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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1929-01-01 · 1 (1929) · p. Seite 24

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
31/32 (1929)
Issue
1 (1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE nach Osten gesprochen, gelten die Betsitze an der Ostwand als bevorzugt. Die Auswirkung dieser Bestimmung erstreckte sich bis in die Wohnstube, in der die Ostwand mit der sogenannten Misrachtafel, schlechthin „Misrach" genannt, kenntlich gemacht wird. Der Zweck ist leicht erklärlich, man sollte auch daheim die Richtung für das Gebet und die geistige Versetzung an die heilige Stätte Jerusalems vor Augen haben. Dies war wichtig aus Gründen der An dacht, aber auch, wTeil man in der Richtung nach Osten keinerlei unwürdige Geschäfte besorgen sollte20), desgleichen die Schlafstelle zwischen Norden und Süden gestellt wurde21). Auch auf dem Friedhofe werden die Gräber so gegraben, daß die Toten mit dem Gesichte nach Osten zu liegen kommen. Die Symbolik der Ostrichtung ist gewissermaßen ein geistiges Band, das das Galuth mit dem einstigen Mittelpunkte verbindet und die Heiligkeit des ehemaligen Tempels zur Hebung der Andacht in die Gemüter hineinträgt. Die Wendung zur Wand Die Würde des Gottesdienstes erfordert eine durch nichts gestörte Andacht. War schon diesem Zwecke zuliebe der „bestimmte Platz" dem Beter anempfohlen, so empfiehlt sich weiter, das Gesicht beim Beten der Wand zuzukehren. R. Jose sagt, daß sich der Mensch beim Gebete mit dem Gesichte gegen eine Wand wende, aber nicht in der Mitte des Hauses bete22). Begründet wird diese Ansicht mit dem Satze (Jes. 38,2) „Hiskia wandte sein Gesicht gegen die Wand und betete zu Gott". Demnach darf kein Gegenstand trennend zwischen Beter und Wand sein23), damit die Andacht nicht abgelenkt werde; auch soll man nicht zu nahe der Türe stehen (siehe weiter „Auge). Veränderung des Platzes Wer in Trauer kommt, soll seinen Platz im Gotteshaus für die Zeit des Trauerjahres ändern. Dieser Brauch geht auf eine Bestimm tun g im Talmud moed katan 22 b zurück: „Wenn der Vorsitzende des Lehrhauses stirbt, so bleibt das Lehrhaus geschlossen, und man geht in das Bethaus, wo man die Plätze wechselt; die sonst an der Nordseite sitzen, nehmen an der Südseite Platz, und die von der Südseite begeben sich an die Nordseite.'4 Diese Bestimmung verzeichnet auch Jore dea 344,18 und Sepher toz'oth chajim S. 102 ordnet an, daß man noch bis zur ersten Jahrzeit am Schlüsse des Trauerjahres auf dem besonderen Trauerplatze stehe. Als Erklärung dafür gibt Toldoth Menachem24), daß 1. die Veränderung des Platzes die Erinnerung an die Toten wachrufe, und 2. um den übrigen Betern die Pflicht, Gemilath diesed zu üben, den Trauernden zu trösten, vor Augen zu führen, das heißt, daß jeder wisse, daß ein Trauernder im Gotteshause ist. Ich habe eine andere Erklärung gehört; die Veränderung des Platzes geschieht wegen des Satans, des Anklägers, der den Menschen sucht und dem Todesengel angibt. Um ihn also zu täuschen, verläßt man die gewohnte Stelle. Ich glaube, daß die Stelle Moed Katan 23 a „er sitze nicht auf seinem (gewohnten) Platze" dafür maßgebend war, wozu Tossaphot

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