Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE Ez. 3.12 „es hob mich ein Wind empor und ich hörte hinter mir eine Stimme gewaltigen Getöses: Gepriesen sei die Herrlichkeit Gottes von seiner Statte'' und das heißt: wie ich die Heiligung Gottes hörte, war es, als hätte mich ein Wind emporgehoben. Kizzur Sch'lo (S. 55 b) beschränkt die Sache darauf, daß es genüge, mit beiden Fersen den Körper von der Erde emporzuheben, während Tanchuma noch von dem „ganzen" Fuß redet. Die Symbolik ist durch die Erinnerung an die Pro phetenvision gegeben, findet sich aber auch noch bei der Mondesbenediktion (mekadesch lewana), wobei Kizzur Sch'lo (77 b) bemerkt: Die Beugung der Knie soll unterbleiben, damit es nicht den Anschein habe, als würde man sich vor dem Monde beugen. Die Worte, die man dabei spricht: ,,so wie ich dir entgegenspringe, dich aber nicht berühren kann, so sollen alle Feinde mich nicht zum Unheil anrühren können", haben im Kolbo (S. 33 b) eine deutlichere Fassung: wie ich dir entgegenspringe, dich aber nicht berühren kann, so mögen andere, die mir zum Unheil entgegenspringen und mir schaden wollen, es nicht vermögen mich zu schädigen oder anzurühren. Der Kizzur Sch'lo erzählt aus dem Buche Or chadasch das Erlebnis des Mord. Meiseis, der von einem Nichtjuden mit dem Tode bedroht, sich ausbat, noch vor seinem Tode beten zu dürfen. Die an sich unklare Symbolik wird dadurch behoben, daß der Vorgang als ein Anruf der Hilfe Gottes festgestellt wird. Das Ausgehen Wer sich beten stellt, gehe drei Schritte vor, dann drei Schritte zurück; wer sein Gebet schließt, gehe drei Schritte zurück, dann drei Schritte vor, so daß er das eine wie das andere Mal an die ursprüngliche Stelle zu stehen kommt7). Dies gilt vornehmlich für das Hauptgebet, dann aber auch für das Kaddisch. Begründet wird diese Vorschrift mit der schon genannten Stelle aus Ez. 1,7 w'raglehem regel jeschara, das heißt drei Füße, bezw. Schritte, die man vor dem Gebete macht und sich gerade richtet. Deutlicher wird der Sinn der Vorschrift mit bezug auf I Chr. 16,29 „Bringet ein Geschenk und kommet vor ihn" erklärt. Wenn man betet, betrachte man sich, als brächte man einem König ein Geschenk: wer vor einen König tritt, macht eilends drei Schritte vor, danach bückt er sich. Die Fortsetzung der obigen Ez.-Stelle wird für die drei Schritte nach dem Gebete verwendet. Gleichfalls im Wege des Gleichnisses der göttlichen Engel wird Ps. 68,13 ,,Die Engel der Heerscharen fliehen, fliehen" umgedeutet in jedudun behalikha — jedudun bechafaras) ,,Geleite geben beim Hingehen, Geleite geben beim Zurückgehen", dem Geleite der Engel entspricht das Ausgehen als Geleite des ,,Gebetes". Rokeach (§ 322) erklärt die drei Schnitte mit dem dreifachen Ausdruck „vajjiggasch", der für beten in Anwendung kommt; Gen. 18,23 „Abraham trat hin", Gen. 44,18 ,,Juda trat hin" und I Kön. 18,36 „Elia, der Prophet, trat hin"9). Kizzur Sch'lo (55a) spricht von den drei Scheidewänden, die die Herrlichkeit Gottes umgeben10). Am deutlichsten wird diese Symbolik durch jene Ansicht, die entsprechend dem Hintreten vor dem König von einem „sich empfehlen von dem Könige" spricht11). Daß es zur guten Sitte gehört, einem