Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SYMBOLIK DES KÖRPERS IN DEN RITUELLEN BRÄUCHEN*) Von Dr. V. Kur rein Die Symbolik ist das Mittel, das das Körperliche seiner Körperlichkeit entkleidet und in gewissem Sinne vergeistigt. Sie ist daher von jeder Religion gerne und oft benutzt worden, um eine Vergeistigung beim Gottesdienste zu erzielen und den Beter zum würdigen Diener der Gottheit zu machen. Die Betonung der Symbolik in den jüdischen Bräuchen ist ein Produkt der Zeit; die Bräuche haben die Symbolik begünstigt und die Symbolik hat Bräuche gezeitigt. Nicht die Abhängigkeit von anderen Bräuchen und anderer Symbolik soll die folgende Zusammenstellung dartun, sondern weit mehr zeigen, daß vielen Bräuchen lediglich eine symbolische Bedeutung zukommt. FÜSSE, SCHENKEL Stellung beim Gebet Der Beter nehme einen bestimmten Platz beim Beten ein, den er während der Verrichtung der Andacht nicht verlasse1). R. Chetbo vertritt diese Ansicht, im Namen R. Hunas und versichert dem, der also tut, die Hilfe Gottes. Daß das Gebet eine bestimmte „Stellung" erfordert, wird aus Gen. 19,27 „nach dem Orte, wo er gestanden hatte" abgeleitet. „Sich hinstellen" ist gleichbedeutend mitbeten", wie es Ps. 106,30 heißt „Pinehas stellte sich hin und betete"2). Der Talmud3) lehrt, man stehe beim Gebete nicht auf einem hohen Ort, sondern in der Tiefe, denn es heißt Ps. 130?1 „Aus den Tiefen rufe ich zu dir, o Herr". Man stehe daher weder auf einem Stuhl noch auf einem Schemel oder sonst einem hohen Ort, sondern niedrig, weil es vor Gott keine Erhebung gibt, wie es aus der genannten Psalmstelle und ferner Psalm 102,x hervorgeht. So ist die Sitte entstanden, die bereits Be'er heteb als ,,jetzt ist es Brauch" anführt, daß der Vorbeter nicht von dem Almemor oder der Binia aus, sondern einem tiefer gelegenen Platze sein Amt versehe4). Indes haben moderne Synagogen darauf keine Rücksicht genommen. Die würdige Stellung im Gebete erfordert, daß die Füße des Betenden geradeaus in gleicher Richtung, als wären sie eins, gerichtet seien. Diese Vorschrift beruht auf dem Vergleich mit den Engeln, von denen es Ez. 1,7 „und ihre Füße ein gerade r Fuß" heißt, was im Talmud erklärt wird, daß ihre Füße wie ein einziger Fuß erschienen. Abudraham5) verweist auf die Targum-Wiedergabe„kewanan" „gerade" und vermerkt als Müiemotechnikon, daß das Wort „tefila" im Zahlenwerte „jeschara" entspricht. Er führt auch den Standpunkt an, der verlangt, die Fersen aneinander, die Zehen von einander, weil dies dem Hufe des Kalbes entspräche, der hinten geschlossen, nach vorne aber gespreizt ist. Sonach bestehen zwei Auffassungen in bezug auf die *) Der erste Teil dieser Arbeit ist in der „Monatsschrift f. G. u. W. d. Judent." erschienen.