Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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DIE SYMBOLIK DES KÖRPERS 23 Hohen nicht den Rücken zuzukehren, sondern mit dem Blick auf ihn rückwärtsgehend sich zu entfernen, belegt die Erzählung von R. Josua und Simon b. Antipatres12). So ist es auch Sitte, zum Empfange der Braut ihr entgegenzugehen, weshalb man sich bei dem Sabbathlied bei der Stelle ,,Ziehe ein in Frieden. . . ziehe ein, du Braut4, mit dem Gesicht dem Eingange zuwendet, wie wenn man einem Könige oder einem Brautpaar entgegenginge13). Magen Abr. (263,•>) erwähnt, daß es in einzelnen Gemeinden Sitte war, bei dieser Stelle zum Zeichen der Begrüßung aus dem Gotteshause in den Hof zu gehen. Schuck14) spricht von „einem Schritte", um den Sabbat ehrenvoll zu empfangen. Die Richtung nach Osten Die Bestimmung lautet: „Wer sich außerhalb des Landes Israel zum Gebete stellt, wende sein Angesicht gegen das Land Israel und versetze sich im Geiste, als stünde er in Jerusalem gegenüber dem Allerheiligsten15)." Der Talmud10) leitet die Richtung nach Osten aus dem bekannten Gebete Salomos (I. Kön. 8) ab, daß „ganz Israel das Herz nach einem Orte richte4'. Die Ostrichtung gilt daher für diejenigen, die westlich von Jerusalem wohnen, während die im Osten von Jerusalem Wohnenden sich westlich, die nördlich nach Süden, die südlich nach Norden zu wenden haben. R. Abin zieht den Vers des Hohen Liedes 4,4 heran und erklärt das Wort talpioth „die Warte, dahin jeder Mund gerichtet ist". Tossaphot bemerken dazu „darum wenden wir uns nach Osten". Mit dieser Ostrichtung hängt auch die Bauweise der Gotteshäuser zusammen. Or. ch. 90,4 ordnet an: „Man muß Türen oder Fenster gegen Jerusalem öfl'nen, um ihnen gegenüber zu beten, und es ist recht, daß ein Gotteshaus zwölf Fenster habe." Diese Bestimmung wird im Talmud17) auf einen Ausspruch R. Chija's im Namen R. Jochanans zurückgeführt und mit dem Verhalten Daniels (Dan. 6sll) begründet: „und geöffnete Fenster hatte er in seinem Erker gegen Jerusalem hin." Schon Rasohi hebt auf die symbolische Bedeutung dessen ab, „das veranlaßt, daß das Herz des Beters andächtig werde, denn blickt er zum Himmel, so wird sein Herz demütig". Es handelt sich demnach um Fenster (in unserem Sinne) die den Ausblick zum Himmel gestatten. Darum sagt bereits At. sek., es müssen nicht alle Fenster gegen Osten sein, sondern sollen vielmehr nach verschiedenen Richtungein sein und erzählt bei dieser Gelegenheit, daß er bei seinem Großvater, der ein besonderes Bethaus in Wien hatte, gesehen, daß er je drei Fenster nach jeder Richtung einbauen ließ. Die Zahl zwölf, die für die Fenster gewählt wurde, geht auf den Sohar zurück und wird mit den zwölf Stämmen des Volkes in Beziehung gebracht. Die strenge Wendung gegen Aufgang der Sonne gilt wegen der „Minim" als unstatthaft18 und wird vom Lebusch eine südöstliche Richtung der „Ostwand" verlangt10). In unseren Gegenden ist die Ostrichtung für die Bauweise der Gotteshäuser bestimmend und wird die H. Lade an ^der Ostwand angebracht. Der Vorbeter steht nach Osten gewendet, wovon eir nur bei einzelnen bestimmten Gebetstellen abw eicht; die bevorzugten Gebete werden von der Gemeinde in der Wendung