Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 31/32 (1929)
- Issue
- 1 (1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 MITTEILUNGEN ZUR JÜDISCHEN VOLKSKUNDE zu täuschen, aber auch die jüdische Sitte der Namensänderung in Krankheitsfällen läßt sich bei anderen Völkern reichlich belegen, zum Beispiel Klaproth, Reise in den Kaukasus, I, 1812, 197. St. John Spencer weiß davon zu erzählen in The forests of the Far East, L, 1862, 190, Z. d. V. f. Vk., 19., 203. Das Buch der Frommen (§ 245) und Moses Isseries (Jore Dea, § 335) haben die Sitte sanktioniert (vgl. auch Pirke R. hakodosch, ed. Grünhut, III, 9). V Wir wenden uns nun zu den biographischen Daten des Geistes. Folgende Einzelheiten stehen zu unserer Verfügung. Der Geist wurde in der Wüste erschlagen und seine Leiche blieb ohne Begräbnis. Die wandernde Seele war heimatlos und fand sieben Jahre lang ihre Behausung im Körper eines Hundes. Befreit vom Körper des Hundes, sucht die irrende Seele vergebens eine Zufluchtsstätte beim Grabe des Simon des Gerechten in Jerusalem, bis sie am Abtrittsorte in die Frau fuhr. Hier vereinigen sich alte und neuere Vorstellungen, primitive und entwickeltere Züge, heidnische und jüdische Gedanken. Bei Juden wie bei Nichtjuden ist die Lehre anzutreffen, daß mit dem Tode die Verbindung zwischen Seele und Körper noch nicht ganz zu Ende sei. Die alte Behausung übt immer noch eine Anziehungskraft auf die von ihr scheidende Seele aus. Nach B. Schmidt, Totengebräuohe und Gräberkultus im heutigen Griechenland, ARW., 24, 1926, 290, ist die griechische Volksansicht, daß die durch den Tod vom Körper getrennte Seele nicht sofort in das Jenseits eingeht, sondern ,,sie schweift noch eine Zeitlang auf Erden umher und hält sich besonders in der Nähe des Leichnams auf". Dieser Zustand ist von verschiedener Dauer. Man nimmt drei Tage (auf den Jonischen Inseln) oder 40 Tage an. Deshalb pflegt man 3 Tage oder 40 Tage Nahrung und eine Lampe im Sterbezimmer zu halten. Auch bei anderen Völkern tritt namentlich der 7. und der 30. Tag nach dem Tode oder der Bestattung sowie der Jahrestag des Todes hervor (vgl. Sartori, Sitte und Brauch, Leipzig, 1910, 159 f.). Es ist daher gar nicht sonderbar, wenn wir in der Aggada dieselbe Vorstellung wieder finden, wie überhaupt in den Vorstellungen und Gebräuchen in Todesfällen bei allen Völkern geradezu erstaunliche Übereinstimmungen herrschen. Uns interessieren sie insoferne, als sie ein Scherflein zur Erklärung der Aggadah liefern. R. Abba b. R. Pappi, R. Jeschuah aus Siknin im Namen des R. Levi sagen, daß die Seelen drei Tage lang über dem Körper fliegen, indem sie hoffen, in denselben zurückkehren zu dürfen (pal. Moed. katan, II, 5, Jeb. 16, 3). Der babylonische Lehrer R. Chisda weiß, daß die Seele des Menschen sieben Tage über dem Körper trauert (g. Sabb. 152 a). Die Perioden von sieben, dreißig und Jahrestagen kennt auch eine Borajta: sieben Tage lang ist das Schwert gezückt, es wird schwächer bis zum dreißigsten Tage, verliert die Schärfe, das heißt es wird in den Behälter zurückgestellt erst zum Jahrestag (Gen. r. 100, 7, vgl. b. MK., 21 a). Hier kann man eine Verwandtschaft mit den jüdischen und persischen Vorstellungen feststellen (vgl. Akten des Thomas 22, 2, Hand-