nur das „Lernen" begleitete. Auch Kusari II, 79 spricht in der bekannten Stelle hauptsächlich vom Lernen „um die animalische Wärme aufzuregen". „Ich glaube aber," so fährt er fort, „daß es eben von dem kommt. Da nämlich viele zugleich lesen wollten, so war dies nur möglich, indem sich zehn und mehr um ei n Buch vereinigten. (Deswegen sind unsere Bücher auch groß.) Jeder der zehn mußte sich immer beugen, um das Wort anzusehen, und wieder zurück, und sich wieder beugen und wieder zurück, indem das Buch auf der Erde lag"26). Den Übergang vom Lernen zum Beten hat wohl der Einfluß des Sohar27) gefördert. Denn dieser spricht von der göttlichen Seele Israels, die aufflammt nach allen Seiten, und die Kraft des Gotteswortes flammt aus den Seelen durch die Körper, daß sie sich dahin und dorthin bewegen, wie die Flamme nach allen Seiten züngelt. Es ist wohl sicher, daß die rhythmische Bewegung des Körpers tatsächlich als Mittel gebraucht wurde, um eine besondere Anregung dem Lauf der Gedanken zu verschaffen, wie es in ekstatischer Form von den Propheten jüngern, den Jorde merkaba und anderen Sekten andrer Völker des Orients bekannt ist. At. sek.2S) schreibt bereits vor, daß man den ganzen Körper von rückwärts nach vorwärts bewege und diese Bewegung beim Achtzehngebet verboten sei. Maharil hat diese Bewegung noch von vorwärts nach rückwärts und von rückwärts nach vorwärts ausgeführt29). Immerhin ist das Schlußwort des Magen Ahr. sehr bezeichnend, daß es nicht darauf ankomme, ob man nach dieser oder jener Art verfahre, sondern nur daß man die richtige Andacht habe. Sitzen, Stehen, Beugen Or. ch. 98,4 sagt: „Das Gebet ist an Stelle des Opfers," bezieht sich hauptsächlich auf das Achtzehn gebet, bezw. Tefüa und Mussaph. Ansonsten gilt, was Abudraham30) von dem Verhalten Moses am Berge Sinai als Hinweis für die Haltung beim Gebete folgert. Dort heißt es: